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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-02-03 · Heft 5 (3.2.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 5 (3.2.1911)
Date
1911-02-03
Page
– (sequence 13)
Language
German
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75. Jahrgang Nr. 5 Der Gemeindebare. Berlin, 3. Februar 1911 Vellage zur „Allgemeinen Leitung deF Judentums". Lorrelpondrn?m und Kachnchten-. Deutschland. Berlin, 31. Januar. Am Conntog den 29. d. M. fand im Lehrlingsheim zu Pankow die Gedenkfeier für zwei verstorbene Kuratoren der Anstalt statt, für Herrn Geheimen Kommerzienrat vr. ing. h. c. Isidor Loewe und für Herrn Regierungsrat Tr. Ernst Magnus. Zu diesem Z'oeck hatten sich außer den Angehörigen der Verstorbenen die Kuratoren der Anstalt, die teilweise mit'ihren Frauen erschienen waren, eingefünden, und zwar der Vorsitzende Herr Rudolf Masse und Frau, die Herren D. Feilchenfeld, Oskar Tietz, Baumeister Fraenkel, Kommerziell rat Friedmann. Unter den zahlreichen Freunden und Gönnern der Anstalt, die an der Feier teilnahmen, bemerkten wir Herrn M. M an heim er und Frau, Stadtverordneten Leopold Jacobi, Generalkonsul Eugen Landau, Iustizrat Dr. Lehfeld. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Liede; „Das Leben wellt, wie Gras", worauf Herr D. Feilchenfeld folgende Gedächtnisrede hielt: Hockrvcrehrte Trauerverfammlung! Tief erschüttert von zwei schwelen Verlusten, die den Verein Lehrlingsheim betroffen haben, hat das Kuratorium unserer Anstalt Sie zu einer schlichlen Trauerfeier versammelt. Der Geheime Kommerzienrat Dr. ing. h. a. Isidor Loewe und der Negierungsrat Dr. Ernst Magnus sind uns durch den Tod entrissen worden. Nicht kann es mir zustehen. Ihnen ein umfassendes Bild des Wirkens dieser beiden Männer zu geben. Wenn wir diese schlichte Traüerfeier veranstalten, so wollen wir nur in wehmütigem Gedenken den Dank des Lehrlingsheims Pankow für dasjenige ansiprechen, was unser Institut beiden zu verdanken hat. Cchlicht muß unsere Trauerfeier sein, wenn sie sich im Geiste beider halten soll. Denn eine der schönsten Eigenschaften beider Tahiugeschiedenen war die Schlichtheit ihres Wesens. Isidor Loewe, ein Mann, der selbst, wie er niemals verleugnet hat, schlichten Kreisen entsprossen und durch eigene Tatkraft, unermüdlichen Fleiß und Verwertung seiner reichen Geistesgaben zu den höchsten Staffeln emporgestiegen^ ist, welche im kaufmännischen, industriellen und wirtschaftlichen Leben erklommen werden können, würde es nicht verstehenwenn man ihn in tönenden Worten feiern wollte, und Ernst Magnus, der schon von früher Jugend an in seinem Vater das leuchtende Vorbild gemeinnütziger Tätigkeit vor Augen gehabt, war der letzte, der für sein Wirken zugunsten anderer einen Dank erstrebt oder auch nur ein Lob angenommen haben würde. Uns aber drängt es, dem Danke, von dem wir beiden Männern gegenüber erfüllt sind,, einen kurzen Ausdruck zu geben. Wir sind stolz daraus, daß wir beide die Unseren haben nennen dürfen. Isidor Loewe hat seit dem 5. Juli 1895 unserem Kuratorium angehört, er hat es seit dem 29. April 1897 als Vorsitzender geleitet, und nur ein schwacher Ausdruck des. Dankes für seine Leistungen war es, als am 13. Juni 1909 die Generalversammlung ihm. die höchste Ehrung bereitete, welche unser Verein zu vergeben hat, indem sie ihn zum immerwährenden Ehrenmitgliede ernannte. In der ganzen langen Zeit seiner Wirksamkeit ist Isidor. Loewe nie müde geworden, sein reiches Können für die schönen Zwecke des Vereins einzusctzen, und große Förderung hat dieser ihm zu danken. Seit er in das Kuratorium eingetrelen ist, hat sein Herz, das stets für alles'Gute und Schöne geschlagen, auch unser Institut mit Wärme umfangen. Daß das Beispiel eines solchen Mannes o"ch für unseren Verein in weiten Kreisen Nachahmung wecken mußte, iit wohl begreiflich, undso recht im Sinne des Verstorbenen war es, wenn seine Nächsten, die schwergeprüfte Gattin und seine Kinder, noch über seinen. Tod' hinaus durch eine edle -Schenkung unser Institut gefördert haben. Ich sage im Namen des Kuratoriums den innigsten Dank dafür.. Nimmer werden wir der Stunden vergessen, in denen es uns vergönnt war, unter seinem Vorsitze, von ihm geleitet und angeregt, der