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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-03-31 · Heft 13 (31.3.1911) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 13 (31.3.1911)
Date
1911-03-31
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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Seit langer Zeit befindet sich die Gegend von Debdu im Zustand vollkommener Anarchie. Unsere Glaubensgenossen haben unter den Nachwirkungen der zwischen den benachbarten Stämmen stattfindenden Kämpfe zu leiden. Vor einiger Zeit wurde ein Europäer auf dem Wege nach Debdu, wo er einen Israeliten besuchen wollte, von einem der benachbarten Stämme ermordet. Der . arabische Häuptling,, der ihn begleitete, wurde ebenfalls getötet. Der Tod des eingeborenen sehr einflußreichen Häuptlings bedeutete die Einleitung von Feindseligkeiten gegen die Israeliten. Die Anhänger des Häuptlings eröffneten in Debdu selbst den Kampf. Vier Israeliten, darunter zwei Frauen wurden im Gewühl getötet, zwanzig Häuser ausgeraubt und eingeäschert. Das israelitische Viertel blieb acht Tage lang ge- , schlossen. Bei dem eingetretenen Wassermangel stillten^die Bewohner ihren Durst mit. frischgesallenem Schnee. Daß Frauen und Kinder Belästigungen seitens der Muselmanen zu erdulden hatten, ist selbstverständlich. Das Zentralkomitee hat sich telegraphisch an die französische Eesandschaft in Marokko gewendet mit der Bitte, sich für den Schutz . unserer Glaubensgenossen zu verwenden. Ferner nahm das Zentrale- Komitee Anlaß, mit dem seinerzeit in Paris weilenden marokkanischen Minister des Aeußeren El Mokri von der Lage der Israeliten in Marokko, und namentlich von den Zwischenfällen in Debdu, zu sprechen. Der Minister gab die Zusicherung, daß er die Aufmerksamkeit der marokkanischen Regierung auf diese bedauerlichen Vorfälle lenken und das Mögliche aufbieten würde, daß den Juden in Debdu Gerechtigkeit widerfahre. && Juden als Lrknder und Lntdecker." Von Dr. Max Grunwalk Emil Berliner, der Erfinder des Grammophons und des „Berliners". 1 , "T mit Berliner?) wurde am 20. Mai 1851 in Hanno^r geboren. Er erhielt seine Ausbildung hauptsächlich an der Samsonschule in Wolfenbüttelb) und trat im Jahre 18H5 als Lehrling in das Modewarengeschäft von Joseph Wehrend in Hannover ein. Seine ursprüngliche Absicht, Mechaniker zu werden, wofür er eine besondere Vorliebe hatte, konnte er nicht ausführen, da sich in Hannover keine Werkstatt fand, die ihm am Samstag und an jüdischen Feiertagen frei geben wollte. In dem genannten Modewarengeschäft verblieb Emil Berliner bis April 1870. Er wanderte nach Amerika aus, um zunächst in dem Geschäfte einer befreundeten Familie in Washington, D. C., als Kommis Aufnahme zu finden. Nach einigen Jahren übernahm er verschiedene Reiseposten, um sich in Amerika umzusehen. Er reiste kreuz und quer in Süd und ' Nord, wodurch sein Gesichtskreis bedeutend erweitert wurde. h. Vergl. „Allgemeine Zeitung des Judentums" Jahrg. 12 Nr. 36. 2) Nach schriftlicher Mitteilung des Herrn Generaldirektors Josef Berliner in Hannover und seinem Vortrage über das „Auxetophon" vom 2. August 1907 („Deutsche Mechaniker-Zeitung" 1907, Heft 23 und 24). 3) Hrn Schüler-Album der Samsonschule ist über Emil Berliner folgendes eingetragen.