Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 5 (3.2.1911)
- Date
- 1911-02-03
- Page
- Seite 59 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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wichtigen Werkes von D. Philippson über „Die moderne Reformbewegung". Das halte ich für kein Unglück, denn so trefflich das Werk ist, und so lesbar die Uebersetzung, so habe ich doch große Bedenken, daß eine so umfangreiche Arbeit in einer periodischen Schrift gegeben wird; daß, wie es den Anschein hat, eine solche Uebersetzung sich durch viele Jahrgänge hindurchzieht, ist recht beklagenswert. 3. Der Herausgeber dieser wichtigen Zeitschrift ist nach wie vor sein bester Mitarbeiter. Seine Beiträge „Jüdische Volkslieder aus Galizien" und besonders sein ausführlicher „Zur jüdischen Namenskunde, eine Ergänzung zu Zunz'Namen der Juden" ist sehr wichtig. Ob die etwas breite Auseinandersetzung über „die Hotzenklotzerjudengemeinde 1334—1848" in eine derartige Zeitschrift paßt, möchte ich freilich bezweifeln. 4. Das Blatt begegnet mir jetzt zum erstenmal. Ich nehme gern davon Notiz, denn jede Hebung des Handwerks unter den Juden wird von allen Parteien froh begrüßt. Sehr instruktiv ist das Verzeichnis der Mitglieder des Vereins, woraus die vielfältige Tätigkeit jüdischer Handwerker erhellt. Nur einen Rat möchte ich dem Verein geben, nämlich den, sich den Liberalen anzuschließen. Es ist durchaus nicht ersichtlich, warum gerade die Handwerker bei' Konservativen und Zionisten Anschluß suchen müssen, da gerade die Liberalen sich immer bereit gezeigt haben, ihre Bestrebungen zu unterstützen. 5. Auch diese Zeitschrift habe ich früher nie gesehen. Den Hauptinhalt, außer Vermischten Nachrichten und einem Stückchen einer Erzählung, macht ein Aussatz des Herausgebers, des Herrn Dr. Eduard Biberfeld „Sabbat und Sonntag", doch wird das eigentliche Thema verhältnismäßig wenig behandelt, sondern in einer Polemik gegen die Schrift von Harts Meinhold „Sabbat und Sonntag" aufgetreten, der Sabbat und Neumond zusammenwirft. Stehe ich auch durchaus nicht auf dem Standpunkt des Herausgebers, so werde ich meinerseits niemals Bemühungen entgegentreten, die darauf gerichtet sind, den Sabbat zu heiligen. 6. Die früheren Hefte dieser vortrefflichen Monatsschrift sind in dieser Zeitung erwähnt. Hier soll nur hervorgehoben werden, daß sich in dieser Nummer, neben anderen wichtigen Beiträgen, ein Aufsatz von Felix Perles „Soziale Gerechtigkeit im alten Judentum" und ein Aufruf oder Rat an die türkischen Juden von Israel Zangwill findet. 7. Daß sich eine totgeborene Partei den Luxus eines eigenen Blattes gönnt, ist eine Tatsache, die wir nur konstatieren, über die wir aber nicht zu richten haben. Die vorliegende Nummer zeigt, wie haltlos die ganze Richtung ist. Der Leitartikel verlangt Klarheit und Wahrheit, beide Tugenden aber werden in dem programmatischen Artikel völlig vermißt. Sein Verfasser wagt es sogar, nach der beispiellosen Niederlage, die seine Partei erlitten hat, zu sagen, daß ihr die große Masse angehöre, die nicht liberal sein wolle und nicht orthodox seinkönne. Welche unglaubliche Selbstverblendung! Von den übrigen Teilen des Blattes lohnt es sich nicht zu reden. 8. Von größeren Artikeln enthält die vorliegende Nummer: Hochschild, „Der K. E. und die Couleur"; B. Baruch, „Fritz Reuter und die Juden"; F. Riesenseld, „Schulantisemitismus"; C. Elsas, „Neugründüngen"; A. Marum „Cavele Cormnilitoneü“ (gegen das Trinken, nebst Empfehlung des Sports), außerdem eine Fülle von akademischen Nachrichten. 9. Das starke Heft von 92 Seiten, das zur Generalversammlung des Deutsch-Jsraelttischen Gemeindebundes am 11. Dezember 1910 einladet, ist mir erst am 6. Januar zugestellt worden. Ich erwähne dies, ohne daran einen besonderen Tadel zu knüpfen, nur der Ordnung wegen. Das Heft enthält Vereinsnachrichten, Nekrologe von Martin Lebrecht und Michael Silberstein. Ten größten Raum, etwa i/5 des ganzen Hefts nimmt der erste Bericht der deutschen Zentralstelle der jüdischen Wanderarmen-Fürsorge ein. 10. Dieses Blatt ist meines Wissens das erste derartige ausschließlich amtliche jüdische Organ, denn es will hauptsächlich Mitteilungen geben aus den Vorgängen der jüdischen Gemeinde. Aus den vier Umschlagseiten stehen Ankündigungen über