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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Vergrößerung deS Heims ins Auge gefaßt werden müsse. Die Vorsitzende gedachte dann des schweren Verlustes, den der Vorstand durch den Heimgang der Vorstandsdame Frau Lea Hirsch erlitten hat, zu deren Ehren sich die Versammlung von ihren Plätzen erhob. Hieraus erstattete. die Schatzmeisterin Frau Clärchen Wolfs den«. Kassenbericht, und ersuchte die Anwesenden, eifrig neue Mitglieder zu > werben. Nach Beschlußfassung über Aenderung der Statuten wurden i gewählt, in den Vorstand: Fräulein Sidonie Werner, Vorsitzende, ) Frau RechaLevy, Frau Clara Rosenstern, Frau Dora Heimann, - Frau Clärchen Wolff und Frau Toni Lippmann; in den geschäftsführenden Ausschuß die Damen: Frau Minna Magnus, Frau Jenny Mainz, Frau E. Z. Michael, Frau Mathilde Nathanson, Frau Jenny Peine, Frau Rannh Philipp, Frau Dr. Toni Seeligmann und Frau Jenny Wolfsberg. ----- Halberstadt, 30. Dezember. . Wie seinerzeit mitgeteilt, hatte der „Deutsch-Jsraelitische Gemeindebund" anläßlich des 70. Geburtstages seines stellvertretenden Vorsitzenden, des Herrn Kommerzienrat Benjamin Hirsch-Halberstadt diesem in prächtigem Einband eine Glückwunschadresse überreicht. Die Adresse hatte, wie wir jetzt Mitteilen können, den folgenden Wortlaut: „Hochverehrter Herr Jubilar! Wertgeschätzter lieber Kollege! Mit Gottes Beistand überschreiten Sie heute aufrecht und rüstig die Schwelle des psalmischen Alters. Ihre Freunde und Mitarbeiter vom Deutsch- Israelitischen EeMeindebund beglückwünschen Sie im Namen der vereinigten jüdischen Gemeinden Deutschlands aufrichtig und hoffen, daß der Spender alles Guten Ihnen noch viele Jahre Gesundheit, Kraft und Geistesfrische erhalte, damit Sie fernerhin zum Wohle des gesamten deutschen Judentums wirken können. Gerade Ihr auf das große Ganze gerichteter. Blick, verbunden mit persönlicher Liebenswürdigkeit ist es, .der Sie, hochgeehrter Herr Jubilar, bei Ihrem berechtigten, Festhalten an Ihrem religiösen Standpunkte duldsam gegenüber abweichenden Meinungen macht; er befähigt Sie in außer' ordentlichem Maße, die verschiedenen Richtungen zu versöhnen und sie der großen Sache des Judentums dienstbar zu machen. Möge es Ihnen vergönnt sein, die guten Früchte Ihres Tuns zu ernten! Uns aber wünschen wir, daß wir uns noch recht lange Ihrer Mitarbeit erfreuenkönnen. Verehrungsvoll der Deutsch-Israelitische Gemeindebund." ------ Köln, 28. Dezember. Das jüdische Lehrerseminar in Köln hat gestern nachmittag aus Anlaß der ihm vom Staate verliehenen .Anerkennung und Berechtigung zur Abhaltung von Entlassungsprüfungen im Hotel du Nord einen akademischen Festakt veranstaltet, an dem außer hiesigen Freunden des. Seminars viele ehemalige Zöglinge und Lehrer sowie Vertreter gleichstrebender Vereine und Körperschaften teilgenommen haben. Die würdige Feier war von Eesangsvorträgeu umrahmt. Ten Reigen der Ansprachen erössnete im Aufträge des Kuratoriums des jüdischen Seminars Herr Dülken mit Dankesworten an die Staatsregierung und die Schulbehörden für die Gewährung des Rechts au das Seminar, nunmehr in der eigenen Anstalt das Lehrerexamen abnehmen zu dürfen. Der Redner gedachte anerkennend der Initiative des Gründers der Anstalt, des Rabbiners Dr. Plato, der sie vor 43 Jahren in Ehrenfeld ins Leben gerufen und ein Menschenalter hindurch geleitet hat, sowie der tatkräftigen zielbewußten Leitung des jetzt seit über sechs Jahren das Zepter führenden Direktors Dr. Carlebach. Worte der Anerkennung widmete er dem Lehrerkollegium und schloß, mit dem Wunsche, daß sich der Kreis der Mitglieder, Freunde und Gönner noch erweitere, damit die Anstalt noch mehr als bisher ein Träger des Judentums werde. Es folgten die Ansprachen der Vertreter der gleichgesinnten Körperschaften usw., deren Fürsorge für die hiesige Anstalt schon früher zutage getreten ist und die ihrer freudigen Anteilnahme an „ der Feier beredten Ausdruck verliehen. Sie alle nahmen.Anlaß, am Ehrentage des jüdischen Lehrerseminars Köln, Rückschau aus die in praktischer Arbeit erreichten Erfolge zu halten und der Anstalt für die Zukunft, ein fröhliches, starkes Weiterwirken für hre Ideale zu wünschen In der. eigentlichen Festansprache ließ der Leiter der Anstalt, Direktor Dr. Carlebach, durch eine eingehende interessante Schilderung der Bestrebungen des Seminars die Zuhörer einen Einblick in die Werkstätte der Anstalt gewinnen. — Mainz, 29. Dezember. . Am 15. Kislew waren 100 Jahre verflossen, daß ei,ne Anzahl wackerer Männer den Dritten Israelitischen Krankenpflegeverein ins Leben gerufen haben. Es waren Männer aus dem nahen. Vorort Bretzenheim, die kurz vorher in unsere Stadt gezogen waren, und aus diesem Grunde enthält die Festschrift, .die der Verein jetzt herausgegeben hat, auch einen Rückblick auf die Geschichte der Juden in Bretzenheim. Nach einer Notiz, aus dem Jahre 1517 empfing bereits in früheren Jahrhunderten der Erzpriester, wenn er das Sendgericht zu Bretzenheim abhielt von jedem Juden einen Goldgulden. 