Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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und Mond"; Aus Simson: Dogen-Chor nnd Arie des Samsßn: «Nacht ist es um mich her"; Aus Saul: „Siegesgesang der Jungfrauen", «Beschwörung Samuels durch die Hexe von Cudor" mnd den herrlichen Träuermarsch .^Trauer und Trost". Es folgten hierauf Saul - Balladen von Loewe nach Dichtungen von Lord Byron, von denen wir besonders „Saul und Samuel" erwähnen, dann „Judas Makkabäus" von Händel und „Kriegsgesäng der Juden" aus den Makkabäern von Rubinstein. Den Abschluß bildete die feierliche Weise: „Seht er kommt im Siegesglanz" (Chor der Jünglinge, Jungfrauen und voller Chor). Reicher Beifall lohnte den Vortragenden für seine künstlerischen Darbietungen, die den zahlreich, erschienenen Zuhörern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben dürften. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Alzey sprach Rechtsanwalt Dr. Paul Wolf über „Salomon Maimon"; in Cochem Lehrer Bravermann über „Emanzipationsbestrebungen der deutschen Juden" und „Moses Mendelssohn"; in Detmold- Rabbiner Dr. Rosenthal-Berlin über „Tolstoi und die Lehre des Lebens"; in Kolmar i. P. Kaiserlicher Rat Dr. Adolf Kohüt-Berlin über „König Friedrich der Große und Kaiser Joseph II. in ihren Beziehungen zum Judentum"; in Küstrin Albert Katz über „Moderne hebräische Poesie"; in Mannheim Dr. Julius Moses über „Jüdische Rassenhhgiene und moderne Kultur"; in Hattingen Dr. Leopold Hirschberg-Berlin über „Die Musik in derBibel": in Hamburg Nnd Breslau Herr Fabius Schach über „Die Frau in der jüdischen Literatur"; in Wongrowitz Rabbiner Dr. Fried mann über „Moderne Forschungen im Lichte des Judentums"; in Lauenburgi.P. Rabbiner Dr. Külter-Danzig über „Die Poesie der Bibel"; in Emmerich Lehrer Lilienfeld über „Moses Mendelssohn"; in Marienwerder Oberkantor Meisel-Danzig über „Die synagogalen Gesänge"; in Rees Herr eand. med. Leo Klauber über „Die Lösung der Judenfrage". In der Münchener Orientgesellschaft sprach Rabbiner Dr. Werner über „Mosesund Hammurabbi". — Berlin, 16. März. Seit einigen Monaten besteht in Berlin das Arbeitsamt für jüdische Akademiker. Ein solches Arbeitsamt ist Notwendigkeit in einer Zeit, in der im öffentlichen wie im privaten Dienst die jüdischen Bewerber systematisch zurückgewiesen werden, und selbst die Jnteressenlosigkeit. jüdischer Arbeitgeber die jüdischen Bewerber ausschließt oder wenigstens nicht bevorzugt. Der Zweck des Arbeitsamtes ist die Förderung und Vermittlung jeglicher Existenzmöglichkeit für jüdische Akademiker. Zu diesem Zweck hat das Arbeitsamt in vielen deutschen Städten Vertrauensmänner gewonnen, deren Aufgabe es ist, jeweils die Möglichkeit einer Niederlassung für Aerzte, Rechtsanwälte usw. und Vakanzen aller akademischen Stellungen im öffentlichen, wie im privaten Dienste dem Arbeitsamte mitzuteilen und die. Besetzung durch Juden zu veranlassen, die beteiligten jüdischen Kreise dafür zu interessieren, das; sie jüdische Kräfte einstellen und sichs der Vermittlung des Arbeitsamtes bedienen, kurz, das Interesse der jüdischen Akademiker in jeder Weise zu fördern. Diese Organisation bedarf, aber noch des Ausbaues. Deshalb sollten in allen von Juden bewohnten Plätzen Deutschlands sich Personen finden, welche das Amt eines Vertrauensmannes übernehnun wolleninsbesondere sollten aber sämtliche jüdische -Gemeinden und Vereine sich in den Dienst der Sache stellen und ihre Bereitwilligkeit dem Amte mitteilen. Auch Materiell muß das junge Nntcrnehueu gestützt werden. Dies kann durch Spenden und Subventionen, aber auch insbesondere durch den Erwerb der Mitgliedschaft geschehen. Die Mitgliedschaft kann, durch einen Jahresbeitrag von mindestens 5 Mark erworben werden; durch einen einmaligen Beitrag von mindestens 160 Mark wird die lebenslängliche, durch einen solchen von mindestens 300 Mark die immerwährende Mitgliedschaft erworben. Auch hier ergeht vorzugsweise an die genannten jüdischen Körperschaften die Aufforderung, das gemeinnützige Unternehmen nach ihren Kräften zu fördern. Zuschriften' Und' -Beiträge sind an das Arbeitsamt für jüdische Akademikers Berlin 6. 