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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-20 · Heft 3 (20.1.1911) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 3 (20.1.1911)
Date
1911-01-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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vorchristliche Jahrhundert zurückgehe, sei nur.verständlich/ wenn man . sie als ein Volksbuch zu würdigen wisse. Man habe früher in dem- Griechisch der Septuaginta nur .einen von Semjtismen strotzenden Jargon gesehen, der Höchstens.-den Juden verständlich war; jetzt erkenne man immer mehr, besonders infolge der neuen Paphrussunde, daß'ihre Sprache keine andere als die Sprache des gewöhnlichen Lebens, wie sie in allen Ländern des Hellenismus geredet wurde. Weiterhin kennzeichnete der Redner in einigen großen Umrissen die Schicksale, die die Septuaginta während ihres mehr .als 2000jährigen Bestehens erfahren hat. In ihrer ersten Zeit nahm sie in der ausgebreiteten'jüdischen Diaspora eine-zentrale Stellung^ei-n. Dann ebnete sie dem jungen Christentum die Wege und begleitete es überallhin auf seinem '. Siegeszuge. In zahlreichen Tochter- Übersetzungen-Pflanzte-sich ihr ^Einfluß in alle Richtungen der' Welt hin - fort. Schließlich erwähnte der Redner , noch, < wie gerade in unserer Zeit sich die Gelehrten mit besonderem Eifer den wissenschaftlichen'Problemen der Septuaginta widmeten, >um ihrer selbst willen wie zur Erkenntnis des Külturkreises, aus dem sie hervorgegangen ist. Denn kein anderes Werk jener Zeit könne sich auch nur annähernd an Wichtigkeit-und Wirkung mit diesem Menschheitsbuche messen. — ©ie inhaltsreichen Ausführungen des Redners fanden reichen Beifall. *** Berlin, 13. Januur^ In der Generalversammlung dtzr Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hielt, wie wir bereits mitgeteilt haben, Herr -Dozent Dr. Horowitz-Breslau einen mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über die Stellung des Aristoteles? bei den Juden des Mittelalters. Die sehr lehrreichen Ausführungen hatten folgenden Inhalt» Kein Denker des Altertums hat auf die Juden des Mittelalters einen so entscheidenden Einfluß ausgeübt wie Aristoteles;-keiner stand in so hohem Ansehen, wie er, sowohl bei den eigentlichen? Gelehrten und Gebildeten wie auch bei der großen Menge. Ein Beweis für die Popularität des Aristoteles ist unter: anderem die jüdische Sage, die sich sehr angelegentlich mit .der Persönlichkeit des Philosophen beschäftigt und ihm allerlei - Beziehungen zum Judentum andichtet. Und wenn wir an der Hand der Geschichte den Einfluß des. Aristoteles zu beleuchten versuchen,? so ist zunächst , auf .den regen Eifer hinzuweisen, 'mit welchem die aristotelischen Schriften in jüdischen Kreisen studiert wurden, die Tätigkeit der jüdischen Uebersetzer uüd Kommentatoren hat uns manche auf Aristoteles bezügliche Schriften aufbewahrt. die sich im Original nicht erhalten haben. Aristoteles war der Mittelpunkt der 'wissenschaftlichen und philosophischen' Bestrebungen, und in dieser dominierenden Stellung behauptete er. sich bei den Juden weit länger als bei den Arabern und Christen. Es war eine gewisse Verwandtschaft der aristotelischen und jüdischen Weltanschauung, die eine solche Anziehungskraft ausübte und dem Aristoteles ein solches Uebergewicht verschaffte. Mit Maimuni gelangt Aristoteles zur ausschließlichen Geltung,, und .von der jüdischen Religionsphilosophie aus, gleichsam dem Zentrum seiner Herrschaft, erweiterte Aristoteles peripherisch seinen Einfluß nach allen Richtungen, in die entlegensten Literaturgebiete und in die weitesten Kreise deS Volkes. Namentlich durch die philosophische Predigt, welche eine Zeitlang die Kanzel beherrschte/ fanden -aristotelische Ansichten weite Verbreitung. Nur weil man die Weisheit auch nichtjüdischer Denker schätzte, konnte der Name des Aristoteles bei den Juden so populär werden. ^.Berlin, 17. Januar. Eine-große Versammlung, die sich mit dem Thema: „Die Mianee Israelite Universelle" beschäftigen wird, findet am 1. Februar hier in Berlin statt, und zwar entweder im. Tiergartenhof oder in der Philharmonie. Sie dürfte von besonderer Bedeutung erscheinen, da nicht weniger als fünf Redner, unter ihnen als Hauptreferent der Geschäftsführer im Ehrenamt, Herr Rechtsanwalt Dr. Ap fel, ferner der derzeitige Vizepräsident der. Deutschen Kon ferenzgemeinschaft, Justizrat Dr. Max Fuchs, und der Vorsitzende der zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. H an dtke, sprechen werden. Veranstaltet wird die Versammlung vom Berliner Jüdischen Jugendbund. Die Mitglieder des Berliner Lokalkomitees der „Alliance" sowie die in Berlin wohnhaften Mitglieder-der Konferenzgemeinschaft werden, zu dieser Versammlung besonders eingeladen werden. ' & K. Weißensee, 15. Januar.. Am 5. d. M. verschied nach kurzem Krankenlager Fräulein Anna Reich, die Schwester des Direktors und Begründers der Israelitischen Täubstummenanstalt zu Weißensee, . im 61. Lebensjahre. Mehr als 35 Jahre war sie einer großen ' Zahl von Sch.