1784 erhielten die Juden vom Kurfürsten das Recht, liegende Güter zu erwerben. Die Schrift enthält eine Fülle hierauf bezüglichen interessanten Materials, cs würde uns aber zu weit führen, wollten wir auch nur kurz auf den Inhalt näher eingehen. Die Schrift hat Herrn Oskar Lehmann zum Verfasser, der seit einer längeren Reihe von Jahren in diesem VerHn allsabbatlich mit großem. Beifall aufgenommene religiöse Vorträge hält. Auch die Geschichte des Vereins selbst, die in der Festschrift niedergelegt ist, ist insofern für weitere Kreise bemerkenswert, als sie. kurze Biographien der früheren Vereinsrabbiner mitteilt. Ein Festgottesdienst bildete die würdige Einleitung der Feien Nach Absingung von Choralgesängen und der Rezitierung von Psalmen, gehackte man der Gründer in einem Haskarat Neschämoth-Gebete, worauf Herr Lehmann folgende Ansprache hielt: Abraham wunderte sich — führte er aus — daß er zu 100 Jahren noch einen Sohn erhalten sollte, so wunderte sich auch mancher, daß dieser alte Verein noch existiere, aber gerade in seinem Alter liegen die Wurzeln seiner Kraft, wie überhaupt in dem Alter der jüdischen Vereine der Stolz des Judentums liege. Denn lange, bevor man in nichtjüdischen Kreisen an Krankenversicherung, Arbeitslosenunterstützung, Invaliditäts- Versicherung dachte, ist dieser Gedanke in jüdischen Kreisen in die Wirklichkeit umgesetzt worden, auch hier ist der jüdische Geist der Kultur der übrigen Welt vorausgeeilt. Isaak erntete das Hundertfache und verteilte es an hundert Stadttoren, so auch der Mainzer Verein: was er in.100 Jahren einnahm, verteilte er an 100 Türen der Armen. Wechselgesang einiger Psalmen und Choralgesang schlossen diese Feier, bei der die Rabbinate und Vorstände der beiden Mainzer Gemeinden vertreten waren. Ein Festessen, das am folgenden Tage stattfand, verlief in animiertester Stimmung; es wurden Wiele geistreiche Worte gesprochen und anerkennende Schreiben der staatlichen und städtischen Behörden verlesen. Auch die jüdischen Schwestervereine, Logen usw. sandten herzliche Glückwunschschreiben. Oesterretch-Nngsrn. K. Wien, 29. Dezember. Im ungarischen Magnatenhause fand jüngst eine interessante Debatte statt über die Konfession der, Zeugen im ungarischen Zivilprozeß. Das ungarische, Abgeordnetenhaus hat beschlossen, daß in, Zivilprozeß vor Gericht erscheinende Zeugen nach ihrer Konfession nicht befragt werden sollen. Mit lebhaftem Interesse sah man daher der Debatte im Magnatenhause entgegen, da es bekannt war, daß in Kreisen der hohen Geistlichkeit gegen diesen Antrag eine Agitation eingeleitet wurde. Tatsächlich beantragte der gewesene^Präsident des Magnatenhauses, Gras Desseweffh, den bisherigen Zustand aüsrechtzuerhalten und den Beschluß des Abgeordnetenhauses abzulehnen. Ter gewesene Unterrichtsrninister von Wlassier trat aber dem Anträge Desseweffys entgegen, indem er vor der Heraufbeschwörung konfessioneller Konflikte warnte. Nach längerer Debatte kam es zur Abstimmung. Das Ergebnis war, daß der Beschluß des Abgeordnetenhauses, angenommen wurde. Sehr bemerkenswert ist die Ausführung des Justiznü'nisters Szekely, der betonte, er stimme deshalb für den Antrag des Abgeordnetenhauses, um zu dokumentieren, daß die Frage nach der .Konfession nicht notwendig sei, um die Glaubwürdigkeit eines Zeugen sestzustellen. Es wäre zu wünschen, daß auch Oesterreich dem Beispiele Ungarns folge — Oesterreich und auch andere Länder. — In aller Stille beging vor einigen Tagen der Sekretär der Wiener israelitischeu Kültusgemeinde, .Kaiserlicher Rat Dr. Theodor Lieben,;fein vierzigjähriges Dienstjubiläum, nachdem er vor wenigen Tagen den vierzigsten Jahrestag seiner Promovierung zum voetor juris feiern konnte. Dem Jubilar kamen.zahlreiche Glückwünsche zu. .—. Für die durch das Ableben des Hosrates Skrause erledigte Lehrkanzel, für Chemie an der Wiener Universität wurde xrimo loco der .Professor an der Prager deutschen Universität. .Dr. Guido Goldschmied in

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