Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 6 (10.2.1911)
- Date
- 1911-02-10
- Page
- Seite 66 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228968--67214-3279419- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
'für das künstlerische Streben' und Können Cohens ausgesprochen.' Vondiesen Studien-der neunziger Jahre ausgehend, nahm Cohen "dann späterhin nochmals einen Anlauf zu einer Mälweise in modern-gemäßigtem Sinne. Namentlich Studienköpfe der letzten Zeit zeigten eine breite klare Technik, ein sattes, blühendes Kolorit mit einer unfehlbar sicheren. Zeichnung,- bi«.; man eher einem jüngeren Manne, denn der alternden Hand des' Greises zugetraut hätte.' Wenn' Cohen im Atelier vor seinen eigenen Studien einmal über seine künstlerischen Absichten, seine Technik und? Auffassung sprach, und nur ganz wenig Auserwählten dürste er so sein Künstlerherz geöffnet haben, so hatte man das Gefühl, einen jungen vorwärtsstürmenden Künstler zu hören. Die wenigen Fachkollegen, die von seinen Werken von Zeit zu Zeit etwas sahen, waren überzeugt, daß Cohen, wenn er seine Gemälde ausgestellt hätte-, und diese somit weiteren Kreisen bekannt geworden wären/ als ein hervorragendes Mitglied der Frankfurter Künstterschafff namentlich als Landschafter, mit an erster Stelle genannt worden wäre. * - Aber künstlerisch an die Oeffentlichkeit-zu treten, war nicht nach seinem Empfinden. Ihm kam es vor allem auf die innere Wahrhaftigkeit des künstlerischen Schaffens an; keinen Pinselstrich -konnte er hinsetzen, der nicht seinen vollen Ausdruckswert besaß, und Zufälligkeitstechniken und äußerliche, blenden sollende Bravourleistungen wies er zurück. Er besaß die selten e) Fähigkeit, vor einem Bilde irgend etwas, das vielleicht nichts recht stimmen wollte, über dessen Wesen man nur .schwer sich^ klar werden könnte, mit unfehlbarer Sicherheit sofort herausHo zufinden, eine Folge von einer gesteigerten inneren Konzentration^ und der überausscharfen Selbstkritik, die / er an seinen eigenen / Werken zu üben pflegte. Beim Besuche des KunstvereinG konnte man in dieser Beziehung bei Cohen auf dem GebietH der feinfühligen, gerechten Kritik ^viel Wichtiges lernen, untö man hatte dann immer das Gefühl,-als würde gerade dieses Mann mit seinem Schatz von Bildung- Erfahrung und Können,/ mit seinem schlichten, aufrechten Sichgeben, der geborenes Lehrer der Kunst gewesen sein. | E; ' / Dr. med. Karl (lkarprl) Lippe in Jaffy (Rumänien), dessen Bild wir dem Leser vorführen, hat am 17. November seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert.. In ihm verehrt die Judenheit einen verdienstvollen Förderer., ihrer Literatur und erfolgreichen Verteidiger ihrer Rechte. Er wurde 1830 zu Stanislau in Galizien geboren und gehört einer Gelehrtenfamilie an, die ihren Stammbaum auf Raschi zurückführt. Mit Vorliebe erzählt Lippe von seinem gefeierten Ahnherrn Jsack Lauzker, dessen fünf Töchter an jüdische Gelehrte verheiratet wären, denen die vornehmsten-? jüdischen Familien entsprossen, von seinem Urgroßvater Elieser Lippmann aus Strelisk, d er - mit Jakob Frank öffentlich dis- * pufferte, von seinem Vater Baruch Lippe, der ein hervor-/ ragender Talmudist gewesen ist. Im elterlichen Hause und. sonst in seiner Vaterstadt' lernte er die jüdische Wissenschaft kennen, die ihm später die Quelle eines reich gesegneten Wirkens, geworden ist. Erst im vierzehnten Lebensjahre wurde der Wissensdurstige von seinem Bruder Chaim David/ Lippe, dem bekannten Buchhändler und- Bibliographen, in der deutschen und polnischen Sprache unterrichtet/ Nach dem Besuch des Gymnasiums in Lemberg und nachdem er dort? Medizin studiert hatte, ging er 1857 als Arzt nach Tarnopol, wo er als Assistent im jüdischen Hospital Gelegenheit fand. sich in seiner ärztlichen Wissenschaft zu vervollkommnen.