Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorstände verwaltet werden. Es -sei mir gestattet, -hier auf eine Einrichtung Hinzuweisem die schon durch ihre Altehrwürdigkeit eine besondere Beachtung verdient. Ich meine die Gesellschaft ^lachnassath Kalla h“, zur Ausstattung bedürftiger Bräute, welche, im Jahre 1.720 begründet worden ist. Unsere Vorfahren haben es als eine hervorragende Pflicht -empfunden, bedürftigen Bräuten bei der Gründung eines eigenen 'Heims beizustehen. Die Gesellschaft war in erster Reihe als eine solche auf Gegenseitigkeit, rdas heißt zur -Unterstützung der Töchter der Mitglieder gedachh ^hat ihre segensreiche Wirksamkeit aber auch auf Nichtmitglieder ausgedehnt. Durch eine vor drei Jahren erfolgte Reorganisation und damit verbundene zeitgemäße Revision der Satzungen ist die Gesellschaft jetzt in der Lage, Nichtmitgliedern auch größere Beihilfen zu gewähren. Leider ist das Interesse für unsere -gute Sache nicht:in dem Maße-rege,, wie es diese erheischt, was ich als derzeitiger Vorsitzender.der Gesellschaft mit meinen Herren Kollegen, die wir die Pflichten unserer Vorgänger im Amte pietätvoll übernommen haben, lebhaft bedauere. Die sozialen Verhältnisse der Neuzeit erschweren den Unbemittelten immer mehr die Begründung eineseigenen Heims- und so ist es natürlich, daß die an uns gestellten Anforderungen-ständig wachsen und nicht mehr Schritt halten mit. unserer finanziellen Kraft. Wir müssen daher leider viele Gesuche, die beachtenswert sind, schweren Herzens. ablehnen. Ich habe mich zu dieser kurzen Darlegung entschlossen und würde mich herzlich freuen, durch meinen Hinweis auf einen besonders beachtenswerten Zweig der mannigfachen Wohltätigkeitsbestrebungen in unserer Gemeinde anregend gewirkt zu haben. Ich baue auf den bewährten Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen, indem ich die Hoffnung ausspreche, daß sich viele, die der Gesellschaft noch nicht als Mitglied angehören, zur Mitgliedschaft melden werden, um uns in unseren Bestrebungen zu unterstützen. Geschäftsstelle: II. Verwaltungsgebäude der Gemeinde, Rosenstraße 2—4 parterre. . . — Berlin, 7,.r Februar. Ein Jubiläum eigener Art konnte am 3. Februar Herr Handelsrichter Herrmann Landsberger, der frühere Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums zu Berlin begehen. Es waren 50 Jahre verflossen, seit er durch Ballotement «in die Wohltätigkeitsgesellschaft „Magine Beim“ ausgenommen wurde, deren Vorstand er seit 30 Jahren angehört. Seine Kollegen gratulierten dem wohlverdienten rüstigen Jubilar und überbrachten ihm ein Blumenarrangement. *** Berlin, 7. Februar. - Im V e r e i n f ü r j ü d is ch e G e s ch i ch t e und Literatur sprach am 26. v. M. Dr. Jsmar Freund über das Thema: «Aus den Freiheitskämpfen der preußischen Juden." Der Vortragende gab einen historischen Ueberblick über die Bemühungen der preußischen Juden um ihre Emanzipation, besonders über die Vorstöße, die von den drei größten Gemeinden, Königsberg, Berlin und Breslau unternommen wurdem In Königsberg begann die Bewegung, als das Theaterrestaurant zu verpachten war, und ein jüdischer Pächter über das zwanzigfache des bisherigen Betrages bot, jedoch von der Regierung, nicht die Erlaubnis erhielt. Die Gemeinde machte darauf-eine sehr energische Eingabe bei dem König. Die Berliner Judenschaft setzte ihre seit dem Tage von Dohm nicht unterlassenen Bemühungen auch in der Zeit unmittelbar vor 1812 energisch fort, und ebenso tat es die Breslauer Gemeinde. Seit Hardenbergs Amtsantritt kam die Beratung weiter vorwärts, als vorher, wo es in der Zeit der Niederwerfung des preußischen Staates vielfach an der nötigen Zahl von Beamten im Ministerium fehlte. David Friedländer wieS aus die Not ber Juden und auf die schreckliche Verwirrung hin, die durch den Abfall , der Vornehmen und die Kindertaufe angerichtet.wurde. Encdlich hat auch-Israel Jacobsohn sich persönlich bei Hardenberg bemüht und damit auf den Erfolg des Gesetzes vom 11. März 1812 ein gewirkt. Maßgebend war ' für Hardenberg der Gesichtspunkt, daß der Staat in seiner Not gute Bürger brauchen könne. — Die hochinteressanten Ausführungen fanden lebhaften.Beifall. — Aus den auswärtigen Vereinen: In Alzey sprach Rechtsanwalt H. Sinzheimer-Ludwigshafen über „Die- Juden in der. Schauspielkunst"; in Allenstein Rabbiner Dr. Beerm ann- Jnsterbnrg: - „Der. moderne Mensch und die Religion"; in Nakel Mittelschullehrer Joseph aus Nordhausen über „Moderne Rassentheorien"; in. Hattingen-Ruhr Rabbiner