Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- Seite 44 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228966--67180-3279383- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
F Nach den Mitteilungen' des Herrn Weitzner füge ich sorgendes'- hinzu. -Fischer ist Berwaltungs» und Aufsichtsrat verschiedener^ Banken und industrieller Unternehmungen, Auch die jüdischö- GemeiUdeö in Sarajevo schuldet dem wackeren-Manne» bezüglich 'ihrer Entwicklung^ großen Dank, neben dem jetzigen verdienstvollen Präses Dr.' M. Roth-' topf. Möge esdem um -die allgemeinen politischen und jüdischen, Angelegenheiten hochverdienten Manne vergönnt sein, noch lange- Jahre in üngeschwächter Kraft in seiner verantwortungsvollen v Stellung segensreich zu wirken zum Wohle des Judentums und zum Heile seines Vaterlandes. L. G. - Omlrr Wntoninus und Nabdi Won Dr. Marcus Landau. . (Schluß.) ' yT| anches hat Krauß freilich ntit Stillschweigen übergangen. w I r, Anderes hat er wieder mit lebhafter Phantasie nach unwesentlichen oder unverständlichen Andeutungen ausgemalt, ausi Spinnweben ein ganzes Gebäude aufgeführt. So, wenn er aus einem Gespräch über Kriegswagen zwischen R. Simeon ben> ' Gamliel und Rabbi — beide wohl Sachverständige in Mllitärangelegenheiten — auf. seine- Antoninus, Reformen in der äghp-l tischen Kavallerie schließt (S. 1—3) oder ernsthaft angebliche Unterredungen desselben mit Rabbi über Räucherwerk und Altarbau nacherzählt und daraus auf Pläne zum Wiederaufbau des! Tempels durch' diesen Kaiser schließt (S. 42, 43, 183). Er glaubt an geheime Besuche desselben bei Rabbi, wie sie im? Talmud geschildert werden, und führt aus (S. 48): „Wenn, er bei Rabbi erschien, mußte er nur von Posten zu Posten^ gehen, nur die befestigten Höhlen, Türme und Burgen? passieren, um gewissermaßen unbemerkt sich bei Rabbi ein-; zufinden; höchstens, daß er im? letzten.Abschnitt seines Ganges nur auf zwei Sklaven gestützt, plötzlich verschwinden mußte,? um sein Endziel geheim zu halten."; Die Sklaven wurden (mit: Wißen Rabbis) getötet, was zu unserer sonstigen-. Vorstellung von dem der Heilige genannten frommen Sammler der. Mischna nicht recht ' stimmt. Aber "könnte? man uns einwenden, sie wurden ja von seinem Jünger? R. Chanania wiederbelebt.- Und der Kaiser wunderte sich gar nicht darüber. Er sagte vielmehr: „Ich weiß, daß es für euch? ein Kinderspiel ist. Tote aufzuwecken". Antoninus bediente: auch jedesmal den Rabbi, reichte ihm Speise und Trank und legte sich nieder, damit er über ihn ins Bett steigen könne.iK Das eben erwähnte Wunder, das sich wohl bei jedem Besuche des Antoninus wiederholte, scheint selbst unserem Autor zu viel, und er setzt erklärend hinzu, daß die Sklaven nur ein-;? geschläfert wurden: „So blieb ihnen aber nichts anderes übrig als zu schlafen. Eine ordentliche Sktavenseele läßt sich eine solch günstige Gelegenheit gar nicht entgehen. (S. 49.) Wir bewundern diesen tiefen Blick in die Sklavenseele und. stellerr uns lebhaft vor, wie Antoninus zu seinem jüdischen Freundeschlich, nicht wie „Möros, den Dolch im Gewände", sondern ein? Fläschchen mit Morphium in der Tasche. ... j; H Talm. bab. Abodah Sara -10 b. Der hier erwähnte Chanania wird im Talmud (bab. Joma 49a Chillia 7b, jer. Sabbath XIV, 3). wiederholt als Arzt genannt, und die -Sage von der Wiederbelebung der Sklaven mag vielleicht auf dem Berichte von der Heilung eines Totkranken beruhen.. Sklaven zu töten, um sich ihrer Verschwiegen» heit ^.. versichern, wäre eine Verschwendung gewesen; man schnitt ihnen lieber die Zunge aus, was aber nicht immer half: ' ' Abscissa ser.vtim quid fingis Pratice, lingua? - Nescis tu populaum, quod taced ille Iöqui? ' F (Martial II 