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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-13 · Heft 2 (13.1.1911) · p. Seite 19

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
Seite 19 (sequence 7)
Language
German
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tag. Für den 29. Dezember hatte die Gemeinde Wiesbaden die Teilnehmer beS; Verbandstages zu einem Besuche ein geladem In echt, jüdischer Gastfreundschaft wurden die Teilnehmer von der Gemeinde bewirtet, von den Kollegen Nußbaum und Koppel-Wiesbaden mit allen Sehenswürdigkeiten dieses Weltbades bekanntgemacht und. ihnen ein Festkonzert in der herrlichen Synagoge geboten. Der Gemeindevorsteher.Heß-Wiesbaden, Rechtsanwalt Bärwald und der Vorsitzende des Shnagogengesangvereins sprachen ihre Sympathien für den Verband in herzlichen Worten aus. Von hohem Interesse war ein Originalbrief,Dr. Abraham Geigers (Wiesbaden) an den Gemeindevorstand, in welchem Geiger zur Begründung eines Synagogengesangvereins aufsorderte. — Von großem Interesse, war auch die von der Kauffmannschen Buchhandlung veranstaltete reichhaltige. Lehrmittel- und Schulbücher-Ausstellung für jüdische Volks- und Religionsschulen sowie für die Förderung der Wissenschaft und, Geschichte, des Judentums.' Line jüdische Militär-Kolonie an der ägyptischnudischrn Grrn?r im fünften Jahrhundert vor unserer Lritrechnnng. Ein Vortrag von Prof. Dr. Ludwig Blau in Budapest. . II. ach der Angabe des elften Stückes, eines aus dem Jahre 468 vor unserer Zeitrechnung datierten Briefes der jüdischen Priester von Elephantine an den persischen Statthalter von Judäa, namens Bagoas, waren ihre Vorfahren im Jahre 525 an diesem Orte schon alteingesessen. Nach der Erzählung des Buches Jeremia haben die Juden,, als sie nach der Eroberung Jerusalems durch Nebukadnemr Nack» Aegypten ausgewandert sind, den Propheten Jeremias gegen seinen Willen mitgenommen. Der.Papyrus bestätigt nun gegen die Zweifel der Kritiker die Erzählung des.Prophetenbuches, mithin sind die Juden von Elephantine und Assuan zumindest um 586 zu ihren neuen Wohnstätten gelangt.- Sie dienten treu den Pharaonen, bis der persische Großtönig KäMbpses im Jahre 525 Aegypten eroberte. Bei dieser Gelegenheit zerstörte er, wie es die Eroberer der alten Welt -zu tun pflegten, sämtliche Götterbilder und Opferaltäre des eroberten Landes, den Opfertempel der Juden hingegen verschonte er. Der gewaltige Herrscher übte diese Schonung gewiß aus politischer Klugheit, um sich die Anhänglichkeit der jüdischen Truppen, deren Treue und Verläßlichkeit historisch bezeugt ist, zu sichern, was ihm auch gelang. Die jüdische Grenzgarnison diente nun rund 260 Jahre den persischen Großherren, bis der weltbezwingende Mazedonier an die Stelle der persischen Weltherrschaft seine eigene setzte. Doch hier mußten wir Halt machen. Die ägyptischen Juden hatten in E^ljarckine ein Heiligtum, in welchem Tieropser dargebracht wurden. Dies ist die wichtigste Tatsache, die aus dem ausgegrabenen Familienarchiv hervorgeht, und eine derüberraschendsten Entdeckungen, welche die Religi onsgeschichte jemals gemacht hat., Man wußte bisher nur vom jerusalemischen Tempel und von seiner ebenfalls ägyptischen Nachahmung, im Jahre 160 vor unserer Zeitrechnung in Leontopolis. dem sogenannten Oniastempel, welchen man ' nie für; legitim anerkannte, daß aber gleichzeitig mit der Erbauung des zweiten Tempels in Jerusalem an der nubischen Grenze von emer jüdischen Militärkolonie ein mächtiges Heiligtum aufgesührt wurde, hätte man sich nicht im Traume beifallen lassen. Höchstwahrscheinlich besteht ein geschichtlicher Zusammenhang zwischen der Erbauung der zwei Tempel. Wie bekannt, gab Cyrus, der erste persische Herrscher, im Jahre 539 den von RWukadnezar in die Gefangenschaft geschleppten Judäern die