Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 3 (20.1.1911)
- Date
- 1911-01-20
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228965--67161-3279363- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
: Mathematikern W. Lhck-München). Lüröth-Freiburg, Nöther- Erlangen, mitder' Herausgabe 'des Hesseschen Nächlassesbeaüfstragte,. wünschte. diese,: daff'ihri^gestattet-würde/ - sich - Gllndelfinger zu. kooptieren. Dies'ist denn auch geschehen, und -die -von Gundelfinger herrührenden Supplementbände sowie seine zahlreichen Anmerkungen und Erläuterungen bilden die wertvollste Bereicherung jenes monumentalen Werkes und eine noch nicht genügend ausgeschöpste Fundgrube mathematischer ) Theoreme und Erkenntnisse. Die Gundelfinger für dies,e Arbeit zuteilgewordene Anerkennung durch Verleihung goldener Medaillen seitens der Berliner und Münchener * Akademie wurde v bereits erwähnt. Eine Ernennung zum Akademie-Mitglied/wäre freilich ein entsprechenderer Lohn gewesen, aber einer solchen Auszeichnung stand wohl Gundelfingers Judentum im Wege. Denn Gundelfinger hielt mit seinem Judentum nirgends hinter dem Berge. Im Gegenteilmit der ihm eigenen tapferen und mutigen Art trat er überall mit seinem Judentum offen hervor, und in' der Zeit der antisemitischen Hochflut hat er an der Technischen Hochschule zu Darmstadt manchen Strauß bestanden, namentlichwenn es galt, jüdische Studierende und Dozenten gegen Benachteiligungen zu schützen, die ihnen aus ihrer Zugehörigkeit zum Judentum erwachsen sollten. — Zur Ehre der hessischen Regierung muß bemerkt werden, daß ihm dieses Verhalten an hoher und höchster Stelle nicht geschadet hat. Er wurde dessen ungeachtet nach Verdienst ausgezeichnet durch Verleihung hoher Orden und des Charakters als Geheimer Hofrat. — Leider hinderte ihm sein Gesundheitszustand, eine in sein bestes Mannesalter zurückreichende schwere Nervosität, sich, wie er wünschte- Praktisch und öffentlich, an den großen jüdischen Bestrebungen und-Aktionen zu beteiligen. Aber privatim suchte er vielfach Fühlung mit Männern, die mitten in diesen Bewegungen standen, und gab ihnen manche wertvolle Anregung. Die Verschlimmerung seines Gesundheitszustandes nötigte ihn, sich 1907 pensionieren zu lassen. Eine schwere Pleuritis im vorigen Winter hatobwohl wieder geheilt, den letzten Rest seiner warmherzigen)^ aufopferungsvollen, stets hilsrÄchenf^edlen; Mannes' allen,. die ihm gekannt^ geehrt und geliebt haben, i zum'Segen'gereichen. Line jüdische Militärimlonir an der ägyptischnubischrn Grenze im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Ein Vortrag von Prof. Dr. Ludwig Blau in Budapest. III. Geh, Hofrat Krof. Gundelfinger. >^>iese Mischehe währte nicht lange, denn es kam zwischen ben Ehegatten zu einem vermögensrechtlichen ^Prozeß, welcher am 14. Ab des Jahres 440 zugunsten der Mibtachja entschieden wurde. Die Streitsache, welche in Syene ausgetragen wurde, drehte sich um die Vermögensteilung. Pibar Pacht forderte die Teilung „des Silbers und Korns und der Kleider und der Kupfergeschirre und alles erworbenen Gutes und Besitzes," nach welcher er eine Besriedigungsschrist auszustellen verspricht. Die Richter urteilten indes der Mibtachja einen Eid zu, den sie auch leistete, bemerkenswerterweise bei der ägyptischen Göttin Sathi, wie es der Kläger gefordert Hatte. Daß Juden in Zivilprozessen, mit Heiden beim Namen eines heidnischen Gottes schwörenist noch zumindest 600 Jahre später vorgekommen. Aus diesem Grunde verbietet ' der Talmud, mit Heiden Kommanditgeschäfte zu machen. Es ist evident, daß der in Rede stehende Rechtsstreit eine Folge der Ehescheidung war. Der Staatsbaumeister behauptete,, daß das vorhandene Vermögen gemeinschaftlicher Besitz sei, was Mibtachja bestritt und sicherlich zum Teil mit unseren Urkunden bewies. , Die Gründe, welche zur Scheidung der Ehegatten führten, bedeckt der Schleier der Vergessenheit, welchen indes der bloß zweiundein- Nervenkraft aufgezehrt und so indirekt sein jähes Ende herbeigeführk Gundelfinger hat noch bis. in die letzten Tage vor seinem Tode jede Stunde,, die er seinem schweren Leiden abringen konnte, zu wissenschaftlichen Arbeiten benutzt. In seinem Nachlasse findet sich noch eine große Zahl von hervorragenden mathematischen Arbeiten. Diese, sowie die von ihm geplante, auf zwei Bände berechnete Sammlung feiner bereits gedruckten, aber fetten gewordenen mathematischen Abhandlungen werden wohl bald einen geeigneten Herausgeber finden. Aber auch wbun. dieses -wider Erwarten nicht der Fall sein sollte,. wird sein Name auf Grund seiner bisher veröffentlichten Werke iy der Geschichte der Mathematik unvergänglich sein, und - sein Andenken wird als das Andenken eines genialen und zugleich halb Monate nach der für Mibtachja günstigen.Schlichtung des Prozesses äusgesertigte Ehekontrakt der Mibtachja und des Königlichen ' Baumeisters As - Hör bar Zacha einigermaßen zu lüsten geeignet ist. Dieser merkwürdige Papyrus enthält die Ehepakten eines wohlhabenden Ehepaares und zeigt uns, wie ein Heiratsvertrag vor 2350 Jahren beschaffen war. Um ihnen auch von der äußeren Form unserer Urkunden ein Bild zu geben, übersetze ich diese Urkunde wörtlich. Sie hat nicht weniger als 39 Zeilen, obgleich das Ende, welches weitere Zeugenunterschriften enthielt, abgerissen ist. Diese umfangreichste Urkunde hat folgenden Wortlaut: „Am 26. Tischri, das ist am 6. des ägyptischen Monats Epiphi, des 25. Jahres des Königs Asthaxerxes sprach' As- Hor, der Sohn Zachas, der königliche Baumeister, zu; dem Aramäer Machceja in Syene, welches zu der Truppe Warizäth gehört,, wie folgt: Ich. bin in Dein Haus gekommen, damit Du mir Deine Tochter Mibtachja zum Weibe gibst. . Sie ist