82.) u’ - Bei'diesen^geheimen Züsämmenkünften - wurde nach den' hagadischen Berichten dedmmbus-rebus et quibusdam aliis verhandelt. Da kein Dritter zugegen -war —"hie .Sklaven schliefen und träumten jaim'- Vorzimmer, und nur -einmal ärgerte sich der' Kaiser, als er den R. Chaniuabei Rabbi an- ‘ traf ■ — so kann nur Rabbi selbst ihren Inhalt bekannt gemacht haben: Das scheint uns' ein Vertrauensmißbrauch. In einer von Krauß als merkwürdig,? aber durchaus nicht , „sinnlos" bezeichneten Agada (S. 50) wird auch erzählt- - daß' Rabbi oft bei Antoninus zu Tische geladen war. Wir fragen nicht, ob die Speisen kosober, der Wein' nicht Nesach war, aber wie konnten diese Besuche'geheim gehalten werden? Nicht schön war es auch von Rabbi, daß er dem in^Geldnöten befindlichem Antoninus den Rat gab, die Beamten abzusetzen und neue zu ernennen, wobei er „die Güter jener konfiszierte, diese aber für ihr Amt viel zahlen ließ." (Krauß S. 45.) Ueberhaupt spielen die Geldangelegenheiten eine große Rolle in dem Verkehr der beiden. Mit dieser Geldnot steht es aber in Widerspruch, wenn es in Synedrion bab. 11Oa heißt: Joseph hat in Aegypten drei Schätze verborgen : den einen fand Korah, den zweiten Antoninus- Sohn des Severus, der dritte bleibt den Gerechten für die Zukunft aufbewahrt. Es mag dies vielleicht eine. Entstellung der Angabe des Suetonius (Nero o. 31) sein, daß Nero nach angeblich von Dido in Karthago vergrabenen Schätzen graben ließ. ~ Und in Ah. Zara 10 wird wieder erzählt, daß Antoninus dem Rabbi täglich einen großen ledernen Beutel voll Gold schickte; mit Weizen überdeckt, damit es die Umgebung nicht werke, sagt Krauß S. 44. Aber am Gewicht mußte man es doch merken. Aeberdies ist es schwer begreiflich ' wie er so viel Geld verschenken konnte, wenn er; tm Begriffe war, einen Krie^ oder Aufstand zu beginnen: Und daß zum Kriegführen Geld, Geld, Geld nötig ist, mußte' Avidiüs Casfius als erfahrener Krieger wissen," sägt Krauß (S. 137). .Und.Rabbi selbst war, wie er, gestützt.aus talmudische Angaben, sagt- „fabelhaft reich", besaß sehr ausgedehnten Grundbesitz-und zahlreiche Herden und trieb großen Luxus. Interessanter als diese Geldsachen sind mitunter die philosophischen, ..religiösen, und naturwissenschaftlichen Gespräche, welche Rabbi und Antoninus miteinander geführt^haben sollen. 'Doch wir brauchen darauf nicht einzugehen, da sie für,bie Frage, wer war Antoninus? nicht von Belang sind, und überdies von Krauß ziemlich ausführlich behandelt werden. Merkwürdigerweise hat er?aber eine der interessantesten Sagen tz in bezug auf die Bekehrung des Antoninus-unerwähnt geß lassen und nur kurz von seiner angeblichen Beschneidung be- H richtet. Von , dieser erzählt uns ein Midrasch, den Jellinek in? seinem Bet-hmMidräsch (VI 130)^nach einer jüngern Version \ mitteilt und den auch Krauß erwähnt. Danach bat R. Simon? beu Gamaliel, als ihm ein Kind gehören wurde, es ohne das Verbot der Regierung zu achten, beschneiden lassen. Da er ein angesehener Mann war, wagte der kaiserliche Statthalter: nicht, ihn zu bestrafen und schickte das Kind mit der..Mutterz nach Rom zur Verantwortung vor den „König". Auf dem || Wege übernachteten sie in einer Herberge, deren Besitzerin eben5: ein Kind geboren hatte. Als die Frau Simons dieser ihr Leid klagte und den Zweck ihrer Reise mitteilte, erbot' sich die Heidin, die Kinder umzutauschen. Sie behielt das Judenkind,z und dessen Mutter ging mit dem Unbeschnittenen zum Monarchen. \ Als sich bei der Untersuchung herausstellte, daß das Kind unbeschnitten war, würde. der Statthalter bestraft und die Gattin Simons mit Ehren? entlassen. Auf dem , Rückwege tehrte sie wieder in dasselbe Wirtshaus ein, und die Kinder,