Dr. L. Bäck-Düffeldarf über „Die 'Anfänge des' Judentums"; in Mainz Oberlehrer Dr. Christian Boas über Lessin gs «Nathan der Weise und die Emanzipation der Juden"; in Köln Fräulein Iosepha Metz: „EigeneDichtu.ngen"; in Grünberg i. Schl. Lehrer Rosenthal über Leben und Werke Spinozas"; Dr. Adolph Kohut-Derlin über „Schiller, Israel und die Bibel"; iw Kolmar i. P. Lehrer Sinasohn- . Czarnikau über „Rumänisches Judentum"; in Emmerich a. Rh. Dr. L. A. Rosenthal-Berlin: „Was hat das Judentum in Zukunft, noch zu leisten? "; derselbe in Lippstadt: „Berührt uns die Lehren-. Jesu-Frage?"; in Recklinghausen Rabbiner Dr. Broder über „Proselyten im Judentum"; in Wiesbaden Rabbiner Dr. C. Seligmann- Franksurt a. M. über „Glauben und Wissen im Judentum"^ in Neustadt O.-Pr. Albert Katz über „Die moderne hebräische Poesie". Ein neuer Verein ist in Wöllstein i. P. begründet worden. — Berlin, 7. Februar. Gesellschaft für Palästina- Forschung. Am 13. Februar 1911 abends 8^ Uhr findet im Hotel „Zu den vier Jahreszeiten" zu Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, der angekündigte Vortrag des aus dem Babel-Bibelstreite bekannten Orientforschers Dr. Jeremias-Leipzig mit Lichtbildern über, das Thema: „Kanaan in vorisraelitischer Zeit" statt. Gäste haben Zutritt. Karten sind zu haben bei Herrn Dr. I. Ginsberg.» Am Karlsbad 7. . *»* Berlin, 7. Februar. Mit nächstem Semester tritt der im 78. Lebensjahre stehende Dozent Professor A. Berliner in den Ruhestand, indem er aus seiner 38 jährigen Lehrtätigkeit am Berliner Rabbinerseminar scheidet. Die Resultate seiner bisherigen Forschungen auf den verschiedensten Gebieten der jüdischen Wissenschaft füllen eine Anzahl von Bänden. Aus der Muße an seinem Lebensabend dürfte noch mancher literarische Beitrag zu erwarten sein. Wie wir hören ist Professor Berliner, der mehr als 60 Jahre in verschiedenen Lehrämtern gewirkt hat aber gottlob'noch recht geistesfrisch ist, gegen wärtig damit beschäftigt, eine Rechtfertigung des Maimonides gegen die Anschuldigung der Apostasie herauszugeben. Auch die Veröffentlichung des zweiten Byndes seiner Randbemerkungen zum Gebetbuch dürste nicht allzu lange auf sich warten lassen. Möge der Allgütige ihn noch recht lange erhalten und ihm zu seinem ferneren literarischen Schaffen die nötige Kraft verleihen. ■> B. Kolberg, 3. Februar. Am 29. v. M. beging die hiesige Chewra Kadischa ihr fünfzigjähriges Stiftungsfest, das zugleich zu einem Jubelfest für den Frauenverein erweitert wurde, dessen Gründungsjahr zwar nicht mehr genau festgestellt werden kann, aber nach Ausweis eines Sparkassenbuches" vor 1848-zu suchen ist. Nach dem Morgengottesdienst begaben sich die „tätigen Mitglieder" der Chewra auf den Friedhof, um dort die üblichen Gebete zu sprechen. Nachmittags 4 Uhr begann der eigentliche Festakt mit einem feierlichen Gottesdienst. Seiner Festpredigt legte der Rabbiner Herr Dr.. Godschmidt die Schriftstelle Exodus II. 2 ff. zugrunde, verglich den Dornbusch mit Israel und den beiden Vereinen, und das ihn umgebende Feuer mit der die Herzen erwärmenden Nächstenliebe und besonders mit der echt jüdischen Liebestätigkeit der Vereine, legte den Mitgliedern die wahrhafte jüdische Opferwilligkeit ans Herz und ermahnte sie, mit Moses stets bereitwillig zu sprechen: „Hier bin ich". Sodann gab er noch einen kurzen aber umfassenden Rückblick auf die Entwicklung der Gemeinde Kolberg und der Vereine. Ein Seelengedächtnis beschloß die erhebende und stimmungsvolle Feier. Bald darauf versammelten sich die Mitglieder der Chewra und des Fräuenvereins nebst zahlreichen auswärtigen Gästen zu einem fröhlichen Zusammensein in dem Neuen.Gesellschaftshause. Nach einem Prologe unterhielt die Jugend der Gemeinde, welche sich zur Verschönerung des Festes bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte, durch, die wohlgelungene Aufführung dreier kleiner Theaterstücke die Anwesenden, reicher Beifall wurde den Darstellern für ihre vorzüglichen Leistungen zuteil. Hieran schloß sich, eine kurze Festsitzung der Chewra und bald folgte das Festmahl, an dem zirka 130 Personen teilnahmen. Auf den Kaisertoast folgte die Festrede des Rabbiners auf die beiden Vereine, . sodann ein Toast auf die „tätigen Mitglieder" und den Rabbiner als den Ehrenvorsitzenden, auf den Vertrauensarzt der Vereine Herrn. Dr. Heinrichsdorff, auf die Gemeinde Kolberg und ihre Vorsteher und Repräsentanten, auf die ältesten Mitglieder der Vereine, auf ' die Gäste und' zum Schluß auf die Damen."Besonders aber ist noch