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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-10 · Heft 6 (10.2.1911) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 6 (10.2.1911)
Date
1911-02-10
Page
Seite 70 (sequence 10)
Language
German
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Antoninus-Berichte des Talmud eine ungezwungene Erklärung fänden. Herrn Landau scheint bei' obigen Worten der Satz in meiner Schrift vorgeschwebt zu haben, daß unserem Antoninus kein einziges Mal der Titel „Kaiser" beigelegt wird (S. 100), und da muß ich nach wie vor behaupten, daß dieser eine Umstand genüge, sämtliche früheren Antoninuskombinationen aus dem Felde zu schlagest, dagegen meine These fast evident zu machen. Trotz dieser Kampfesweise meines Gegners werde ich nicht in den Fehler Landau s verfallen, hochwichtige Daten und Angaben zu ironisieren und zu bespötteln. Was in seinen Ausführungen von Belang ist, suche ich vielmehr ernstlich zu beantworten. Wenn er z. B. schreibt (S. 93): „Woher die Juden in Palästina diesen Großpapa in Rom kannten, sagt uns Krauß nicht," so antworte ich darauf, daß jener „Großpapa" Statthalter von Syrien, also der unmittelbare Beherrscher der Juden war, und daß sie ihn nennen mußtenum den von ihnen gemeinten Antoninus den Severus von allen übrigen Antoninen zu unterscheiden. Wenn aber. Landau fortfährt': „Kaiser durch Usurpation (wie denn nicht, da es sich um Avidius Cassius handelt), Antoninus, Sohn des Severus, aus der jüdischen Volksauffassung," so ist das bereits eine kleine Verdrehung meiner Worte, denn ich habe nicht die jüdische, sondern die allgemeine Volksauffassung als diejenige bezeichnet, die den Usurpator einen Sohn des Severus sein läßt, steht doch diese Auffassung in der einzigen Biographie/ die wir von dem Usurpator besitzen! Die Entscheidung, ob jene' Kaiserbiographie verläßlich sei oder nicht, steht mir nicht zu, und so habe ich von einer Volksauffassung nur'gesprochenum auch im schlimmsten Falle die jüdischen Quellen erklären zu können, und jeder, der die Fassung und die Stelle meiner Worte liest bzw. beobachtet, wird merken, daß ich diesen Umstand als unwesentlich höchstens nur streifen wollte.? Der nächste Satz Landaus (S. 33) zeigt, daß er ein wesentliches Ergebnis meines Werkes unbeachtet ließ. Er findet es sehr begreiflich, wie Avidius während seiner so kurzen stürmischen Herrschaft Zeit und Gelegenheit finden konnte, sich mit Rabbi über theologische, politische und naturwissenschaftliche Fragen zu unterhalten, ja sogar mit ihm wegen seines Nachfolgers Bestimmungen zu treffen. Nun hatte ich aber den Schwerpunkt meiner Beweisführung gerade dahin verlegt, daß uns mit Avidius ein römischer Machthaber gegeben wird, der ein halbes Menschenalter (S. 87, Anmerkung 2) als Statthalter von Syrien über die Juden geherrscht hatte, daß folglich seine Besprechungen mit den Juden und mit Rabbi in die lange Zeit seiner Statthalterschaft fielen, nicht in die kurzen Kaisertage, die zu stürmisch waren, um für die Berichte der Aggada den paffenden Rahmen abzugeben. Landaus Frage hat also Geltung gegen jeden Antoninusforscher, auch gegen sich selbst, da er in dem talmudischen Antoninus den Kaiser Hadrian zu erblicken scheint: nur gegen mich hat sie keine Geltung. Wenn Landau unseren berühmten Rabbi, und seinen ebenso illustren Vater „Sachverständige in Militärangelegenheiten" nennt (S. 44)/so irrt er. Die Reform der ägyptischen' Kriegswagen, die in meinem Werke behandelt wird, bildete den Hintergrund von