25, Dircksenstraße 26/27, zu Händen des Herrn Rechtsanwalts Meseritz zu richten. *** Berlin, 19. März. Ein aus -angesehenen Männern des.. Reiches gebildetes Komitee erläßt einen Aufruf zur Gründung einer Dr. Hirsch - Hildesheimer - Stistung, deren ,Ertrag als eiserner Fonds denjenigen Gebieten zugewendet werden soll, die dem Entschlafenen besonders am Herzen lagen: Her Mdischen- Palästinasorschung, der Förderung der Schüler, der» -jenigen- 'Lehranstalt, an der er mit Hingebung unterrichtet hat, und die ihm unter seinen-zahlreichen Schöpfungen am teuersten war. Wir zweifeln -nicht daran, -daß jeder Glaubensgenosse es als eine Dankespflicht und als Herzenssache empfinden wird, seiner Verehrung für den um das Judentum und seine Interessen hochverdienten Mann dadurch Ausdruck zu verleihen, daß er sich an der Errichtung der Stiftung beteiligt. Jede Gabe ist willkommen. Gefällige Geldsendungen sind an das Bankhaus Max Jaffa, i. F. Jaffa & Lewin» Berlin MV. 7, Neustädtische Kirchstraße 15, zu richten. ' y. Graitdeirz, 17, März. Das Casper Lachmannsche ProviNzi al-Waisenhaus Hierselbst bringt in seinem soeben erschienenen achten Rechenschaftsbericht ein Gedenkblatt mit Porträt und einen überaus warmen Nachruf auf seinen im Berichtsjahre verstorbenen langjährigen Vorstandsvorsitzenden Herrn Justizrat Johannes Behremdt, dessen^ Name mit der Geschichte des Waisenhauses unauslöschlich verknüpft ist. Dem dann.folgenden Erziehungsbericht ist zu entnehmen, daß die Zahl der Zöglinge am Schluffe des Berichtsjahres 31 betrug, und zwar 17 Knaben und 14 Mädchen, deren Erziehung und Beaufsichtigung Herrn Inspektor Blumenfeld und dessen Gattin oblagen. Von' den Zöglingen besuchten sechs die höheren Schulen, drei die Hilfsschule für schwachbefähigte Kinder, die übrigen die Volksschulen. In der Anstalt selbst erhielten die Kinder auch Unterricht in Schnitz-, Papp- und Holzarbeit, im Gartenbau und Turnen. Die Alexander und Fanny Simon-Stiftung hat für diese Unterrichtszweige der Anstalt eine Subvention von400 Mark gewährt. Die ärztliche Fürsorge für die Zöglinge lag in den Händen der Herren Dr. Kiewe als Anstaltsarzt, Dr. E. Levy, Dr. Sla" dowski und Zahnarzt Erd mann als Spezialärzte. Das Jüdische Kurhospital in Kolberg gewährte zwei Zöglingen unentgeltliche vierwöchentliche Aufnahme während der Badesaison. Sommerfrischen konnten 24 Zöglingen gewährt werden. Interessant ist, daß der Verpflegungssatz für Zöglinge und Beamte einschließlich des Inspektors und seiner Gattin nur 51% Pfennig pro Kopf und Tag ausmachte, und bei der Position „Beköstigung" gegenüber dem. Vorschlag eine Ersparnis von zirka 430 Mark gemacht werben konnte. Ueber die Finanzen der Anstalt hören wir auch hier, daß die regelmäßigen jährlichen Beiträge sich nicht erhöhen, sondern zurückgehen. Die Gesamteinnahmen betrugen pro 1910 23 619.50 Mark, die Gesamtausgaben 22 653.53 Mark, so daß eine Mehreinnahme von 965.97 Mark auf die Rechnung pro-1911 vorgetragen werden konnte. Das Vermögen der Waisenanstalt belief sich am 31. Dezember 1910 einschließlich des Grundstücks, .des Inventars, des Reservefonds, der Stiftungen usw. auf 251 900.46 Mark. Die Zahl der der Anstalt zugewandten Stiftungen beträgt zwölf, mit einem Kapital von 26 600 Mark, ausschließlich einiger weiterer, deren Zinserträge für entlassene Zöglinge der Anstalt bestimmt sind. Da es sich hier um ein ungemein segensreiches Institut handelt, das für die Waisen der ganzen Provinz Westpreußen bestimmt ist, ist es nur bedauerlich, daß von den Gemeinden dieser Provinz es nur 29 sind, von denen die Anstalt feste Jahresbeträge von 10 bis 1000 Mark (Danzig) erhält, insgesamt 2800 Mark. Die Beiträge von Gemeinden und Einzelmitgliedern betrugen zusammen im Berichtsjahre II 177 Mark und einmalige Spenden 1141.30 Mark. Den Vorstand des Waisenhauses bilden jetzt Justizrat St ein Hardt-Danzig (Vorsitzender), Martin Kadisch, .Stadtrat Herzfeld und Kommerzienrat Belgard- Grandenz, Kommerzienrat Löwen stein und Siegfried Levy- Elbing, D. Wolfs und Ad. Jacob-Thorn, Kommerzienrat Goldfarb-Preußisch Stargard und Casper Landshut-Nenmark. * W. Posen, 19. März. Der Verein der liebenden Brüder (Anschei-Chassed) hielt vor kurzem seine diesjährige, ordentliche Generalversammlung ab.- j Nachdem der Vorsitzende Herr M: Ehrenwerth die Erschienenen begrüßt hatte, wurde der Geschäftsbericht für das abgelaufene Vereinsjahr bekanntgegeben. Das 25 jährige Ämtsjuhiläum .des Vorsitzenden ist festlich begangen worden. Aus dieser Veranlassung wurde dem Jubilar eine bedeutsame Summe zur persönlichen Verfügung überwiesen. Der Vorsitzende hat diese Summe aus eigenen Mitteln und durch Zuwendungen edeldenkender Menschen erhöht und den Gesamtbetrag als. Grundstock zur Errichtung I