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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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,75. Jahrgang Nr. 13 Der Berlin, ZI. März 1911 Vetlsge zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums". Oorrelyonden?m und Kachrichten, Deutschland. 8. Berlin, 26. März. Zur heutigen Repräsentanten-Versammlung lag geschäftlich nur die Mitteilung des Charlottenburger Gemeindevereins vor, der verschiedene Zweige der Verwaltung für Charlottenburg abgetrennt wissen möchte und in ausführlicher Darstellung dre Richtlinien dafür gibt. — Die Interpellation Lewinsky, die Veranlagung zu den Gemeindesteuern insofern zu ändern, daß nicht, wie bisher, eine gleichmäßige Besteuerung erfolgt, sondern durch einen prozentualen Zuschlag zu den Staatssteuern mit der darin enthaltenen Progression für höhere Einkommen, befindet sich noch im Stadium der Vorberatung in einer gemischten Kommission und konnte deshalb heute noch nicht die vom Interpellanten gewünschte Beantwortung finden. — Der Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffs versuchsweiser Einrichtung eines Predigtgottesdienstes am ersten Freitagabend der Wintermonate hat inzwischen die Kommissionsberatung verlassen und steht heute zu erneuter Verhandlung. Obwohl sich die Vertreter beider Parteien bereits in der vorigen Sitzung eingehend zu dem Antrag geäußert hatten, setzte heute nochmals eine längere Diskussion ein. Der Referent, Herr Emil Pincus, berichtete, daß der Ausschuß einstimmig die Annahme des Antrages empfohlen hat. Die Idee des Predigtgottesdienstes in der Synagoge Lindenstraße um 8% Uhr abends, und zwar nur imTurnus von vier Wochen in denWintermonaten ist dort als eine außerordentlich glückliche bezeichnet worden. Der Predigt soll eine kurze liturgische Andacht vorangehen. Der Gemeindevorstand hat durch seinen Delegierten, erklären lassen, daß er sich gezwungen .sehe, ein schriftliches». Gutachten aller Rabbiner einzuholen. Herr Geheimrat Blumenthal stellte richtig, daß er sich in der Kommission der Abstimmung enthalten hat. Er ist der Ansicht, daß die gewählte Zeit sehr unzweckmäßig sei und die geplante Einrichtung nur dazu dienen könne, die schöne Freitag-Abendfeier zu zerstören. Herr Aron Hirsch erklärt sich dagegen mit der beantragten Maßnahme einverstanden, da es sich hier um eine Institution handelt, die dem Judentum eine Anzahl junger Leute näher bringen kann. Er möchte allerdings für diese Feier den Namen Gottesdienst nicht angewendet wissen, weil die uns überkommenen Gebete sämtlich an eine bestimmte Zeit gebunden sind. Herr Oskar Tietz ist im Gegensatz zu Geheimrat Blumenthal nicht der Meinung, daß die jungen Leute nach 8 Uhr zu erschöpft wären, um noch einen kurzen Gottesdienst besuchen zu können. Er bittet, in keinem Falle den Anregungen des Herrn Hirsch Folge zu geben, da mit dem Augenblick, wo das Wort Gottesdienst fallen würde, die jungen Leute fortbleiben würden. Herr Professor Blaschte vertritt die Meinung, daß schon die Synagoge, in der die Feier geplant sei, eine gottes» dienstliche Veranstaltung gebieterischfordere. Der Gottesdienst sollte mit dem Sabbatpsalm beginnen, daran könnte sich das Schmahgebet schließen, daran der Kiddusch und das Schlußgebet. An das Schlußgebet muß sich noch das Kaddischgebet anreihen. Er glaubt nicht, daß die Majorität der Versammlung davon abgehen werde, der Veranstaltung den Charakter eines Gottesdienstes zu geben. Herr Justizrat Dr. Cohn wiederholt heute nochmals, daß er die Institution für zwecklos halte, wenn sie aber eingeführt werde, so dürfe ihr der gottesdienstliche Charakter nicht genommen werden. Er weist noch darauf hin, daß sich mehrere Vereine hier damit beschäftigen, den jungen Leuten, ohne parteipolitisch zu wirken, Kenntnis des Judentums beizubringen. Insbesondere erwähnt er hier den Verein Montefiore und die jüdischen Jugendvereine. Danach wurde der Antrag des Ausschusses mit sehr großer Mehrheit angenommen. — Zur Kenntnis gelangt dann die Antwort , des Gemeindevorstandes auf Resolutionen, und Initiativanträge der Repräsentantenversammlung pro 