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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-17 · Heft 7 (17.2.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 7 (17.2.1911)
Date
1911-02-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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75. Jahrgang »" Beilgge zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". 5rorrklponÄrn?kn und Kschrichten. Deutschland. — Berlin, 14. Februar. Die von der Vereinigung für das liberal eIu d e n t um in Deutschland eingesetztelFünfzehner-Kommission hat vor kurzem in Berlin, abermals eine Sitzung abgehalten. Der wesentliche Teil der Vorarbeiten ist beendigt, so daß die Kommission mit der ersten Lesung der Referate beginnen konnte. Bei dem Eifer, mit dem jedes einzelne Mitglied der Kommission sich an den Arbeiten beteiligt, ist zu hoffen, daß etwa im Herbst d. I. die Kommission ihre Arbeit erledigt haben wird. — Berlin, 14. Februar. Der Verein für Arbeitsnachweis (Monbijouplatz 10, Telephon Amt III 2589) schreibt uns. Die ungünstige Konjunktur aus dem gesamten Berliner Textilmarkt zieht weite Kreise des hauptstädtischen Wirtschaftslebens in Mitleidenschaft und findet auch in einer erheblich, verminderten Nachfrage nach Arbeitskräften ihren augenfälligen Ausdruck. Die Signatur des Berichtsmonats war daher ein bedeutend vermehrtes Angebot von Arbeitslosen, denen bedauerlicherweise eine bei weitem nickt ausreichende Zahl von Vakanzen gegenüberstand. .Immerhin gelang es der Tätigkeit der drei Abteilungen unserer Stellenvermittlung, von 311 neuangemeldeten Bewerbern 283 Personen (87 Kaufleute, 79 Handlungsgehilfinnen. 117 ungelernte Arbeiter) in geeignete Stellungen zu. bringen. Konnte .in. der Schreibstube des. Vereins, in der Schreibmaschinenarbeiten, wie Adressierung7und Versand von Reklamen zu mäßigen Preisen, ausgesührt werden, eine Anzahl Bedürftiger teils im Bureau, teils zu ,Hause mit schriftlichen Arbeiten beschäftigt, werden, so herrschte in der Inkasso-Abteilung, die die Einziehung von Beträgen hiesiger Wohlfahrtsvereine besorgt Hochkonjunktur; hier fand eine größere Zahl bejahrter Bewerber unter Erzielung nennenswerter Verdienste mit dem Eintreiben der Quittungen Beschäftigung. Da der Verein in .allen feinen Abteilungen ausschließlich humanitären Zwecken dient und seine Erfolge nur durch großen Aufwand an Mitteln und Arbeit erreichen .kann, so wäre es wünschenswert, wenn sich »seinen Bestrebungen immer weitere Kreise anschließen würden. — Danzig, 12. Februar. Das Kuratorium für jüdische Krankenpflegerinnen zu Danzig versendet soeben den VI. Jahresbericht. Wie aus demselben ersichtlich ist, hat das Kuratorium in einer Anzahl Voll- und Komissionssitzungen die laufenden Arbeiten erledigt und sich auch mit dem weiteren Ausbau der hiesigen Krankenpflegerinnen- Station beschäftigt. Ein Resultat haben diese Verhandlungen jedoch noch nicht gezeitigt, weil die Nachfrage nach staatlich geprüften jüdischen Krankenpflegerinnen an allen Orten, in denen es eine Loge gibt, eine sehr große ist und die vorhandenen und in Ausbildung begriffenen Schwestern bei weitem nicht ausreichen, den, Bedarf Rechnung zu tragen. Es kann hierin auch nicht früher ein Wandel eiutreten, als bis es gelingt, für diesen zwar schweren, aber vornehmen und edelsten Beruf in allen und gerade in den gebildeten Kreisen unserer Glaubensgenossen größeres Interesse zu erwecken. Die Ausbildung erfolgt völlig kostenlos. Die Nachfrage nach den Schwestern war auch in diesem Jahr eine, solche große, daß leider wieder eine erhebliche Anzahl Gesuche abgelehnt werden mußten. Die Schwestern Rahel und Cilla, deren vorbildliche Tätigkeit ungeteilte Anerkennung verdient, leisteten an 1. Pflegen, für die Entschädigungen gezahlt wurden, 16 Vollpflegen (Tag und Nacht) mit insgesamt 286 Tagen, 51 Nachtpflegen; 2. Pflegen, für die keine Entschädigungen gezahlt wurden, 2 Vollpflegen (Tag und Nacht) mit insgesamt 28 Tagen, 6 Nachtpflegen, 83 Ambulanzbesuche. Unter den Vollpflegen waren eine in christlicher Familie und 4 in der Provinz. Die Einnahmen waren in diesem Jahre größer» dank der gütigen Beihilfe der hiesigen Synagogen-Gemeinde, welche uns einen