ülergenerationen eine hingebeude Erzieherin und-liebevolle Lehrerin. Sie liebtedie. taubstummen -Kinderwie eine. Mutter und scheute/ wenn es deren Wohl galt, vor keiner Mühe und Arbeit zurück. Im Oktober 1900. konnte - sie in voller Rüstigkeit , ihr ' 25 jähriges- Jubiläum feierm Gegen ihren Willen wurde ihr an diesem Tage^ mannigfache- Ehrungen zuteil, durch die man-ihr allseitig für ihre Liebe -und Treue Dankbarkeit zu bekunden suchte. Anna Reich .war nicht bloß eine gewissenhafte Erzieherin - und gute Lehrerin- -sie war auch, was. selbstverständlich innig damit zusammenhängt, ein hochbegabter Mensch. Mit ihrem Wissen und ihrer reichen pädagogischen Erfahrung - stand sie ihren Kollegen und Kolleginnen gern zur Verfügung. Allen, die mit ihr in Berührung kamen, erwies! sie Liebes und Gutes. Besonders! groß war ihre Liebe zu ihren Verwandten. .Für sie war sie, wie für die taubstummen Kinder, .zu , jedem Opfer bereit. Die Bestattung fand Montag den 9. Januar, um 12 Uhr? mittags auf dem jüdischen Friedhof zu Weißensee statt. Der Beerdigung ging eine erhebende Trauerfeier in der-Aula der Anstalt voran, in der Herr Rabbiner Höxter in ergreifenden. Worten den Wert und das Wesen der Verblichenen sch ild ert e. Herr Ge heimrat Dr. Mo as. sprach Da nkes Worte i m Namen des Vorstandes des Vereins, Freumde? der Taubstummen", und Herr Lehrer Kolodzinski hielt-ihr im Aufträge des Lehrerkollegiums einen tiefempfundenen Nachruf.. Der Sarg verschwand unter der Fülle von ' Blumen spenden und.Kränzen, von denen einer, der des Lehrerkollegiums, eine Schleife, trug/mit den.die Dahingeschiedene trefflich charakterisierendem Worten:' „Deines leibesschwache. Hülle barg der Liebe reichste Fülle." Der Vorstand des Vereins „Freunde der Taubstummen" war außer durch Herrn Geheimrat Dr. Boas durch die Herren Ludwig Ginsberg, Jsmar Hamburger, Justizrat Arndt und Ludwig Gumpertz vertreten. Eine .große Anzahl ehemaliger Schüler, deren Eltern und? Verwandten hatten sich eingefunden, um der um die Taubstummen' hochverdienten Toten die letzte Ehre zu erweisen. Möge ihr die Erde leicht sein. 8. Hohensalza, 13. Januar. Die feierliche Einführung der am 8.. November v. I. neugewählten Repräsentanten der hiesigen jüdischen Gemeinde. fand dieser Tage in -Gegenwart des als? Wahlkommissar von der. Regierung ernannten Landrat Dr. Buresch, im Sitzungssaals der Shnagogengemeinde statt. Bei der zunächst erfolgten Konstituierung deS Bureaus der Repräsentantenversammlung wurde zum Vorsitzenden Justizrat. Stadtrat M. Latte, zu dessen Stellvertreter Rentier Moritz Hendelsohn, zum Schriftführer Kaufmann Rudolf Librowicz und zum Stellvertreter Bahnspediteur Eduard Rosenberg wiedergewählt. Im Anschluß hieran wurden die Wählender ausscheidenden Atitglieder des Synagogenvorstandes vorgenommen. Die ausscheidenden Herren Sanitätsrat Dr. Warschauer, Fabrik, besitzer A ss er, Rittmeister, der Reserve Dr. L e v y wurden zu ordentlichen Mitgliedern, Großkaufmann Hehmann DobrzynSki zum Stellvertreter, und an Stelle des verstorbenen Herrn Louis Sandler Herr Ziegeleibefttzer Bernhardt Schwersenz als Vorstandsmitglieder neugewählt. Sodann wurde zum ersten. Vorsitzenden des Gemeiydevorstandes Herr Stadtrat Bankier S. Salomonsohn und - zu dessen Stellvertreter Sanitätsrat Dr. Warschauer ebenfalls wiedergewählt. — In der gestrigen Stadtverordnetensitzung wurde zum stellvertretenden Vorsitzenden des^ hiesigen Kaufmannsgerichts Stadtrat Justizrat Latte wiedergewählt.— Aus dem Vermögensnachlaß des in Breslau verstorbenen Kaufmanns Nathan Goldstein ist dem jüdischen Wolsfsohnschen Waisenhause in Hohensalza ein Legat in Höhe von 2500 Mark zugefallen. Auch dem jüdischen Waisenhause zu Breslau hat der Verstorbene 2500 Mark testamentarisch vermacht. Die Zinsen dieser beiden Legate sollen alljährlich zur Zahlung von Stipendien -für je einen aus der Anstaltspflege entlassenen Zögling verwendet werden. — Herr Oberleutnant der Reserve im bayerischen Train-Bataillon (in Ingolstadt, Bayern), -Fabrikbesitzer Assessor a. D. Dr. Leopold Le.vy in Hohensalza ist zum Ritt meister der Reserve befördert worden.

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