Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1911)
- Date
- 1911-04-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228976--67374-3279587- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
dringend größerer Mittel, besonders des Beitritts' neuer Mitglieder. Vorsitzende sind Professor Dr. Strelitz und Frau Julie Neumann. '' H. Berlin, 31. März. Das „Jüdische Kinderheim" in Berlin versendet soeben seinen Geschäftsbericht für das. Jahr 1910. Der Verein, der'jetzt ein eigenes Heim in der Fehrbelliner Straße. P2 bezogen hat, unterhält einen Kinderhort, den im verflossenen Jahre 818 Kinder besuchten, einen. Kindergarten, der von 499 Kindern -frequentiert war. , in der Kinderstube waren es durchschnittlich .10 Kinder injedem Monat.. Außerdem bot das Heim /43 unver« sorgten Kindern vorübergehend Unterkunft. Die Arbeit, wurde von fünf iangestellten und einer Reihe ehrenamtlich tätiger Kräfte geleistet. Während her-Sommerferien wurden gegen 110? Kinder - täglichvon -9-bis 6.Uhr hollständig verpflegt und erholten sich dabei auch .körperlich sehr gut. Die Ausgaben des Kinderheims betrugen pro .1910 10 241 Mark, die durch Mitgliederbeiträge und Spenden aufgebracht-wurden. Für den Neubau.wurden 16653 Mark gespendet. Das Vermögen des Vereins beträgt zurzeit 44 283 Mark. .Berlin, 2. April. Im „Jüdisch-liberalen Jugendverein Berlin" sprach am 27. März Rabbiner Dr. Salomonskj aus Frankfurt a. O. über das Thema: „Der .Entwicklungsgedanke als Grundgesetz des Judentums". Der Redner führte etwa folgendes aus: Die Auswärtsbewegung der Menschheit ist allgemein anerkannt Fraglich .ist nur, wer das „Vorwärts" kommandiert hat. ob die Natur und ihre. Schöpferkraft, das wollen,- oder ob die Menschen diese Förderung vollbracht haben. Auf dem Gebiete der Religion ist -sicher nachzuweisen, daß ihre Entwicklung auf hie Gedankenarbeit der Menschen zurückzuführen ist,-und zumal beim J'u den tum ist der Entwicklungsgedanke Grundgesetz- Das kann man erkennen, wenn man die. allen verständliche -Hauptschrift, die Bibel, sogar unkritisch, liest. .Schon in der typischen Persönlichkeit, eines Abraham -dokumentiert, sich der Entwicklungsgedanke. Er scheidet bewußt aus dem Heidentum aus und ringt nach einer höheren Gottesanschauung. Mose ist per eigentliche Schöpfer der Religion, der er im Dekalog und Sittengesetzen einefeste Basis gibt. Eine dritte Stufe erkennen wir in den Versuchen des bodenständigen Volkes, , die Gottesrepublik mit dem Königtum zu vertauschen. Die Monarchie hat, wenn fi# auch lange währte, niemals feste Wurzeln gefaßt. Eine neue Phaser .in/diesem Streben für die religiöse Entwicklung sehen wir in dem Kampfe^ gegen die .Priester und für die Propheten. In diesem Kampfe haben.die Propheten, die die wahre Gottesidee kündeten, dem Sieg errungen. Nach der Rückkehr aus Babylon vollzieht sich . die^ Umwandlung zur Gesetzesreligion: Ein geistiges Protokollbuch^ über 1000 Jahre jüdischen Lebens ist der Talmud, der Niederschlag; jener Zeit. . Das Mittelalter bringt nur ein starres FesthalteM -am ausgebauten Gesetz. Darum können die bedeutendsten Vertreter^ dieser Epoche, wie z. B.,.Maimonides, erst in der Gegenwart^ recht gewürdigt werden, Äruun^ihrerseits in. der glücklichen Lage' Ist, den-Entwrcklungsgedanken zu fördern und zu vollenden. Um die; messianische Idee zu verwirklichen, müssen .wir uns auf den Weg des- Internationalismus. begeben. Einkapselung in Kleinstaaterei, würde -das-Judentum -zugrunde richten. Für Liebe, .Gerechtigkeit und Menschlichkeit müssen wir eintreten. — Die von schöner Begeisterung getragenen Ausführungen des Vortragenden lösten unter den zahl^ -reich erschienenen Zuhörern recht lebhaften Beifall aus, und der Erfolg des. Vortrages ist am besten daraus zu ersehen, daß sich unter seinem; Eindruck viele neue Mitglieder meldeten, so daß der Verein jetzt/ bereits über 200 Mitglieder zählt. - - - . -- Frankfurt a. O., 2. April. Zu Beginn dieses Monats feiert Herr Eduard Abraham, Oberkantor und Lehrer der hiesigen Synagogen-Gemeinde, sein 40 jähriges Dienstjubiläum. Zur Feier .dieses seltenen Festes werden für den verehrten Mann, der sich innerhalb, der Gemeinde allgemeinster Sympathie erfreut und bei seinen/ .Berufsgenossen, berechtigtes Ansehen genießt, verschiedene Ehrungen .geplant. Außer p':^r Ordensauszeichnung, die ihm für seine Ver- * dsenste um Gotteshaus und Schule zuteil werden soll, wird der Tag * durch eine Feier in der.Synagoge festlich begangen werden. Schon jetzt laufen Gratulationen seiner - zahlreichen/ Äerehrer und früheren-Schüler ein.. Kantor Abraham, der seine