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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-24 · Heft 8 (24.2.1911) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 8 (24.2.1911)
Date
1911-02-24
Page
Seite 87 (sequence 3)
Language
German
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Bit Woche. Berlin, den 21. Februar. m 14. Februar ist Herr Emil Mosse im Alter von 57 Jahren nach längerem Leiden gestorben. Der hochverehrte Mann, der 25 Jahre lang, bis zum 1. Januar 1910 in dem weitausgedehnten Mosseschen Betriebe als Mitinhaber der Firma eine sehr hervorragende Stellung einnahm, hat . auch speziell unserer Zeitung lebhaftestes Interesse entgegengebracht. Ohne den beiden großen Verwaltungsbehörden der Gemeinde anzugehören, beteiligte er sich mit bedeutenden Opfern an GeldundZeit an zwei großen Gemeinde-Instituten: dem zweiten Waisenhause, dem er große Stiftungen zuwandte, und dem Mädchenhaus in Pankow.. Er war Mitglied der meisten humanitären Vereine unserer Genossenschaft und bedachte sie mit reichen Gaben. Schon aus diesem Gründe gebührt dem Hochverdienten ein Wort herzlichen Andenkens auch an dieser Stelle. In den Nachrufen, die ihm von vielen Korporationen bei seinem Ableben gewidmet wurden, kommen häufig die Worte vor: Eifer, Geschäftskenntnis, Pflichttreue; wir dürfen hinzusügen, daß der Verstorbene ein Muster von Selbstlosigkeit, großzügiger Wohltätigkeit und Bescheidenheit war. Ich hatte selbst in den letzten Jahren mehrfach Gelegenheit Herrn Emil Mosse in Gesellschaften zu sehen und freute mich stets seiner reichen allgemeinen Bildung, seines lebhaften Interesses für geistige Bestrebungen, seiner ungemeinen Liebenswürdigkeit, seiner jugendlichen Frische. Er war ein voller, ganzer Mann, dessen Andenken in unserem Kreise nicht vergessen werden soll. * Der Ausschuß des Verbandes Deutscher Juden versendet folgende Mitteilung, die wir gern an dieser Stelle wiedergeben: Die fortgesetzte Ausnahmebehandlung der Juden im preußischen Heere, die bei dev' bevorstehenden zweiten Lesung des Militäretats den Reichstag wieder wird beschäftigen müssen, hat dem Verbände der Deutschen Juden, der die Vertretung aller den Juden im Deutschen Reiche gemeinsamen Interessen bezweckt, Anlaß zu der Veröffentlichung der Broschüre „Das jüdische Bekenntnis als Hinderungsgrund bei der Beförderung zum preußischen Reserveoffizier" gegeben. Seit 30 Jahren ist, entgegen früherer Uebung, in Preußen kein einziger jüdischer Einjähriger zum Reserveoffizier befördert worden, während verhältnismäßig zahlreiche christliche Söhne jüdischer Eltern Reserveoffiziere wurden. Herr v. Einem gab denn auch die Tatsache sowie die Unzulässigkeit und Ungerechtigkeit erfolgter Zurücksetzungen wegen des jüdischen Bekenntnisses zu. Im Gegensatz, zu ihm hat sein'Nachfolger Herr v. Heeringen, wie erinnerlich ist, im letzten Jahre die Nichtbeförderüng der jüdischen Einjährigen mit der Behauptung, ihnen fehle die für den Vorgesetzten vor der Front unerläßliche „achtunggebietende Persönlichkeit" und mit der seiner Erklärung nach notwendigen Rücksichtnahme auf das im „niederen Volk" angeblich bestehende Vorurteil verteidigt. Gleichwohl hat er' erklärt, daß die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft kein Grund zur Nichtbeförderüng' sein dürfe und Abhilfe bei „nachweislichen" Verstößen gegen die diesbezüglichen Bestimmungen. zugesagt. — An diesen Gegensatz zwischen Herrn v. Heeringens — in sich widerspruchsvollen — Ausführungen, zu den von seinem Vorgänger ausgesprochenen Grundsätzen knüpft die Broschüre, des Verbandes der Deutschen Juden an. Eingeleitet wird sie von einer. im Januar .1910 an den Kriegsminister gerichteten Eingabe des Verbandes und der auf diese erteilten Antwort. Sie gibt dann die bisherige Entwicklung der Frage im Reichstag, seit diese im Jahre 1904 von dem Abgeordneten Eickhoff zuerst berührt wurde, wieder und schildert unter Bezugnahme auf die den Kriegs- Ministern in drei Jahren überreichten Beispielfälle, wie die jüdischen Einjährigen von Beginn des Dienstes an ohne anderen Grund als ihr Bekenntnis hinter ihren christlichen Kameraden zurückgesetzt werden, wie jede Beförderungsstaffel Gelegenheit bietet, dem Juden —. vielfach trotz ausdrücklicher Anerkennung seiner Tüchtigkeit und sogar trotz mannhaften Eintretens seitens einzelner vorurteilsloser Vorgesetzter — den Weg zur Reserveoffizierlaufbahn abzuschneiden. Einige besonders bezeichnende Fälle, in denen ein Vorgesetzter eine Beförderungsvorschlagsliste „ohne Juden" verlangt, oder ein anderer die Beförderung zum Vizewächtmeister dem Einjährigen gegenüber offen davon abhängig macht, daß er sich taufen lasse oder auf die Gestellung zur Wahl als Reserveoffizier vorher verzichte, sind genauer mitgeteilt. Daß es das Bekenntnis ist, gegen welches diese Praxis sich richtet, und nicht die mit der Abstammung in Verbindung gebrachten „persönlichen Eigenschaften",wird durch den Hinweis auf die — ja bekannte — Tatsache verdeutlicht, daß zahlreiche Juden durch dieTaufedieihnen sonst versagte Beförderung erlangt haben. Den Schluß der Broschüre bilden die Reichstagsverhandlungen über den Gegenstand von- 1904 bis 1910, aus denen vielleicht die bemerkenswerteste Einzelheit ist, daß selbst ein antisemitischer Abgeordneter (30. März 1908), wie der Abgeordnete Gröber (Zentrum) hervorhob, die Abhängigkeit der Beförderung vom religiösen Bekenntnis gemißbilligt hat, deren Vorkommen Herr v. Einem nach Prüfung der ihm 1908 überreichten Fälle (19. März 1909) unumwunden zugab. - * Die deutsch-sozialen Blätter und nach ihnen der .Generalanzeiger" (15. Februar) drucken unseren Glückwunsch zu Emil Alosse.

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