Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-04-07 · Heft 14 (7.4.1911) · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 14 (7.4.1911)
Date
1911-04-07
Page
Seite 166 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228961-3228976--67370-3279583
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

können, als ich an die Gegenwart; dachte. Du bist rneine gute liebe Mutter- und da wir beide unser ganzes Leben hindurch immer brav und redlich gehandelt haben, so haben wir nicht zu .fürchten, daß wir in einer anderen Welt wieder Voneinander getrennt leben müssen." ... .a Unter den Schreibern der an Heine gerichteten Briefe finden' sich berühmte Namen wie., A. de Custine, .Berlioz, .Meyerbeer, auch viele bekannte-, deutsche Schriftsteller wie Herwegh, Wienbarg und viele andere sind mit einzelnen Briefen vertreten. Diese Briefe sind nicht unwichtig wegen der außerordentlich starken Lobsprüche, die dem Adressaten zuteil werden, inhaltlich hervorragend ist eigentlich nur, der Brief Wienbargs, der die Aufforderung zur Mitarbeit an der ^Deutschen Revue" enthält. Die amüsantesten und für unsere Leser gewiß interessantesten Briefe sind gewiß die von Salomon Heine. Sie sind häufig in einer Art Depeschenstil geschrieben- und verfehlen nicht den grausamen Scherz, den Heinrich einmal mit seinem Onkel gemacht, indem er ihm sagte: „Das beste an Dir, lieber Onkel, ist, daß Du meinen Namen trägst," dem Neffen zurückzugeben. So . heißt es einmal: „An dey Mann, der gesunden, daß das beste, was an mir ist, daß ich sein Name (sie) führe." In demselben Briese, der am zweiten Weihnachtstage geschrieben, ist — Salomon Heine sagt zweiten Tag ^Jontoff" — gibt er ein Verzeichnis seines Mittagsmahles, das zur Ergötzung unserer Leser in der Schreibweise, dess' alten Herrn hier getreulich wiederholt sein mag : „Krebsersuppe, mit Rosinen theilweise in die Krebsen — das edle Ochsen. Fleisch der Hamburger — geräuchertes Fleisch — dabei Karstanien -4. noch Gemüse — Englischen Buding, mit Feuer — Fasan, zwei Stück — ein Hase, der wirklich von meine Leute ,im Garten geschossen ist. — Salat, Musgadchens halt '.'oder wird schon mehrere aufsetzen — Schampanier, Portwein, Madeira? wein und guten Rotwein, dann. wird die hohe Familie mit ihre Gegenwart das;Theater, besuchen." -De.r -Mtte erwähnt gern Heines Frau, „die Schickse" und spielt ziemlich unverblümt - auf die zu erwartende Nachkommenschaft seines Neffen an. - Außer den Briefen deutscher Korrespondenzen sind auch manche Briefe. französischer Damen. und Herren mitgeteilt, liebenswürdig gewendete, aber. oft; recht belanglose Schreiben. Wozu mußten aber diese auch - in; einer Uebersetzung mitgeteilt werden, noch'dazu einer, die nicht selten undeutsch und bisweilen voll grober Fehler ist? Die -Aussätze Heines, die zum Schluß mitgeteilt sindsind ungleichwertig. Ein bisher unbekannter Anfang der „Götter im Exil" bedeutet nicht viel, dagegen sind die „Erörterungen" (26. April 1836) über, d. h. gegen das drakonische Edikt, das seitens Preußens gegen die - Schriftsteller des sogenannten jungen Deutschland gerichtet waren, von der allergrößten Bedeutung. Diese Erörterungen, die Heine an den Redakteur der Allgemeinen Zeitung geschickt hatte, waren bisher infolge von dessen Aengstlichkeit nicht veröffentlicht. Sie dürfen wohl als das bedeutendste Stück des ganzen Bandes betrachtet werden; hier ist aber nicht der Ort, über Inhalt und Wert deS Schriftstückes genauere Mitteilungen zu machen. Die Freunde Heines werden, wenn sie auch nicht ganz die Wertschätzung teilen mögen, die die Herausgeber zum lebhaften Ausdruck bringenmancherlei Willkommenes in der neuen Publikation finden. Im Hinblick auf die Ueberzeugung, die sich immer mehr Bahn bricht, von der großen universellen Bedeutung des Dichters ift: folgendes Wort charakteristisch, das einmal von ihm gebraucht wird - „Wichtiger ist mir die Zukunft, 7 die — unter uns gesagt — ganz in meiner Hand ist." / Von Ludwig Geiger. ald lacht die Sonn' — bald bläst ein kalter Wind Durch öde Fluren, die nach Licht.sich sehnen, Natur beherrscht des Winters Schlaf — ein Kind, Noch ungeschickt die Gliederchen zu dehnen; Dem Jubelschrei folgt rasch die bange Trauer, Die junge Saat zerstört ein Hagelschauer. 's ist ja April. Und da im Westen bläht sich Freiheitsmacht, Herrscht Barbarei und Knute frech im Osten; Ballt hier sich schlimmer Zeiten dunkle Nacht, Steht dort der Zukunft Engel auf dem Posten. In unserm Vaterland ein tatlos Ringen, Durch schwarz Gewölk strebt Morgenrot zu dringen, 's ist ja April. Im'Geistesleben rings ein reiches Blüh'n, Und doch gestört von -Willkür oft und Tücke. . Aus lichten Höh'n die finstern Mächte zieh'n Den flüggen Geist in Grabestief' zurücke. . -Dicht neben Heller Wahrheit Glanzgesunkel Der.Häßlichkeit und Lüge grauses Dunkel, 's ist ja April. , Zerklüftet streitet unsres Glaubens Schar. Die einen' krampfhaft fest am Alten hängen. Das Neue scheint den andern wert und. wahr, Harmonisch mit dem Alten sich zu mengen. . Um Deutschland wirbt des Sehnens frohes Bangen, Nach Zion tragen Trauernde Verlangen. 's ist ja April. Geduld, Geduld! Der Frühling naht mit Macht, Gebt Raum der Freude,-laßt unmännlich Trauern. | 'Der Blumen Flor erschließt, sich über Nacht, Es bricht her Geist sich Bahn durch Ungeists Schauern. | Die Freiheit sprengt auch riesenstarke Ketten, Des Glaubens Reinheit wird der Glaube rettem Es kommt der Mai.- -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.