Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228969--67241-3279447- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
erfreute sich in hohem Maße der Sympathien aller Kreise der Stadt Oedenburg. - Die in Kronstadt erscheinende „Gazeta Transilvaniei", das Organ der siebenbürgischen Rumänen, veröffentlichte aus der Feder eines Dr. S. Dan einen Artikel, in welchem gesagt wurde, das jüdische „Kol^Nidre"-Gebet, welches .von den Juden in ihren Synagogen am ^ersöhnungstage gebetet wird, ermächtige sie, falsche Eide zu schwören, ohne daß sie damit ihr Gewissen belasten. Infolge des Einschreitens mehrerer Judengemeinden wurde von der ungarischen Staatsanwaltschaft gegen Dr. S. Dan. wegen seines Artikels die Anklage wegen Aufreizung gegen eine staatlich anerkannte Konfession erhoben und die Angelegenheit zur Schlußverhandlung vor das Geschworenengericht in Maros-Vasarhelh verwiesen. Zwei ungarische Oberrabbiner legten als Sachverständige.den Geschworenen eine Uebersetzung des Kol-Nidre-Gebets vor und wiesen nach, daß > das Gebet nicht das enthalte, was der Angeklagte behauptet hat. Trotzdem hat das Geschworenengericht den Angeklagten sreigesprochen. Die Staatsanwaltschaft legte gegen diesen Freispruch Berufung ein. Man sieht in ungarischen Kreisen dem Ausgang des Prozesses mit ■ Spannung entgegen. — Aus Roppezyce (Galizien) wird der „Oesterreichischen Israelitischen Union" geschrieben: Vor einigen Monaten wurde hier ein Geistlicher namens Jes zum Religionslehrer an der Volksschule ernannt. Abgesehen von der Agitation, welche dieser Geistliche gegen die dortigen jüdischen Kaufleute und die armen Dorfhausierer führt, indem er von der Kanzel in der Kirche zum Boykott gegen die jüdischen Einwohner anfhetzt, entwickelt er auch eine andere Hetze gegen die Juden, indem er an Sonn- und Feiertagen Hetzschriften gegen das Judentum vor der Kirche unter den Bauern durch die Kirchendiener verbreiten läßt. Welche Resultate eine solche Agitation zur Folge haben kann, läßt sich, unschwer erraten. Die armen Dorfhausierer spüren es schon auf Schritt und. Tiütt. „Was unsere Lage betrifft," heißt es in der betreffenden Zu-! schrift können wir nur sagen, daß wir auf einem Vulkan fte^en;! und daß unser Los sich, stündlich zum Schlimmsten wenden kanH j Die hiesigen Bauern bestehen fast nur aus unwissenden, fanatischen j Elementen, die an das geschriebene Wort wie an eine Offenbarung ° glauben, und die von der Kanzel'^ gepredigten Theorien gelten in ihren Augen als die wahren Lehren Christi." Die Leitung der „Oesterj reichischen Israelitischen Union" verspricht, mit aller nötigen Energie! gegen das Treiben des Hetzkaplans bei den zuständigen Behörden einzuschreiten, wozu wir ihr von Herzen den besten Erfolg wünschen. MILKA VELMA NOISETTINE IVP1/ in>vu4■wA' ALLEINIGER FABRIKANT. >—• Abgeordneter Kam ill o Kur a n da beging am 7. d. M. in aller j Stille seinen 60. Geburtstag. Abgeordneter Kuranda, ein eifriger!! Vertreter und Verfechter jüdischer Interessen im österreichischen Reichs^? rat, ist -ein hervorragender' Fachmann auf dem Gebiete des Eifers {< bahnwesens. Durch viele Jahre war er im EisenbahnministeriumH in wichtigen Ressorts tätig und trat vor einigen Jahren äM ' Ministerialrat in den Ruhestand. Im Abgeordnetenhause beschäftigt - er sich vorwiegend mit wirtschaftlichen Angelegenheiten, speziell ME jh Eisenbahnsragen, und genießt als Fachmann die Anerkennung äüivj Parteien. Kuranda ist ein Sohn des hervorragenden deutschliberaleilt Parlamentariers Ignatz Kuranda. Herrn Kuranda kamen aus Än-V laß seines 60. Geburtstags viele Glückwünsche zu, denen sich, die Wiener Judenschaft vom Herzen anschließt. Der Kaiser von Oesterreich hat vor einigen Tagen Frau Regine Kopstein, die sich durch viele Jahre auf humanitärem Gebiet mit dem größten Eifer und vielfachen Erfolgen betätigte, den Elisabeth-Orden II. Klasseverliehen. — Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften hat in der vor einigen Tagen stattgefundenen Generalversammlung beschlossen, folgenden Gelehrten mosaischen Glaubens namhafte Subventionen zu verleihen Dr. Moritz Kohn in Wien, Dr. F. Ehrenhaft in Wien, Dr. Michael Stark in Czernowitz und Dr. R» Kraus. Die Subventionen wurden den genannten Gelehrten verliehen zur Fortsetzung ihrer Studien bzw. zur Vollendung ihrer wissenschaftlichen Werke. — Vor einigen Tagen empfing Kaiser Franz Josef die Präsidenten des Journalisten- und Schriftstellervereins „Eoncordia", Dr. Sigmund Ehrlich und Julius Stern, die erschienen waren, dem Monarchen die Einladung zum „Eoncordia"-Ball zu überreichen. Aus die Ansprache des Präsidenten Dr. Ehrlich erwiederke der Kaiser: „Ich bin schon alt und besuche daher keine Bälle mehr". Darauf erkundigte sich der Kaiser nach dem Humanitären Aufgaben des Vereins und unterhiM sich längere Zeit mit den genannten Herren, die . er dann huldvoll entließ. Von Mh und jfrrn. ------ Im Monat Januar wurden im Krankenhause der . Berliner jüdischen Gemeinde 286 Kranke behandelt, von welchen 141 (16 durch Tod) ausschieden, so daß am 1. Februar 1911 -ein Bestand von 145 Kranken verblieb. Dieser verteilte sich auf 11 Kranke in Extrazimmern, 128 Stationskranke, 4 Diphtherie- und 2 HKatlach-Kranke. «1 v Erhältlich in allen besseren. Bierhandlungen. . '''' Grätzer Bierbrauereien A.4, Brak (Prov. Posen) —■—~— Filiale: Berlin 0.27, Andreasstrasse 21-;—- (Fast / alkoholfrei!" mMvätzef A Bier. Leipziger Lebensversicherungs-Gesellschaft auf Gegenseitigkeit (Alte Leipziger) vormals Lebensversicherungs-Gesellschaft zu Leipzig, errichtet 1830. üerMerungsbeftand rund 9*0 MMouen Mark vermögen rund zso MMonen Mark NenabMuM 19l0r 75 MMöüm Mark neues, uorteUbafteftes Prämien* und MvidendeuMem ilnanfetbtbarKeit « Unuerfallbarfteit . IfleltpoUce 61