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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-27 · Heft 4 (27.1.1911) · p. Seite 41

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 4 (27.1.1911)
Date
1911-01-27
Page
Seite 41 (sequence 5)
Language
German
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Geburtstag des. hohen Herrschers, ein Appell von dem nicht genügend Unterrichteten an den besser zu Unterrichtenden; der Wunsch, daß der Monarch, der nach Gerechtigkeit strebt,- auch Gerechtigkeit spende. der .Glaubensgemeinschaft, deren Söhne mit Aufopferung ihrer ganzen Kraft wirken und arbeiten für das Heit des Vaterlandes und hinter den anderen Bürgern des Deutschen Reiches nichts zurückstehen in dem Gefühle der Ehrfurcht und Liebe für den Herrscher des herrlichen Deutschen Reichs. .; . .. ■ ' , £ ■ Am 18. Januar ist ziemlich sang- und klanglos der 40 jährige Stiftungstag des Deutschen Reiches vorübergegangen. Vergangen, aber nicht gefeiert. Denn wenn auch dieser Erinnerungstag in einzelnen Städten des Deutschen Reiches, namentlich auch im Auslande festliche Versammlungen gesehen hat, in der Hauptstadt ward er höchstens durch Festartikel der Zeitungen, durch flüchtige Einleitungsworte der Vorsitzenden der gesetzgebenden Körperschaften begangen. Wir wollen den Tag nicht unerwähnt vorübergehen lassen. Denn bald nach der Begründung des Deutschen Reiches erhielten wir Juden die volle Gleichstellung, freilich nur auf dem Papier. Wir wollen nicht aufhören zu kämpfen für die Erfüllung der Versprechungen, die uns gemacht werden. Wir vertrauen auf den Sieg der Wahrheit und des Rechts. Wir leben der Ueberzeugung, daß die stumme Verheißung eine beredte Mahnung sein werde,, aber wir wollen gerecht uns mühen und anstrengen, bis das Wort zur Tat werde. Die Senatoren , der Kaiser-Wilhelms-Gesellschaft zur Förderung der Wissen-z! schaft, die zur Hälfte vom Kaiser ernannt, zur Hälfte von der 1 Gesellschaft gewählt werden, sind nunmehr vollzählig bestimmt. I Unter ihnen befinden sich die folgenden Herren, die Juden« sind oder von Juden stammen: Geheimer Kommerzienrat k Eduard Arnhold, Berlin, Geheimer Ober - Medizinalrat 8 Professor N/Paul Ehrlich, Frankfurt a. M., Geheimer I Kommerzienrat Leopold Koppel, Berlin, Generalkonsul t Dr. Paul v. Schwabach, Berlin. Hoffen wir, daß Herrjs Ehrlich, gewiß nneroer Berufensten, nicht nur Senator bleibe, sondern auch tätig als einer der ersten Mitarbeiter des großen Werkes mitzuschaffen berufen sei. ♦ Ein eigenartiger Gedenktag, der „Brand des Frankfurter Ghetto" am 14. Januar 1711, konnte in der vergangenen Woche gefeiert werden: A. Tänzer hat in der „Frankfurter Zeitung" eine lebendige Schilderung dieses Ereignisses gegeben. In Württemberg wird ein neues Judengesetz, richtiger eine neue Kirchenverfassung geplant. Wir geben darüber einstweilen einigen Ausführungen der „Frankfurter Zeitung", die darüber, handeln, Raum, behalten uns jedoch vor, in einem selbständigen Artikel aus der Feder eines kompetenten Beurteilers ausführlich auf den Gegenstand zurückzukommen. Die Darlegung der „Frankfurter Zeitung" lautet: Der längst erwartete Entwurf eines Gesetzes, durch das das sogenannte Judengesetz vom Jahre 1828 in zeitgemäßer Weise umgestaltet werden' soll, ist, wie berichtet, den Ständen zügegangen. Der Entwurf enthält nur wenige Paragraphen und ist insofern ein Blankettgesetz, als die ganze Reglung der Kirchenverfassung der Israeliten der neu zu konstituierenden Oberkirchenbehörde überlassen wird. Diese Selbstverwaltung ist freilich in - der Weise eingeengt, daß die Verfassung sowie künftige Veränderungen dieser Verfassung der königlichen Genehmigung bedürfen. 