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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-24 · Heft 8 (24.2.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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da wichtige Aufgaben, insbesondere die Tätigkeit des Verbandes in der Schächtangelegenheit, in bezug auf die Zurücksetzung der Juden im Heere und den Ausbau eines Archivs für die Apologetik des Judentums größere Mittel erfordern. — Der Abschluß eines Abkommens mit - der Berliner Paketfahrt betreffs des Inkassos der Friedhofskommission wurde gebilligt. — Die turnusmäßig ausscheiden-: den Mitglieder der Armenkommission wurden wieder gewählt und neugewählt in dieselbe die Herren Dr. Arthur Glicksmann, Dr. Ludwig Löwenmeyer und Dr. Hugo Neumann, Frau Regina Masse, die. Ehefrau des Herrn Professor Dr^ Max Mosse. wurde von der Kommission als Ehrendame gewählt. Für die Stelle eines Hilfsarbeiters an der Gemeindebibliothek wurde das bisher auf 75 Mark normierte Gehalt auf 125 Mark erhöht. Damit schloß die öffentliche Sitzung, der eine kurze geheime Sitzung folgte. *** Berlin, 20. Februar. Unter zahlreicher Beteiligung fand gestern mittag die Trauerfeier für Herrn Emil Masse in seinem in der Bendlerstraße gelegenen Heim statt. Im Treppenhaus und den Nebenzimmern stand dicht gedrängt die Zahl derer, die dem so hervorragend tüchtigen und rechtlichen Mann ein letztes Zeichen treuer Gesinnung geben wollten. Wer nicht eine Stunde vor dem angesetzten Termin zur Feier kam, konnte nicht mehr in den Saal hinein, in dem der Katafalk Emil Mosses stand. Florumhüllte Kandelaber, fchwarzverkleidete Wände, reicher Palmenschmuck gaben hier schlicht und sinnig das äußere Bild der Trauer. Die nächsten Angehörigen wurden in dichten Reihen umgeben von den Vertretern der Redaktionen der im Mosseschen Verlage erscheinenden Zeitungen, von Deputationen des Verlages aus allen Teilen Deutschlands. Diese sowie die zahlreichen Freunde und Vexehrer des Verblichenen hatten so viele prächtige Kranzspenden geschickt, daß zwei riesengroße schwarzverkleidete Wagen nötig waren, sie auf den Friedhof zu schaffen. Als Vertreter des Berliner Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung waren die Stadt-, verordneten Friedberg und Nelke neben dem Stadtrat Venzky erschienen. Ferner sah man eine Deputation des Vereins der Grätz er in Berlin, eine Deputation des Lehrlingsheims in Pankow mit dem Direktor und einer Anzahl von Lehrlingen; Vertreter des Kuratoriums, den. Direktor, das Lehrerkollegium und eine Anzahl Zöglinge des II. Waisenhauses der jüdischen Gemeinde, sowie Ab-:, gesandte einer großen Reihe von verschiedenen anderen Wohltätigkeitsvereinen, denen der Verstorbene zur Seite gestanden hatte. Ergreifender Kindergesang, der auch dem Fernerstehenden die Tränen in die Augen trieb, eröffnete die Feier. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr.Blumenthal. Wie ein roter Faden zog sich durch die tiefempfundene, von Herz zu Herzen gesprochene Rede des Herrn Rabbiners: „Ein Freund und Wohltäter der Menschheit, der sich mit seiner großzügigen Verr' anlagung ganz in ihren Dienst gestellt hatte, der im Glück bescheiden war und seine Hand den Armen und Bedrängten weit öffnete, ist. für immer von uns geschieden." Das älteste Mitglied der Redaktion des „Berliner Tageblatts" H)r. I. Kaftan rühmte das soziale Empfinden, des Verstorbenen. Der technische Betrieb war durch Herrn Benario vertreten, der aufrichtig in dem früheren Leiter des technischen Betriebes den zweiten Vater betrauerte. Der , Vertreter einer Freimaurerloge legte mit herzlichen Worten dem Toten Rosen auf den Sarg. Wie der Verstorbene ganz der Wohlfahrt seiner Mitmenschen lebte, schilderte beredt Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld als Abgesandter des Vereins für Wohlfahrtspflege. Schließlich sprach Kommerzienrat Emil Jakob für den Berliner Verein der Kausleute und Industriellen: „Emil Moffe sei nicht nur mit seinem klugen Rat, sondern auch sehr reichlich mit der Tat ein unersetzlicher Förderer des Vereins gewesen." Unter den wehmütigen Klängen des Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rat," wurde der Sarg zum Leichenwagen getragen, draußen von einer großen Trauergemeinde mjt ehrerbietigem Grußerwartet- Obgleich der starke Wind auch drohte, die dichte Menschenmenge, die sich schon lange vor zwei Uhr nachmittags auf dem Friedhof in Weißensee angesammelt hatte, zu zerstreuen, das Heer von Angestellten, . Freunden und Bekannten der Firma Rudolf Mosse harrte Kopf an Kopf geduldig aus, bis der Trauerzug aus der Bendlerstraße