Jahresbeitrag von 200 Mark gewährt hat und dank der Erhöhung des uns vom hiesigen Frauen-Pflege-Verein . gewährten Jahresbeitrages von. 20 Mark aus 50 Mark. Der Bericht schließt mit der Bitte des Kuratoriums, auch fürderhin, seine Bestrebungen durch Wohlwollen und Beihilfen zu unterstützen. W. Posen, 13. Februar. Ueber das jüdische Kranken- und Siechenhaus (Abraham und Henriette Rohrsche Stiftung, Hierselbst sind für das Jahr 1909/10 folgende Angaben zu machen:) Im Krankenhause wurden im Berichtsjahre 500 Patienten (im Vorjahre 496) verpflegt, von denen auf die . innere Station 302 (267) und auf die . äußere 198 (229) entfallen. Die Zahl der gesamten Verpflegungstage betrug 16171 (15112). Von den Verpflegungstagen der vierten Klaffe kamen zur Berechnung: tarifmäßig 5183 (6224), zu ermäßigten Sätzen 1344 (1040), auf Kosten der städtischen Armenverwaltung 351 (671), unentgeltlich auf Kosten der Stiftung 2030 (1718). Von den unentgeltlichen Verpflegungstagen entfallen auf Ausländer, (russische Juden) 220 (444). Die Gesamtverpflegungstage verteilen sich auf Kranke aus der Stadt Posen mit 8569-(7075), auf Kranke des auswärtigen Inlandes, zumeist aus der Provinz Posen mit 4694(4819), auf Kranke aus Rußland mit 2908 (3218). Von den behandelten Kranken waren 424 Juden (414) und 76 Christen (82), Der Bestand der Kranken zählte bei Beginn des Berichtsjahres 44, es kamen hinzu 456, zusammen 500, entlassen wurden 421 (422), gestorben sind 34 (32) — 455, so daß am 1. April 1910 45 (42) im Krankenhause verblieben. Das Siechenhaus beherbergte 7 Frauen und einen Mann mit 2920 (3176) Verpflegungstagen, und zwar: zu tarifmäßigen Sätzen 1094 (1905), zu ermäßigten -Sätzen 1905 (1084), 'unentgeltlich 730 (997). Insgesamt, bezifferten sich im Berichtsjahre/ die Ausgaben auf 121841,36 Mark, die Einnahmen auf 113747.36 Mark, so daß aus Mitteln der Synagogengemeinde ein Zuschuß von 8094. Mark geleistet worden ist. Auf der inneren Station der Anstalt wirkte, wie seit einer Reihe von. Jahren, Sanitätsrat Dr. Caro. Die durch den Heimgang des Prof. Dr. Jaffe freigewordene Stelle des Oberarztes an der chirurgischen Abteilung wurde durch Sanitätsrat Dr. Albrecht Rosenstein aus Berlin, der sie am 1. Januar 1910 antrat, besetzt. Tie Anzahl des Pflegepersonals erfuhr, abgesehen davon, daß eine Oberschwester eingestellt wurde, keine wesentliche Aenderung. x. Lissa i. P., 13. Februar. In einer großen Genteindeversammlung, die gestern unter dem Vorsitz von- Justizrat Nürnberg zur Aufklärung über den Zionismus stattfand, erstattete Rechtsanwalt Dr. Wolfs ein Referat über dasThema: „Vergangenheit und Zukunft des Judentums und der Zionismus". In eingehenden, lichtvollen Ausführungen wies der Vortragende nach, daß Juden lange vor der Zerstörung des Tempels und vor ihrer Zerstreuung in vielen Ländern Europas, Asiens und Afrikas gewohnt haben und zeigte an dem Beispiele von Arabien, Italien, Spanien. Portugal, Ungarn, England und Deutschland, daß die Juden in diesen Ländern viele Jahrhunderte unter deu glücklichsten Verhältnissen .lebten, bis Verfolgungen über sie hereinbrachen, stets um des Glaubens willen, nie der Nationalität oder der Rasse wegen. In den europäischen Ländern seien es immer die Kirche und insbesondere die Päpste gewesen, die den Anlaß dazu gegeben und den Juden den „Judenfleck" auferlegt haben. Seitdem die Macht der Kirche gesunken sei, hätten sich die Verhältnisse der Juden stetig gebessert. Der Antisemitismus, der jetzt noch vorhanden sei, sei nur noch als. letzter. Ausläufer des Mittelalters (gleich dem Adel und ähnlichen Dingen) zu betrachten, und es sei als sicher anzunehmen, daß die Lage der Juden einer weiteren, anhaltenden Besserung entgegengehe, weshalb sie ausharren sollten und im nächsten Jahre, die Jahrhundertfeier der Emanzipation guten Mutes und nt froher Zuversicht begehen könnten. Der Zionismus jage einem i Phantom, einer Utopie, nach, bringe die Juden in Zwiespalt mit dem« Vaterlande, in dem sie wohnen und trage einen ungesunden Jdealis-1 mus in die Jugend hinein. Dem Redner, der vielen Beifall fanderwiderte Rechtsanwalt Dr. Köllen scher aus Posen, der den

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