Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- Seite 32 (sequence 8)
- Language
- German
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•Hoschaja, Jezänja/: MibtacKja ujtoJ. Siewaren nichtun ge bildet. -Während: Angehörige anderer Völker.' desAltertumsstattihrer Namensunterschrift ihr^Siegel setzten^ haben 'die Indem-von Shene und: - Elephantine aüsnähmslös eigenhändig-Zähren Namen unter . die Urkunden, unterfertigt. Nur. selten, merkt man die schwere Hand des Soldaten und Bauers. Sie lasen sicherlich auch die heilige Schrift. / Ihre Notare' mengen nämlich hebräische:Worte in die aramäischen Urkunden, was nicht der Fall. gewesen wäre, wenn. bei ihnen die Kenntnis der hebräischen Spräche, wie etwa 200 oder 300 Jahre später in -der hellenistisch-jüdischen Welt, nicht mehr existiert hätte. Sie hielten in brüderlicher Liebe zusammen;: manche Urkunde ist von zwölf Zeugen unterschrieben. Die allgemeine tiefe' Trauer um die Zerstörung.ihres Opfertempels, welchen sie reich ausgestattet . hatten, beweist schon allein das feste Zusammenhalten. itWie die Juden Palästinas um diese Zeit-— es ist' die Zeit « des Schriftgelehrten Esra —.gingen auch die Juden von ..Aegypten Mischehen ein. Als der stärkere - Teil erwies sich, in /dem einzigen Falle, der uns überliefert ist,- der jüdische. Wie;wir gesehen, haben, waren die Kinder der Mibtachja aus der; Ehe mit dem königlich ägyptischen Baumeister Juden. Es ist -sogar wahrscheinlich,: daß sie als Priester fungierten, weil ihre , Mutter priesterlichem Geblüt entstammte. Wenn auch nur ein -Fall.von/jüdisch-ägyptischer Ehe überliefert ist, dürfen wir Idennoch annehmen,, daß dies wie im Palästina jener Zeiten, sehr häufig vorgekommen ist. Dies folgt schon aus der Tatsache,, daß die Zeugen des betreffenden Heiratsbriefes ausschließlich Juden sind. Hierfür spricht ferner die große Propaganda der Juden des Altertums, welche so' gewaltige Eroberungen machten, däß die ganze alte Welt auf gutem Wege war, sich zur jüdischen. Religion zu bekehren. - . ■ Die Fassung unserer Dokumente ist ein neuer Beleg, für i den konservativen Zug der Juden: das Wesen des jüdischen : Heiräts- und Scheidebriefes lautet, wie erwähnt, noch heute .ebenso wie in dem Papyrus. Die Formeln des Kaufbriefes, - der Teilungsurkunde und der anderen geschäftlichen Ab-; machungen unserer Papyri können wir im Talmud und in' den rabbinischen Formularen bis in die Gegenwärt verfolgen. ..Ein Grundstück wird z. B. in einem rabbinischen -Formular /ebenso durch die Angabe der vier Greüznächbaren bestimmt wie im Papyrus. Dasselbe gilt von dem bedungenen hohen .Strafgeld bei unberechtigtem Angriff auf das Besitzrecht. - . .. Die Uebereinstimmung in dieser Beziehung ist eine so ^weitgehende, daß . die Papyrusurkunden auf vielev dunkle Stellen des. Talmuds und der. rabbinischen Literatur ein helles . Licht werfen, worauf ich jedoch nicht, weiter eingehen will. . Schlaglichter fallen auch auf manche Punkte der späteren biblischen Schriften. So erscheint in Datierungen unserer .Papyri der Ahaswerosch der Esterrolle, woraus zu ersehen ist, daß dieser persische Großkönig kein anderer war als der :aus .der. Weltgeschichte bekannte Terxes der Griechen. Ein günstiges Geschick fügte es, daß außer den genannten Urkunden noch einer zum Vorschein kam, der ganz anderen Inhalts ist. Der Papyrus, ist arg. beschädigt, es sind bloß Fetzen erhalten. Doch ist er auch in dieser elenden Gestalt ein willkommener Gast, denn er . ist ein Schuldschein und belehrt somit über einen anderen Zweig des Geschästslebens.Wir hören von einem Darlehen. und Zinsen.: Mehr ist aus dem Papyrus nicht