Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1911)
- Date
- 1911-03-31
- Page
- Seite 149 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Erfindern fehlte es auch ihm: an dem nötigen Geld, um systematisch Weiterarbeiten zu können, ja, er hatte nicht , einmal Geld genug, um sogleich ein-, amerikanisches Patent anmelden zu können. Er mußte sich zunächst mit .der billigeren Geheimdeponierung seiner Erfindung bei dem, amerikanischen Patentamte begnügen. Niemand hatte Vertrauen zu seinem Erfindergenie-. und selbstsein bester, .Freund, der heute noch , in Washington lebt, hatte so viel Zuversicht,, um einen Betrag von sage und schreibe 100 Dollar; zu wagen, für die Emil Berliner ihm den halben Anteil an seiner neuen Erfindung - verkaufen ' wollte. Auch die Examinatoren im amerikanischen Patentamte konnten lange Zeit hindurch die neue Idee Emil Berliners nicht begreifen. Es wurde ihm die Frage vorgelegt, ob er beispielsweise eine Ofentüre benutzen könne, um dagegen zu sprechen, wenn auf der anderen Seite ein Draht lose gegen die Ofentüre gehalten würde und dann ein elektrischer Strom durch Ofentür und Draht geleitet würde. - Emil Berliner antwortete einfach: „Das muß unter allen Umständen so gehen, wenn ich es auch vielleicht mit meinen jetzigen Hilfsmitteln nicht beweisen kann." Aber Sterne, wie Edison und Bell, stellten alles andere in den Schatten, und selbst die eigenen Verwandten Emil Berliners in Deutschland hatten nicht den Mut, in Europa Patente auf die Erfindung Emil Berliners zu erwerben oder auch nur, die Erfindung zu veröffentlichen, um hierdurch Emil Berliner wenigstens die Priorität anderen Erfindern gegenüber zu wahren. Zum Glück für Emil Berliner entstand zu jener Zeit ein Patentprozeß zwischen der ^estern- Cnion-Telegraph-Company als. Besitzerin der Edisonschen Patente auf Sprechtelegraphen und der Bell- Telephon-Cornpany als Besitzerin der Patente auf das Bellsche Telephon. In diesem Patentstreit hatte ein Advokat der Bell-Telephon*Company herausgefunden, daß Patentanmeldungen von Emil Berliner Vorlagen, die den Patentanmeldungen Edisons gegenüber die Priorität hatten. Es kam nun bald zwischen Emil Berliner und der Bell-lelexbon- ’Company ein Abkommen zustande, nach dem Emil Berliner als Elektriker in'-die Dienste der Bell-Telephon-Company eintrat, und diese Gesellschaft es übernahm, seine Patente gegenüber den konkurrierenden Patenten Edisons vor dem amerikanischen Patentamte zu verfechten. Nunmehr hatte Emil Berliner Gelegenheit und Mittel, seine Ideen in die Tat umzusetzen, und die Folgen waren die zu jener Zeit berühmten Mikrophonkonstruktionen, die der Bell - Telephon - Company mit einem Schlage vor allen Konkurrenten den Vorrang gaben, und welche den Ruf und Bestand dieser Gesellschaft für Jahrzehnte hinaus sicherten. Als zu jener Zeit Professor Bell an seinem sogenannten Photophon arbeitete, einem Apparat, um mittels Lichtstrahlen unter Benutzung einer Selenzelle zu sprechen, konstruierte Emil Berliner ebenfalls einen, sogenannten Photophontransmitter unter Benutzung eines Bunsenbrenners in Verbindung mit einem Platindraht, 145». -- . der in Weißglut geriet, sobald gegen die Flamme des Bunsenbrennersgesprochen-Mrde. Es ist hier bereits der Anfang, der in allerjüngster Zeit mehr in den Vordergrund getretenen drahtlosen Telephonie, zu konstatieren. Eine . weitere Verbesserung auf telephonischem Gebiete erzielte Emil Berliner durch seine in den Jahren 1885 und 1886 gemachte Verbesserung des Kohlenkörnermikrophons. Der auf diesem Prinzips beruhende sogenannte Berlinersche Universaltransmitter, der im Jahre 1886 durch die derzeitige Telephonfabrik I. Berliner in. Hannover an den Markt gebracht wurde, ermöglichte es erst, aus weitere Entfernungen zu telephonieren. Insofern war der Universaltransmitter überhaupt epochemachend für die interurbane Telephonie, die er lange Jahre hindurch beherrschte. Auch heute noch nach mehr als.23 Jahren weicht die Konstruktion des Universaltransmitters nicht wesentlich ab von der ursprünglichen Form, wie der Transmitter im Jahre 1886 zuerst praktisch benutzt wurde. Die Studien auf dem Gebiete der Schallwellen, die Emil Berliner während dieser ganzen Zeit in intensivster Weise getrieben hatte, führten ihn nunmehr auf das Gebiet der mechanischen Sprechmaschinen, wie solche zuerst in dem mit Stanniolpapier arbeitenden Phonographen von Edison vorgeführt worden waren. Bekanntlich funktionierte der erste Phonograph von Edison mit Stanniolwalze, da durch, daß eine an einer Tierhaut Membrane befestigte spitze Nadel in die Stanniolwalze mehr oder weniger tiefe Löcher eingrub, die mit Schallwellen korrespondierten, die wiederum auf die Tierhautmembrane einwirkten. Wenn alsdann später die Nadel vor dem perforierten Stanniol wieder vorbeigeführt wurde, so geriet die Membrane in Bewegung und gab die vorher in den Phonographen hineingesprochenen Töne wieder. In spä, teren Jahren wurde von C. H. Bell und Tainter das sogenannte Graphophon erfunden, das einen Edisonschen Phonographen. darstellt,, bei dem die Stanniolwalze durch eine .Wachswalze ersetzt war. Anstatt der Nadelspitze war an der Membrane ein kleines, im Winkel geschliffenes Messer angebracht, das entsprechend der Vibriation der Membrane mehr oder weniger tiefe Einschnitte in die Wachswalze machen konnte. Diese Einschnitte entsprachen genau den Schallwellen, die auf die Membrane eingewirkt hatten, und dieselben Schallwellen wurden wieder hervorgebracht, sobald eine mit einem Wiedergabestift versehene Membrane vor den mehr oder weniger tiefen Einschnitten der Wachswalze vorbeigeführt wurde. Bei der Konstruktion dieser Graphophone konnte aber nur eine bestimmte Lautstärke der Wiedergabe erzielt werden denn je tiefer sich da.s Messer bei der Aufnahme in den . Wachszylinder eingraben mußte, um so mehr wuchs der Widerstand, den das Wachs dem Messer entgegensetzte, und so konnten die Schallwellen auch nur entsprechend weniger ihre Kraft beim Einschneiden des Messers in die Wachswalze-ausnutzen. Emil Berliner dachte nunmehr darüber nach, wie ein & Berliner.