Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 12 (24.3.1911)
- Date
- 1911-03-24
- Page
- Seite 137 (sequence 5)
- Language
- German
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- , - . - II.. . Die Herren hatten andächtig zugehört. '. Der brave Fährmann, Hans Vogedes, dessen würgenden Händen Leah durch den Studenten entrissen ward, stand noch mit einigen Spießgesellen im Gemach. Er blutete zwar stark, denn Lambert Tewes hatte gut nach seiner Nase gezielt — und der Studente konnte fest Zuschlägen; das hatte er bis dato mehr verstanden als über den Büchern zu hocken. ' Simeath schluchzte heftig. Sie hielt den Kopf der zurückgesunkenen alten Iran in ihrem Schoße. . „O, Großmutter, Großmutter, sag^ doch was, sprich doch nur ein Wort, wir leben noch, sie haben ihren Willen nicht vollsühren können! Die guten Herren haben uns von ihren Griffen erlöst, dem hohen Gott sei Dank! Ach, Großmutter, besinne Dich!" — : Lambert tröstet das hübsche, zerzauste Judenmädchen. „Trockne Deine Tränen, schwarzlockige Neära," sagt er gutmütig. „Tu's Mir zuliebe — das alte Mütterchen hat in seinem langen Dasein mehr ausgehalten als solch ein Katzengekrall; —" „Mit dem Wasser aus dem Kruge des Vaters Samuel rieb er der Alten die Schläfen^ — da niesle sie endlich und stieß einen heiseren Schrei aus, dann saß sie wirtlich aufrecht auf dem Stroh und sah aus stieren Augen umher. —" Hunderte hatten sich unterdes vor das Haus gestellt und schrien: „Her mit den Jüden, Höxter und Corvey! Weg mit den Juden! —" Der Student machte einen Satz fast bis an die schwarze Decke. „An die KröpPelkLeah wollt Ihr? Et tu Biute, mein Sohn Hans Rehkops?! Donner und Teufel! Seid Ihr für Höxter und Corvey, so bin ich, Lambert Tewes, diesmal für Juda und Israel.; Und wer's gut meint mit Höxter und Corvey, der schreie Mit: Vivat Hierosolyma!" Nun hatte er die Lacher auf seiner Seite. — Ehru Helmrich Vollbort beugte sich über das Stroh — „Erhebe Dich, Weib. Willst Du in dieser elenden Stadt die,, einzige sein, die da schläft in dieser. Nacht?" . Die Kröppel-Leah schlief. Ihr Atem ging schwer und keuchend; — da hielt der Bruder Heinrich von Herstelle die übrigen nicht mehr;'— sie drangen in das Gemach, soviel ihrer es halten wollte. Lambert Tewes schlug den Arm um die zitternde Simeath. > . „Fürchte Dich nicht; Juda hat seit der Makkabäer Zeit keinen besseren Kavalier gehabt als mich." — Der Haufe drang ins Gemach; sie vyllführten ein großes Geschrei und einer schüttelte Leah an der Schulter. Die Greisin hob noch einmal den Arm, um das Gesicht zuschützen — dann fiel der Kops schwer zurück, der Arm fiel wieder herab, sie streckte sich. — Der Bürgermeister fragte: „Ihr Leute, wer von Euch will diese Leiche vor die Mauer schaffen?"; „Ruft den Gildemeister dazu oder ladet'sie Euch selbst aus den Buckel," — scholl es grob zurück. - Und nun läuft der Student, Lambert Tewes, zu Vater Samuel, holt ihn und dessen-Frau und übergibt dem Ehepaar die fassungslose Simeath. „Sie hat nun freilich die Stadt verlassen, und es war nicht nötig, daß wir mit Schießgewehr und Stangen kamen, sie zu holen," — sagt der Bruder Henricus gegen den Herrn Helmrich. Vollbort, dem Pfarrherrn von St. Kilian, indem er auf die Tote deutete. In Höxter hielt das hebräische Völklein bei der toten Leah die "Leichenwacht-? Und die Weiber sangen den Trauergesang und sprachen der Simeath Trost zu. Der Meister Samuel aber hatte noch ein anderes zu schaffen, er war mit Hammer, Säge und Axt beschäftigt, die Tür des Hauses der Kröppel- Leah wieder einzurichten. Soweit die Handlung. Einmal tritt der Dichter selbst in den Vordergrund. Als Simeath verzweifelt auf den Trümmern des großmütterlichen Hauses weint,-„wie weiland der Prophet Jeremias auf den Trümmern der großen Stadt Jerusalem. Doch das Kind hatte sich gefaßt. Es war eben auch ein Sprößling jenes tapfersten aller Völker, das sich auf jedem Brandschutte seines Glückes, schier noch hartnäckiger als das deutsche Volk, mit seinen Wurzelfasern wieder anzuheften wußte." Sind das nicht warme, aus dem Herzen quellende Töne? Raabe, der wahre Herzenskündiger, dessen allessehende Augen die Vergangenheit wie die Gegenwart durchforschen. Neben Jean Paul, Hessen Wesen und Begabung manche verwandte Züge mit unserem Dichter ausweisen, hat die Persönlichkeit Oliver Goldsmiths und dessen weltbekannter Roman „Der Vicar of Wakefield," wohl den merkbarsten Einfluß auf Raabes Schöpfungen'geübt. In der Art Personen zu zeichnen, deren Gefühle und. Handlungen plastisch vor den Leser zu stellen kommt ihm wohl Dickens am nächsten.. - Und so nehmen wir denn Abschied von einem Edelmenschen, dessen Kunst und Wissen der Ausgeglichenheit seines feinsinnigen Empfindens — die Wage hält. Daß auch dieser Dichter fast vierzig Jahre auf die ihm gebührende Anerkennung warten mußte, kennzeichnet die Deutschen. Nach dem Tode kommt der Ruhm! Ilcher, der altehrwürdigste Name der Welt. Allen Beni Ascher gewidmet von Ed. Asch er» Paris. I. as altadelige Geschlecht derer von Croy soll im 17. Jahrhundert ein Gemälde besessen haben, auf dem man Noah sich über den Rand der Arche hinausbeugen und aus den Wögen der Sintflut eine Rolle Papiere herausfischen sah: „Retten wir die Titel — den Stammbaum — derer von Croy," diese Worte Noahs standen auf dem Bilde zu lesen Nicht ganz so antediluvianisch, dafür aber echt, ist die Darstellung, auf der die Nachkommen der Beni Ascher das 3000jährige Konterfei ihres Ahnherrn mit dem Nämen^aus der Brust und dem Strick um den Hals betrachten und bestaunen können. Diese merkwürdige Entdeckung, die wir dem Aeghptologen W. Max Müller verdanken, ist in Gelehrtenkreisen wohl bekannt. Die Laien, zumal die Träger des Namens Ascher, Auscher Asher, Asser, Aschersohn usw. dürste es wohl interessieren Näheres über jene Darstellung zu hören. II. Schon seit dem dritten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung stand der südwestliche Winkel Vorderasiens zeitweise unter ägyptischer Oberherrschaft. Um 2900 wird Palästina von den Aegyptern unter Una verwüstet; gegen 1920 schlug Sesostris II. die dort sitzenden Semiten bei „Sekmem" (wahrscheinlich Sichem); im 16. Jahrhundert unterwarf Thutmosis III. Palästina von neuem; und um 1400, zur Zeit der Amarna- Briefe, finden wir ägyptische Statthalter in allen wichtigeren Plätzen. Aber wie heikel oft ihre Lage war, wenn innere Wirren den Pharao in Anspruch nahmen, das zeigt so manch