Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 13. Januar 1911 Der Gemeindevote. . . ~ _ —Dettsge zur „Allsemeinen Lorrrlpondenffkn und Kachrichtrn. Deutschland. 8. Berlin, 8. Januar. Die heutige erste Sitzung der Repräsentanten-Versammlung im neuen Jahre wurde nur durch Formalien ausgefüllt/, welche zum Teil durch die Neuwahlen zur Repräsentanten-Versammlung erforderlich geworden waren. Galt es -doch die in der Ergänzungswahl und in, der Ersatzwahl gewählten - Repräsentanten und die in der Ergänzungswahl gewählten Repräsentanten-Stellvertreter durch Handschlag auf ihr Amt zu ver- < pflichten und die Konstituierung der Versammlung vorzunehmen. * Den feierlichen Akt der Amtseinführung, der alle Gewählten bis. auf die Herren Willibald Löwenthal, Aron Hirsch' und Moritz . Rosenow beiwohnten, vollzog wie üblich, der Vorsitzende des Gemeindevorstandes Herr Julius Jacoby. In erfreulicher Frische begrüßte, der 87 jährige Redner die,Gemeindevertreter und betonte die Wichtigkeit der beiden-großen^ Unternehmungen hier, 'die in der vorigen Amtsperiode eingeleitet und in der jetzigen Session zu gedeihlichem Ende geführt werden sollen, nämlich die Neubauten des Krankenhauses und der Synagoge Fasanenstraße, während er betreffs der übrigen Vorgänge innerhalb der vorigen Session auf die ausführliche Darlegung im Geschäftsbericht? der Gemeindeverwaltung : verwies. Als wesentlichen Grund für die Verzögerung des Baues des Krankenhauses erwähnte er, daß bis in die neueste Zeit hinein bei Errichtung von Krankenhäusern so bedeutsame Verbesserungen ' gemacht worden sind, daß: die Beratungen über diese unendlich vielen Fragen lange Zeit in Anspruch - genommen haben und in der gegenwärtigen Amtsdauer noch unter Mitwirkung der Repräsentanz fort- ^dauern werden. .Der Neubau, so führte der Redner aus, ist. im Hinblick auf 5 die Unzulänglichkeit des gegenwärtigen Krankenhauses be». schlossen.worben/und man war darüber einig geworden, daß dieses ein erstklassiges! Haus sein soll, daß zwar nicht im Umfang, aber doch in^ dex Qualität von - keinem anderen Krankenhause Berlins übertroffen werden soll. So wie vor 50 Jahren über das jetzige Krankenhaus nur eine Stimme, des Lobes herrschte, so hofft die Ge- -meindeverwaltung auch diesmal den gleichen Erfolg verzeichnen zu dürfen.-. In ganz kurzer Zeit soll mit dem Bau begonnen werden, die Zeichnungen sind bereits der Baupolizei zur Begutachtung. eingereicht, und die Annahme derselben ..steht außer Zweifel. Betreffs der Synagoge Fasanenftraße hatte sich die Gemeindeverwaltung. der Hoffnung hingegeben, die . Weihe des neuen Gotteshauses, bereits . zu den: diesjährigen hohen Feiertagen vollziehen zu -können. Leider, ist. das nicht möglich, da die Arbeiten doch längere Zeit, erfordern, als. man angenom men hat. Der hervorragende Fachmann, der. in. seiner Eigenschaft als Mitglied des Gemeindevorstandes den Vorsitz in der. Kommission für den Bau der Synagoge übernommen hat — gemeint ist der Geh. Baurat Prof. Dr. Landsberg — ist der Ansicht, daß es sich hier um die Herstellung .eines hervorragenden Bauwerkes handle, das für Jahrhunderte, berechnet sei, und deshalb dürfe man nicht darauf sehen, ob das Haus einige Monate später fertig würde. Deshalb müssen auch . die Gemeindevertreter diesen -kleinen Nadelstich hinnehmen. Spätestens in der ersten Hälfte des nächsten Jahres soll das.Gotteshaus fertiggestellt und seiner Bestimmung übergeben werden. Noch zwei weitere Synagogen sollen nach Gemeinde beschloß errichtet werden, und. zwar am Kottbuser Ufer bei Rixdorf und im neuen Hansaviertel fast an der Grenze Charlottenburgs. Es sollen dies würdige Gotteshäuser werden, wenn, auch in einfacherer Art. erbaut wie die SynagogeFasanenstraße. Räumlich werden beide Synagogen die gleiche-Besucherzahl fasten , können wie die Synagoge Fasanenstraße. Die erforderlichen Grundstücke find bereits ermittelt worden, und d er Gemeindevorstand ist schon in Verhandlungen über öen Ankauf derselben ein getreten. Eine fernere Kommission ist mit der schwierigen Aufgabe betraut worden, die für die hiesige Gemeinde