Erlaubnis zur Rückkehr in. die Heimat und zum Wiederaufbau des Heiligtums in Jerusalem. Der große und milde Herrscher ließ sein hierauf bezügliches Edikt in allen seinen Ländern verkünden. Wenngleich nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der exilierten Juden von diesem königlichen Gnadenakte Gebrauch machte, n eck das Gros .der Exulanten die Behaglichkeit der neuen Heimat der Ungewißheit in der alten vorzog,' so wird doch diese großmütige Tat auf sämtliche Juden einen gewaltigen Eindruck gemacht haben. Um sich die Anhänglichkeit seiner Juden zu sichern, wird der ägyptische Pharao, der Rivale des persischen Großkönigs, seinen Juden ebenfalls die Erlaubnis zur Errichtung einer großartigen Opserstälte gegeben haben. Dies lag auch sonst im Interesse Aegyptens, damit, nicht ein Teil seiner Bewohner auf eine auf fremdem Gebiete, zumal in einer dem Rivalen gehörenden Stadt belegene Opferstätte angewiesen fei. So dachte schon 400 Jahre zuvor der israelitische König Jerobeam, der das Zehnstämme-Reich der davidischen Dynastie abspenstig machte, als er in Dan und Bet-El, der nördlichen und südlichen : Grenzstadt seines Reiches zwei Kultstätten errichtete, damit die Treue seiner Untertanen durch die regelmäßigen Wallfahrten nach Jerusalem nicht in Gefahr komme. Merkwürdigerweise stand der ägyptisch-jüdische Tempel ebenfalls in einer Grenzseflung, als sollte das Heiligtum das Land'vor feindlichem Einbruch bewahren. Sicher ist, daß der jerusalemische Tempel gleichzeitig als Festung diente, so mag es auch bei dem elephantineischen Tempel gewesen sein. Sicher ist ebenfalls, daß die jüdische Garnison die Grenzfestung gegebenenfalls, um so heldenmütiger verteidigte, als bei einer Niederlage ihr kostbarstes Gut, ihr Heiligtum der sicheren Zerstörung entgegenging. Auch die andere Möglichkeit ist ins Auge zu fassen, daß nämlich der ägyptisch-jüdische Opfertempel gleich nach der Einwanderung der Judäer um 586 errichtet wurde. In diesem Falle wird besten Bestand dem weitsichtigen Herrscher, als welchen die Weltgeschichte den Perser Eyrus kennt, die Anregung zum Wiederaufbau des 'jüdischen Heiligtums auf seiner Urstätte in der heiligen Stadt gegeben haben. .; Der merkwürdige Zufall, der bei unserem Funde gewaltet' hat, wollte es, daß auch das Tempelgchäude nebst seiner Einrichtung, seinem Kult und seiner Priester und seine Geschichte der späteren Nachwelt bekannt werde. Dies alles wird uns von kompetentster Seite von den Priestern dieses Tempels selbst beschrieben in einem rührenden Bittgesuch, welches sie an den persischen Statthalter in Judäa nach Jerusalem gerichtet haben, als ihr kostbarstes Gut von fanatischen Priestern des ägyptischen Gottes Chnub mit. Hilfe der nichtjüdischen persischen Besatzung überfallen und zerstört wurde. Dies geschah im MonatTamuz des Jahres 411 vor der gewöhnlichen Zeitrechnung. „Als A.rsames, der persische Statthalter von Aegypten, sich zum Großkönig Darms begab — so klagen die Priester wörtlich — machten die; Götzenpriester mit dem Gouverneur Waidr.au& gemeinschaftliche Sache, um den Temvel des Gott^s^Jabu von der Festung zu entfernen. Darauf schickte jener Hundsfott Waidrang Briefe an seinen-Sohn Nephajan, welcher Heeres-- oberst in der Festung Syene war, folgenden Inhalts: „Den Tempel in der Festung Elephantine soll man zerstören."' Darauf führte Nephajan Aegypter herbei samt anderem Kriegs» Volk; sie kamen nach dec Festung Elephantine mit ihren Waffen, drangen in den Tempel ein, zerstörten ihn bis auf den, Boden. Und die steinernen Säulen, die dort waren, zerbrachen sie, die fünf steinernen Tore, gebaut aus behauenem Steinblock,. zerstörten, sie, die Torflügel,. deren Angeln aus Erz beHandey, ,' hoben ste^ aus.' Das Dach,: welches. ganz aus

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