Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- Seite 48 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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' „Ist nun der neue Fund schon, jetzt an und.für sich .von so -vielseitiger Bedeutung, so eröffnet er uns noch au h für die Zukunst eine / schöne Perspektive:' er erweckt in uns die Hoffnung auf weitere Funde' im Heiligen Lande. Tenn der Bodender diese hundert. Täfelchen.^ erhalten hat. kann noch andere, weit Wichtigere Schätze in sich bergen. Wie. groß würde unsere Freude sein, wenn wir eines ^ages wirklich eine jener herrlichen Gedichtsammlungen entdeckten, aus denen das Deborälied stammt, eines jener wunderbaren Erzählungsbücher, denen die Patriarchengeschichten entnommen sind, oder gar Schriften der großen Propheten,- von denen wir nur kleine versprengte Trümmerreste besitzen! Dann erschiene uns die biblische Zeit in einem ganz - neuen glanzvollen Lichte, neue Gestalten' träten aus der Vergessenheit . hervor —ein neues. Stück Bibel würde der Welt geschenkt werden. 2. Am 12. Januar sprach Herr S a ch au in . der Akademie der Wissenschaften über den Papyrus 6 der Elefantinc-Sammlung. Der Vortrag wird erst später in den Berichten der Akademie erscheinen, doch mag schon einstweilen folgende Notiz aus der. „Vossischen Zeitung" unseren Lesern mitgeteilt werden: „Der Papyrus ist zwar nur sehr fragmentarisch erhalten, verdient aber durch seine Berührung mit dem Alten Testament besondere Beachtung. Es ist ein Sendschreiben, welches, der Statthalter Arsames auf Befehl von König Darius II. durch Vermittlung eines Hananjah an die.jüdische Militärkolonie in Elephantine richtete. Der Inhalt bezieht sich auf. die Passah-Feier und ist in der Hauptsache ein Auszug aus Exodus 12, 46—20, sowie ans Deuteronomium 16, 17. Das Schreiben ist datiert vom Jahre 5 des Darius II. oder 419 v. Ehr." --- Der Tempelverlag hat von seiner in diesen Blättern mehrfach erwähnten, durchaus rühmenswerten Klassikerallsgabe noch vor Schluß des Jahres 1910, drei weitere Bände erscheinen lassen, und zwar Schiller, Band 5, Wallenstein, Goethe, Band 13. Italienische Reise, Heine, Band 9. Gerade der letzte Band, der letzte von der Ausgabe des Dichters, wird unseren Freunden besonders willkommen sein. Unter den Rezensionen ist die über den Struensee des Michael Beer,^. unter den vermischten Schriften, die Vorrede zu Ä. Weills^ Sittengemälde aus dem elsässischen Volksleben, aus den kleineren biographischen Schriften, der schöne Aufsatz über Ludwig Markus besonders hervorzuheben, denn die besprochenen Dichiungen^ühren. von Juden her, der liebevoll geschilderte Gelehrte war gleichfalls ein Jude. Etwa ein Drittel des Bandes, wird von der großen Schrift Heines: Ludwig Börne, eingenommen. Ich liebe diese Schrift nicht, diese gewaltige Abrechnung, nicht nur zweier Männer, sondern zweier Zeitrichtungen, zweier geistiger Anschauungen. Ich liebe sie nicht aus, dem Grunde, weil Heine hier, wie mir scheint, Börnb gründlich verkennt, und weil er in seine Schrift so viel Ungehöriges hinemträgt, daß auch ihr ästhetischer Genuß nicht so groß ist, wie der anderer Heinescher Schriften. Aber als Denkmal des Kampfes, .als' Erinnerung an zwei hochbedeutende Männer, die wir von uns weder abschütteln können noch'wollen, ist die Schrift von allergrößtem Interesse. Auch dieser letzte Bänd der Heineschen Schriften, sei daher, wie seine Vorgänger unserem Leserkreise empfohlen. --- Vom 26. bis zum 29. Juli 1911 findet in London in der Aula der Universität der erste allgemeine Rassenkongreß statt, der im Lichte der Wissenschaft und des modernen Bewußtseins, wie. es im Programm des vorbereitenden Komitees heißt, die allgemeinen Beziehungen zwischen den Völkern des Abend- und des Morgenlandes erörtexn und. engere Beziehungen zwischen ihnen Herstellen soll. Hervorgegangen ist der Plan zu diesem.Kongreß aus dem Wunschedaß das Mißtrauen, welches die Völker des Orients und des Okzidents solange getrennt hat, einem besseren.geMnseitigen Verständnis Platz mache. Die Erörterung politischer Fragen ist von dem Kongreß außgeschlossen, wenngleich, niemandem verwehrt wird, seine eigenen Anschauungen über politische oder andere schwebende Fragen zu äußern. Von Themen, die aus dem Kongreß zur Behandlung gelangen und jüdische Kreise besonders interessieren dürftenheben wir hier hervor die Vorträge über Sprache und Religion als einendes und trennendes Element von T. W. Rhys Davids, Professor für vergleichende Religionswissenschaft^ an' der Universität, zu. Manchester, über das Fundamen.talprinzip der internationalen Ethikvon dem hierzulande besonders als Austauschprofessor bekannten Profeffor für Sozialethik .