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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gedachte der Vorsitzende zunächst der verstorbenen Boistandsmitglieder. der Herren Emil Magnus,-und Hermann ©.• Meyer-. deren Andenken von^ der Versammlung in der üblichen Weise geehrt wurde. Dem alsdann vom. Vorsitzenden, erstatteten Jahresbericht ist' das folgende zu entnehmen: Das . dem Verein gehörende Kinöerhospiz ln Duhnen wurde im Berichtsjahre von 311 Kindern (195-Knaben und 116. Mädchen) je vier. Wochen ausgesucht. Von diesen war, n 175 Kinder aus Hamburg und 136 auS anderen deutschen Städcii: Der größte Teil dieser Pfleglinge wurde unentgeltlich bzw. zu .bedeutend ermäßigten Preisen ausgenommen. Es wurden insgesamt 8634 Verpflegungstage gezählt und bei einer Ausgabe von 22 915 Mark für Verpflegung ergibt sich 2.65 Mark pro Tag und Kind. Außerdem wurden auf Kosten des Vereins eine Anzahl Kinder nach den ihnen ärztlicherseits empfohlenen Kurorten gesandt. Weiter hat der Verein auch im Jahre 1910 einer größeren Anzahl von pflegebedürftigen,. schulpflichtigen Kindern während der Frühstückspause Milch und Eier verabfolgen lassen. Die Ausgaben hierfür beliefen sich auf 1024 Mark. Schließlich Halen noch 50 Kinder, die vorher ärztlicherseits untersucht wurdeneinen von einem -hiesigen Arzt geleiteten Kursus für orthopädisches Turnen duichgemacht. An größeren Legaten und Geschenken gingen dem Verein im Jahre 1910 zu von I. Kronheimer 3.00 Mark, Eheleute Horn Testament 300 Mark, Moritz Beer Testament 1000 Mark, Emil Magnus 500 Mark, S. Klemperer Testament 500 Mark und Rudolf Faldo Testament 500 Mark. Außerdem erhielt der Verein an einmaligen Beiträgen 4274 Mark.und an jährlichen Beiträgen 4447 Mark. Diesen Einnahmen stehen sehr bedeutende Ausgaben gegenüber, denn insgesamt wurden für die verschiedenen Vereinszwecke etwa 20 000 Mark verausgabt, während das Unkostenkonto nur 1417 Mark beträgt. Die mit einem Eewinnsaldo von 318 Mark abschließende Abrechnung wurde als richtig anerkannt und. genehmigt. Bei den am Schluß vorgenommenen Vorstandswahlen wurde der bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt und die Herren Tr. L. Allen und Ad. Moses neugewählt. . R. R. Leipzig, 9. Februar. Mit dem Tode der Frau Rosa 'Porges, Gattin unseres Rabbiners, des als Bibliophilen hervorragenden Gelehrten Dr. Nathan PorgeS, ist unserer Gemeinde und unserem «Gemeindeleben" herbes Leid widerfahren, und ist eine Frauengestalt dahingegangen, die patriarchalisch und modern zugleich war. Die-Verstorbene stand im 57. Lebensjahre, war die Tochter des Stadtrabbiners Dr. Friedmann seligen Andenkens in Mannheim und zeichnete sich durch hohe Gaben des Geistes und des Herzens aus. Eine geradezu mannhafte Tatkraft wohnte ihr inne und führte sie bei der Instandsetzung und Leitung der vielen Wohlfahrtseinrichtungen in unserer Gemeinde; in bewundernswerler Weise verstand sie für ihre Ziele und Zwecke die rechten Leute zu finden und zu begeistern. Was, wieviel und wie vielseitig sie in der .Gemeinde gewirkt: und von bleibendem Werte geschaffen hat, das kam an ihrer Bahre aus dem Munde der Vertreter von Gemeindc-Loge, Wohlfahrtsinstituten, frommen Vereinen und Stiftungen zum Ausdruck. Die Beerdigung fand unter großer Beteiligung von der Friedhofshalle aus statt. Nach einleitender Liturgie und einem der Verstorbenen eigens gewidmeten Gesänge des Ersten Kantors (s’chor adonoj me liojo. lonu) sprachen Rabbiner Dr. Kahlberg-Halle als stellvertretender. Geistlicher im Aufträge des Vorstandes der Gemeinde. Rabbiner Tr. V ogelstein- Stettin als Verwaiidter der Verstorbenen. Rabbiner Dr. Edelstein- Budapest als Schwiegersohn, Vorsteher Heinrich R o s ent hal namens der W'ohlfahrtsvereine, Frau Nelke für den Frauenverein und Rechtsanwalt Dr. Kaufmann für die Leipzig-Loge. Der. Vorsitzende des Vorstandes,-Herr Magnus beschloß die Reihe der Trauerreden durch eine kurze Ansprache am Grabe. Sie alle versuchten in trefflichen Worten die Bedeutung, den Charakter der Heimgegangenen den Mittrauernden nochmals vor Augen zu führen. Herzzerreißend war die Klage des Gatten;in die Worte: l'sos More isokc», Irl meisob lukocho sos klang sein Jammer aus. — Frau Rosa Porges starb am IS.