Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 7 (17.2.1911)
- Date
- 1911-02-17
- Page
- Seite 82 (sequence 10)
- Language
- German
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ehemalige römische Untertanen behandelt. Es war nun eine selbstverständliche Sache, daß bei der Intelligenz und bei dem hohen Bildungsstand der Juden diese bald bei den Germanen ein Ansehen errangen. . Allein des Volkes Neid und. Mißgunst wurde dadurch geweckt und so entstand bereits unter den Merovingern die erste kleine Judenverfolgung und Zerstörung der Synagogen in Hallien. Die bigotten Goten,, sowohl Ostwie Westgoten, schlossen dann die Juden von allen Ehrenstellen aus religiösen Gründen aus und verboten ihnen bürgerlichen Erwerb. Die „Kirche" schloß sich, wie Klemm richtig sagt, dieser „germanischen Ansicht" an. So. wurde der Jude gezwungen, jenen Berufszweig zu ergreifen, der nach germanischer Ansicht „des freien Mannes unwürdig" war, den Handel. Der Jude wurde, gezwungen von den Berhält- .nissen, Kaufmann. Fleiß, Treue, Intelligenz und Sparsamkeit brachten viele Juden finanziell in die Höhe. Während andere Völkerschaften im Spiel, Gelagen usw., ihren Verdienst verschwendeten, war der, von derartigen „ehrenvollen" Gesellschaften ausgeschlosfene Jude sparsam. Die Folge war ein gewisser Wohlstand mancher jüdischen Familien. Dies wurde nun ebenfalls mit Neid beobachtet. So entstand die Mär von der Unehrlichkeit der Juden. Die an gewisse kostspielige Ausgaben gewohnten „Bürger" Westeuropas - konnten es nicht begreifen, daß ein mißachtetes und geknechtetes Handelsvolk, gerade infolge seiner Sparsamkeit, seiner strengen Sitte und Zucht,, zu Wohlstand kommen mußte. Man beschuldigte die. Juden des Wuchers. Allein ihre Zinsen sind, bei genauer Betrachtung, den damaligen Geld- und Verkehrsverhältnissen durchaus entsprechend und keineswegs überoorteilend. Meistens waren die Zinssätze sogar behördlich' vorgeschrieben. So kam es, daß im Volk eine tiefe Abneigung^ . gegenüber den Juden entstand, während die Fürsten, teils die' volkswirtschaftliche Bedeutung, dieses Volkes er-' kennend, ihnen günstig gesinnt waren. Besonders Dagobert und Karl der Große, auch Ludwig der Fromme scheinen die volkswirtschaftlichen Vorteile, welche die Juden als gute sparsame Handelsleute ihren Völkern brachten, erkannt zu haben, denn sie waren Judenfreunde. ‘ Allein die ständigen Verhetzungen der Kirche, welche in diesem Fall nicht mit dem weltlichen Regiment, sondern mit dem Volk und der blinden Volkswirt paktierte (wie heute noch in Rußland), drangen schließlich auch nach oben hindurch. Es fehlte an Fürsten, wie Ludwig dem Frommen, welcher die Hetzereien eines Erzbischof Agoberd von Lyon zurückwies und diesen für seine an Juden verübten Untaten maßregelte. Die Hetzerein der Kirche, welche ihren Grund in der Freiheit von Abgaben der Juden ihr und den Geistlichen gegenüber hatten, drangen durch. Sie fanden zunächst Unterstützung bei den deutschen Duodezfürsten, die darüber erbost waren, daß die Juden als unmittelbare Untertanen des Kaisers nur diesem, nicht aber den Kleinstaaten steuerpflichtig waren. . So findet denn schon .das 10. Jahrhundert die Juden als die verachteten, aber vermögenden Einwohner der westeuropäischen Staaten. Schon das Jahr 1096 sah bekanntlich die erste große allgemeine Judenverfolgung und Niedermetzlung. Einige Duodez-Fürsten und Bischöfe stellten sich an die Spitze der raubenden und sengenden „christlichen" Volkshorden. Von da ab beginnt ein allgemeines Martyrium dieses Volkes. Die naturgemäße Folge dieser Bedrückung der Juden im 12. bis 15. Jahrhundert war, daß Heimat- und obdachlose Familien, die von Christen ihrer Ha.be beraubt waren und nur das nackte Leben retteten, durch die Lande irrte n, sich in Wäldern verborgen hielten und-sich von Wurzeln usw. -dürftig nährten. Auch, daß. wohl hin und wieder bettelnde Juden auftraten. Diese sind im 15. bis 16- Jahrhundert dann mit den Zigeunern 'verwechselt worden. So entstand die falche Meinung der Gleichwertigkeit von Zigeunern und Juden. Und doch lag der Unterschied für jeden denkenden Menschen so nahe. ' . (Fortsetzung folgt.) Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trencsäni. II. . . 5?^« Frau deckte mit dem bunten Tischtuche den halben Tisch, brachte aus der Küche die Suppe herein, blickte ihren Mann an und hieß ihn freundlich zugreifen. „Du bist gewiß hungrig, komm und iß, Berele!" Berele setzte sich hin und schaute in die Schüssel: „Suppe?" - Verlegen strich die Frau die Falten des Tischtuches glatt. „Sei nicht böse, Berele, ich habe nichts als diese leere Suppe." „Nun, wo nichts ist, ist nichts," sprach Berele heiter und begann eifrig die leere Suppe zu löffeln. „Wie e goldenes Joch, so soll ich leben," sagte er entzückt. „Wie für eine Braut, Bruchele." „Aber leer," sagte traurig die Frau „Und Ms ein Unglück, wenn die Suppe leer ist? Tut das der Suppe weh? Nur der Magen soll nicht leer bleiben und der unserige ist — Gott sei dank — nicht leer. Hier ist das Frühstück, Mittagbrot wird auch sein." „Zu Mittag kann ich dir nur Kartoffeln geben." „Nur Kartoffeln? Und wer nicht einmal Kartoffeln hat, Bruchele? Es gibt kein besseres Essen aus der Welt als Kartoffeln. Sie schmecken wie^Maronen, und Maronen sind teuer. Wenn ich Kartoffeln esse, denke.ich immer an Maronen, so daß ich gar nicht mehr weiß, welchen Geschmack Kartoffeln haben." „De bist ewade a gebenschta Mensch,"* 2) stammelte dankbar Bruchele. „Bruchele," sprach Berele vergnügt, nachdem er die Suppe gegessen hatte. — „Ich sag' Dir etwas." „Was ist's, Berele?" „Blümele wird Braut werden." Bruchele faltete die Hände und preßte sie an die Magere Brust. „Jst's wahr, Berele, ift's wahr?" „Md wie wahr. Eben habe ich mit dem Schadchen gesprochen. Alles ist in Ordnung." - „Jst's ein Witwer?" fragt die Frau in qualvoller Beklemmung. . „Nein." „Ein Geschiedener?" „Nein." h Goldene Suppe. So heißt die Suppe, welche das junge Paar nach der Trauung bekommt. . 2) Du bist ein herzensguter Mensch.