Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1911)
- Date
- 1911-03-17
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Organisation und wird, soweit es in ihren Kräften steht, auch ihrerseits derösterreichischen Organisation sich nützlich zu erweisen suchen. H. Berlin, 12. März. Mit Beginn des neuen Sommerhalbjahrs werden im Lehrerkollegium der jüdischen Mädchenschule einige Aenderungen stattfinden. Außer dem Direktor Dr. Guttmann, der bekanntlich als Nachfolger des in den Ruhestand tretenden Dr. Holz marin?' an die jüdische Knabenschule und das damit verbundene Lehrerseminar berufen wurde, werden auch zwei Lehrerinnen aus dem Verbände der Schule scheiden. Fräulein Jda Zucker, die 37 Jahre lang im Dienste der Mädchenschule gestanden hat und die Turnlehrerin Fräulein Schönlank, die ebenfalls ein Vierteljahrhundert an der Schule gewirkt hat. Beide Damen werden von den Lehrern wie von den Schülerinnen hochgeehrt. Wünschen wir ihnen, den treuen, emsigen Arbeiterinnen, eine recht lange, glückliche Mußezeit. Neu angestellt wird, wie wir hören, Fräulein Jacobsohn, deren Hauptfach Zeichnen ist. Zum Rektoratsnachfolger ist, wie uns ferner mitgeteilt wird, Herr Seminaroberlehrer Dr. Spanier aus Münster i. Wests, gewählt worden. Er wird sein Amt jedoch erst zu Oktober d. I. anireten, so daß im Sommerhalbjahr eine interimistische Leitung voraussichtlich durch die beiden dienstältesten Lehrerinnen stattfinden wird. --- Görlitz, 10. .März. In Anwesenheit des Oberpräsidenten Dr. v. Günther, deS Regierungspräsidenten Frßiherrn v. Seherr- Thoß, des Oberbürgermeisters Snav, von Vertretern kirchlicher und städtischer Behörden fand am 7. d. M. die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Rabbiner Dr. Freund, der hier seit 34Jahren segensreich wirkt, hielt die Festrede. Der Bau, nach dem Entwurf der Architekten Lossow und Kühne-Dresden errichtet, kostet 1/2 Million Mark. Dem Kommerzienrat Emanuel Katz ist in Anerkennung seiner Verdienste um den Synagogenbau bei der Einweihung der Synagoge durch den Oberpräsidenten der Rote Adlerorden IV. Klasse überreicht worden. — Leipzig, 14. März. Das starke Interesse für den hiesigen Israelitischen Verein „Bikur Cholim" E. V. bewies die kürzlich in Anwesenheit von etwa 250 Mitgliedern abgehaltene Generalversammlung, welche der erste Vorsitzende Herr B. Samkowh mit einem Hoch auf König Friedrich August eröffnete. Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Mitteilungen und einem warmen Nachruf für die im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieder sowie für die treue Förderin des Vereins .Frau Rabbiner Dr. -Rosa Porges, erstattete der zweite Vorsitzende Herr Wilhelm Dubiner einen hocherfreulichen Bericht über die bisherige Tätigkeit, und ferneren Ziele des Vereins. Trotz der kurzen Zeit des Bestehens gehören dem Verein bereits 650 Mitglieder an, das Vermögen beläuft sich auf über 10 0000 Mark. An Kranke und sonstige Unterstützungen hat der Verein im Berichtjahre 3500 Mark ausgegeben. Die Sterbekasse auf „Gegenseitigkeit" befindet sich ebenfalls in aufsteigender Entwicklung und konnte in! wei Fällen bereits 1200 Mark auszahlen. Durch Satzungsänderung wurde ferner die Gründung einer Darlehnskasse beschlossen, ebenso die Erhöhung der Unterstützungen. Durch Verleihung der Rechtsfähigkeit hat auch das Ansehen des Vereins mach außen gewonnen und weiteren erfreulichen Fortschritt genommen. Mit einem warmen Appell zur ferneren tatkräftigen Mitarbeit schloß der Vortragende seinen klaren, interessanten Bericht. Die unter Leitung des Herrn Rechtsanwaltes Dr. jur. Tumpowsky vorgenommenen Wahlen ergaben die Wiederwahl der bisherigen Vorstandsmitglieder, der Herren B. Samkowy, W. Dubiner, .I- A.Sigall, S^Pick, M. Meisels, S. Mandelbrot, '8. Michlewitsch und Z. Moseowitsch. Neugewählt wurden die Herren I. Engländer. A. Schum er, S. Kühnreich, A. Altberg und B. Marcus! München, 12. März. Vor kurzem wurde hier die Klinik des Vereins Kran ken heim, das. erste jüdische Krankenhaus in unserer Stadt, eröffnet. Schon seit vielen Jahren war von den Aerzten und Patienten das Bedürfnis nach.Errichtung eines jüdischen Krankenheims in unserer Gemeinde als dringlich empfunden worden. Vor längerem war-auch innerhalb der München-Loge ein Fonds als Grundstück für die Schaffung einer solchen Anstalt gesammelt worden. Aber erst in der letzten Zeit ist es gelungen, die großen Schwierigkeiten zu überwinden, die sich dem Werke entgege^gestellt