1910. Hierbei bedauert der Vorsitzende Herr Louis Sachs besonders, daß der Antrag auf Errichtung einer Krankenkasse für die Gemeindebeamten noch nicht erledigt ist. — In die Fürsorgekommission wurde Herr Sanitätsrat Dr. Margoniner, in den Vorstand der Neuen Synagoge Herr Emil Cohn, in die Bibliothek-Kommission Herr Geheimrat Geiger gewählt. Nach kurzer Diskussion wurde die Einsetzung einer ständigen Synagogen-Baukommission beschlossen, die aus zwei Äeltesten, vier Repräsentanten und neun Gemeindemitgliedern bestehen soll. Die Verwaltungskommission soll ihr besonderes Augenmerk darauf richten, daß unsere Gotteshäuser auf freien Plätzen erbaut werden sollen, in gleicher Weise wie die Gotteshäuser der Landesreligion. Herr Architekt Kuznitzky regt an, in diese Baukommission auch Mitglieder aus' den Vororten hinein zu wählen. Ter Rechnungsabschluß der Gemein dehauptkasse Pro 1909/1910 wurde dechargiert und die Mehrausgaben im Betrage von 29 243 Mark nachbewilligt. Die etatmäßigen Einnahmen betrugen 2 957 787 Mark, denen an Ausgaben 2 744 000 Mark gegenüberstehen, wodurch sich ein Ueberschuß von zirka 112000 Mark ergibt. Es wurden verausgabt zirka 40 % für gottesdienstliche Veranstaltungen, 25 % für Beerdigungszwecke, 20 % für Wohltätigkeitsanstalten, 11 % für Verwaltungsrosten und 4 % für diverse Zwecke. Sowohl der Referent Herr Lewinsky wie Herr Aron Hirsch anerkennen mit bestem Danke die umfangreichen und glänzenden Leistungen des Gemeindevorstandes. Herr Hirsch regt noch, wie bereits vor Jahren, an, eine ständige Revisionskommission aus bezahlten Beamten einzüsetzen, oder aber die Prüfung der gesamten Abschlüsse der Treuhand-Gesellschaft zu übergeben. Herr. Kommissar Ba d t gibt zu, daß es in Zukunft notwendig sein wird, bei der Ausdehnung der Verwaltung besondere Beamte für die Kassenprüfung anzustellen. Auf Anfrage des Herrn Emil Pincus Erwidert er, daß infolge' des neuen Steuerbring-Shstems die Eingänge wesentlich besser geworden sind, als sie jemals waren. Gegenüber einer dahingehenden Bemerkung des Herrn Siegfried Sachs wird vom Vorstandstische aus bestritten, daß noch sehr viele Glaubensgenossen sich von der Steuerzahlung drücken. Besonders von Herrn Justizrat Dr. Cohn wird darauf hingewiesen, daß es zu den Pflichten der Gemeindemitglieder gehören müsse, derartige Fälle der Gemeindeverwaltung zu melden. Zu einer längeren Diskussion kam es noch bei der Bewilligung von Ausgaben für den Bau der Synagoge Fasanenstraße. Hier ist bereits beim Rohbau die nicht allzu kleine Ueberschreitung der veranschlagten Summe um 96 784 Mark eingetreten. Der Referent Herr Kuznitzky rügt jedoch besonders, daß 2312 Mark als Entschädigung der Arbeiter gefordert werden, die am Neujahrs- und Versöhnungsfest feiern mußten. Er hält es für ganz selbstverständlich, daß eine jüdische Gemeindeverwaltung einen Passus in den Bauvertrag aufnehmen muß, wonach an den drei hohen Festtagen nicht gearbeitet wird. Herr Kommissar Geheimrat Landsberg gesteht zu, daß ein solcher Passus in den Bauverträgen der hiesigen Gemeinde bisher nicht gestanden hat. Im übrigen sei jedem Sonnabend billig, was dem Neujahrs- und Versöhnungsfest recht sei. Den Arbeitern könnten nicht Sonnabend und Sonntag als Festtage vorgeschrieben werden. Wenn die Gemeindebehörden so beschließen sollten, müßten sie in Zukunft wesentlich höhere Einheitspreise zahlen. Der Dezernent sagt jedoch zu. daß die Bedingung für die drei hohen Feiertage in Zukunft in die Verträge ausgenommen werden soll. Herr Justizrat Cohn findet es ganz selbstverständlich, daß mindestens an den drei hohen Feiertagen nicht gebaut werden darf. Es würde einen unglaublichen Eindruck auf die Gemeindemitglieder machen, wenn sie erfahren würden, daß die Gemeindebehörden auf dem Standpunkt stehen, daß am Sabbat und den Feiertagen gearbeitet werden solle. Dieselbe Ansicht vertreten auch Direktor Dr. Minden und Geheimrat Blumenthal. Herr Prof. Blaschke will dagegen nicht zweierlei Maß aufkommen lassen. Er konzediert der jüdischen Gemeinde genau dasselbe wie einem jüdischen Privatmann. Herr Louis

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