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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-03-10 · Heft 10 (10.3.1911) · p. Seite 113

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 10 (10.3.1911)
Date
1911-03-10
Page
Seite 113 (sequence 5)
Language
German
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nach London, als er seinen Posten als Chief-Rabbi von England .antrat, und, bis zu -seinem 'zwanzigsten Lebensjahre besuchte er daselbst verschiedene englische Lehranstalten, wo er sich jüdisch-theologischen und klassischen Studien widmete. Mit dem nötigen Wissen ausgerüstet, ging er dann nach dem Kontinent und studierte einige - Jahre cm der Prager und Leipziger Universität, an welch letzterer alma maler; er im Jahre 1863 als Doktor der Philosophie promovierte. In Prag , war er eine Zeitlang Schüler des dortigen rühmlichst bekannten Oberrabbiners I. L. Rappoport, von dem er sein Rabbinerdiplom erhielt. Als Dr. Adler, kurze Zeit darauf nach London zurückkehrte,' fungierte er während eines Zeitraumes von fünfzehn Jahren als Geistlicher an der Londoner Bahswater-Synagoge und entwickelte zugleich auch eine rege a. tigkeit im Jews College und in jüd ch-literarischen Gegenständen- Nach dem Ableben seines Vatersden er zehn Jahre lang in seinem Amte provisorisch vertreten hatte, wurde er im Jahre 1891 zu dessen Nachfolger als Chief-Rabbi von England erwählt, welchen Posten er seitdem mit großer Umsicht und gebührender Würde bekleidet. Im Mai des vorigen Jahres feierte Dr. Adler seinen 70. Geburtstag — in bescheidener Zurückgezogenheit — in einem englischen Badeplatze, bei welcher Gelegenheit er von verschiedenen Gemeinden Adressen und andere Aufmerksamkeiten erhielt. Auch der jüngst verblichene König von England, Eduard VH., beehrte ihn bei derselben Gelegenheit mit einer huldvollen Auszeichnung, und die Oxforder Universität ließ ihm ein Doktor' diplom Honoris oausa zukommen. Nebst einer höchst interessanten Sammlung von Predigten hat Dr. Adler in verschiedenen Perioden seiner jüdisch-literarischen Tätigkeit auch mehrere recht lesenswerte Essays veröffentlicht, biefast ausschließlich jüdische Themata behandeln und einen bleibenden literarischen Wert haben. Schade, daß bisher keine Anstalten gemacht wurden, diese in Buchform erscheinen zu lassen. Obschon Dr. Adler für. das konservative Judentum recht sehr eingenommen ist und die Aufrechthaltung desselben stets befürwortet hat, so steht er dennoch einer gemäßigten Reform in jüdisch-religiösen Sachen keineswegs feindlich entgegen. So find z. B. in den letzten Jahren in einigen, unter seiner Jurisdiktion stehenden Synagogen manche Modifikationen im Ritual vorgenommen worden, die kein streng orthodoxer Rabbiner in seiner Gemeinde wohl zugelassen hätte. Dr. Adler interessiert sich lebhaft nicht allein für alles, was das englische und gesamte Judentum anlangt, sondern er ist auch in solchen Sachen tätig, die außerhalb desselben stehen. Dieser Umstand ist es nun, der ihm viele Freunde und Verehrer auch in nichtjüdischen englischen Kreisen verschafft hat, wo er als höchst würdiger Repräsentant der englischen Zudenheit angesehen wird. Dr. Adler ist. Wirklich ein — eine fürstlich-geistige Größe in Israel. Möge es ihm gegönnt sein, sich dieser seltenen Auszeichnung noch recht lange zu erfreuen. Dr. I. Chotzner. . Ligmnrr und Iudrn. Historisch-ethnologische Studie von Fr. Wilh. Brepohl-Wiesbaden. ach V erfließun g eines halben Jahrhundert, und etwas drüber, da immittels die Pest nicht nur schon längst ausgehöret, sondern auch sürnehmlich, alle ehemalige der Jüdentodseinde bereits. gestorben waren, begunte ein ziemlicher Hauff, (dann mit allen, und jeden konnte es einmal nicht angehen) derer so lang im verborgen gelegen waren, einen Muth zu fassen, und heimlichen Schluß untereinander zu machen, es zu versuchen, ob sie nicht dermaleins ihre Häupter aus den Höhlen wiederum emporheben und der freyen Luft zu.genießen sich unterstehen dürften. Es war zu ihren Glück, damals schier ganz Deutsch-- land durch die Hussitische Unruhe sehr verwirret, dessen sie, von denen, so je zu Zeiten aus der Erden heimlich herfürkrochen, und die Beschaffenheit der oberen Welt ausspeheten guten Bericht hatten, daß demnach Hoffnung war, es würde sich noch wyl in den trüben Wassern fischen lassen. Allein, muste die Sach weißlich angefangen werden, dann gleichwie es nimmermehr rathsam war, sich alsobald für Juden auszugeben, also dürsten sie auch doch wieder ihr Gesetz und Gewissen nicht heucheln, und sich für Christen .dargeben. Demnach sich weder in Gefahr zu setzen, noch auch ihrer Glaubenslehre etwas zu wieder zu begehen, haben sie es auf folgende Weise sehr verschmitzt und verschlagen angegriffen. . Erstlich, wollte es eines Heerführers vonnöten seyn, damit sie für redliche Leute, und . keine Straßenräuber, oder Kundschafter, welche bloß "kämen um zu sehen wo unsere Länder offen sind, und was die Christen im Sinn haben , möchten gehalten würden, und daß Man sie hin und wieder srey und sicher ziehen ließe. Ist demnach einer so vermuthlich für andern..mit ansehlicher Leibesgestalt und. guten Verstand begabet war, zum Haupt erwehlet worden, welcher zu allen Glück, und daraus eine sichere Hoffnung -zu schöppfen war, daß ihr Fürnehme' nicht übel -wurde von statten gehen, auch, daß sie in ihrem Elend durch: ihn würden getröstet werden, Zundel hieß, welches ein purer jüdischer, und als viel mir bewußt, bey sonst keiner andern Völkerschaft üblicher Name ist, so zwar nur in gemeiner Redart üblich und eigentlich anstat Menachem, welches soviel als einen Tröster heißet, gebraucht wird Dan ist es bekannt, daß unter der Ju1)en Herkömens so wol in dem Lhief-Rabbi Dr. Aöler.

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