eintraf. In der Bethalle war inzwischen alles stimmungsvoll hergerichtet worden, um die kurze religiöse Feier eindrucksvoll zu gestalten. Ein Hain von Blattpflanzen, mit einer Unzahl>von Kränzen verziert, sollte für wenige Minuten den- Katafalk bergen, der von Knaben und Mädchen des Pankower Waisenhauses und Mädchenheims geleitet, in den Andacht gebietenden Raum getragen wurde. Der Chor der Lindenstraße-Synagoge setzte mit ergreifenden Weisen ein, Rabbiner Dr. Blumenthal sprach das übliche Gebet .und unter dem wehmutsvollen letzten Sangesgruß an den Toten ging e8 hinaus zur Gruft. Voran der lange Zug der Waisenkinder, jedes einen kleinen Lorbeerkranz über dem Arm. Von der Bethalle bis zur Gruft bildeten Angestellte der Firma Rudolf Mosse Spalier und entblößten ihr Haupt, als der mit Nelken und Schneeglöckchen übersäte Katafalk herannahte. Den Trauernden, schloß sich eine nach Hunderten zählende Menschenmasse an, die wie eine Mauer die letzte Ruhestätte Emil Mosses umstand. In das stille Weinen der nächsten Angehörigen mischte sich das Aechzen der vom Wind gepeitschten Kronen der Bäume, als stimmten auch sie über das so frühe Hinscheiden dieses edlen Mannes ein Klagelied an. Ehre seinem Andenken. 8. Berlin, 21. Februar. Aus der geheimen Sitzung der Repräsentanten am 13. d. M. können wir unfern Lesern den hocherfreulichen Beschluß mitteilen, daß der Anka u f zw e i er S y n a g o g e n - grundstücke zum Abschluß' gebracht worden ist. Im Nordwesten sind die Grundstücke Levetzowstraße 8—10, Ecke Jagowstraße, und für den Süden und Südosten die Häuser Kottbuser Ufer 48—50 Ecke Britzer Straße, angekauft worden. *.* Berlin, 17. Februar. Im Verern für jüdische Geschichte und Literatur sprach am 14. d. M. Professor Dr. A. Philippson aus Halle über „Das türkische Reich und die Juden". Der Vortragende gab einen interessanten Ueberblick über die Entstehung, die Blütezeit und den Verfall dieses räumlich großen Reiches, wobei er in anschaulichster Weise, durch Lichtbilder illustriert, die geographischen Verhältnisse des Landes mit ihrer Einwirkung auf seine Bewohner schilderte. Besonders ausführlich behandelte er sein Thema vom ethnographischen Standpunkte aus und verweilte längere Zeit bei der Schilderung der Politischen und wirtschaftlichen Lage der Türkei mit besonderer Berücksichtigung der dortigen Juden, die in diesem Lande stets eine gastliche Heimat gesunden und' gegenwärtig von Jahr zu Jahr an Zahl zunehmen. Die zahlreich erschienene Zuhörerschaft spendete dem Redner für seine lehrreichen Mitteilungen lebhaften Beifall. — Im Verein jüdischer Mädchen in Berlin sprach Herr Lehrer Auerbach über „Flavius Josephus". — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Köln sprach Rechtsanwalt Ludwig Kahn über „Semitische Urgeschichte", Rabbiner Dr. Hannover über „Das heutige Palästina"; in Hamburg Rabbiner Dr. Loewenthal über „Geisteshelden aus der jüdischspanischen Geschichte"; in Lauenburg i. P. Rabbiner Dr. Salomon über „Die Mystik in der Geschichte des Judentums"; in Lissa i. P., Rabbiner Dr. Kälter-Danzig über „Die Poesie der Bibel"; in Rakel und Wollstein Albert Katz über „Lord Byron und seine hebräischen Melodien", derselbe in Nixdorf über >,Die Juden in Holland", in Prenzlau über „Christen und Juden als Förderer der hebräischen Literatur"; in Marienwerder lWestpr.) Oberkantor Meisel-Danzig über „Synagogale Gesänge"; in Neustadt, i. P. Herr Siegfried Philippsthal über „Der israelitische Prophetismus und der Einfluß der Propheten auf die historische und kulturelle Entwicklung des Judentums"; Herr cand. phil. Ehrlich: „Warum hat sich das Judentum erhalten und welche Aussichten bieten sich für die Zukunst?"; in Mainz und Glogau Privatdozent Dr. Falk-Genf über „Moses Mendelssohn als deutscher Dichter und Schriftsteller" und „Was ist uns Moses Mendelssohn?" *** Berlin, 15. Februar. Am 8. Februar d. I. starb Hierselbst, wie von uns bereits mitgeteilt, im fast vollendeten 69. Lebensjahre der frühere Lehrer an der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde, Samuel Meseritz. Der Lebensgang dieses arbeitsamen Mannes ist in mehr als einer Hinsicht charakteristisch. Im Jahre 1842 in Lissa in Posen geboren, besuchte er das dortige Gymnasium bis zur Obersekunda, um sich alsdann auf dem Breslauer Seminar zum Rabbiner auszubilden. Der Trieb nach baldiger Selbständigkeit veranlaßte ihn indes, vor der Königlichen Prüfungskommission am - Breslauer katholischen Lehrerseminar im April 1861 im Alter von 19 Jahren das Lehrerexamen abzulegen, ohne daß er jedoch seine

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