'Dem Gesetzentwurf angeschlossen ist der Entwurf einer Kirchenverfassung, der, obwohl der Kompetenz der Ländstände' nicht unterstehend, zweifellos zu lebhaften Erörterungen führen wird.' . Die Auffassung über die zweckmäßigste Gestaltung der Kirchenverfassung, insbesondere über das Maß der Staatsaufsicht gegenüber .der Gemeinde-Autonomie und über die Zuziehung der Kirchengenossen zu der Verwaltung sowie endlich über das Maß des den Rabbinern .und Vorsängern zuzugestehenden Einflusses gehen bekanntlich in' Württemberg außerordentlich weit auseinander. Der Entwurf trügt den Wünschen nach möglichster Selbstverwaltung der Gemeinden einigermaßen Rechnung, sieht aber eine straffe /Staatsaufsicht vor, wenn sich diese auch im wesentlichen als eine Aufsicht. der Ober kirchenbehörde darstellt. Die Oberkirchenbehörde erhält einen „weiteren Rat" angegliedert, der zu . den bisherigen Mitgliedern hinzutreten und aus einem inländischen Rabbiner und sieben Abgeordneten der Gemeinden bestehen soll. Dabei werden die laufenden Angelegenheiten von dem „engeren Rat", die grundsätzlichen und-wichtigeren Entscheidungen von dem Gesamtkolleginm erledigt. Das vorliegende veraltete Steuerwesen ist nach Analogie der für die evangelische und katholische Kirchengemeinden längst bestehenden Reglung neu und einfach organisiert, indem die Kirchengemeinden ihren Steuerbedarf durch einen. Zuschlag zu den direkten Stenern erheben. Eine prozentuale Begrenzung auf einen Maximalbetrag ist nicht' vorgesehen. Besonders interessant ist, daß entgegen einer neuerlich von uns mitgeteilten richterlichen Entscheidung, wonach ein Austritt aus der. Kirchengemeinde ohne einen Austritt aus der. Religionsgemeinschaft möglich ist, der Entwurf an der älteren Fassung festhält, daß der Austritt aus der. Religionsgerneinschaft die Zugehörigkeit zur offiziellen Kirchengemeinde aufhebt. Für dissentierende Minderheiten innerhalb der Kirchengemeinde, also sowohl für die orthodoxe Kirchengemeinschaft wie auch fürs etwa liberale Minoritäten ist nicht etwa die Möglichkeit gegeben, sich zu offiziell anerkannten Separatistengemeinden auszugestalten, wohl aber muß ihnen bei Bedarf ein Beitrag aus der Kasse der Kirchengemeinde bewilligt werden, 'der nicht nur für rein gottesdienstliche Aufwendungen bestimmt.sein muß" Hiernach kann der Grundcharäkter des Entwurfs als ein vorsichtiger Liberalismus bezeichnet werden, der die Mitte zwischen den ä Anforderungen der orthodoxen und radikalen Elemente der würltemstb'e'rgischen Israeliten zu finden versucht.; '• -.7 Heinrich Fried jung, der berühmte Historiker, dessen geschichtliche Darstellung der großen politischen Gegensätze zwischen Oesterreich und Preußen im 19. Jahrhundert als Meisterwerke unbefangener Auffassung und glänzender Darstellung den verdienten Ruhm erhalten haben, ein schlichter Gelehrter, der keinerlei öffentliche Stellung einnimmt, und bisher weder durch Akademien noch durch Universitäten geehrt worden ist, hat am 18. d.M. seinen 60. Geburtstag gefeiert. Zur Ehrung des Festtages hatte sich ein Komitee aus dem Kreise seiner Bekannten und Freunde gebildet, das dem Jubilar sein lebensgroßes, vom akademischen Maler Rudolf Bacher ausgeführtes Bild überreichen ließ. Wir schließen uns gern den Feiernden an und wünschen dem hochverehrten Manne ein ' langes, an Arbeit und Ehren reiches Leben. Die Familie Rothschild in Paris hat zwei schwere Verluste erlitten. Am 3. Januar starb das vierjährige Kind des Baron Eduard v. Rothschild, am 6. starb seine Mutter, Frau Leonora v. Rothschild, die Tochter von Lionel. die Gemahlin von Alphonse v. Rothschild, der seiner im Jahre 1837 geborenen Gattin fast fünf Jahre im Tode vorangegangen war. Sie war getreu den Traditionen ihres Hauses eine Wohltäterin großen Stils, eine allzeit bereite Spenderin für die Kultus- und Hilfsanstalten der Pariser Gemeinde. Bei beiden. Gelegeyheitetz spendete Herr Eduard v. Rothschild dem Seine-Präfekten eiste Summe von je 50 000 Francs, die eine zur sofortigen Verteilung an die Armen, die andere zur Unterstützung ärmer Kinder, die das Hospital verlassen. Ehre einem Manne, der in solcher Weise bei seiner .Trauer der'Armen gedenkt. Der

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