herauszulesen, und doch - wären die Archäologen und Historiker rasch fertig mit der Erklärung:' ein jüdischer Gläubiger und ' ein heidnischer Schuldner. Freie Engländer meinten, die alten Juden an der ägyptisch-nubischen Grenze waren Geld-; Verleiher; die Bankiers der Aegypter wie im Laufe der Jahrhunderte aller ränderen - Völker. Wären^ es keine englischen Gelehrten- : gewesen, hätten wir sicherlich von Wucher - und Wucherern reden hören. Als die übrigen Papyri entdeckt waren- -entschloß man sich indes, allerdings schweren Herzens und '.etwas; spät, zur Aufgabe der lieben Hypothese von den alten jüdischen Geldmenschen an der ägyptisch-nubischen Grenze und bekehrte sich zur überraschenderen Annahme einer jüdischen Militäränsiedlüng. ' Die -durch einen merkwürdigen Fund zu. geschichtlichem Leben' äüferstandenen alten Juden waren keine leichtlebigen Bankiers, es waren vielmehr harte Gesellen, die ständig in Krieg und Frieden hart arbeiteten. Nachdem sie Nebukadnezar, .der gewaltige Kriegs Held, von ihrer heimatlichen Scholle im Lande der Väter verdrängte, dienten sie getreulich den Herren des Aegypterlandesi Jahrhunderte hindurch verteidigte die angesiedelte Grenzwache tapfer das Reich gegen die Einfäfle der Barbaren. Aber auch nach innen hatten sie . keinen leichten Stand: den haßerfüllten Götzenpriestern der Aegypter war ihr „dem Gott des Himmels" geweihtes, prachtvolles Heiligtum mit seinem Opferkult ein Dorn im Auge. Ihre geistige Religion mit dem hehren Gottesbegriff vermochten die Heiden nicht zu fassen. Doch die Judäer oder die Aramäer, wie sie ebenfalls genannt werden, hielten in den schwersten Nöten an Glauben und Sitte der Väter unentwegt fest. Die jüdische Militärkolonie, welche nach etwa 300jährigem Bestände vielleicht bei der großen Umwälzung der alten Welt durch Alexander sich auflöste, bietet ein schönes Beispiel jüdischer Treue für Glauben und Reich. ■ ■; Lmlkr Untomnus und Äabbi. Von Dr. Marcus Landau. it ebenso viel oder vielleicht mit mehr Wahrscheinlichkeit als Mark Aurel oder Alexander Severus könnte man den Kaiser Septimius Severus (193 bis 211), der sich ebenfalls Antoninüs nannte, *) für den Freund Rabbis halten. Der . Kirchenväter 'Hieronymus erzählt nämlich in seinem Kommentar zu" Dämel (IX 39), die Juden hätten die Gunst der Kaiser Severus und Antoninüs genossen, und ein Gesetz der Kaiser „Severus mnd Äntoninus" machte den Juden gewisse Aemter .zugänglich-so fern es ihnen ihre Religion (im Text heißt es freilich ' (superstitio) nicht verbietet,-) sie zu bekleiden. Unter diesen zwei Kaisern kann man nur diesen Septimius und. seinen 197 oder 198 zum Mitkaiser ernannten Sohn Caräcalla, der den Namen Äurelius Antoninüs erhielt, verstehen. Damit ließe sich auch die Abwechslung zwischen Antoninüs, Sohn des Severus und Severus, Sohn des Antoninüs im Talmud erklären. Auch die in einer Synagoge zu Kaisun aufgefundene Inschrift, in der für die Erhaltung des Kaisers Septimius Severus. und seiner Gattin Julia Domna gebeten wird, 2) läßt auf ein freundliches Verhältnis dieses Kaisers zu den Juden schließen. Anderseits berichtet aber auch SPartianus (in Caracallä I), er habe einen Spielkameraden seines siebenjährigen Söhnchens Caracalla „wegen seines Judentums" auspeitschen lassen,, was dieser seinem Vater und.dem seines Kameraden lange nicht verzeihen konnte. Danach scheint es also, daß der Vater des Knaben dessen Auspeitschung billigte, und man ' *)' ’Aeliüs Spartianus,Severus^ XIX. 2) Digest. 50 tit. 2 De deeürionibus. Siehe auch Grätz in Monatschrift für. Wissenschaft des Judentums. Bänd .33 (1884) 481 ff. ' b) Renan im .lonrnal agiatigus, Dezember 1884.