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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-03 · Heft 5 (3.2.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 5 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 bei der russischen Mission oder Konsulatsbehörde visieren lassen können, die für ihren Wohnsitz zuständig ist, wodurch große Weiterungen entstehen. Auch die Legitimationen sind umständlich und zeitraubend. Der Aufenthaltsschein kann nur auf Grund der Erlaubnis des russischen Ministeriums des Aeußeren und der Finanzen erlangt werden. Der Verband hebt mit Recht hervor, daß diese Ungleichheit der Behandlung deutschen Reisenden gegenüber durch nichts gerechtfertigt ist, und richtet das Ersuchen an das Auswärtige Amt, im Wege der Handelsvertragsverhandlungen Abhilfe zu schaffen. Am Schluß der Eingabe heißt es: „Unser nationales Ansehen muß Rußland gegenüber. suchen, wenn wir es uns bieten lassen,' daß deutsche Reichsangehörige dort mit zweierlei Maß gemessen werden." Man dars gespannt sein, wie sich das Auswärtige Amt dazu äußern wird. — Berlin, 30. Januar. Auch in diesem Jahre wird das jüdische Genesungsheim zu Lehnitz für Frauen und Mädchen wiederum am 1. März eröffnet. Es sind für die Frühjahrsmonate-noch einige Plätze zu vergeben, und ist es für Erholungsbedürftige angebracht, Meldungen um Aufnahme sofort an das Bureau. Berlin 6., Rosenstraße 2/4 unter Beifügung eines ärztlichen Attestes zu richten. B. ll. Berlin, 26. Januar. Der Verein „Israelitisches Lehrerinnenheim" (E. V.) veranstaltet, am Sonntag den 5. Februar 1911 einen „Fünfuhr-Tee" in den Räumen des Brüdervereins, Kurfürstenstraße 116. Hervorragende Künstler > haben in liebenswürdigster Weise ihre Mitwirkung bei der Veranstaltung zugesagt. Der Ertrag soll für den Erweiterungsbau des „Altersheims israelitischer Lehrerinnen" in Groß-Lichtcrfelde, das dank seiner vorzüglichen Organisation einen raschen Aufschwung genommen, verwendet werden. Im Hinweis auf den segensreichen Zweck, unseren, im Berufe aufgeriebenen Lehrerinnen eine freundliche Heimstätte für ihr Alter zu bereiten, ist der Veranstaltung ein reger Zuspruch der Gesellschaftskreise.zu wünschen. — Berlin, 26. Januar. Die Allgemeine Indische Kolonisations-Organisation übersendet uns nachstehende Mitteilungen: Eine Reihe, von Umständen hat in der letzten Zeit die jüdische Kolonisation im Orient in den Vordergrund treten lassen. Infolge der Ueberfüllrmg der nordamerikanischen und englischen Zentren mit jüdischen Emigranten ist die Schaffung eines neuen Abflußgebietes für den jüdischen Auswandererstrom zur dringendsten Aufgabe der jüdischen Wohlfahrtstätigkeit geworden. Ein solches Abfluß- und Ansiedlungsgebiet hat sich nun im Orient eröffnet, wo die Umwandlung der Türkei in einen modernen Rechtsstaat die für die ersprießliche Entwicklung des jüdischen Ansiedlungswerkes erforderlichen Garantien bietet und. die vor drei Jahrzehnten begonnene, heute anfblühende jüdische Kolonisation einen vielversprechenden Ausgangspunkt bildet. Diese Tatsachen, welche in Westeuropa das Entstehen der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation veranlaßt haben, riefen naturgemäß auch in Osteuropa und Nordamerika eine neue, tiefgehende Bewegung zugunsten der energischen Fortführung der jüdischen Anfiedluugstätigkeit im Orient hervor. In Rußland, Rumänien, den Vereinigten Staaten, aber auch auf dem jüdischen Kolonisationsgebiete selbst sind in den letzten Jahren neue, zum Teil sehr kapitalkräftige Vereinigungen und Gruppen entstanden, welche sich den Erwerb und die Besiedlung leerstehender-Landstrecken im Orient zum Zweck setzten. Neben dieser genossenschaftlichen Bodenkaufsbewegung geht eine nicht minder intensive individuelle einher. Hunderte von bemittelten Glaubensgenossen aus den verschiedensten Weltgegenden treffen gegenwärtig in den jüdischen Zentren des Orients ein. um von dort aus nach passenden Terrains Umschau zu halten. Diese neue Kolonisationsbewegung bedarf eines geeigneten Finanzinstruments. Nur ein äußerst geringer Teil der jüdischen Nachfrage nach Boden im Orient kann gegenwärtig befriedigt werden. Es ist eine bekannte Tatsache, daß kleine Parzellen in urbarem Zustand in jenen Gegenden nur selten käuflich sind. Nach einer in. Jaffa ausgestellten Statistik mußten im letzten Jahre jüdische Landkäufer — Private und Vertreter kleiner Gesellschaften — welche insgesamt 1 400 000 Rubel investieren wollten, unverrichteter Dinge heimkehren, weil -ihnen keine passenden Grundstücke nachgewiesen werden konnten. Schon dieser Umstand läßt die Gründung einer Terraingesellschaft als