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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Sachs ist der Ansicht, daß das Gebäude,erst eine Synagoge,ist/ nachdem die feierliche Einweihung vollzogen ist.' Deshakb hätte die Gemeindeverwaltung gar keine Veranlässung, sich darum zu kimuNerm < ob an den Feiertagen am. Bau gearbeitet.werde. Herr Architekt Kuznitzky, der die Streichung der Entschädigungssumme beantragt! hatte, zog diesen Antrag nach Abschluß der .Diskussion, zurück, dadie Summe ja bereits verausgabt worden ist. Mit der Bewilligung von 1000 Mark an den V erein für Statisti k d er Juden, von 2500 Mark an die deutsche Zentrale für jüdische Wanderarmenfürsorge Und mit dev vom Gemeindevorstand beantragten Erhöhung des Kapitals öer Michael. Holzman-Stiftung um 5OO0 Mark schloß die öffentliche Sitzung, der eine kurze geheime Sitzung folgte. *** Berlin, 28. März. In seiner zweiten, im Gotteshause der Jüdischen Reform gemeinde. Johannisstri .16. gehaltenen Rede behandelte Prediger Dr. Lev in die Entwicklung des .nachbiblischen Judentums bis zur Gegenwart. Er würdigte Las Wesen'und die Bedeutung des Talmudismus und wies zugleich die Fäden, die zur Reform überleiteten. Nach einer Unterscheidung von Glaubenslehre, Hittengesetz, Zeremonialgesetz bezeichnete er den Bund Gottes mit; Israel auf Grund des Dekalogs als das Wesentlichste des Judentums' Der Sabbat, der in den Synagogen begangen wird, bleibe trotz .des Sonntagsgottesdienstes auch für die Reform bestehen, da sie der! Hesamtgenreinde angehöre. Auch dre' Feste und insbesondere die f Honfirmationsfeier bildeten ein starkes Band.um die Gemeinde. In allen ihren Institutionen zeige sich der Ausgleich zwischen Lehre und ^eben. In dem am Sonntag den 2. April vormittags Ilfl/z Uhr .stattfindenden Schlußvortrage wird Herr Dr. Lev in das interessante : Mema „Die Gestaltung des Gottesdienstes in der Reform" behandeln-; Jedermann hat Zutritt. j =.Bertt«, 27. März. Der Verein zur Pflege hebräischer Musik veranstaltete am 22. d. M. unter Leitung seines Dirigenten, .Herrn Kapellmeisters Ä. Kellermann, ein Konzert rm Blüthnersaal. Diesen alljährlich stattfindenden Konzerten liegt ein sicherlich ausgezeichneter Zweck zugrunde, nämlich in gewissen Zeitabständen die Prpbe auf das Exempel zu machen, inwieweit die musikalische Liturgie des jüdischen Gottesdienstes einer.Fortentwicklung fähig sei. Run konnte freilich auch das letzte Konzert noch nicht deN Beweis erbringen, daß der große einheitliche musikalische Stil der Synagoge bereits gefunden sei (ob er dies überhaupt einmal wird?!), aber gute gesunde Ansätze dazu sind sicherlich vorhanden, Ansätze, die da zeigen, nach welcher Richtung hin man bestrebt sein müsse, diesen Stil zu finden. 'Und bei dieser Gelegenheit möchte ich unter den uns vorgeführten Stücken nicht zuletzt jene von Lewandowski (ki keschimclxo) und Kellermann (Ättoh jozarto) genannt wissen. Namentlich dieses letztgenannte birgt in sich eine Menge Schönheiten, wenn ich mich auch nicht recht zu der neuen orientalischen Kontrapunktik bekennen mag. Denn, so gut sie gemeint ist, sie führt doch immer in die Nähe der.kirchlichen Kontrapunktik; und was wir wollenj ist doch sicherlich: original zu sein! Hört inan das äußerst reizvolle Stück, das sephardische „Kol JTaclre“, so Möchte es fast scheinen, als ob es mit dem einheitlichen musikalischen Stil bei den südländischen Juden besser bestellt sei wie bei uns. Ein Teil des Reizes dürfte aber von der feinsinnigen Harmonisierung dieses Stückes durch den- Konzertgeber herrühren/ Hält man dazu noch den Psalm 29 (nach Basewi) dem gegenüber, der aus italienischem, also wohl auch spaniolischem Gebiet staMmh so gelangt man zu der Ansicht, daß es auch hier mit der Einheitlichkeit nicht sonderlich bestellt ist. Das ist wohlklingende, an die Oper erinnernde italienische Musik, nichts weiter, und höchstens imstande zu zeigen, wie man es nicht machen soll. Auch solche Stücke gehören mit Recht in das Programm eines derartigen Abends, wie denn überhaupt Kellermann in der Zusammenstellung des Ganzen und den Bearbeitungen der einzelnen Nummern sich wiederum durchaus als der geschmackvolle, über der Sache stehende Musiker erwiesen hat. Unterstützt wurde er datier von einem gut geschulten stimmbegabten Chor sowie von zum Teil in Berlin bereits seit langem wohl anerkannten Solisten, wie - neben dem Tenor des Herrn Wilhelm Klein von Frau Sophie Heymann-'Engel und der Geigerin Betty Tennenbaum. An der Argel waltete seines gar nicht leichten Amtes Herr^Prof. H. Decker in anerkennenswertester Weise.' 