Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
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müßte, anüehmen, daß er ein Heide war. Wie kam aberder Junge, der doch wohl -nicht älter als Caracalla war, dazu, zum Judentum überzutreten? Und wenn auch der Vater Jude war, warum wurde nur der Knabe bestraft? Da Caracalla, nach Spartianus, Kap. 9 und Eutropiüs VIII 11, im Jahre 217 im Alter von 43 Jahren ermordet, wurde, so ist er-174geboren worden, und das eben Erzählte müßte ungefähr im Jahre 181 stattgefunden haben.- Z)amals war Severus mach nicht Kaiser und befand sich als Feldherr in Gallien oder Pannonien, wo ein Verkehr mit Juden schwerlich Vorkommen konnte. . Wahrscheinlicher aber ist es, daß Caracalla, wie Dio Cassius 78, 6 angibt, erst 188 geboren wurde, demnach um 195 ungefähr einen siebenjährigen Spielkameraden" haben konnte. Damals befand sich Severus als Kaiser im Orient, führte in Adiabene Krieg mit den Parthern, und da war ein Verkehr mit Juden leichter möglich. Uebrigens widerspricht sich Spartianus selbst, denn er sagt (e. 16), Caracalla sei im Alter von 13 Jahren, also 187 von seinem Vater zum Mitkaiser ernannt worden. Severus selbst ist aber erst .193 Kaiser geworden! Nimmt man wieder an, daß Caracalla 188 geboren wurde, so stößt man auf die Schwierigkeit, daß er 202 geheiratet hat. (Dio Cassius 76, 1), wo er doch erst 14 Jahre alt war. Die Bestimmung der Daten im Leben von Severus und Caracalla bietet an und für sich große Schwierigkeiten wegen der Widersprüche in den Angaben der alten Autoren. Dr. M. I. Höfner hat sich aber die Aufgabe noch dadurch erschwert, daß er in seinen „Untersuchungen zur Geschichte des Kaisers Lucius Septimius Severus" (Gießen 1875), das was als Traum dieses Kaisers von Dio Cassius (74, 3) erzählt wird, für wirklich vorgesallen hielt. Wie dieser Historiker berichtet, hat nämlich Severus geträumt, daß ihm Faustina, die Gemahlin Mark Aurels, zu seiner Vermählung mit Julia das Brautbett im Venustempel aufschlagen ließ. Da meint nun Höfner, Dio müsse sich geirrt haben, denn als Severus die Julia heiratete, war Faustina schon längst tot. Als ob man nur von lebenden Menschen träumen könnte! Und wenn dieses Brautbett kein Traum war, hielt Höfner auch das zugleich von Dio Erzählte, wie Severus gleich Romulus von einer Wölfin gesäugt wurde- und daß ihm aus der Hand Wasser wie aus einer Quelle floß, für wirklich geschehen? Und Dio war doch so vorsichtig in diesem Kapitel dreimal zu wiederholen, daß er-Träume des Severus erzählt. Dies hat übrigens auch Tillemont nicht abgehalten, den Dio zu mißverstehen-(Hist, des Emp. III, 389), und trotzdem Gibbon schon .daraufmit! der Frage:, glaubte Tillemont, daß Ehen im Venustempel zu Rom vollzogen wurden? darauf aufmerksam machte (Hist of the decline and . fall, Anfang des 6. Kapitels), hat Höfner das Mißverständnis wiederholt.-, : Gegen des Severus Judensreundschaft spricht aber auch, daß er den Uebertritt zum Judentum oder Christentum streng verbot und seinen Sohn Caracalla nach dem Wunsche des Senats einen „jüdischen Triumph" feiern ließ. Näheres über diesen Krieg, den auch Mommsen (V 546) erwähnt, ist uns nicht bekannt. Grätz meint, die Juden hätten 193 bis 194 für. Severus Partei genommen, dann aber 198 bis 200 im Vertrauen auf. die Parther sich gegen, ihn erhoben/) Von; einem jüdischen und samaritanischen Krieg spricht die Chronik; des Hieronymus beim Jahre 195. ,; Sein Sohn und Nachfolger, der den Zunamen Caracalla führte, offiziell aber M. Aurelius Severus Antoninus genannt