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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-27 · Heft 4 (27.1.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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75. Jahrgang Nr. 4 Berlin, 27. Januar 1911 Beilklkxc zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums". Larrelplmdmrm und Machrichtrn. Deutschland. S. Berlin, 24. Januar. .Das Ergebnis der letzten Repräsentantenwahlen 'in-'der hiesigen Jüdischen. Reformgemeinde hat erst jetzt auf Grund der Annahme einzelner Mandate festgestellt werden können. Zu Repräsentanten wurden gewählt die Herren Dr. Heinrich Byk, Hermann Landsberger, David Rom, Prof. R. Wolffenstein, Max Källmann, Max Behr, Eugen Blumenfeld, Karl Schäpki Und zu Stellvertretern die Herren Dr. Martin Wallach, Justizrat Dr. Misch, Moritz Silber, Kommerzienrat Richard Friedländer,' Dr. Julius Ritter. Albert Sternberg, Emil May. Bei der Wahl zum Vorsitzenden der Repräsentanten an Stelle des ausgeschiedenen Herrn Konsul Julius Friedmann vereinigte sich die Mehrheit der Stimmen auf den im Verwaltungsdienst der Resormgemeinde ungemein rührigen.Herrn Sanitätsrat Dr. Benno Holz. — Am 23. d. M. beging der seit EIatzreN an der Jüdischen Reformgemeinde als Organist tätige Herr Hrof. Grunicke seinen 70. Geburtstag. Anläßlich dieses Tages wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen seitens der Verwaltung und vieler Gemeindemitglieder zuteil. — ©erlitt/ d er wissen sch a ft li ch e n Vereinig ung jübischer8ehrer ündLe hrerinnen zu BerliN sprach Herr Rabbiner Dr. G'alliner über das Thema: „Zur Frage des jüdischen Religionsunterrichts an höheren Schulen." Der Vortragende weist einleitend auf den Kulturwert, auf den Persönlichkeitswert und den Denkwert des jüdischen Religionsunterrichts hin. Zur Erfüllung seiner Aufgabe fordert er, daß der jüdische Religionsunterricht obligatorisch werden müsse. Die früheren Bemühungen in dieser Hinsicht müssen wieder ausgenommen werden- Einstweilen müsse man mit den vorhandenen Verfügungen seitens des Unterrichtsministeriums auszukommen suchen. Es könne heute schon erreicht werden, daß der jüdische Religionsunterricht zugleich mit dem christlichen Religionsunterricht erteilt werde, daß er nur von Lehrern gegeben wird, die von der Gemeinde präsentiert werden. Ter Vortragende fordert, daß'ein Normallehrplan dem Unterricht zugrunde gelegt werde, und daß der Unterricht in der Regel von akademisch gebildeten Lehrkräften erteilt werde. Zum Schluß teilt der Vortragende den Lehrplan mit, nach dem er selbst den Religionsunterricht an den. höheren Schulen gibt. In der an diesen Vortrag sich anschließenden langen und lebhaitemDiskussion wird vom Vorsitzenden und mehreren anderen Rednern betont, daß man den Lehrer nicht nach der Stätte, wo er seine Vorbildung genossen hat, seinem Titel, sondern nach seiner Persönlichkeit beurteilen möge; im allgemeinen möge man sagen: der rechte Mann an den rechten Platz. — In der Generalversammlung am 3. Dezember v. I. wurde der alte Vorstand wiedergewälilt. Er besteht also aus den Kollegen: Rektor Dr. Gutmann (Vorsitzender), Han ff (stellvertretender Vorsitzender), Abraham (1. Schriftführer), Falkenberg (2. Schriftführer) und Hirschfel d (Schatzmeister). Sodann wurde in Sachen der Gründung jüdischer Volksschulen in Berlin die bereits veröffentlichte Resolution /gefaßt. Ferner referierte Kollege Falkenberg über das vor kurzem erschienene „ M e t h o di sch geordnet e Wört erbuch" zu einer Auswahl hebräischer Gebete und Psalmen von M. Abraham und' empfahl wärmstens seine Einführung. Da das Referat vollständig erscheinen dürfte, sei hier von einer Inhaltsangabe abgesehen. Berlin. 