- Von Tarnopol siedelte er nach Jassy über, machte in Bukarest fein rumänisches Arztexamen,' würde .in Erlangen-zum Doktorder Medizin. Promoviert und lebtseitdem, in Jassy als ..gefeierter Arzt und, Schriftsteller, als- .Führer und Fördererjüdischen Lebens. All.sein Kennen und Können stellte er in den Dienst seiner Glaubensgenossen. Während seines, ganzen arbeitsreichen Lebens hat er seine literarisch-publizistische Tätigkeit . ausschließlich der Verteidigung des Judentums gewidmet und mit rühmenswerter Unerschrockenheit, mit Sach- und Fach- . kenntnis für die Rechtsstellung seiner Glaubensbrüder bei sonders in Rumänien gekäinpft. Seine erste polemische Schrift schrieb er rumänisch: stupta evreilor pentru emaneiparea -lor in ‘Roinania' (Der Kampf der Juden um die Einanzipation in Rumänien.) /Seitdem sind zahlreiche Aufsätze und Werke in deutscher, französischer, hebräischer, polnischer und rumänischer Sprache aus Lippes Feder gefolgt. Wir nennen: Darke lia-refua, Diätetik und Heilkunde (1869); Causeries historiques (1869); Der Judenhaß (1871); Der Talmud (1873); Die Essäer als Maurer (1875); Die rumänische Judenfrage vor dem Berliner Kongreß (1878); Die Menschenliebe, Die Zivilisation und die Gerechtigkeit vom Standpunkt der Vorgänge in Tisza-Eßlär (1883); Die Gesetzsammlung des Judenspiegels, zusammengestellt und gefälscht von Aron Briman, beleuchtet und berichtigt (1885); Symptome der antisemitischen Geisteskrankheit (1886); Der Talmudjude vor dem katholisch-protestantisch-orthodoxen Dreirichterkollegium (1887>; Das Evangelium Matthäi vor dem Forum der Bibel und des Talmud (1889).; Die Austreibung der Juden aus Spanien (1892); Rabbinisch-wissenschastliche Vorträge (1897); Die-Embryologie nach dem Talmud, Die Philosophie Spinozas- -verglichen mit dem Talmud (1900); Die zehn-Gebote im Sinne des Judentums und der Kirche, Zwei Vorträge über Unsterblichkeit und Spiritismus (1907). Noch zuletzt, anläßlich seines achtzigsten Geburtstags, veröffentlichte er: „Die gerichtliche Medizin in der biblisch-talmüdischen Gesetzgebung." : St. Sozialdemokratie und Judentum. Von.Rechtsanwalt Dr. Cohn.in Dessau. it2ine verbreitete archaistische Zeitung, die nicht im Geruch des Antisemitismus steht, brachte jüngst folgende Notiz: „Einen Wahlrechtssonntag wollen die Berliner Genossen wieder einmal haben. 73 Volksversammlungen .sollen am Sonntag ' mittag um .12 Uhr in Berlin und den Vororten mit der Tagesordnung „Kein gerechtes Wahlrecht in Preußen" stattfinden. Auf der Rednerliste des Tages befinden fich/die vielversprechenden Namen Bernstein, Cohen, Davidsohn, Grunwald, Herzfeld, Hirsch, Rosa Luxemburg, Rosenfeld, Sabath, Weyl, Frida Wulff, Leid, Manasse, Silberstein, Regina Friedländer, Haß, Nathow und Stadt Hagen." Ich sandte darauf an die Redaktion nachstehendes Schreiben: - „In Ihrem geschätzten Blatte findet sich eine Notiz, wonach unter 73 für Berliner sozialdemokratische Wahlrechtsversammlungen in Aussicht genommenen Rednern sich eine große Zahl mit „vielversprechenden", einzeln auch ausgesührten Namen befindet, wie sie? sämtlich unter Juden häufig Vorkommen. Darausdaß 20 derartige Namen hintereinander aufgeführt werden, ist unschwer zu entnehmen, was r