- „Emil. (Henoch) Berliner, Halbpensionär, aus Hannover, geboren den 20. Mai 1851,. ausgenommen in die Samsonschule am ,8. Oktober 1861. entlassen am 19. September 1865. — Hat gute Anlagen und Talente, ist fleißig und im Betragen tadelfrei. — Wollte Buchdrucker werden, hat sich aber dem Kaufmannsstande zugewendet, kommt zu Josef Behrens in Hannover. Ist 1870 nach Amerika gegangen." Diese Notizen stammen von dem Direktor Dr. Philipp Ehrenberg. — Von mir ist folgendes nachgetragen worden: „Ist Elektrotechniker geworden. Erfinder des Grammophon." (Freundliche Mitteilung des Herrn Direktor Tachau.) Zu jener Zeit in dem jugendlichen Alter von 23 Jahren regte sich in ihm bereits sein Erfindungsgeist. Seineerste Erfindung war eine neue.und eigenartige Befestigung von Schlipsen an Kragenknöpfen, die er patentiert erhielt. Weiterhin arbeitete er eine Zeitlang in dem chemischen Laboratorium des Herrn Dr. Fahlberg in New Hork, dem später berühmt gewordenen Erfinder des Saccharins, speziell an Zucker- Analysen. Eine außergewöhnliche Anregung erhielt Emil Berliner durch die Erfindung des Magnettelephons durch Alexander Graham Bell im Jahre 1876. In den ersten Jahren war die praktische Ausbeutung dieser Erfindung lediglich auf kurze Entfernungen beschränkt, entsprechend den verhältnismäßig nur schwachen elektrischen Strömen, die durch die Vibration der Eisenmembrane vor den Magnatspulen des Telephonmagnets erzeugt werden konnten. Das Bestreben Emil Berliners war nunmehr darauf gerichtet, einerseits das Bellsche Telephon durch Hinzufügung additioneller elektrischer Kraft für weitere Entfernungen nutzbar zu machen und anderseits einen Sprechapparat zu schaffen, der überhaupt von dem Bellschen Patent unabhängig war. Schon damals war Emil Berliner ein eifriger Besucher des Smithsonian Instituts in Washington: Er verkehrte freundschaftlich mit einem Telegraphenbeamten der Marine-Signal-Station in Washington, mit dem er Gelegen» heit hatte, sich über die Wirkungen elektrischer Ströme auf die Telegraphenapparate der verschiedenen Konstruktionen eingehend zu unterhalten. Bei einer solchen Unterhaltung erwähnte der Telegraphenbeamte beiläufig, daß es beim Telegraphieren nötig sei, den Hebel der Morsetaster fest auf den unteren Kontakt herunterzudrücken, bei einem nur losen Drücken ginge nicht genügend Strom über den Kontakt, wodurch dann beim Empfangsapparat der Anker de'F Elektromagneten nicht betätigt würde. Aus diesem Grunde eigneten sich weibliche Personen weniger gut für den Telegraphendienst, da sie eben den Taster nicht genügend fest auf den unteren Kontakt zu drücken pflegten. Wie ein Blitz durchschoß bei der Erklärung dieses jedem Telegraphisten geläufigen Vorkommnisses die Idee das Gehirn Emil Berliners, daß in diesem Vorgänge die Grundlage für die Konstruktion eines neuartigen Telephons gegeben sei. Er erkannte sofort die ungeheure Bedeutung des sogenannten losen Kontaktes. Ganz logisch folgerte er, daß beim geringeren oder stärkeren Zusammenpressen von zwei Elektroden, die in dem Stromkreise einer galvanischen Batterie eingeschloffen sind, ein schwächerer oder stärkerer elektrischer Strom den erwähnten losen Kontakt passiert. Er folgerte weiter, daß dieses losere oder stärkere Zusammenpreffen der genannten Elektroden auch gerade so gut durch Schallwellen verursacht werden könnte wie durch das Ausdrücken der Hand auf den Hebel des Morsetasters. Schließlich folgerte er, daß ein Passieren der durch die Schallwellen an einem losen Kontakte hervorgebrachten schwächeren oder stärkeren elektrischen Strome durch die Elektromagnete eines Bellschen Telephons, die Wirkung hervorbringen müsse, daß entsprechend den. stärkeren und schwächeren elektrischen Strömen auch die Eisenmembrane stärker oder schwächer angezogen werden, und zwar auf dieselbe Weise wie diese Membrane bis dahin durch die von dem Bellschen Telephon, selbst hervorgebrachte Stromschwankung angezogen würde. Eine weitere, nicht zur praktischen Einführung gelangte Ausarbeitung - dieses neuen Prinzipes als Hörtelephon kann als unwesentlich heute übergangen werden. Unter unsäglichen Mühen gelang es nunmehr Emil Berliner, in denkbar primitiver Form Apparate zu schaffen, in denen seine Idee verkörpert war. Und diese primitiven Apparate tatsächlich zum Funktionieren zu bringen. Aber wie so vielen

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