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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-13 · Heft 2 (13.1.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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/ vorhanden. Die seit Jahrzehnten zu verzeichnende ständige Verringerung des jüdischen Volksteils ist somit auch für das letzte Jahrsünf festzüstellen. -Der Anteil der jüdischen Bevölkerung betrug 1871: 12)97 Prozent. 1880: 10.91 Prozent, 1890: 8,80 Prozent, 1900: 5,12 Prozent. 1905: 4,21 Prozent, 1910: 3,58 Prozent. In demselben Verhältnisse steht auch die Abnahme der jüdischen Einwohner in einzelnen -Städten unserer Provinz. - — Herr Partikulier Louis Loser und seine Gattin Henriette geb. Asch, Hierselbst, feierten das Fest ihrer goldenen Hochzeit, der Jubilar ist 76, die Jubilarin 74 Jahre alt. Beide sind körperlich rüstig und geistig frisch. In der Synagoge wurde das Ehepaar durch ein direktes Gebet inmitten der Andacht gefeiert. F. Ober-Krummhübel i. R., 5. Januar. Ein gar seltenes Schauspiel hatten die glaubensanhänglichen Israeliten, welche sich am bürgerlichen Neujahr in Krummhübel vereinigten, als sie des Abends bei einem hochgelegenen Logierhaus vorübergingen und den uralten Chanuka-Leuchter in der Form des bekannten Tempelleuchters auf dem römischen Titusbogen mit acht Lichtern hell in den sternenklaren Abend, auf die schneebeladenen Tannen hinausleuchten sahen. Ergriffen von diesem Anblick stimmten sie a eapeHa die alt- . hergebrachten Weisen des Weihliedes „Maos Zur“ an. Während diese « weihevollen Melodien weithin hörbar erschallten, erschienen in der Umrahmung des geöffneten Fensters der Rabbiner Dr. Biram nebst Frau aus Hirschberg i. Schl., die tiefbewegt für diese stimmungsvolle Serenade dankten. So eigenartig ist wohl noch niemals das Freiheitsfest der Juden von Glaubensgenossen gefeiert worden. — Breslau, 4. Januar. Rittergutsbesitzer Julius Schottländer ist gestern mittag im Julius Schottländerschen Familienmausoleum auf dem israelitischen Friedhofe an der Lohestraße beigefetzt worden. Der Beerdigungsseier, an der ein außergewöhnlich großes Trauergefolge teilnahiu) ging vormittags 11 Uhr in der Wohnung des Verewigten, Tauentzienplatz 2, ein feierlicher Traueräkt voraus, der sich zu einem großen Abschiednehmen gestaltete. Länger, als eine halbe Stünde hindurch zogen unaufhörlich Trauergäste in dichtgedrängter Reihe am Sarge vorüber, der ganz von Kränzen und Schleifen und lichten Frühlingsblüten verhüllt war. Die Stadt Breslau war dabei offiziell durch Oberbürgermeister Dr. Bender,: Bürgermeister Trent in, Stadtverordneten-Vorsteher Geh. Justizrat Dr. Freund und Stadlbaurat v. Scholtz vertreten. Auch viele andere Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung waren erschienen, ebenso Stadtvertretungen aus Münsterberg, der Eeburtsstadt Julius Schottländers, und aus Karlsbad in Böhmen, von woher auch die dortige freiwillige Feuerwehr, deren Ehrenmitglied er war, eine Abordnung entsandt hatte. Ferner befanden sich unter den Leidtragenden die Oberhäupter und die Geistlichkeit^ mehrerer Dorfgemeinden, in denen Schottläuder begütert war, und zahlreiche Deputationen von Wohlfahrtsanstalten und Krankenhäusern aller Konfessionen. Auch die Barmherzigen Brüder fehlten nicht im Zuge. Der Kreis Breslau war vertreten durch Landrat Dr. Wichelhäns und mehrere Kreisdeputierte, der Rennverein durch seinen Vorsitzenden, die Städtische Gärtenverwaltung durch Gartendirektor Richter. Viele Männer der Hochfinanz und der Wissenschaft, mit denen Schottländer in freundschaftlichen Beziehungen stand, gaben dem dahingeschiedenen Freunde gleichfalls das letzte Geleit. Nachdem ein Sängerchor ein weihevolles Trostlied gesungen, nahm Rabbiner Dr. Guttmann das Wort zu einer Ansprache, in der er ein anschauliches Lebensbild des vortrefflichen Mannes entwarf. Er bezeichnete ihn als eine verehrungswürdige Persönlichkeit von ungewöhnlicher Eigenart, scharfen Verstandeskräften und durchdringendem, weitausschauendem Blick, als einen in sich abgeschlossenen Menschen, in dessen Wesen zwar eine gewisse Herbheit zu finden gewesen sei, die ihm aber zur Zierde gereicht habe, weil jedermann überzeugt gewesen war, daß Julius Schottländer sich in allem, was er tat, immer nur von den edelsten Absichten leiten ließ. Eines der Hauptmerkmale dieses? festen Charakters sei sein strenges Gerechtigkeitsgefühl gewesen. Immer habe dieser aufrechte Mann den Mut der Uebevzeugung bekundet und nie nach Würden und Ehren gestrebt. Im Namen der Synagogengemeinde widmete Geh. Justizrat-W ollste in dem Toten'einen