8. Berlin, 24. Mürz. Das Abkommen zwischen der 'hiesigen s jüdischen Gemeinde, der Deutschen Konferenzgemeinschaft' der Lllianös IsiiaMs MiVerZetle und - dem Hilfsverein der Deutschen Juden betreffend die Einrichtung einer gemeinschaftlichen Abfertigungsstelle i für':russisthe^Mrs» -.mch Rückwanderers läuft zu Beginn des nächsten Monats ab. ^Die Deutsche Konferenzgemeinschaft der Alliance ^hqt unter dem 30. Januar erklärt, daß sie vom f. 'Apris'"'än"'Ere'Beteiligung an der Abfertigungsstelle nicht mehr aufrechterhalten könne- Infolgedessen hat auch der Hilfsverein der Deutschen Jude» das Abkommen zum 1. April gekündigt-unter gleichzeitiger Mitteilung, daß er selbstverständlich jederzeit gern bereit sei, falls es notwendig sein sollte, zusammen mit der jüdischen Gemeinde zum Besten der russischen Glaubensgenossen tätig zu sein. Von dem erwähnten Termin an wird infolge der Auflösung der gemeinschaftlichen Abfertigungsstelle die gesamte Abfertigung der hilfsbedürftigen, israelitischen Durchwänderer einschließlich der russischen, sofern es sich nicht um die Auswanderung nach Uebersee handelt, wiederum der hiesigen Durchreisendön-KoMmissiott obliegen. Die hierfür erforderlichen Mittel werden voraussichtlich den im Gemeinde-Etat an gesetzten Betrag überschreiten. ' .. L. Hohensalzn, 26. März. Eine erhebende Feier fand gestern in der hiesigen Beth-HaMidrasch-Shnagoge statt. Herr Rabbiner Dr. Binetter, der, wie bereits berichtet, nach Breslau berufen worden ist, verabschiedete sich von seinem hiesigen Wirkungskreise. Das Vetlokal konnte die Anzahl der Besucher kaum fassen, so daß die Leitung gezwungen war/einen Teil der Erschienenen, Raummangels wegen, zurückzuweisen. Unmittelbar nach dem Mittchah-Gebet betrat Herr Rabbiner Dr. Binetter die Kanzel, und in meisterhaft oratorifcher 'Vollendung entwarf er einen Rückblick auf seine Tätigkeit an dieser Stelle. Nach einer geistvollen Auslegung halachischen Stoffes, nahm er geradezu rührenden Abschied von seiner Gemeinde. Die Andächtigen, unter denen sich Mitglieder des Vorstandes * wie der Repräsentanten der Synagogengemeinde befanden, folgten sichtlich ergriffen den Worten des Geistlichen. Wie uns berichtet wird, beabsichtigen auch .diejenigen Gemeindemitglieder, welche der Beth- Hamidr'asch-Vereinigung fernstehen, "dem Herrn Dr. Binetter vor seinem Wegzuge als Ausdruck ihres'Dankes für seine belehrenden Vorträge eine besondere Ovation zu ' bringen. Möge es' der Beth- Hamidrasch-Gemeinde recht bald gelingen, die gerade hierorts fühlbar gewordene Lücke durch Bestellung eines würdigen. Nachfolgers auszufüllen. *** Kolberg, im März. Der kürzlich erschienene 36. Jahresbericht des jüdischen KUrhospitals in Kolberg bietet Gönnern und Freunden einen sehr interessanten Ueberblick über seine segensreiche Wirksamkeit im abgelaufenen Geschäftsjahre. Aus dem reichhaltigen Inhalt lassen wir hier die wesentlichsten Punkte aus dem Verwaltungsberichte folgen. Infolge der Einrichtung einer Herbstkurperiode war die Anstalt im' Berichtsjahre 21 Wochen (gegen 18 in den Vorjahren), und zwar vom 23. Mai bis 16. Oktober in Betrieb. Von den 1234 Personen, welche' sich UM Aufnahme in die Anstalt beworben hatten, wurden nach eingehender Prüfung 574 ausgenommen, wovon aber nur 504, und zwar 204~ männlichen und 300 weiblichen Geschlechts, darunter 279 Kinder, wirklich in die Anstalt eingetreten sind. Davon waren 346 in Freistellen verpflegt, 158 zahlten dagegen einen größeren oder geringeren Teil der Selbstkosten, nämlich 30 bis 60 Mark, für vier Wochen als Verpflegungsentschädigung. Im ganzen wurden im Berichtsjahre infolge der verlängerten Betriebszelt 50 Personen mehr verpflegt als in den Vorjahren. „Wir können mit Genugtuung feststellen, daß wir trotz der nassen Sommermonate aus die Kurerfolge unserer Pfleglinge mit Befriedigung zurückblicken dürfen, da nach dem Berichte unseres Arztes 225 als „geheilt", 270 als „gebessert" und nur 9 Personen „ohne Erfolg" in die Heimat entlassen wurden. In unserer Solbade-Anstalt die über eine mehr als 5 % starke Solquelle verfügt, wurden im ganzen 9723 unentgeltlich abgegeben. Zum Pflegedienst in unserem Hause wurden uns wiederum wie seither in den Vorjahren vom Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin zwei Schwestern, und zwar Schwester Hermine Cohn und Schwester Sabine Friedmann überwiesen, wofür wir dem' Vereinsvorstande herzlich danken. ..In unsere' Verwaltung ist. seit dem 1. April v. I/

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