unentbehrlich erscheinen. Nur eine solche ist in der Lage, geeignete größere Objekte zu erwerben, für die Besiedlung vorzubereiten und Interessenten kleine Grundstücke in bebauungsfähigem Zustand zur Verfügung zu stellen. Aber auch sonst sprechen die Erfahrungen von drei Jahrzehnten dafür, daß nur ein kommerzielles Institut die jüdische Orientkolonisation wirksam fördern kann. Die spontane, in so starker Zunahme begriffene Auswanderung nach dem Orient, das Privatvermögen und die erzeugende Arbeit der zumeist nicht unbemittelten Emigranten müssen als wesentliche . Faktoren in Betracht gezogen, werden. Anderseits sind kapitalkräftige Glaubensgenossen zu veranlassen, sich an der jüdischen Orientkolonisation als rein geschäftlichem Unternehuien zu beteiligen. Die Rentabilität kolonisatorischer Unternehmungen im Orient ist durch die im Aufträge der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation vorgenommenen Untersuchungen außer Frage gestellt worden und wird demächst in einer Publikation dargctan werden. . Eine, der wichtigsten Aufgaben der in Frage stehenden Erwerbsgesellschast wäre die Befriedigung des dringenden Bedürfnisses nach langfristigem, billigem Kredit auf dem jüdischen Kolonisationsgebiete. Die bewährtesten alten Kolonisten, deren Grundbesitz und persönliche Tüchtigkeit volle Garantie bieten, können ihren Betriebgegenwärtig nicht vorwärts bringen und müssen ihreSöhne nach Australien ziehen lassen, weil kein Institut ihnen langfristigen Kredit zu mäßigen Zinsen gewährt. Anderseits bringen manche tüchtige neue Ansiedler nur die Hälfte des zur Installierung erforderlichen Kapitals mit. Diesen müßte eine Gesellschaft Boden und Haus gegen Sicherstellung und auf Amortisierung überlassen. Die bis jetzt gemachten Erfahrungen beweisen, daß die jüdischen Ansiedler ihren Verpflichtungen pünktlich Nachkommen und volles Vertrauen verdienen. Um nun den Aufgaben, die die jüdische Orientkolonisation mit sich bringt, gerecht zu werden, hat die Allgemeine Jüdische Kolonisations- Organisation nach eingehenden Vorstudien sich entschlossen, ein jüdischest Fiuanzinstitut für Bodenerwerb, Parzellierung und Agrarkredit ins Leben zu rufen. Die Satzungen dieser Erwerbsgesellschast sind so gefaßt, daß sie ihr die Möglichkeit eröffnen, sich auch auf allen anderen, mit einer großzügigen Kolonisation zusammenhängenden Gebieten — Häuser- und Straßenbau, Industrie, Anlage von Verkehrswegen usw. — zu betätigen. Die Allgemeine Jüdische Kolonisations-Organisation wird sich an der Erwerbsgesellschaft mit ihrem Kolonisationsfonds beteiligen und ihren Mitgliedern die Zeichnung von Aktien empfehlen. Das neue Institut wird jedoch nur, dann wirkliche Bedeutung für die Kolonisation gewinnen können, wenn es über ein namhaftes Kapital verfügt. Die Leitung der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations- Organisation hat daher einen Plan ausgearbeitet, auf Grund dessen sämtliche die jüdische Kolonisation im Orient auf rein wirtschaftlicher Grundlage anstrebenden Organisationen und Gruppen ihr Kapital in der neuen Gesellschaft vereinigenkönnen, ohne ihren Sonderbesl and aufzugeben. Die außerordentlichen Vorteile, welche durch den Zusammenschluß kleinerer Körperschaften zu einer einzigen kapitalkräftigen Institution erwachsen, sind augenfällig. Nur eine solche vermag die Installierung neuer Kolonien unter fachmännischer Leitung planmäßig und ökonomisch zu organisieren. Nur sie ist in der Lage, die Erwirkung günstiger Bedingungen für die Ansiedler bei den Behörden mit dem gehörigen Nachdruck zu betreiben. Die Notwendigkeit eines derartigen Finanzinstituts und die Bedeutung der Idee des Zusammenwirkens. aller verwandten Organisationen ist .von unseren Glaubensgenossen voll gewürdigt worden. Schon heute haben sich zwei andere Körperschaften mit der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation zwecks Gründung der.Erwerbsgesellschast vereinigt. Die über erhebliche Mittel verfügende Landerwerbsgruppe von Bialystok hat nachstehende Resolution gefaßt: 1. Die Landerwerbsgruppe zu Bialystok spricht ihre volle Zustimmung zu dem Grundgedanken des Exposäs der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation aus, daß eine Vereinigung aller den Bodenerwerb im Orient anstrebenden Körperschaften und Gruppen im Interesse einer gedeihlichen und beschleunigten Fortführung der jüdischen Kolonisation im Orient liegen würde, und 2. erklärt sich demgemäß bereit, mit ihrem gesamten, ihr von ihren Mitgliedern zur Verfügung gestellten Kapital von 2 Millionen Mark, eventuell f -*®3 t ■ I 4

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