Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 4 (27.1.1911)
- Date
- 1911-01-27
- Page
- Seite 43 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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! ausgezeichnete Geschichte der Lehrerbildungsanstalt geben Zeugnis von dem ungewöhnlichen Reichtum seiner Kenntnisse, von der Gediegenheit seiner Studien, von der Meisterschaft in der Beherrschung der deutschen Sprache. Wir gönnen dem hochverehrten Manne, daß er die, hoffentlich lange Lebenszeit, die ihm noch beschieden ist, in verdienter Muße, nach einer aufreibenden Tätigkeit zubringe. Möge diese Muße der Wissenschaft, deren treuer Diener er immer war, und unserer Gemeinde, die ihm unaussprechlich viel verdankt, zugute kommen! Möge ihm Gesundheit und Kraft des Geistes noch lange Zeit beschieden sein! Ich aber möchte diese Zeilen nicht schließen, ohne dem Allverehrten das Zeugnis persönlichen Dankes entgegenzubringen. Eine vierzigjährige ungetrübte Gemeinschaft verbindet uns. In schweren Lebenslagen war er mein Vertrauter, in glücklichen Tagen erquickte ich mich an seiner Mitfreude. Zwar der Schriftsteller schreibt aus eigenem Antrieb, und, um den Anforderungen zu genügen, die er an sich stellt, der Stimme des Inneren lauschend. Er denkt nicht an die Wirkungen, die er auf die Masse, auf ein unbekanntes Publikum, übt. Wohl aber horcht er begierig neben dem Echo in seiner Brust auf die Stimme der wenigen Edlen. Und so bekenne ich gern: mich erfüllt bei manchem, was ich schreibe, die bängliche und doch zuversichtliche Frage: was wird Holzman dazu sagen? Dem vorstehenden Glückwunsch füge ich einige kurze biographische Notizen hinzu, die im wesentlichen der Autobiographie in der „Geschichte der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin" (1909) entnommen sind. Michael Holzman ist am 20. Januar 1841 (er feiert seinen Geburtstag nach dem Jüdischen: 27. Tbeth --- 27. Januar) in Ostrowo geboren. Er besuchte daselbst die jüdische Elementarschule und das Gymnasium, sodann von 1854 bis 1862 das jüdisch-theologische Seminar zu Breslau, studierte dort und in Berlin Theologie und promovierte 1866 in Halle. Seine Dissertation erschien unter dem Titel „De comparationis quae dicuntur in graeca et latina lingua particulis“. Im Oktober 1866 wurde er Lehrer des Hebräischen an der Lehrerbildungsanstalt in Berlin, kurze Zeit später Lehrer an der Knabenschule der . jüdischen Gemeinde daselbst. Im Jahre 1870 bestand er das Examen pro facultate docendi (das sogenannte Oberlehrerexamen) in Breslau, war von Oktober 1873 an Probandus und vom Jahre 1874 an ordentlicher Lehrer am Sophien-Realghmnasium in Berlin. Nach dem Tode von A. Horwitz und einem kurzen Interregnum wurde er von den Gemeindebehörden zur Leitung der Knabenschule der jüdischen Gemeinde und der jüdischen Lehrerbildungsanstalt berufen, übernahm dies Amt am 9. Oktober 1882, eine Stellung, die er noch jetzt bekleidet. Im November 1901 erhielt er die Amtsbezeichnung „Direktor". Zu den wichtigeren Ereignissen seiner Amtstätigkeit, an denen er in hohem Maße beteiligt war, gehört vor allem die Einrichtung der PräParandie als Vorstufe zur Lehrerbildungsanstalt. Zunächst wurde 1885 eine Klasse eröffnet, 1898 kam die zweite, 1910 kam die dritte Klasse hinzu. Ta das alte am 14. Juni 1863 ei'ngeweihte Schulgebäude in der Großen Hamburger Straße den Anforderungen in keiner Weise mehr genügte, war — nicht zum wenigstens auf stetes Betreiben des Direktors — der Bau einer neuen Schule beschlossen worden. Weil das neue. Haus auf demselben Grundstück errichtet werden sollte, fand im Juli 1905 eine Uebersiedlung nach den interimistischen Räumen in der Großen Hamburger Straße 18/19 statt; das neue, stattliche Gebäude wurde am 8. November 1908 eingeweiht. Am 30. Dezember 1903 erhielt die Lehrerbildungsanstalt das Recht, gültige Zeugnisse über die wissenschaftliche Befähigung ihrer Zöglinge für den einjährigfreiwilligen Dienst auszustellen. nachdem ein Gesuch des Direktors, zur Erlangung dieses Rechts in den Jahren 1896 und 1900 abgewiesen worden war. Der neue Lehrplan der Lehrerbildungsanstalt, der nach den Bestimmungen des Unterrichtsministers vom 1. Juli 1901 notwendig geworden war, wurde im Jahre 1905 durchgeführt. Auch in der Knabenschule erfolgten im Laufe der 28 Jahre mannigfache wichtige Aenderungen; die bedeutsamste ist, daß der Charakter einer Mittelschule auch seitens der Behörden immer stärker hervorgehoben wurde; auch die Hebung und die vortreffliche Leitung dieser' Schule, die in einer organischen Ver^ bindung mit der Lehrerbildungsanstalt steht, ist Holzmans Werk. Von seinen Publikationen seien * außer der schon erwähnten Dissertation,! Rezensionen und Aussätze in der Zeit-1 schrift für Völkerpsychologie und Sprachß Wissenschaft, der Artikel Steinthal in; der „Allgemeinen Deutschen Biographie" und hie ausgezeichnete „Geschichte der Jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin" (1909) hervorgehoben. yolek Mcher. Ueber den hervorragenden Präsidenten Z der bosnischen Advokatenkammer jj und den ersten jüdischen Abgeordneten I des bosnischen Landtages, dessen Bild ' wir unseren Lesern vorführen, bin ich durch die Güte des Herrn Ch. Weitzner . in der Lage, folgende autobiographische Notizen zu veröffentlichen. „Ich wurde geboren am 24.SeP- H tember 1858 in Somlo - Vasarhely H in Ungarn. Nach Absolvierung der f jüdischen Dorfschule gab mich mein Vater in das Calvinische Kollegium nach Papa, wo ich das Gymnasium absolviert habe. Im Jahre 1877 habe ich maturiert, im selben Jahre wurde ich auch zum 19. Infanterieregiment Kronprinz Rudolf assentiert; mein Freiwilligenjahr sollte ich erst im .Jahre 1881 abd enen. Nachdem aber im nächsten Jahre 1878 mein Regiment zur Okkupation Bosniens mobilisiert wurde, mußte ich einrücken und, ob zwar mein Bataillon die Grenze nicht überschritten hat, hatte ich doch zwei Monate hindurch die Kriegsschrecken gekostet. Nach der Demobilisierung im Oktober 1878 habe ich mein Freiwilligenjahr weiter gedient und bin im Mai 1880 zum Leutnant in der Reserve im obigen Regiment ernannt worden. Darauf habe ich meine juridischen Studien aus der Universität in Budapest fortgesetzt und im Jahre 1881 beendet. Nach dreijähriger Rechtspraxis in Groß-Kanisza kam ich, inzwischen schon zum vootor juris promoviert, im Jahre 1884 nach Bosnien, wo ich in Tunla-Mostar und nun schön seit t 18 Jahren in Sarajevo der Advokatur obliege. Ich bin der- 1 zeit Präsident der Advokatenkammer für Bosnien und Virilist ] im Landtage." Du. Joses Fischer.