aggadischen Aeußerungen jener beiden großen Rabbis, die damit nichts als ein Schriftwerk illustrierten. Ich habe geschrieben (S. 49), daß die Sklaven, die den Antoninus bei seinem geheimen Gang zu Rabbi begleitet hatten, nicht getötet sondern „nur zu einem Schlummer gebracht wurden", ein ganz unmißverständlicher Satz, da ich gleich darauf schreibe: „ . . da die Herren selten ohne Sklaven ausgistgen, und die Sklaven naturgemäß zu den Staatsaktionen nicht zugelassen wurden, so blieb ihnen eben nichts anderes übrig als zu — schlafen." Diese^ aus dem römischen Leben wohlbekannte Erscheinung glaubte ich weiter nicht belegen zu müssen, ich sehe nun aber, daß es doch erforderlich' ist. Man lese also Midrasch zu Koheleth 5, 1 nach, wo erzählt wird, Rabbis Sklave sei eingeschlafen während Rabbi, aus dem Bade steigend und sich ankleidend, sich mit öffentlichen Angelegenheiten abgab. Alles stimmt: Rabbider Sklave, öffentliche Angelegenheit, Schlaf. Da imputiert mir nun Herr Landau, ich hätte behauptet, des Antoninus Sklave sei eingeschläfert worden, und daß Antoninus zu seinem Freunde geschlichen? ffei „ein Fläschchen mit Morphium in der Tasche"! Bezüglich des Speisens Rabbis bei Antoninus'macht mir Landau den Vorwurf, ich hätte mich nicht bekümmert, ob die Speisen koscher, der Wein nicht nesech war. Gewiß, ich habe mich nicht darum 'gekümmert; wenn jedoch Landau um Rabbis Seelenheil bange ist, so beruhige ich ihn damit, daß die Seelenrettung bereits R ap P ap or t (in Kerem Chemed 7,210) vorgenommen hat. Ich bin auch nicht schuld daran, „daß die Geldangelegenheiten eine große Rolle in dem Verkehr der beiden" spielen (Landau 'S. 4*4). Die Verhältnisse des römischen Weltreiches wollen nicht an dem naiven Idealismus eines Stubengelehrten gemessen werden. Ich habe alle Ursache, Herrn Landau für seine trotz aller Ausstellungen mir günstige Meinung dankbar zu sein, kann ihm jedoch nicht das Recht einräumen, für Tatsachendie auch er anerkennen muß, mich moralisch verantwortlich zu machen. Herr Landau, der nach eigenem Bekenntnis dreißig Jahre an dem Antoninusproblem laboriert, ist gleichwohl nicht dazu gelangt, auch nur eine der zahlreichen Schwierigkeiten zu beseitigen. Er reißt meinen Bau nieder, ohne einen anderen an dessen Stelle zu setzen: Das Chaos ist ihm lieber als die Schöpfung, das Rätsel lieber als die Lösung; so geschehe ihm denn sein Wille. Aber nichts beweist so sehr die Notwendigkeit meines Werkes, als diese über Dezennien andauernde Ratlosigkeit, und da schließlich meine These für große Partien des Talmud die einzig annehmbare Deutung gewährt, so kann es auch mit der Richtigkeit derselben nicht so arg stehen. gaaiLLecnf? g Leim Lämpchen. Roman von Peter UjvLri. ' Berechtigte Uebersetzung von Rosa Trenessni. I.. ■■■ - liebe Herrgott hat mein schmutziges, kleines Städtchen an den Neutra-Fluß gesetzt. Am oberen Ende ragen zwei' Fabrikschlote gegen den Himmel/ einem Menschen gleich, der nach langem Liegen sich gern strecken würde, doch nur die Arme emporrecken känn, da ihm die Beine inzwischen starr' geworden sind. Auch Nagysöröd hätte sich gern gedehnt/ doch vergeblich,' denn am Kopfende hinderte es das gräfliche - Schloß, zu Füßen aber ein toter Arm des Neutra-Fluffes;- dieser stand ihm nach unten im Wege, jenes erlaubte nicht,' daß es 'hinausklimme. Demzufolge hockt Nagysöröd schön manierlich und bescheiden vor dem Grasenschkoffewie ein Bettler mit starrgewvrdenen Füßen vor der Kirchentür kauert-

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