•<Ukder .Columbia••üni.versity. in New York. Dr. Felix Adler und über die jüdrsche Rasse von dem bekannten Schriftsteller und Vorsitzenden der•/.' International. Jewish Territorial Organisation. Israeli Zangwill. Unter den Komiteemitgliedern finden sich'Parlamentarier und Wissenschaftler aus aller Herren Länder, von bekannten jüdischen Persönlichkeiten der niederländische Staatsrar Asser, Mitglied --des Haager Schiedsgerichtshofes und der-beiden Haager Friedenskonferenzen,'der Pariser Aegyptologe I. Halevy, Geheimrat Professor Hermann Cohen- Marburg, der Berliner Nationglökonom Professor I. Jästrow- Israel Abrahams, Professor für. die tal.mudischen Fächer an der Universität zu Cambridge, L. L. Zamenhos-Warschau, der Begründer d^r Weltsprachk! Esveranko^P'kWlörLüdwI^Dtem-'fMer^BemÜ'M'iMUim Rn§bWer?^r. L. Großmann, Professor sür Ethik an dem Hebrew Union College in Cincinnati sowie die bereits genannten Zangwill und Adler, welch letzterer auch erster Vorsitzender des gesamten Kongreßkomitees ist. ■ N. <4r — Berlin in Bildern 1810—1910 mit einer Einleitung von Dr. Max Osborn zur Erinnerung an das Universitätsjubiläum, I. Spiro, Berlin W 57, 1910. . Eine sehr interessante Sammlung, die sehr hübsch ausgestattet ist. Der Text ist kurz und verständlich, die. Bilder meist trefflich wiedergegeben. Freilich sind einzelne Porträts, z.B. das von Erich Schmidt, des Rektors an der Berliner Universität 1910 bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Auch einzelne Geschmacklosigkeiten laufen mit unter. Auf dein Blatt, das die alte Bibliothek darstellt, sieht man das Gebäude kaum vor den Gardegrenadieren, die vorbeiziehen und deren große Gestalten und hohe Mützen das Haus fast verdecken. Warum aber, so darf man wohl fragen, findet sich in einem Buche, das den Wandel Berlins in den letzten Jahrhunderten 'darstellen soll, keine einzige Synagoge, z. B. die neue in der Oranienburger Straße dargestellt, während doch z. V. der neue Dom. und die Heilige Geist-Kirche wiedergegeben sind? L. G. Sprechsasl. Erklärun g. Gfn Nummer 3 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 1J 20. Januar 1911 findet sich in dem Artikel des Dr. Selber über Geheimen Hofrat Professor Dr. Siegmund Gundelfinger folgender Satz: . . . „und in der Zeit der antisemitischen Hochflut hat er nn der Technischen Hochschule zu Darmstadt manchen Strauß bestanden, namentlich wenn es galt, jüdische Studierende und Dozenten gegen Benachteiligungen zu schützen, die ihnen aus ihrer Zugehörigkeit zum Judentum erwachsen sollten". — Dieser Satz könnte dahin ausgelegt werden, daß an der Technischen Hochschule zu Darmstadt jüdischen Studierenden Un!) Dozenten wegen ihrer Zugehörigkeit zum Judentum Benachteiligungen erwachsen seien oder erwachsen sollten. Ich halte mich für verpflichtet, die Erklärung abzugeben,' daß mir von solchen Benachteiligungen nichts bekannt geworden ist. Ich war Vom Herbst 1880 bis zum Frühjahr 1908, also 271/3 Jahre, Mitglied des Professoren-Kollegiums der Technischen Hochschule zuN Darmstadt, habe stets an der Verwaltung .teilgenommen, sowohl als Mitglied des großen Senats, wie auch während eines sehr großen Teiles meiner akademischen Lehrtätigkeit als Mitglied des kleinen Senats, als Abteilungs- (Fakültäts-)Vorstand .und als Direktor (Rektor) der Hochschule. Stets ist von den Kollegien der Hochschule unparteiisch und gerecht verfahren, mochte'es -sich um Juden oder Christen handeln. . - Dies zur Feststellung der Wahrheit.. . Berlin-Wilmersdorf, den 20. Januar 1911. Dr.-Jng. Th. Land sberg, Geheimer Baurat. Druck und Verlag von Rudolf Masse inBerlin. Verantwortlich fiir die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.