fl Monatschrift Bd. 33 (1884), S. 481 ff. wurdet) hielt sich nur ein Jahr im Orient auß wo.ermit den Parthern Krieg führte, und kann überdies wegen seines ganzen Charakters nicht für einen Freund'Rabbis gehalten werden. . ' Noch weniger kommt Heliogabal — Marcus Aurelius, Antoninus Bassianus (218—22), in Frage, obwohl er kein Schweinefleisch aß und sich beschneiden ließ. Er folgte mit ersterem nür einem phönizischen Brauch und mit letzterem seinen eigenen abergläubischen Und Perversen Neigungen.?) Uebrigens wollte er nicht bloß alle römischen Götter seinem syrischen Sonnengott unterwerfen, sondern auch die christliche, jüdische und samaritanische Religion mit seiner Familienreligion vereinigen und so nach seiner Weise die „Glaubenseinheit" im. römischen Reiche einsühren?) Wir haben bis nun keinen römischen Kaiser gefunden, auf den das in jüdischen Schriften von „Antoninus und Rabbi" Erzählte genau passen könnte und glaubten mit einem non liquet abschließen zu müssen. Da kommt Professor Mauß mit einer-neuen Hypothese, die für ihn keine Er glaubt, die Frage endgültig gelöst zu haben und - erklärt den Avidius Cassius für den lange gesuchten Freund des heiligen Jehüda. Seine Entdeckung ist so einfach wie das Ei des Kolumbus, und sein Hauptargument scheint zu sein, daß dieser Kaiser, oder vielmehr Usurpator, der nur vier Monate im Orient die Herrschaft besaß, nie den Namen Antoninus angenommen hat, nie Antoninus genannt wurde. „Man suchte ihn (den Freund Rabbis)," sagt er> „in der Reihe der AntoUinischen Kaiser, und er konnte da nicht gefunden werden.-" Es ist dies, meint er, eine Tücke des Zufalls; aber der Zufall -scheint ihm doch nicht so arg mitgespielt zu haben, denn wenigstens die Juden nannten ihn Antoninus, kannten ihn "nur unter diesem Namen. Sie nannten ihn manchmal 'auch Antoninus, Sohn des Severus, weil sein Großvaters - Avidius Severus hieß. Woher die Juden in Palästina diesen Großpapa in Rom kannten, sagt uns Krauß nicht. Aber er scheint selbst die Schwäche seines Arguments zu spüren, denn er setzt hierzu : „nach einer gewissen Lesart war dieser Avidius Severus sein Vater" (S. 88—90, 99, 100), was übrigens das Argument nicht verstärkt. Schließlich gibt er zu: „Gesetzt den Fall, der Vatername Severus halte vor der Kritik nicht staüd: er existiert in der Volksaussassung, und die talmudischen Antoninusberichte wiederspiegeln volkstümliche Auffassungen/" (S. 88, Ank. 3.) Also, Kaiser durch Usurpation, Antoninus, Sohn des Severus, aus der jüdischen Volksauffassung! Schwer begreiflich bleibt es auch, wie Avidius während seiner so kurzen stürmischen Herrschaft Zeit und Gelegenheit finden konnte, sich mit' Rabbi über theologische politische un d naturwissenschastliche Fragen zu unterhalten, ja sogar mit ihm wegen seines Nachfolgers Bestimmungen zu treffen/) -' v; : Aus diesen Unterredungen zieht nun Krauß die merkwürdigsten Schlüsse, ohne den geringsten. Zweifel zu äußern, ab sie auch wirklich stattgefunden haben, stattgefunden haben konnten; denn manches ist gar zu unsinnig, um ännehuten zu können, daß ein so hochberühmter Rabbi und ein römisches Feldherr sich in dieser Weise unterhalten haben.' , . (Schluß' folgt.);; fl Mommsen (V 147,418) nennt ihn Antoninus, Sohn des Severus. .. ... . .-;,; fl Herodian, L, V,-S/216. Mo Cassius-79, ,11. - -; 3) Aelius Lampridius, Antoninus Heliogabalus c. III, YI. . :; fl Von mütterlicher Seite^ nach Vulcatius Gallicanus. Avidius Cassius I. - ... - .. .... , , i'- / , '' .. ,' / . . - v) Mm,..bad;iöa/untigraust'53/ ' , . , /