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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-13 · Heft 2 (13.1.1911) · p. Seite 18

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 2 (13.1.1911)
Date
1911-01-13
Page
Seite 18 (sequence 6)
Language
German
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| die sozialen und Agrargesetze der heiligen Schrift, der Babel-Bibel- I Streit, die Bibelexegtse und ihre Geschichte. Ganz besonderes Jnteresse erweckte die Zusammenstellung der wertschätzenden Urteile aller hervorragenden Theologen, Denker und Dichter über die Bibel. Dabei ergab sich, daß der ZionistenführerZorbau profane, d. h. hier, nicht biblische Bücher als sittliche Erziehungsstoffe nicht so hoch schätzt, als die:deutschen Sägenstoffe und die Erzeugnrsse der deut» - fchen Klassiker, auch^Stettertzei^^ bekannte Humorist, scheint nicht den Wert der Bibel für die sittliche Erziehung zu kennen, während Bismarck, Heine, Goethe zu den eifrigsten Verehrern der Bibel zählten. Wichtig war auch, daß sich der Referent mit aller Entschiedenheit gegen den Ersatz des Religionsunterrichtes durch einen allgemeinen Moralunterricht sowie gegen die bekannten Bestrebungen d.er Bremer Lehrervereinigung auf Abschaffung des konfessionellen Religionsunterrichtes aussprach. Der gedankenvolle Vortrag, fand lebhaften Beifall. Von einer Debatte über das Referat wurde Abstand genommen, und die von dem Referenten vorgeschlagene Resolution fand mit allen gegen eine Stimme Annahme. Sie lautete: „Die Bibel, die Hauptquelle un serer Religi on. ist und bleibt eine unerschöpf° liehe Fundgrube religiös-sittlicher Ideen, die wir in die Herzen der uns anvertrauten Jugend einzppflanzen zu allen Zeiten als un sere vornehmste Aufgabe betrachten." — | Das Referat soll auf Beschluß der Versammlung durch den Truck ver- 1 öffentlichst werden. — Nach einer kurzen Frühstückspause, in welcher, ebenso wie am zweiten Versammlnngstage, die Teilnehmer von der Frankfurt-Loge in gastfreundlichster Weise bewirtet wurden, begann die Mitglieder-Versammlung, in welcher hauptsächlich interne Verbandsangelegenheiten erörtert wurden. Von allgemeinem Interesse ist nur die Stellungnahme des Delegierten vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde, Professor Dr. Türk, zur Frage der jüdischen Volksschule. Die Erörterung dieser Frage, welche auch in d.er zweiten Mitgliederversammlung im Anschluß an das Beckersche Referat fortgesetzt und unter lebhafter Teilnahme der Mitglieder gründlich behandelt wurde, war durch eine Interpellation aus der MiHte der Versammlung an Herrn Professor Dr. Türk hervorgerufen worden- Professor Dr. Türk bekannte sich aus prinzipiellen sowohl als auch aus Zweckmäßigkeitsgründen als Gegner jüdischer Volksschulen UW Großstädten, vor allem in Berlin, erklärte aber ausdrücklich, etwaige Bestrebungen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes auf Förderung der jüdischen Volksschule, bieder Deutsch-Israelitische Gemeindebund eventuell auf einen diesbezüglichen Antrag des Lehrerverbandes unterstützen würde, nicht durchkreuzen zu wollen. — Ter Kassenbericht des Rendanten Preßburger-Creglinger ergibt eine Einnahme von 2679.31 Mark und eine Ausgabe von'2371.33 Mark für die^allgemeine Verbandskasse, für die statistische Kommission 500 Mark Einnahme und 440.29 Mark Ausgabe, für die Hilfskasse 2200 Mark Einnahme und 2081.58 Mark Ausgabe. — Die Verbandsbeiträge werden auf Antrag des geschäftsführenden Ausschusses von 0.50 Mark auf 1.00 Mark erhöht. — Einen festlichen, besonders würdigen Abschluß fand der erste Versammlungstag durch die Festaufführung jnti „Philanthropin". Es gelangten „Makkabäerszenen", verfaßt von Alfred Auerbach, Mitglied des Schauspielhauses,und musikalisch bearbeitet von F. Rothschild, Lehrer am „Philanthropin", in Szene gesetzt von Georg Ritz, Mitglied des Schauspielhauses, von Schülern und Schülerinnen des „Philanthropins", in nahezu vollendeter Form zur Darstellung, welche den jubelnden Beifall der die große Aula der Anstalt füllenden Menge immer wieder und wieder auslöste. — Nach der Vorstellung fand im Lokale des Jugendvereins „Montefiore" eine Nebenversammlung. veranstaltet vom Verband . der jüdischen Jugendvereine in Deutschland, statt. Nach einem Vortrage des Herrn Meyer-Frankfurt, der mitteilte, daß dem Verbände bisher 60 Vereine an gehören, wurden die Aufgaben der Jugendvereine erörtert und ihre Förderung, durch die Lehrer dringend empfohlen. An der Debeatte -nahmen Becker-Wollsteiu, Steinhardt-Magdeburg, Auerbach-Berlin und Perez- Königsberg teil. Beschlossen würde: 1. Die aus Anlaß des Verbandstages der jüdischen Lehrcrvereine im Deutschen Reich, im Verein Montefiore versammelten Lehrer erblicken in den Bestrebungen der jüdischen Jügendvereine Deutschlands ein vorzügliches Mittel, das jüdische Bewußtsein und die idealen Interessen der Heranwachsenden' Jugend zu stärken. 