22. Januar. Die Entwicklung der jüdischen Jugendvereinsbewegung schreitet, wie wir den „Mitteilungen des Verbandes jüdischer Jugendvereine" entnehmen, rüstig voran. Heute -sind bereits 61 jüdische Jugendvereine mit mehr als 7000 Mitgliedern im Verband zusammengeschlossem der sich des fördernden Interesses der Logen, des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" und neuerdings auch des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes"' erfreut. Wie wir dem Protokoll der letzten Vorstaudssitzung des Verbandes, an dev als Vertreter der Groß löge Herr Albert Bloch, als Vertreter des Zentralvereins Herr Rechtsanwalt Brodnitz teilnahmen, entnehmen, wird den Jugendvereinen empfohlen/ sich zum Zwecke einer würdigen Gedenkfeier des bevorstehenden Jahrhundertstages der Judenemänzipation in Deutschland mit anderen jüdischen Vereinen in Verbindung zu setzen. Eine Fülle weiterer Anregungen, wie zur Errichtung von Stellenvermittlungen in Verbindung mit Versicherung gegen Stellenlosigkeit. Krankheit und Invalidität für die Verbandsmitglieder, ferner' zur Einrichtung eines Pensiöns-. Mittagstisch- und Wohnungsnachweises usw. fanden ihre vorbereitende Erledigung und sollen zunächst im Schoße der einzelnen Jugendvereine durchgesprochen werden. Der Geschäftsbericht verzeichnet eine stattliche Anzahl von neuen Vereinen, die in letzterer Zeit entstanden sind. In den meisten der jüdischen Jugendvereine herrscht ein ungemein reges Vereinsleben, das Zeugnis ablegt, wie sehr unsere Jugend mehr und mehr den Judentumsidealen zurückgewonnen wird. Ueber das Verhältnis zu den anderen großen jüdischen Organisationen sagt der Geschäftsbericht: „Unser Verhältnis zu den Organisationen ist dauernd ein freundliches. Der Zentralverein Deutscher, Staatsbürger jüdischen Glaubens hat uns in diesem Jahre eine Subvention von 500 Mark bewilligt und diese Unterstützung mit einem liebenswürdigem Schreiben begleitet. Der Zentralverein hat seine Ortsgruppen angewiesen, bei den Wahlen zu den Kaufmannsgerichten mit unseren Jugendvereinen zur Bekämpfung des Deutsch-nationalen Handlungsgehilfenvereins zusammen zugehen. Erwähnt sei schließlich noch, daß Herr Siegfried Brünn, Berlin, dem Verband der Jugendvereine in hochherziger Weise das vortreffliche Buch: „Das Judentum und seine Geschichte" von Abraham Geiger in einer solchen Anzahl von /Exemplaren zur Verfügung stellte, daß es jedem Verbandsvereine als /gewiß' hochwillkommenes ChanUka-Geschenk übermittelt werden konnte. Und schließlich sei auch noch erwähnt, daß der kürzlich.in Frankfurt. Nbgehaltene Lehrerverbandstag den Beschluß gefaßt hat, seinen Mit. gliedern zuempfehlen, sich überall in den Dienst der jüdischen Jüdenbewegung zu stellen und sie nach Kräften zu fördern. Ein Delegiertentog aller jüdischen Jugendvereine wird übrigens in diesem Jahre in Hann ober abgehaltenwerden, undzwaramlH. März." J. Berlin, 23. Januar. Bekanntlich hat sich der vor kurzem in Frankfurt a. M. stattgefundene Lehrerverbandstag unter anderem auch mit der Frage der Begründung jüdischer Volksschulen beschäftigt. Dabei stellten sich prinzipielle' Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Verband und dem Vertreter des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes", Herrn Professor Türk heraus. Dieser bekannte sich sowohl aus prinzipiellen, als auch aus Zweckmäßigkeitsgründen als Gegner jüdischer Volksschulen, wie er dies schon in der Wahlbewegung anläßlich der Berliner Repräsentantenwahlen getan hatte; er fügte aber hinzu, sich,, falls, der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" auf Antrag des Lehrerverbandes die Förderung jüdischer Volksschulen beschließen wollte, durchaus neutral verhalten zu wollen. Daraufhin wurde angeregt, die Frage der jüdischen Volksschulen auf dem nächsten Gemeindetag, der voraussichtlich im Monat Mai dieses Jahres stattfinden dürfte, zur Erörterung zu bringen. Wie wir mitteilen zu können glauben, wird sich diese Absicht nicht verwirklichen lassen, da die Tagesordnung des Gemeindetages bereits festgestellt sein und für weitere Gegenstände, wie die hier erwähnte, kaum noch Raum sein.dürfte. Vor allem wird schon die Beratung der beantragten Aenderungen des Statuts des Gemeindebundes voraussichtlich lange Zeit in Anspruch nehmen und ebenso die übrigen Gegenstände der Tagesordnung, über die demnächst Mitteilungen gemacht werden können. , ‘ ‘ J. Posen, 20. Januar. Die israelitischeKrankenverpflegungsu n d Beerb i g u n gs - Gefells chaft (Chewrah kaclischah) beging das traditionelle „Beth-Schmoth-Fest" durch die üblichen Veranstaltungen^ Eingeleitet wurden dieselben durch eine Seelengedenlfeier, welche

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