hatten. Der im Jahre 1909. begründete Verein „Krankenheim, israelitische Privatklinik" übernahm die Aufgabe der Schaffung eines Krankenheims im Anschluß an das seit Jahren hier bestehende und bestbewährte „Israelitische Schwesternheim". Es gelang ihm im vorigen Jahres ein . sehr geeignetes, günstig gelegenes, schönes Haus (Hermann Schmidstraße 5) zu erwerben, das nunmehr nach vollendetem, durch den Architekten Emil Löwen stein geleiteten Umbau seinem Zwecke zugesührt worden ist. Der ganze erste Stock des stattlichen Baues ist den' Schwestern überlassen worden, die in den luftigen und freundlichen Räumen ein wirkliches Heim erhalten haben, in dem sie Erholung finden können von ihrer schweren aufopferungsvollen Arbeit., Das zweite Stockwerk und der Oberstock dienen den Zwecken der Klinik. Die mit gediegenem Geschmack eingerichteten, teilweise mit Südbalkons versehenen Einzelzimmer für die Patienten vermeiden, was besonders hervorgehoben sei, vollständig den Charakter, von Krankenzimmern, und gleichen vielmehr den Fremdenzimmern eines erstklassigen Hotels, trotzdem entsprechen sie in jeder Hinsicht den Anforderungen der modernen Hygiene. Einige größere hochherzige Stiftungen — der Herren Oscar Tietz, Kommerzienrat Isidor Bach. Simon Herrmann — haben es möglich gemacht, daß die Klinik, die im allgemeinen — natürlich unter Ausschaltung jeder Gewinnabsicht — die Deckung ihrer Selbstkosten aus dem Betrieb erstreben muß, schon von Beginn an auch Armen und Minderbemittelten zur Verfügung gestellt werden, kann. Es sind hierfür vorerst zwei helle, freundliche Krankensäle, einer für männliche, einer für weibliche Patienten zur Verfügung gestellt. Besondere Erwähnung verdienen die vornehm ausgestatteten Baderäume für gewöhnliche und medizinische Bäder. Im Obergeschoß befindet sich vor allem der mit Oberlicht versehene Operationssaäl mit Nebenräumen, von denen einer als zweiter Operationssaal dienen kann. Diese Räume können dank der sorgfältigen Bemühungen der im Vereinsvorstand tätigen Aerzte in ihrer Anlage und Ausstattung auch den weitestgehenden Ansprüchen der Asepsis und der neuzeitlichen Technik genügen. Eine Zentralheizungs- und Warmwasserbereitungsanlage, ebenso die gemeinsamen Küchen- und Wirtschaftsräume für Klinik und Schwesternheim sind im Souterrain untergebracht. — Ä u fn a h me in die Klinik finden sowohl ch i rur g i s ch e wie innere Kränkh eiten. Nur ansteckende Krankheiten und Geisteskrankheiten sind ausgeschlossen. — Die Leitung der Klinik liegt in den Händen der Oberschwester des israelitischen Schwesternheims. Jedem Patienten steht die Wahl seines Arztes vollständig frei. Der Betrieb der Klinik wird satzungsgemäß nach streng rituellen Grundsätzen geführt. — Bei der Eröffnung hielt der Vorsitzende des Vereins „Krankenheim", Herr Julius Basch, dem das Zustandekommen des Werkes, in erster. Linie zu danken' ist, eine Ansprache; nach einem kurzen Rückblick über die Entstehung der Klinik gab er der Hoffnung Ausdruck, daß das Unternehmen sich trotz den von mancher Seite dagegen vorgebrachten Zweifeln und grundlosen Bedenken ebenso wie das heute allgemein anerkannte Schwesternheim als .eine segensreiche Anstalt bewähren werde. — Herr Rabbiner Dr. Werner sprach seine Freude über die Errichtung der Anstalt und die wärmsten Wünsche für deren Gedeihen aus. Namens des Schwesternheims sprach dann noch Herr Dr. med. Siel mann und für den ärztlichen Beirat des Krankenheims Herr Dr. med. Weißbar t. — An die Eröffnung schloß sich ein Nundgang der zahlreich erschienenen Gäste durch die sämtlichen Räume der Anstalt an> deren Anlage und Ausstattung allgemein reichen Beifall fand. M. Hamburg, 10. März. Herr Jacob Gotthelf, der seit etwa . 20 Jahren seine ganze Zeit und Kraft nur dem Dieyste jüdischer Wohlfahrtsbestrebungen gewidmet hat, ist im Alter von 77 Jahren verschieden. Der Verewigte, der zu den Begründern der Neuen Dammtor-Synagoge gehörte, bekleidete "seit 16 Jahren das Amt eines Synagogenvorstehers, er war auch langjähriges Vorstandsmitglied des Israelitischen Kinderhospizes in Duhnen, um dessen Errichtung er sich große Verdienste erworben hatte und war. im Vorstand, vieler anderer Institute tätig. Die Bestattung erfolgte unter überaus großer Beteiligung. Im Tranerhause hielt Herr Rabbiner Dr. Löwenthal eine tief empfundene Trauerrede, imwelcher er besonders die Verdienste bes Verewigten um die Neue Dämmtor- Shnagoge hervorhob. Herr Dr. Leimdörfer sprach im Namen der