tiefempfundenem Abschiedsgruß. Als dann noch ein Scheidelied gesungen worden war, begannder Trauerzug nach dem Friedhofe. Tort nahm Rabbiner Dr. Rosenthal das Wort zu einer Gedächtnisrede. .Hauptsächlich würdigte er Julius Schottländer als einen Freund der Armen, der Bedrückten, der Waisen, der Witwen, der Altersschwachen und Obdachlosen, rühmte auch seinen heiligen Familiensinn, und wies auf die außerordentlichen Verdienste hin, die er sich um die Erweiterung und Verschönerung der Stadt Breslau und der Stadt Münsterberg erworben hat. und. erklärte zum Schluß, daß alle, die nun den edlen Mann zur letzten Ruhestatt begleiten, erfüllt seien vom Danke für alles das, was uns Julius Schottländer im Leben gewesen, und was er uns und allen Nachkommen durch ewige Denkmale der Wohltätigkeit in Zukunft sein werde. M. Hamburg, 9. Januar. Das Altenhaus, eine der wichtigsten Institutionen unserer Gemeinde, konnte gestern auf ein 25 jähriges Bestehen zurückblicken. Der Plan zur Errichtung einer Altersversorgungs-Anstalt in der Hamburger Gemeinde ging bereits im Jahre 1842 von dem rühmlichst bekannten Wohltäter Herrn Isaak Hartwig aus, der zu diesem Zweck ein Legat von 25000 Rubel aussetzte. Erst im Jahre 1886 ließ sich jedoch der Plan verwirklichen. Am 8. Januar 1886 wurde das A'tenhaus in der Sedanstraße mit neun Insassen eröffnet. Im Laufe der Jahre wurde es durch Anbauten wesentlich vergrößert, und heute wohnen dort mehr als 40alteLeute, um dort einen sorgenfreien, beschaulichen Lebensabend zu genießen. Aus Anlaß des Jubiläums fand im Sitzungssaal eine Feier statt, die den Vorstand, die Insassen, die Ehreudamen und weitere Gönner des Instituts vereinigte. Der Vorsitzende, Herr Gemeindevorsteher Alfred Levy, gab zuerst feiner Freude Ausdruck, daß alle Jusaffen sich in voller Gesundheit an der Feier beteiligen können. Der Redner gab dann einen Rückblick über die Entstehung und Entwicklung der Anstalt und hob besonders hervor, daß sich noch ein Insasse im Hause befinde, der vor 25 Jahren eintrat und heute zugleich in voller Rüstigkeit das Jubiläum mitfeiern könne.- In warmen Worten gedachte der Redner dann der verstorbenen Gründer und Wohltäter des Hauses; außer dem Vorstandsmitglied Herrn Ernst Liebermann können auch zwei Ehrendamen auf eine 25 jährige Tätigkeit im Dienste der Anstalt zurückblicken. Ein weiterer Dank gebühre auch dem ärztlichen Berater - des Instituts Herrn Oberarzt Dr. Ko rach der seit dem ersten Tage des Bestehens des Hauses seine ärztliche Kunst dem Institut zur Verfügung gestellt habe. Im Namen des Gemeindevorstandes' wurde dann dem verdienten Arzte ein Portugalöser (goldene Hamburger Denkmünze) überreicht. Die Mitglieder des Vorstandes verehrten Herrn Liebermann eine kunstvoll ausgeführte Adresse, während die beiden Ehrendamen sinnige Angebinde erhielten. -Dem Oekonomen des Hauses, Herrn S. Leibowitz, der gleichfalls auf eine ununterbrochene 25 jährige Tätigkeit zurückblicken kann, wurde vom Vorstande ein wertvolles Ehrengeschenk übermittelt. Anläßlich des Jubiläums hat Herr L. I. Cohn ein kunstvoll gearbeitetes Porauches zum Schmuck der heiligen Lade der Synagoge des Altenhauses gespendet. ~ J. V. München, 4. Januar. In der München-Loge (Kaufingerstraße 11) trat am 29. Dezember der Jüdische Frauenbund, der sich über ganz Deutschland erstreckt, zu seiner A DWjzjertenversammlung zusammen, der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde sowie zahlreiche delegierte Damen beiwohnten. Die Vorsitzende des Bundes, Frl. Berta Pappen Heim-Frankfurt a. M.,^eröffnete die Tagung mit einer längeren Ansprache, in der sie die Ziele und Zwecke des Jüdischen Frauenbundes klarlegte, dabei besonders hervorhebend die Frage der Beteiligung der jüdischen Frau am Gemeindeleben, die Frage der Fürsorge des . unehelichen Kindes uud die Frage der Bekämpfung des Mädchenhandels. Rabbiner Dr. Werner? begrüßte die Versammlung in herzlichen Worten, ebenso Justizrat Dr. O fn-er namens der hiesigen Kultusgemeinde. Frau Dr. Frankl-Berlin erstattete darauf den Kassenbericht und Frau Henriette May-Berlin den Rechenschaftsbericht seit dem Jahre 1904, aus dem hervorgehoben sei, daß dem Bund zurzeit 132 Vereine mit etwa 32 000 Mitgliedern angeschlossen sind sowie eine Lehrerinnenabteilung. Ueber das Arbeitssystem der Breslauer Ortsgruppe des Jüdischen Frauenbundes gab sodann Frau Jusiizrat Ollendorf-Breslau interessante Darlegungen. Ein weiteres Referat erstattete Frau Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin über. „Wohltätigkeit uud Wohlfahrtspflege". Die

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