guten Sache zu dienen. — Ernst Magnus ist seit dem 29. Aprib 1897 Mitglied unseres Kuratoriums gewesen. Trotz der umfassenden Tätigkeit, welche auch er seinem Berufe und zahlreichen gemeinnützigen Zwecken widmele, hat er es doch, wenn irgend möglich, nie versäumt, unseren Sitzungen beizuwohnen, hat auch er durch seinen weisen Rat und sein kluges Urteil dazu beigetra en, das für unser Institut Förderliche zu ermitteln und die Umsetzung des Beschlusses in die praktische Tat herbeizuführen. Recht im Sinne seines verehrten Vaters hat er uns oft an des letzteren Wort erinnert, daß ein Verein, der nicht über die Statuten hinaus seine Schuldigkeit tut, gar kein jüdischer Verein sei. Wo es galt,' wohl zu tun, mochte er nicht die engen Grenzen der Satzung anerkennen. Was gut und edel war. 'mußte geschehen, und wollte es nach den geschriebenen Regeln nicht ängehen, oder wollten die vorhandenen Drittel nicht reichen: Ernst Magnus wußte Rat, wie alle Schwierigkeiten ( zu überwinden waren. Beiden Männern sei an dieser Stelle der aufrichtig empfundene Dank des Kuratoriums des Lehrlingsheims ausgesprochen. Beider Andenken wird in unserem Kreise nie erlöschen'. Und wenn in dieser Trauerstundeein Trosteswort gestattet ist, so ist es der Ausdruck der Hoffnung, daß die Saat, hie diese Männer ausgestreut, 'zu schöner Reife sich entfalten wird und daß ihren guten Taten gute Erfolge auch in Zukunft folgen werden. Lassen Sie mich schließen mit den edlen Trostesworten, welche unsere Religion den Trauernden gegeben hat: Gott hat uns diese zwei Männer gegeben, Gott hat uns diese Männer genommen, der Name Gottes sei gepriesen. — Es folgte sodann ein Gebet, und nachdem ein Zögling der Anstalt ein Gedicht vorgetragen hatte, ergriff der Leiter der Anstalt, Herr Direktor Israel, das Wort, um den Verstorbenen den Dank der Anstalt nachzurufen und den Zöglingen das Leben dieser Männer als Vorbild hinzustellen. Er führte ungefähr folgendes aus: „Herzlichen Dank schulden wir beiden Männern, deren Andenken zu ehren wir uns in dieser ernsten Stunde zu einer Gedächtnisfeier vereint haben. Wohl fühlen und wissen wir, was wir verloren, wir fühlen und wissen aber auch, daß unendlich mehr uns geblieben. Das Sterbliche ist gestorben, daS Vergängliche ist vergangen, aber unsterblich und unvergänglich ist uns das teure Lebensbild erstanden. Die großen Vorzüge und reichen Verdienste der leider allzufrüh Heimgegangenen haben weite Kreise des Handels und der Industrie , des In» und Auslandes in aufrichtiger Anerkennung gebührend gewürdigt. Ihre Verdienste um dieses Haus haben wir aus berufenem Munde gehört. Ich will in der ernsten Stunde an Euch, meine lieben Zöglinge, den Mahnruf richten, Euch der Fürsorge dieser edlen Männer würdig zu erweisen. In Fleiß und Arbeit sollt Ihr unseren Vorbildern nacheifern, daß sich an Euch bewahrheite das Wort des Psalmisten „Wenn du die Mühen deiner Hände genießest, Heil dir und dir geht es gut." Denn der Segen der Arbeit liegt nicht allein in ihrem Ertrage, nicht in dem Gewinn, den wir durch sie erlangen, der höchste Segen der Arbeit liegt in der Arbeit selbst. Herr Geheimrat Dr. Jsi dor Loewe und HerrRegierungsrat Tr. Ernst Magnus leben beide in ihren Werken in dieser Anstalt unvergeßlich fort, und ihr Wirken und Streben schafft dauernd Segen! Solange jüdische Handwerker in diesem, Hause ihre Erziehung genießen, solange werden die Namen Isidor Loewe und Ernst Magnus unvergessen sein." Nach einem nochmaligen Gesänge, wurde dann von zwei Zöglingen der Anstalt das Kaddischgebet vorgetragen, worauf ein hebräisches Lied die Traüerfeier beschloß, die in jeder Beziehung einen würdigen Verlauf nahm. *** Berlin, 31. Januar. Der Verband reisender Kaufleute Deutschlands hat sich in einer Denkschrist an das.Auswärtige Amt gewandt, worin er Stellung zu der ungerechten Behandlung nimmt, welche den jüdischen reisenden Kaufleuten Deutschlands in Rußland zuteil wird. Die Denkschrift schildert diese Sonderbehandlung im einzelnen und weist darauf hin, daß russische Reisende mosaischen Glaubens in Deutschland solchen Beschränkungen nicht unterworfen sind: Es wird die Beseitigung aller Ausnahmebestimmungen verlangt, z. B.- .daß jüdische Reisende den Paß nur

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