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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-03-24 · Heft 12 (24.3.1911) · p. Seite 143

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 12 (24.3.1911)
Date
1911-03-24
Page
Seite 143 (sequence 11)
Language
German
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E'Dev ztveite Ban d der Ethik des Judentums" von Moritz Lazarus, herausgegeben von Professor Dr. August Wünsche, unter Mitwirkung von Rabbiner Dr. Winter, — wird in diesem Frühjahr im Verlage von I Kanffmann-Frankfurt a. M. (und in derselben vorzüglichen Aüsstättün g wie der erste Band) erscheinen. 4n . Lieder eines fahren den Choszid. Humoristische Dichtungen sür jüdische Geselligkeit von Louis Böhm. Illustriert von S. Singer, Kattowitz und S. Kahn, Nürnberg. Verlag von Louis Manasse, Hildesheim 1910. — v: Eine hübsch ausgestattete Sammlupg mi.tMstzpßHeM;nVildern, die für.anspruchsloseLeser und Hörer geeign^k. sind, einzelne der Gedichte find von Herrn Oberkantor S. Singer in Musik gesetzt und eignen sich zum öffentlichen Vortrag. .. Uebermäßige poetische Begabung kann ich dem Verfasser freilich ebensowenig zusprechen, wie einen besonders, schlagenden Witz; ex bewegt sich vielmehr in gewohnten Wegen und findet auch für bekannte Gedanken keine übermäßig neuen Ausdrücke. Von den vier Abteilungen, in die das Buch zerfällt: Satiren, Schnorrerlieder, Couplets, Fabeln, ist die letzte gewiß die schwächste; wirklicher Humor ist nach meinem Geschmack nur in den zwei Satiren, die aber ebensowenig wie die meisten anderen diese Bezeichnung verdienen, „Der Löwe" und die „Pantomime", zu spüren. Mich hat, wie ich offen bekenne, das beständige Sticheln auf die Frauen ermüdet, die etwas sentimentale Verklärung des Schnorrertums angeödet ugd. das ewige, recht wenig berechtigte Polemisieren gegen alles Moderne, besonders gegen die neuen Kantoralgesänge und gegen die Orgel, unangenehm berührt. Doch will ich den Lesern ihr Vergnügen an dem sonst harmlosen Büchlein keineswegs rauben. L. G. — DerJuden Anteil am Fortschritt der Kultur. Sonderabdruck aus. den „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus*. Berlin W., Magdeburger Straße 14, Preis 40 Pfennig. Schon bei dem ersten Erscheinen in der auf dem Titel genannten Zeitschrift, .haben diese Abhandlungen großes Aufsehen gemacht. Sie sind entstanden auf Grund einer Aeußerung der „Kreuzzeitung", daß „sich im Judentum so viel positiv Gutes und Anerkennenswertes entwickelt habe, daß die Behauptung, der jüdische Einfluß auf unser Volksleben sei zersetzend, sich nicht ohne Einschränkung aufrecht erhalten läßt". Um nun zu zeigen, wie stark und wie kräftig die Juden in allgemeinen Angekegenheiten gewirkt haben, werden in zwei Abschnitten: „Die Juden als Diplomaten, Minister und Politiker" und „Die Juden in der Technik, der Kunst, der-Wissenschaft und als Forscher, Entdecker und Erfinder", alle Männer und Frauen, die hier in Betracht kommen, aufgezählt, einige auch kurz gewürdigt. Freilich find. unendlich viele darunter, die sehr früh das Christentum angenommen haben wie auch solche, bei denen mir die Zugehörigkeit zum Judentum überhaupt recht bedenklich erscheint. Auch sonst sind die Angaben keineswegs immer zuverlässig So werde ich z. B.!^ (S. 45) tzu einem Sohne des Sprachforschers Lazarus Geiger gemacht. J Aber das -Büchlein ist immerhin recht nützlich und kann sehr gut in dem Kampf gegen Vorurteile gebraucht werden, die immer wieder zum Vorschein kommen. L. G. * Gerhard Gutherz: Die Lilienkrone, Tragödie. Wien I. Hugo Heller. Die Tragödie, die nicht etwa die Familie Liliencron behandelt — der Titel soll vielmehr bedeuten: die Lilien- oder Unschuldskrone, die einem Märtyrer zuteil wird — ist mir wohl zugeschickt worden weil darin die Persönlichkeit des - Simeon/ eines reichen Finanzmannes vorkommt. Aber dieser ist nicht etwa, wie man aus dem Namen schließen könnte, ein Jude, sondern ein Christ/ Das ganze Drama,, das in Rom im vierten nachchristlichen Jahrhundert spielt, ist ein Märtyrerdrama in schwülstiger, absonderlicher Sprache. Ich habe wenigstens für. den Herrn Liberins, der nach eben vollzogener Trauung seine schöne Gattin Levilla verläßt und Jahre später unmittelbar^ vor ihrer Verheiratung mit dem Rittmeister Fagm zurückkehrt, sie vor dieser Heirat warnt, ohne doch etwa selbst seine alten Rechte ausüben zu wollen, absolut kein Interesse. Das Ganze ist eine öde Deklamation, die uns die Zustände vergangener Zeiten durchaus nicht in einer neuen Weise zu gestalten imstande ist. Von Judentum kommt in der Tragödie nicht das geringste vor. — Hebräische Lese fibel von Michael Abraham. Zugleich eine Vorstufe zu Rahmer-Abraham: Tesillah-Kezara. Vierte verbesserte Auflage. Frankfurt a. M., I. Kauffmann 1910. ' Michael Abrahams prächtige hebräische Lesefibel liegt jetzt in ihrer vierten Auflage vor uns. Die weite Verbreitung, die sie in kurzer Zeit gefunden, ist der beste Beweis für ihre Vortrefflichkeit Ich habe das Büchlein in diesem Jahre zum erstenmal benutzt und reiche Freude dabei empfunden, die genährt wurde durch das freudige, gespannte Interesse. das die Kinder dem Unterrichte bis ans Ende entgegenbrachten. Das von Abraham meines Wissens zuerst streng durchgeftthrte Prinzip, in den Leseübungen nur solche Wörter und Sätzchen zu bringen, die den Schülern in dem späteren Gebets- und Uebersetznngsstoff wieder begegnen, hat sich aufs beste bewährt. Gebannt ist die gähnende Langeweile, die auf dem ersten Leseunterricht im Hebräischen lastete. Die hebräischen Buchstaben erscheinen den Kindern nicht mehr als tote Zeichen, die sich ihnen zu seelenlosen Wortgebilden zusammenfügen. Denn der Verfasser hat es verstanden, den Buchstaben von der ersten Lektion an Seele und Leben' einzuhauchen, indem er sie' geschickt zn Wörtern aus dem kindlichen Erfahrungskreise verband und besonders den hebräischen Sprachschatz dabei berücksichtigte, den siebenjährige Kinder aus dem religiösen Leben des Hauses mit in die 'Schule bringen. Die übersetzten Wörter merken sie sich spielend, und so gewinnen sie einen tüchtigen Vokabelschatz, der dem späteren UebersetzNngsunterrichte sehr zu statten kommt. Ebenso ist es ihnen eine rechte Freude, sich an der Hand des beigegebenen Vokabulariums in der Uebersetzung der angeführten Sätzchen zu versuchen, woran das Interesse um so größer ist, als diese ihnen zumeist als gute Bekannte des Hauses entgegentreten. Ein lückenloser Fortschritt auch in dem, was der Verfasser in grammatischer Beziehung hier schon bietet, kommt der Erlernung zu Hilfe. Max Schwarz. - * ' . . - — Rabbiner Dr. Adolf Frankl-Grün: „Der Weg zulGott", Festrede,' gehalten bei der Einweihung des Kaiser-Franz-Joseph I.» Jubiläumstempels in Kremfier. — Kremsier 1910, Selbstverlag. Es ist an und sür sich ein Wagnis, Predigten, die. einem bestimmten lokalen Ereignis ihre Entstehung verdanken, der großen Allgemeinheit durch den Truck zp übergeben. Diese Besorgnis kann bei der vorliegenden Festrede völlig fortfallen, weil es der Rabbiner der alten mährischen Gemeinde.Kremsier verstanden Hat, trotz Berücksichtigung besonderer Verhältnisse (siehe S. 6) allgemein gültige, wertvolle Gedanken in seiner Einweihungspredigt 'zum Ausdruck, zu bringen. In klaren Worten zeichnet er den zwiefachen Segen des Gotteshauses, das dem Menschen den Weg hinan zu seinem Gotte zeigt und ihn anderseits den Mitmenschen, näherbringt. Und die wertvollste Wirkung des Gotteshauses, ist die Nächstenliebe, die nimmer durch die Schranken der Glaubensgemeinschaft sich einengen läßt. Schön ist in diesem Teil der Hinweis auf Maleachi II, 101 (Einen Vater haben wir alle usw.) und auf die Stelle in Roschhaschana Iva, an der wit Beziehung auf den erwähnten Prophytenausspruch jede Bedrückung und Entrechtung eines Volksstammes zurückgewiesen wird. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das gefällig aus?» gestattete Heft seinen Lesern Freude und Genuß in dem Maße bereiten wird wie denen, die das lebendige Wort gehört haben. Breslau. Dr. Arnold Grünfeld, r £ — Dr. phil et metl. Helyäs Sabbalti von Bologna und sein Aufenthalt in Basel 1410. (S.-A. aus dem „Anzeiger für schweizerische Geschichte" 1910 Nr. 4.) G. Caro. Eine höchst interressante Studie, die von einem 'neuerdings röffentlichten Geleilbrief für einen italienischen Arzt Anlaß nimmt, diesen Elias Sabbatti in seiner Tätigkeit als Leibarzt Innozenz VII;,

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