Predigten, Austritte aus dem Judentum und der Gemeinde, Einsegnungen, Trauungen und Beerdigungen. Ter Hauptteil bringt einen orientierenden Leitartikel: „Das Gemeindeblatt", ferner einen, Aufsatz von Rabbiner Bergmann „Bier Religionsstifter", eine kurze Würdigung von Buddha, Jesus, Mohammed, Moses. Darauf folgt eine Beschreibung der neuen Synagoge Fasanenstraße mit Bild, den übrigen Platz nehmen Mitteilungen aus der Stiftungskommijsion, der Schulverwaltung, Auseinandersetzungen über die Neu-Ordnung des Steuereinziehungswesens, über die neue Bethalle auf dem Friedhof in Weißensee, Berichte ans der Armenkommission und ans den Repräsentantensitzungen ein. Den Schluß macht ein Verzeichnis der Religionsschulen. Wir rufen dem Blatte herzliches Willkommen zu und hegen nur den Wunsch, daß die Nachrichten aus allen Zweigen der Verwaltung recht reichlich sein mögen, daß aber die Redaktion in der. Aufnahme allgemeiner Artikel die größte Vorsicht und . die äußerste Strenge walten lasse. 11. Tie Monatsschrift, die nun schon in ihren elften Jahrgang tritt, hat das große Verdienst, durch ihren reichen Bilderschmuck die vornehmste jüdische Zeitschrift zu sein. Auch die vorliegende Nummer macht uns mit einem holländischen Künstler Ed. Frankfort bekannt, der bisher in Deutschland nur wenig Freunde besaß. Die . hier wiederholten Bilder sind höchst interessant und die Wiedergabe meist vortrefflich. Die übrigen Beiträge, in denen. Historisches/ Novellistisches, Kunstgewerbliches miteinander wechselt — auch das Schachspiel findet seine besondere Bearbeitung — sind in diesem Hefte, wie auch in den früheren ungleichwertig. Gar oft tritt, was in einem halbamtlichen Organ vermieden werden sollte,, die Parteinähme für den Zionismus stark hervor. Ter Artikel, mit dem der neue Jahrgang eröffnet wird, ist unter aller Kritik. Der bekannte Gelehrte, der ihn zeichnet, hat zu Leitartikeln offenbar gar kein Talent: die Ereignisse, die er für wichtig hält, sind es nur zum geringen Teil; aus diesem Rückblick auf das Jahr 1910 könnte man sich kaum ein Bild des vergangenen Zeitraums verschaffen. Und welche verwahrloste Sprache! Der Abschnitt über die Berliner Gemeindewahlen ist ein Muster von Stil- und Geschmacklosigkeit. Literarische Mitteilungen. — Ueber die Funde im alten Samäria erhalten wir von A. S. Iahuda nachstehende Mitteilung: In der Abendausgabe des „Berliner Tageblatts" vom 19. v. M. veröffentlichte ich einen Artikel über die von Professor Reisner im Aufträge einer amerikanischen Gesellschaft in Samaria geleiteten Ausgrabungen. Eine Woche später ist mir von befreundeter Seite ein Artikel von Professor Kittel in den „Leipziger Neuesten Nachrichten" vom 23. v. M. zugestellt worden, in dem sich der bekannte Leipziger. Theologe zu den Funden in Samaria äußert. Wie ich bereits in einer Note, zu meinem erwähnten Artikel bemerkt hatte, schöpfte ich die Details über die gemachten Funde aus Jerusalemer,Quellen, die mir von früher her als sehr zuverlässig bekannt waren.. Auch die „Frankfurter Zeitung" brachte in ihrer Abendausgabe vom 20. v. M. einen, von meinem Artikel ganz unabhängigen Bericht aus Konstantinopel, der sich mit den mir gemachten Angaben deckte. Nun erachte ich es im Interesse der Sache, die von Herrn Professor Kittel in dem Leipziger Blatt und dazu ergänzend mir, persönlich, mitgeteilten Einzelheiten hier, wiederzugeben, da sie auf authentische,, von Professor Reisner selbst herrührende Angaben zurückgehen. Herr Professor Kittel ist nämlich iy den Besitz des Korrekturbogens eines Artikels gelangt, der von maßgebender amerikanischer Seite demnächst in einer wissenschaftlichen Zeitschrift der Harward Universität in Cambridge, Muss., erscheinen wird, und darum verdienen seine Mitteilungen den Vorzug. Danach sind in Samaria etwa 75 beschriebene Tonscherben in einer tieferen Ruinenschicht eines großen Palastes gefunden worden. Die Schrift ist die althebräische, nur ist sie. etwas mehr kursiv als die Schrift des Mesasteines und der Siloa-Jnschrift gehalten, und d:e Buchstaben sind nicht mit dem Meißel in den Ton eingeritzt, sondern, wie bereits von mir berichtet wurde, mit Tinte undRohrfedergeschrieben. Bei näherer Untersuchung sind mehrere Namen entdeckt worden; die nähere Aufschlüsse über Zeitgenossen des Königs Ahab von Israel geben.