Ausbildung am Berliner Lehrerseminar erhalten -hat,, steht letztem 61. Lebensjahre. Er Ist'-am-»1.9., Juni 1850-zu Krojanke als Sohn eines Kantors geboren und seinem ihm nach Absolvierung der Studienzeit über tragenen hiesigen Amte treu geblieben. Wünschen wir ihm und seiner Gattin noch ungezählte Jahre der Gesundheit und des Wohlergehens! , -; W. Posen, im Aprile In - unserer Gemeinde werden große Vorbereitungen getroffen, um den 70. Geburtstag, des Herrn Israel Friedlaender. recht feierlich zu begehen. Er wurde am 8. April 1841, 17. Nissan 5601, in Jutroschin, in dev. Provinz sposen geboren. Sein Vater war Josua Falk Friedlaender, ein bedeutender Privatgelehrter, der seinen -Kindern den Unterricht im Hebräischen, Bibel und. Talmud , erteilte und ihnen neben der. Schule bei dem Pastor .des: /Ortes- Unterricht im Lateinischen, undanderen Fächern geben ließ.. Seine Mutter war die Tochter des Rabbiners Benziän in Margonin. . Mit 14. Jahren hatte er beide Eltern verloren und ,wurde , von seinem alteren Bruder Michael, . dem kürzlich in London verstorbenen Dr. Friedlaender, dem -Rektor des Jews College, der damals in Berlin - studierte,. auch nach Berlin genommen. Er absolvierte dort seine Lehrzeit in einem bedeutenden Geschäft, ging dann nach Hamburg und. nach. Mecklenburg?Schwerin. Dann trat er in Posen. in das Geschäft von Salomon Calvary ein, heiratete dessen Schwester, die Tochter des Gelehrten Moses. Calvary. machte sich aber später, mit einem anderen Schwager unter der Firma Friedlaender L Co. selbständig. Neben seinem Geschäft, das er zur Blüte brachte, widmete er sich von.jeher, mit Eifer öffentlichen Angelegenheiten und hauptsächlich dem Wohl, der jüdischen Gemeinde. Er gehörte^ viele Jahre dem Repräsentantenkollegium, dann dem Vorstand der Synagogengemeinde an, dessen ersten Vorsitzender er jetzt ist. Außerdem gehört er dem Vorstand' der Neuen Synagogengemeinde-als erster Vorsteher an. Um das Zustandekommen des^ Neubaues der. Synagoge hat er sich in aller Stille hervorragend verdient gemacht.. Er gehört dem Kuratorium des jüdischen Kranken Hauses. (Nohrsche-Stiftung) sowie dem.Kuratorium des Israelitischen Knaben-Waisenhauses an, wirkt außerdem in vielen anderen Wohltätigkeitsinstituten. Jahrelanges/Mitglied, der Handelskammer, jetzt zweiter stellvertretender Vorsitzender derselben, ist er zugleich auch Mitglied des Eisenbahnrats. Er ist/ unermüdlich tätig und wußte seine Zeit bewundernswert.auszunutzen, .besitzt auch ein großes jüdisches Wissen und ein. ebenso großes Interesse, für alle. Zweige der weltlichen Wissenschaften. — Mit. seinen zahlreichen Freunden vereinigen wir uns in dem Wunsche, daß es ihm vergönnt sein möge, noch recht lange im Dienste des Judentums und zum Wohl unserer Gemeinde wirken zu können. - U. L. Hirschberg i. Schl., 29. März. Am. 19. d. M. feierte die hiesige Chewra-Kadischa das Fest ihres 20jährigen Bestehens. Nachmittags 4 Uhr fand in der Synagoge ein feierlicher Gottesdienst statt, der insofern für unsere Gemeinde eine besondere Feier war, als unser allgemein beliebter, seit etwa 24 Jahren bei uns amtierender Seelsorger Herr Rabbiner Dr. Biram nach langer Krankheit zum erstenmal wieder die Kanzel bestieg und in. seiner überaus zu Herzen gehenden Rede unsere. Vereinigung in ihrer Bedeutung und ihrem Wirken vortrefflich schilderte. Abends versammelte .sich ein großer Teil der Mitglieder mit ihren Frauen und der Heranwachsenden Jugend im Hotel. „Kaiserhof" .zu. einem geselligen und heiteren Male. In. den Ansprachen des Vorsitzenden Herrn Glogowski und des Ehrenmitgliedes Herrn Natan kam die Freude zum Ausdruck, daß unser Fest durch die Anwesenheit unseres Rabbiners verschönt sei, worauf dieser in ergreifenden Dankesworten erwiderte. Nach der Tafel kam die Jugend zu ihrem Rechte, und verschiedene humoristische Vorführungen vereinten bei fröhlichem Tanze die Mitglieder und Gäste bis zu den frühesten Morgenstunden. ' ML Hamburg, 30. März. Herr Julius. Lewandowsky, Direktor der Mitteldeutschen Privatbank, ein in der Hamburger Finanzwelt. hochgeschätzter Kaufmann, ist auf einer Erholungsreise plötzlich vom Tode ereilt/ worden. Der Verblichene, der nur ein Alter von 54 Jahren erreichte, war im Vorstand und .Aufsichtsrat. großer Aktiengesellschaften tätig, er nahm aber auch in. unserer Gemeinde eine , hervorragende Stellung ein- Jüdische Wohlfahrtsinstitutionen verdankten. seiner Mitwirkung ihre Entstehung und Erhaltung. 18 Jahre war er. in der Verwaltung des - jüdischen Krankenhauses -tätig, , für dessen Ausgestaltung er. seine-ganze. Krass einsetzte, auch