Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- Seite 141 (sequence 9)
- Language
- German
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141 Bibliothek, sie unterstützt mit großen Summen die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und läßt keinen Appell vorübergehen, andere literarische Unternehmungen in würdiger Weise zu fördern. (ich erwähne dankbar der Subvention des Gedenkbuches für meinen Vater). Aber wie schön wäre es, wenn diese Gemeinde, die in mustergültiger Weise außer für den Gottesdienst für ihre Kranken, Greise, Armen, Fürsorgebedürftigen, Taube, Blinde, Waisen sorgt, auch in noch höherem Grade als dies bisher geschieht, der Wissenschaft eine selbständige Pflege angedeihen ließe. Wir sind gewiß in manchem Wien voraus, eine historische Kommission oder wenn man den Begriff noch weiter nehmen will, eine wissenschaftliche Deputation haben wir leider nicht! Das wäre.eine würdige Aufgabe für die Zukunft. - L. G, - . . Nachschrift. Gelegentlich-kommt in den Briefen eine Geheimschrift vor, die -zu entziffern den Herausgebern des Bandes bei der Publikation nicht möglich war. Nun veröffentlicht die „OesterreichischeWochenschrift" in Nr. 47 folgendes, was zur Ergänzung dieses Artikels hier mitgeteilt sein möge: Der Schlüssel zu der Geheimschrift in der Publikation Landau-Wachstein, „Jüdische Privatbriefe aus dem Jahre 1609" ist nunmehr gesunden. Unabhängig voneinander ist die Entzifferung durch die beiden Unterzeichneten erfolgt. Der Schlüssel lautet: (Geheimschrift) ft .g p ö y D j ö 3 * ID 0 7 1 ,1 ‘T J D K (Lösung) ) bön s-'l1 T D D 1 7 SD r Ä n Herrn Hofrat D. H. Müller ist es gelungen, die Wahlworte des Satzes, der dieser Geheimschrift zugrunde liegt, auszufinden. Diese lautet: mp w torPTO nriK THD- Der Empfänger mußte nur unter diese Wörtergruppe das Alphabet setzen, um sofort die Geheimschrift lesen zu können. Dr..B. Wach stein Dr. M. Berkowicz Wien. ' Iglau. fgUlkLggg^ Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencseni. " VII. ' * / jfBs war auch jedermann zugegen. Man.hielt die Versammlung im Beshamedresch und Tojwija Rotfleck war der erste Ankömmling. Dann kam Haschl Ochs. Haschk Ochs setzte sich, und sagte die Sabbatpsalmen her. Dann kamen die anderen, sogar auch Ignaz Flesch, der in der Gemeinde die Neologe Richtung repräsentierte) da er beim Militär gedient hatte. In der Gemeinde würde er deshalb nur Lejtenant Flesch genannt. „Nu also, was sagen Sie dazu?" fragte Tojwije Rotfleck den Selig Lanz. „Nu, was soll ich sagen?" ) „Man muß ihm an den Kragen gehen," polterte Tojwije. „Freilich muß man das," bestätigte Selig. „Das ist noch nichts," hetzte Simckie Hatschek, Tojwije Rotflecks Schwiegersohn,- „den Chuwer muß man ihm auch wegnehmen." > - „Das ist wahr, das ist - wahr," schrien die Heftigerem „Wer so gottlos ist, der darf kein Diplom der Gottesfürchtigkeit haben." ■>"j,xWVal u. ■Ww*.. -w->. Die Gemäßigten verfochten - auch ihre Ansichten, und die Sabbatruhe wäre vielleicht verletzt worden, wenn nicht zur rechten Zeit Mendl Eibisch in Begleitung der Vizepräsidenten erschienen wäre. Mendl Eibisch nahm im Präsidentenstuhle Platz, blickte um sich und schlug auf den Tisch: . „Ruhe soll sein!" „Warum soll Ruhe sein?" fragte Rotfleck, der, wenn die Unruhe sich legte, sein Interesse gefährdet sah. „Warum soll Ruhe sein, Reb Mendl? Dies ist eine Sitzung, Reb Mendl." Reb Mendl spielte in allen Farben. Aus diese Weise . hatte man noch niemals seine Autorität angegriffen. Er schlug abermals auf den Tisch. „Ruhe soll sein, sage ich," ries er mit-Stentorstimme. „Und wenn ich nicht will?" fragte Rotfleck. „Was heißt das, Du willst nicht? Werft ihn hinaus!" sagte er zu den Nachbarn. Tojwije Rotfleck erschrak. Es fiel ihm ein, daß es nicht ratsam fei, sich dem Vorstand aufsässig zu machen. Als die Ruhe teilweise hergestellt war, schlug der Vorstand wieder auf den Tisch: „Also Rebojßem! Wegen Berele Beers Tochter \ ' ... Jetzt hob Haschele Ochs seinen Kopf auf: „Was für Reden sind das am Sabbat? am heiligen Schabbes . . ." fragte er unmutig. „Am heiligen Sabbat schickt es sich nicht, von Mädchen zu sprechen, sonst erwachen in den Herzen weltliche Regungen. Am Sabbat soll man sich nur mit heiligen Dingen beschäftigen." Reb Mendl wurde rot. Ob darum, weil man ihn störte oder darum, weil er Haschele Ochs recht geben mußte. — das konnte man nicht wissen. Jedenfalls konzipierte er die Eröffnungsansprache anders: „Also ich ließ die Gemeinde zusammenrufen . . ." „Ich bitte um das Wort!" meldete sich Lejtenant Flesch.. Reb Mendl warf ihm einen grimmigen Blick zu. „Nu?" „Ich fordere ein Protokoll!" Doch .jetzt hielt Reb Mendl nicht länger an sich. Er erhob sich, neigte sich ein wenig vor und sprach, sich in die Brust werfend: „Das Protokoll bin ich! Haben Sie verstanden?" Die. Leute gaben ihm recht. Der Vorstand ist das Protokoll. Wer braucht da ein anderes? Reb Mendl eröffnete nun die Sitzung zum drittenmal, und jetzt konnte er endlich ungestört sagen, weshalb er die Leute hierhergerufen hatte. „Also, was soll man tun?" stellte er die Frage, nachdem er fertig geworden war. „Ätzern, aßern!" schrien mehrere. „Ich bitte um das Wort!" meldete sich wieder Lejtenant Flesch. . „Gut denn, ich gebe es Ihnen," sprach Reb Mendl. „Geehrte Herren!" begann Lejtenant Flesch, „ich mache Euch darauf aufmerksam, daß die Blicke der Welt jetzt auf uns alle gerichtet sind. Im Namen der Bildung und der Wissenschaft mache ich Euch aufmerksam, Ihr möget nicht in das finstere Mittelalter zurückgehen, aus dessen gähnenden Abgründen uns der Geist der Vergangenheit winkt und das Ghetto seine Knochen rüttelt." „Horn Sie ka andere Sorg?" srug Reb Mendl mit aufrichtiger Verwunderung. „Hört, hört!" drängten andere, „er spricht sehr schön." „Hier muß nicht schön gesprochen werden," polterte der Vorstand. „Was für eine Keckheit ist das? Wer braucht. ~ «s.