Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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den Ausschuß I: für das Steuer- und Rechnungswesen die Herren Manheimer, Kommerzienrat Gerson Simon, Maurermeister Weile, Dr. Ginsberg, Emil Pineus, Kommerzienrat Löwenberg, Oskar Tietz, Stadtrat Weigert, Professor Kalischer; in den Ausschuß II für Revisionsangelegenheiten die Herren Loewenthal, Hirsch, Lewinski, Siegfried Sachs, Moritz Rosenow, Weile, Gerson Simon und Löwenberg; in den Ausschuß III die Herren Geheimrat Blumenthal. Direktor Minden, Professor Blaschke, Justizrat Dr. Ignaz Cohn, Emil Pincus, Louis Sachs, Geheimrat Senator, Justizrat Beit Simon, Loewenthal und Tietz. Zu Vorsitzenden bzw. Stellvertretern wählten sich der erste Ausschuß die Herren Manheimer und Gerson Simon, der zweite die Herren Loewenthal und Aron Hirsch, der dritte die Herren Blumenthal und Minden. %* Berlin, 8. Januar. Seitens einer Reihe hiesiger Exporteure sind den Aeltesten der Kaufmannschaft von Berlin Magen über schikanöse Behandlung von Geschäftsreisenden jüdischen Glaubens in Rußland, namentlich in Kiew, übersandt worden. In der Beschwerde wird ausgeführt, daß die Maßnahmen sich vornehmlich gegen die deutschen jüdischen Reisenden richten, während ihre Glaubensgenossen anderer Nationen, Engländer, Amerikaner usw., von den politischen Anordnungen nicht betroffen werden, weil deren Pässe keinen Vermerk der Religionszugehörigkeit aufweisen. Abgesehen von der persönlichen Seite der Angelegenheit sind die russischen Maßnahmen aber auch geeignet, den deutschen Handel in Rußland empfindlich zu schädigen. Nach Prüfung der Angelegenheit hat das Aeltesten - Kollegium beschlossen, bei der Reichsregierung vorstellig zu werden. 8. Berlin, 8. Januar. Zu Beginn dieses Jahres sind auf Veranlassung der Armenkommisfion der jüdischen Gemeinde zwei Schwestern des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen als Gemeindeschwestern für die Kranken- und Fürsorgepflege in den Dienst gestellt worden. Falls diese Einrichtung, wie zu erwarten steht, für unsere armen Glaubensgenossen eine segensreiche Wirkung ausüben wirb, soll die Zahl der Gemeindeschwestern später noch vermehrt werden. — Der Ehanuka-F eier im Verein für jüdische Krankenpflegerinnen wohnten alle von ihren Pflegeftellen abkömmlichen Schwestern bei, und in fröhlicher Stimmung vereinten sich mit ihnen außer der Oberin Fräulein Blau auch der Vorstand des Vereins und des jüdischen Krankenhauses. Nach Absingung des Chanuka-Liedes hielt der Vorsitzende des Vereins Herr Louis Sachs, der vor wenigen Tagen sein 26 jähriges Jubiläum als Stadtverordneter unter mannigfachen Ehrungen feiern konnte, eine Ansprache und wies auf die glänzende Entwicklung des Vereins hin, webt er, trotzdem alljährlich eine Anzahl ausscheiden (im Jahre 1910 allein vier Schwestern wegen Verheiratung), doch bereits 79 Schwestern und 17 Schülerinnen zählt. Es erhielten acht Schwestern das Vereinsabzeichen, sechs Schwestern das Diplom nach Absolvierung ihrer Pflichtjahre, während drei Schwestern, welche eine zehnjährige Dienstzeit zurückgelegt haben, die goldene Brosche für treue Dienste überreicht würde. Die Anmeldung von Schülerinnen hat bei dem Vorstande oder der Oberin, Auguststraße 17, zu erfolgen. --Berlin- 6. Januar. Der Verein für Arbeitsnachweis lMonbijouplatz 10, Telephon Amt III, 2589) schreibt uns: Die geschäftliche Hochsaison am Jahresende bedeutet für den Arbeitsmarkt kein Heraufschnellen des Bedarfs an Arbeitskräften. Die Zahl der zur Kenntnis des Vereins gekommenen Vakanzen war wesentlich geringer als in den beiden Vormonaten, während die Summe der die Dienste der unentgeltlichen Stellenvermittlung in Anspruch nehmenden Arbeitslosen eine aufsteigende Tendenz zeigt. Stellungen wurden 86 Kaufleuten. 