- Januar in Berlinwohin sie sich züm zweitenmale zu einer Operation begeben hatte, —.man hat uns nur die, entseelte Hülle hierher zurückgebracht. Ihr Geist aber lebt unter uns fort in ihren segensreichen Werken. — Ans Westfalen, im Februar. Nachdem der seitherige Vorsitzende des Verbandes der Synagogen-Gemeinden Westfalens, Herr S. Flörsheim in Dortmund, der sich um den Verband sehr große Verdienste erworben hat, aus Gesundheitsrücksichten sein Amt niedergelegt hat, ist durch einstimmigen Beschluß des Verwaltungsausschusses Herr Justizrat Dr. Frankenstein in Bielefeld zu seinem Amtsnachfolger gewühlt worden. Damit ist der Sitz des Verbandes, zu dem 58 westfälische Gemeinden gehören, wieder nach dem Eründungsorte verlegt worden. Vor 20 Jahren hat die Synagogen-Gemeinde Bielefeld den Verband ins Leben.gerufen. Wbg. Hoya a d Weser, im Februar. Am 17. v. M. verschied hier nach längerem Leiden im fast vollendeten hundertsten Lebensjahre (es fehlten nur noch zwei Monate) der Färbermcister, frühere . Vorsteher unserer Synagogengemeinde und Stadtverordnete (Bürger- > Vorsteher) E. D. Elias, eine in weiten Kreisen sehr populäre und.geachtete Persönlichkeit, der bis an seinem Tod am öffentlichen Leben den regsten Anteil genommen und an einem liberalen Ausbau in Stadt und Gemeinde nach besten Kräften mitgewirkt hat. Noch bei den letzten Reichs- und Landtagswahlen hatte er, wie immer, sein Stimmrecht ausgeübt. — Lörrach, 10. Februar. Frau David Nordmann, hier, feierte gestern in voller, geistiger, und körperlicher Frische ihren 75. Geburtstag, nachdem sie vor wenigen Tagen das 30jährige. Jubiläum als Vorsteherin des hiesigen jüdischen. Frauen, Vereins begehen konnte. Aus diesem Anlaß begab sich im Auftrag- Jhrer Königlichen Hoheit der Großherzogin Luise der Kreishauptmann Herr Geheimer Regierungsrat Dr. B'elzer in die Wohnung der Jubilarin, wo sich neben den Familienmitgliedern, die zum Teil aus .weiter Ferne zu dieser Familienfeier erschienen waren, auch der Vorstand der jüdischen Gemeinde sowie eine größere Anzahl Bekannter eingefunden hatten, und überreichte Frau Nordmann das Bildnis der Großherzogin in goldenem Rahmen, zugleich ließ sie ihr die herzlichsten Glückwünsche und ihre aufrichtige Anerkennung für ..ihre alle dem Israelitischen Frauenverein während 30 Jahre gewidmete Wirksamkeit aussprechen. Der Herr Amtsvorstand selbst gratulierte der Geehrten in warmen Worten und gab seiner Freude Ausdruck, der Vermittler und Ueberbringer dieser ehrenvollen Auszeichnung sein zu dürfen. Namens der Gefeierten und im Aufträge der israelitischen Gemeinde dankte Herr Lehrer Abel in seindurchdachter Rede für die gnädige Aufmerksamkeit und die schöne. Ehrung cm der die ganze jüdische Gemeinde ebenso Anteil nehmen dürfewie die Geehrte selbst. Am Schluß seiner Rede hob er besonders hervor die hohe Bedeutung, die diese Ehrung seitens Ihrer Königlichen. Hoheit für alle Israeliten hat. Hierdurch sei, wie es von allerhöchster Stelle stets geschieht, die Gleichbewertung und Gleichberechtigung so offensichtlich zum Ausdruck gebracht worden, wie es schöner und deutlicher nicht sein könnte. Für dieses gütige Zeichen der Anerkennung zollte er innigen Dank. Damit war die Feier in ihrem offiziellen Teil beendet.— Ter Jubilarin seien auch an dieser Stelle die besten Glück-'und Segenswünsche dargebracht. Mögen ihr noch viele schöne Jahre segensreichen Wirkens und gesegneten Erfolges beschieden sein! Oesterreich-Nnssrn. K. Wien, den 10. Februar. Bei der Ende Januar in der Prager Handels- und Gewerbekammer vorgenommenen Wahl des Präsidiums wurde Herr Kaiserlicher Rat Leon Bondy zum Vizepräsidenten wiedergewählt. .Interessant war bei dieser Wahl, daß auf Herrn Bondy sämtliche tschechische Stimmen entfielen, wahrend sein deutscher Gegenkandidat nur zehn Stimmen auf sich vereinigte. Die Wahl des Herrn Bondy bedeutet nicht nur eine Ehrung für den Gewählten selbst, sondern auch für seine Wähler. ■.—* Am 30. Januar fand in Sarajewo die Ersatzwahl für daS israelitische Landtagsmandat statt. Gewählt wurde der Advokaturskandidat Dr. Vita Alkahlay, sein Gegenkandidat Gemeinderat Avram Salom blieb in der Minorität. — Vor einigen Tagen verschied in Oedenburg (Ungarn) Herr Karl Hauser, der ein intimer Freund des ungarischen Malers Munkaczy und ein Schüler der Wiener Akademie der Wissenschaften' war. Der Verblicheneder ein Alter von 70 Jahren erreichte, war Zeichenprofessor an - der Oedenburger Realschule- und

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