Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 2 (13.1.1911)
- Date
- 1911-01-13
- Page
- Seite 17 (sequence 5)
- Language
- German
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-VW "F* lang ^iestreueste Gattin-; eine unermüdliche Helferin war/ Die Beziehungen zu Deutschland hat das Friedländersche Haus zu allen Zeiten in herzlicher Weise aufrecht erhalten; zu dem alten Freundschaften traten neue, besonders haben viele junge Deutsche, die nach London kamen, in dem gastfreien Hause Zuspruch und Aufmunterung- Freundschaft und Anschluß gefundendie ihnen die Fremde bald zur Heimat machten. So "wird auch in Deutschland die Trauernachricht viele Herzen mit Wehmut erfüllen. Das Andenken des frommen und verdienstvollen Mannes bleibt zum Segen! , I. Elbogen. E Vrrbsndstsg der jüdilchrn Lehrrroereine im Deutschen Leich. Frankfurt a. Main, Dezember 1910- ^n den Tagen des 26. bis 29. Dezember war der Verband der J jüdischen Lehrervereine in der gastlichen Stadt Frankfurt a. M. zu' ernster Arbeit versammelt. Die Vereinigung israelitischer Religionslehrer und -lehrerinnen daselbst, Vorsitzender Dr. Höxter, hatte sich mit Eifer' den nicht geringen' Vorbereitungen des Verbands-' täges unterzogen, um ihren Gästen — 65 Delegierten und etwa 200 auswärtigen Teilnehmern, neben vielen Frankfurter Berufsgenossen und Laien — den Aufenthalt so angenehm als möglich zu machen. Tie Frankfurt-Loge hätte ihre prachtvollen und weiten Räume dem. Verbandstage zur Verfügung gestellt und außerdem noch sämtliche Teilnehmer an zwei Tagen in berühmter Frankfurter Gastlichkeit zu einem Frühstück geladen. — Um den Gesamteindruck des Verbändstages vorweg zu nehmen, können wir nur das allgemeine Urteil wiederholen:^ Der V. Verbandstäg stand nicht bloß 'seinen Vorgängern würdig zur Seite, sondern, er übertraf sie noch 'durch die Mit der Tagung verbundene Dr. Adler-Feier, die einen -glänzenden Beweis für die'Wertung des verdienstvollen. Führers der ^jüdischen Lehrer Deutschlands, aber auch für die Wertschätzung der. jüdischen. Schule und ihrer Lehrer . gerade in dieser zweitgrößten- Gemeinde Deutschlands bot. Auch die bedeutsamen Beschlüsse, die Fülle von Arbeit und die seltene- Einmütigkeit, mit welcher die Beschlüsse gefaßt wurden, machten den V. Verbandstäg zu einem der wichtigsten seit dem Bestehen des Lehrerverbandes. Die Arbeit begann bereits am Abend deS 26. Dezember. In den Räumen des. „Philanthropin", eines dev herrlichsten Schulpaläste Deütschländstagte die vom Verbände eingesetzte Statistische Kommission unter dem Vorsitz des Waisenhaus-Inspektors. Peritz-Königsberg. In eingehender Ausspräche wurden die bisherigen Resultate der Statistik der jüdischen Lehrer und Schulen aller Art, auch der Religionslehrer ihrer Besoldungs-, Pensions- und Relikten-Verhältnisse, erörtert und die Schwierigkeiten dieser vom Gemeindebünd und dem Verband der deutschen Juden auch finanziell unterstützten umfassenden Arbeit därgelegt. Die fast vollzählig erschienenen Obmänner der für die einzelnen deutschen Ländesteile eingesetzten Einzelkommissionen erklärten einmütig, an dem statistischen Werk weiter zu arbeiten, das ein unumgängliches Erfordernis für die Erreichung einer rechtlichen Stellung der kündbar angestellten Lehrer und Gemeindebeamten ist. — Zu gleicher Zeit tagte in einem anderen Raum des „Philanthropin" die vom Verbände eingesetzte Jugendschriften-Kommrssion unter dem Vorsitz des Rektors Dr. Gutmann-Berlin. Die Referenten Bachrach- Altona und Gut-Frankfurt a. M. berichteten eingehend über die Jugendschristenflage fürdie jüdische Jugend unter , dem lebhaften Beifall der zählreich erschienenen Damey und Herren. Die Versammüng war einmütig der Ansicht, daß diese Frage eine der brennendsten für'.die Erziehung der Jugend im ' Geiste des Judentums, und däß die Lektüre guter jüdischer Jugendschriften eines der vorzüglichsten Mittel, wenn auchMicht das einzige, sei, die jüdische' Jugend' vor Jndifferentismüs und Abfall zn bewahren. Erfreulich war auch, die Mitteilung, daß der größte Teil der dem Verbände angeschlossenen Einzelvereine — gleich den Provinziäl- und Landesverbänden des „Deutschen Lehrervereins" — eigene Jugenbschriften-Kommisfionen be- «««»»Ho '»♦'"npmpmfntti'or sitzen, die sich zu gemeinsamer Arbeit vereinigt haben. Die Größlöge „L'ne Lritb" verfolgt in ihrem von