2. Den jüdischen Lehrervereinen wird daher empfohlen, sich überall in den Dienst der Jugendbewegung zu stellen — ' Am zweiten Versammlungslcrgehielt Lehrer und Kantor I. B. Levy. Frankfurt a. M.. einen äußerst interessanten Vortrag über das zweite. Verbandsthema: „DerVorbeter in Vergangenheit,.Gegenwart.und Zn-, kunft". Der Referent, beschränkte sich nicht allein auf das.Thema, sondern bot auch das Resultat seiner gründlichen Studien über die Entwicklung des Gottesdienstes, die Geschichte der Gebete und vor allem über d.ie soziale Stellung und matcrielle Wertschätzung der „Chasonim" zu allen Zeiten. Er beklagte die ungenügende Ausbildung der Lehrer zu Kantoren in den Lehrerseminaren und forderte die 'Gründung einer Kantoren-Hochschule. Gegen den Vorwurf der ungenügenden Ausbildung wenden sich die Seminarlehrer bzw?-Direktoren Dr. Spanier-Münster, Horwitz - Cassel, und Levysohn-Hannover. Von den Lehrern betont besonders Ransenberg-Neuwied die Unmöglichkeit bei den gegenwärtigen Verhältnissen und auf Grund.der für die Scm'nare bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, der Kantoren- Ausbildung viel mehr Zeit zu widmen. Nach seiner Meinung, welche auch die Mehrzahl. der Mitglieder teilt, soll der Vorbeter zrrr Teilnahme am Geu:eindegesang erziehen und das. Gotteshaus durch sogenannte künstlerische Solovorträge nicht zum Konzertsaal werden. Die von dem Referenten aufgestellten Leitsätze werden mit einer die ungenügende Seminarausbildung nicht billigenden Abänderung angenommen. Die Leitsätze, welche wir aus Mangel an Raum nicht im Wortlaut zum Abdruck bringen können, betreffen die Anforderungen an den Vorbeter, seine materielle Besserstellung, die Verbindung des Kantorenamtes mit dem Lehrerberuf, J>ie Schaffung einer Prüsungsbehörde, die Errichtung einer Kautoren-Fachschüle difinitive Anstellung, Pensions- und Relikten-Versorgung der Vorbeter. — Auch dieser Vortrag soll durch den Truck veröffentlicht werden. — Aus der zweiten Mitgliederversammlung ist das Referat; Becker-Wollstein über: „Unsere wirtschaftlichen und Standesinteressen/ Die Förderung der jüdischen VÄtsschulen vom allgemeinen Interesse. Nach bestimmten Forderungen und Vorschlägen für die Förderung der wirtschaftlichen und Standesr'ntercssen, wobei die rechtliche und soziale Stellung der auf' Kündigung an- . gestellten Religionslehrer als eine Schmach des 20. Jahrhunderts * bezeichnet wurde, trat der Referent unter Zustimmung der Ver- ) sammlung mit aller Entschiedenheit für die Errichtung jüdischer Volksschulen, besonders in den Groß- und Mittelstädten ein, unter ' folgender Begründung: 1. Weil nur jüdische Volksschullehrer geeignet erscheinen, eine Erziehung zu vermitteln, die mit den Lehren unseres Glaubens in Einklang stehen; 2. weil die erziehliche Wirkung, besonders die religiöse, im zartesten Kindes alter erfahrstngsmäßig von dauernder Wirkung ist; 37 weil wir unsere Jugend, wenigstens, in den ersten Schuljahren, vor dem Märtyrertum bewahren und ihnen eine glückliche Jugend erhalten müssen;' 4. weil die jüdischen Staatsbürger denselben verfassungsmäßigen Anspruch auf den Schütz' und die Unterstützung eigener Konfessionsschulen haben wie ihre ' christlichen Mitbürger, solange —nach den noch immer geltenden Be-! stimmungen des allgemeinen Landrechts —die Schulen Veranstaltungen des Staates sind. In der Debatte stimmte besonders Auerbach-Berlin den Ausführungen des Referenten zu und erörterte die Forderung . jüdischer Volksschulen besonders für Berlin. Die von dem geschäfts- - führenden Ausschüsse deS Verbandes eingebrachte Resolution wahrt -den prinzipiellen Standpunkt aller im deutschen Lehrer? vereine organisierten Berufsgen offen ohne llnterschied des Bekenntnisses, welche bte] Simultanschule sörderst,. tritt aber i u Rü cksicht auf die gegen w ä r t i g e n inneren politischen Verhältnisse im größten deutschen Bundesstaate für die För^ derung jüdischer Volksschulen ein. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Der Vorlaut dieser Resolution wird von dem geschästs-' ^führenden Ausschüsse, veröffentlicht werden. Das von dem Referenten zur Darstellung gelangte Material soll dem Ausschüsse zur "weiteren. Behandlung überwiesen, das Referat'im Verbandsorgan veröffentlicht, und die ausgestellten Leitsätze, soweit sie die materiellen und die Staats- -interessen betreffen, den angeschlosfenen Vereinen zur Beratung über-' <wiesen werden. ' 7*/' Ein von der Vereinigung israelitischer Religionslehrer und.' Lehrerinnen Frankfurts, gegebener Festkömmers, der in allen seinen Teilen glänzend verlies, schloß den zweiten und letzten Aersammlungs-

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