Leitung deK Judentums. qualifizierten^ Rabbiner zu ermitteln, und zwar, soll der eine Rabbiner in. den orgelfreiender andere in den Synagogen mit Orgel amtieren. Der Redner gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Mitglieder dieser aus beiden Parteien zusammengesetzten Kommission bei ihren Beratungen zu der Ueberzeugung kommen möchten, daß sie für alle Gemeindemitglieder zu sorgen haben, und stützte sich hierbei, auf,die bedeutungsvolle, bei Einführung des Geheimrats Herrn' Dr. Pieck . erfolgte Ansprache - des Repräfentantenvorstehers Herrn. Louis Sachs, in welcher der letztere die Gemeindevertreter darauf hinwieS nicht zu vergessen, daß : sie an , der Spitze einer Religionsgesellschaft stehen und sich , deshalb bestreben müssenallen Richtungen, gerecht zu werden, Licht und Schatten gleichmäßig zu verteilen. Dadurch wird nicht nur ein kollegiales Verhältnis zwischen den Repräsentanten untereinander,, wie auch zu den Mitgliedern des Gemeindevorstandes erreicht werden, sondern, was noch weit wichtiger,, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit unserer Gemeinde in Groß-Berlin gekräftigt und der Frieden dauernd erhalten werden. So schloß der Redner unter lebhaftem Beifalls der Versammlung seine Ansprache und vollzog alsdann die Verpflichtung der einzelnen Gemeindevertreter. Als Senior der Repräsentanten nahm darauf Herr Manheimer den Platz des Präsidenten ein, um nach § 35 des Gemeindestatuts die Wahl des ersten Vorsitzenden der Versammlung zu leiten. Er sprach zunächst dem bisherigen Präsidium den Dank der Versammlung aus, vor allem dem bisherigen ersten Vorsitzenden Herrn Louis Sachs, der mit großer Gewissenhaftigkeit und seltener Arbeitsfreudigkeit jederzeit feine Schuldigkeit getan habe und gab dem Wunsche Ausdruck, daß Herr Sachs noch lange der Gemeinde in dieser Arbeitsfreudigkeit erhaltenbleiben möge. Auch Herr Manheimer bezeichnete Eintracht und Friedfertigkeit als beste Richtschnur für. die Tätigkeit.der Gemeindevertreter der hiesigen. Verwaltung, die doch als Mustergültiges Porbild für alle kleineren Gemeinden im Deutschen Reiche gelten soll. Er verwies hierbei auf unsere, in gedeihlichster Entwicklung befindlichen. Wohltätigkeitsanstalten, als auf diejenigen Stätten, in denen .sich noch kein Zwiespalt gezeigt hat. Die Wahlen, welche nach: Vorschrift mit Zetteln vorgenommen wurden, ergaben als ersten Vorsitzenden wiederum Herrn Louis Sachs, auf den unter 18 Mitgliedern 17 Stimmen entfielen. Zum zweiten Vorsitzenden wurde außer dem bisherigen Herrn Geheimrat B l u m ent h a l auch Herr Geheimrat S e n o t o r vorgeschlagen. Letzterer bat ausdrücklich, mit Rücksicht auf sein körperliches Befinden von seiner Wahl Abstand zu nehmen. Trotzdem vereinigten sich auf ihn 9 Stimmen, ' während Herr GeheimratBlumenthal nur 7 unter 17 Stimmen erhielt. Herr Geheimrat Senator erklärte nochmals, diese Wahl nicht annehmen zu können, H?rr Justizrat Dr. Veit Simon beantragt darauf eine Vertagung der Sitzung auf 15 Minuten, um mit seinen Freunden über neue.Vorschläge zu beraten. Die Versammlung schloß sich bei der Abstimmung diesem Anträge nicht an. Bei der zweiten Wahl erhielten alsdann unter -16 gültigen Stimmen Direktor Dr. Minden 9, Geheimrat Blumenthal 7 Stimmen. Direktor Dr. Minden nahm die Wahl mit dem launigen Zusatz an, daß er. hoffe, damit ebensowenig zu tun zu haben wie als bisheriger zweiter stellvertretender Vorsitzender. Bei der Wahl zum zweiten Stellvertreter erhielten unter 14 gültigen Stimmen Professor Blaschke 9, Maurermeister Weile 3, Emil Pincus 1 und Geheimrat Senator 1 Stimme. Herr Professor B-laschke nahm die Wahl dankend an. Zu Schriftführern wurden die bisherigen, nämlich Justizrat Dr. Ignatz Cohn und Willibald Loewenthal wiedergewählt. — Als, Sitzungstage der Versammlung sollen^ m der Regel der erste und dritte Sonntag im Monat beibehalten werden, der. Sitzungsbeginn in den Wintermonaten um 11 Uhr, in den Sommermonaten um 10 Uhr vormittags . stattfinden. In langwieriger Zettelwahl wurden alsdann noch die drei Ausschüsse züsammengestellt. Es wurden gewählt in