Dr. Spanier-Magdeburg herausgegebenen „Wegweiser für die Jugendfchriften und Literatur" gleiche Ziele. Zur ersten Hauptversammlung am 27. Dezember war der große Saal der Krankkurt-Looe überfüllt Stimmungsvoll wurde die Arbeit durch einen weihevollen Harmonium-Vortrag eingeleitet, worauf der Verbandsvorsitzende Rektor Feiner-Hamburg den fünften Verbandstag eröffnete. Der Redner hob die Verdienste Frankfurts um die allgemeine' insbesondere um die jüdische Kultur hervor, begründete die Wahl Frankfurts als Versammlungsort, woselbst die Mainbrücke zwischen Süd und Nord geschlagen werden soll und sprach den Wunsch aus, daß recht bald eine Verständigung zwischen den zwiespältigen jüdischen Lehrervereinen, den im Verbände zusammengeschlossenen zirka '1200 jüdischen Lehrern und den nochabseits stehenden, etwa 300 stattfinden möge: Mit der Mahnung zuv Selbstentwicklung eines --jeden einzelnen, denn Selbstentwicklung ist zugleich Entwicklung der Gesamtheitschloß der Vorsitzende seine mit lebhaftem Beifall auf" genommene Begrüßung. Der Vorsitzende deS Ortskomitees, Dr. Höxter, begrüßte die Versammlung mnd teilte mit, daß die Vereinigung'dem Verbände eine JugendschriftFür unsere Jugend", herausgegeben von Gut- Frankfurt a. M.» gewidmet habe. Einen erhebenden Eindruck machte -die anschließende' Dr. Adler-Feier. Der von Dr. Höxter' geleitete Verein hät aus Anlaß des 25 jährigen Dienstjubiläums des Direktors- W. Adler in Verbindung mit den näheren Freunden und hervorragenden Gemeindemitgliedern einen Ehrensonds von mehr als ^30000 Mark für den Jubilar gestiftet, Mit einer glänzenden Ansprache und dem Hinweis auf die mannigfachen Verdienste des Gefeierten um Schule, Lehrerstand und Judentum wurde dieser Fonds zur freien Verfügung nebst einer künstlerisch ausgeführten Adresse dem Jubilar unter brausendem Beifall der Versammlung überreicht, Es^war ein erhebender. Moment, als der Jubilar, sichtlich gerührt. für»all die Liebe und Treue seinen Dank aussprach und zugleich die Mitteilung machte, daß er den größten Teil der Ehrengabe zu einer ^Darlehnskasse für bedürftige Verbandsmitglieder bestimme, während der MEfür eigentliche Verbandszwecke, Veröffentlichung wertvoller Referate Verbandsarbeiten verwendet werden sollte. Der Verbandsvorsitzende dankte allen, die zu dieser Ehrung beigetragen haben, vor allem aber auch; dem verdienstvollen Jubilar für seine warmherzigen Bestimmungen über die Ehrengabe in herzlichen Worten.. Justizrat Dr. Blau begrüßte die Versammlung namens des Vorstandes der jüdischen Gemeinde und wünschte ein friedvolles Zusammenarbeiten des LehrerverbandeS mit den Gemeinden. Dr. Kaufmann entbot derselben den Gruß, der ' Frankfurt-Loge und der Großloge für Deutschland. Professor Dr. Türk-Berlin begrüßte die Versammlung namens des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und betonte besonders die Bemühungen desselben um die Fortbildungskurse 'für die Lehrer auf dem Lande und in kleinen Städten.. Jüstizrat Dr. Auerbach sprach namens des Verbandes der deutschen Juden. Den wirksamen Schluß der Begrüßungen bildet diejenige des Rabbiners Dr. Seligmann^Frankfurt namens des Rabbinerverbandes. Er prägte den Grundsatz: ,-Es gibt Lehrer, die auf den Namen „Prediger" Anspruch erheben. Eine größere Ehre ist es für den Rabbiner, „Lehrer" genannt zu werden." Er sprach gleichzeitig den Wunsch auf ein einmütiges Wirken von Rabbinern und Lehrern aus Nach Verlesung einiger telegraphischer Begrüßungen, worunter diejenigen der einstweilen noch draußenstehenden Vereine, „Israelitischer bayerischer Lehrerverein" und „Verein der israelitischen Elementarlehrer Elsaß-Lothringens" besonderen Beifall erregten, folgte die Ehrung der im Laufe der dreijährigen Verbandsperiode verstorbenen Verbandsmitglieder. Dr. Spanier-Magdeburg hielt hierauf den ersten Vortrags über das Verbandsthema: „Die Bedeutung der Bibel für diel religiös-sittliche Erziehung der Jugend." In einem außer- I ordentlich gründlichen, gedankenvollen Referat, das auf dem Studium s der gesamten einschlägigen Literatur beruht, erörterte der Vortragende den sozialen ünd psychologischen Wert der Bibel und wies dies an ausgewählten Beispielen treffend nach. Er sprach weiter über den untemchtlichen Wert der biblischen Erzählungen' durch die einfache Sprache und den sittlichen Inhalt/ Eine besondere Erörterung finden