97 Handlungsgehilfinnen und 48 gewerblichen Angestellten, in Summa 231 Personen im Berichtsmonate Dezember nachgewiesen. Die Dienste, die der Verein für Arbeitsnachweis durch den völlig kostenlosen Nachweis von.Stellungen aller Arbeit von vorübergehender Arbeit in der Schreibstube und der Inkasso-Abteilung der Allgemeinheit leistet, könnten nochweit größer sein, wenn ihm auch im neuen Jahre von seiten der Arbeitgeberein immer größeres Vertrauen durch Anmeldung aller , im geschäftlichen Leben vorkommenden-Vakanzendurch Uebertragung von Schreib, und Reklame arbeiten usw. entgegengebracht werden würde. W. Potsdam, 6. Januar. Der hiesige Mer ein für jüdische Geschichte und Literatur veranstaltete am 2. d. M. eine Abraham Geiger-Gedenkfeier, für die Herr, Rabbiner Dr. Kälter in Danzig, früher in Potsdam, als Redner gewonnen^ wcnr Fast die ganze Gemeinde hatte sich dazu zusammengefunden. Zuerst-zeichnete Herr Rabbiner Dr. Schreiber, Potsdam, ein getreues Bild von Abraham - Geigers äußerem Leben, als Einführung gedacht 'zu' dem nun folgenden Vortrage Dr. Kälters: „Abrah am Geigers Bedeutung für die religiöse Entwicklung des Judentums". Nachdem der Redner geschildert hatte, wie*das Judentum vor Geiger aussah, wie es darauf ankam, das Vorhandene weiterzuentwickeln, ohne den inneren echten Kern zu verletzen, wie das Judentum der damaligen Zeit ohne einen Abraham Geiger wer weiß wohin gesteuert wäre, wandte er sich zu Geiger und seiner bedeutsamen Tätigkeit,den er als den erfolgreichsten und überragendsten Vorkämpfer eines gesund-modernen Judentums feierte, getreu seinem Wahlspruche r „Aus der Vergangenheit schöpfen,, in der Gegenwart leben, für die Zukunft wirken." Zum Schluffe streifte der Redner noch Geigers Stellung zu einzelnen uns besonders berührenden Fragen, wie Sabbathfrage, Speisegesetzfrage. Der tiefe Eindruck, den der Vortrag-'bei allen Anwesenden gemacht hatte, kam in den herzlichen, warmen Dankesworten zum Ausdruck, den der Vorsitzende Herr Justizrat Jos e p H soh n an den Redner richtete. ---Wreschen, 8. Januar. Eine besonders würdige Feier, zn der auch Gäste von außerhalb erschienen waren, veranstaltete heute die hiesige Synagogengemeinde anläßlich der Einweihung der neu errichteten kleinen Synagoge. Nachmittags 3 Uhr versammelten' sich fast alle.Gemeindemitglieder mit ihren Angehörigen in der Hauptshnagoge. Nachdem der Kantor stimmungsvoll die einleitenden Gesänge vorgetragen hatte, hielt Gemeinderabbiner Dr. Lewin eine zu Herzen gehende Festpredigt, in der er in ergreifender Weise die hohe Bedeutung des Festaktes zum Ausdruck brachte. In beredten Worten dankte alsdann der Gemeindevorsteher allen denen, die an der Herrichtung, der neuen Gebetsstätte mitgewirkt. Besonders feierlich gestaltete sich die Ueberführung der Gesetzrollen nach dem neuen Betraum, wo auch die Entzündung dev Altarflammen mit entsprechenden Segensworten erfolgte. Die Feier fand mit 'erneutem Vortrage von Gesängen ihren würdigen Abschluß. Ein gemütliches Beisammensein vereinigte die anwesenden Mitglieder noch längere Zeit, wobei ernste und heitere Reden abwechselten. Kr. Liffa i P 8. Januar. Die hiesige Gemeinde hat einen Schritt getan, der von ihr schon lange erstrebtwav aber noch immer nicht ausgeführt werden konnte. Sie hat nämlich die sogenannte Legatschuld von 47 885 Mark zurückgezahlt. Hier warwie in vielen anderen Gemeinden des Ostens, infolge der Lasten,, welche Krieg und Kriegskontribution sowie die wirtschaftlichen Nöte der Zeit, schufen, das Bedürfnis hervorgetreten, die Stiftungen dev Gemeinde darlehnsweise zur-Deckung ihrer Aufwendungen zu entnehmen. Es handelte sich im ganzen um einen Betrag von 47885 Markder durch die Gemeinde verzinst worden ist.- Jetzt ist dieser Betrag den Legaten wieder zugeführt worden. Ueberhaupt sind die Verhältnisseder Gemeinde in jeder Beziehung geregelt. Obgleich der Tempel umgebaut und ausgebaut worden, mit einer Orgel und Heizung versehen ist, obgleich ferner der bedeutend erweiterte Friedhof mit einer zeitgemäßen Predigerhalle und mit einem neuen Friedhofswärterhaus nun versehen und die oben erwähnte Legatsschuld zurückgezahlt ist, werden doch in der Gemeinde nur 50 Prozent Zuschlag zur Einkommensteuer erhoben. Es ist daher seit einigen Jahren ein lebhafter Zuzug jüdischer Gemeindemitglieder von auswärts wahrnehmbar, der einen Ersatz für die Abwanderung darstellt. Die Ursache hierfür liegt allerdings auch darin, daß diestädtischen Steuerverhältnisse sehr zufriedenstellend sind. Es werden 150 Prozent der -Einkommensteuer und der Realsteuer erhoben — ein für die Verhältnisse des Ostens geringer Prozentsatz- Jüdische Kaufleute und Gewerbetreibende finden bei dem lebhaften geschäftlichen Verkehr des Ortes ihre Rechnung, und: auch für Rentiers bietet Lissa einen angenehmen Wohnsitz, inmitten einer modernen, gebildeten jüdischen Gemeinde. W. Posen, 6. Januar. Bei der letzten VoMzählung, Die in Posen im ganzen 156696 Personen aufwies, waren 5611 Juden