Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3228961-3228963--67131-3279331- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nummer der „K. E.-Blätter" das Folgende: .Der/ akademische Tmn-' verein (A. T. V.) war bereits in den Gründerjahren antisemitisch, d. h., wie er sich ausdrückte, er nahm nur Juden nach Wahl auf. Heute setzt er aber alle Juden heraus, da -sein. Zuwachs bei-der Konkurrenz antisemitischer Sportvereine geringer wurde. .Dieses^ Vorgehen motivierte man damit, die Juden würden im Sport, ihrer minderwertigen Körperbeschaffenheit zufolge, keine Figur bilden. Die erste Gruppe von Sportvereinigungen bildete der akademische Ruderbund. Ein Bund, der an ausgeprägten: Rassedünkel auf den deutschen Hochschulen keinesgleichen hat. Und wie ungerecht war doch die Ansicht dieser Leute. Mannheim,' Frankfurt, Offenbach und andere mehr haben bewiesen, daß in ihren Mauern Juden wohnen, die fähig sind, das Ruder zu führen. Der akademischen Jugend jüdischer Abstammung war es leider nicht möglich, ihre freie Zeit zur Ausübung des schönen Wassersports'zu verwenden, weil man sie eben nicht wollte. Und so ging es ihr mit den änderen Sportvereinigungen auch. In München existiert ein Münchener Sportklub, der in einem losen Kartellverhältnis zu dem akademischen Skiklub Frei bürg steht. Auch hier ist den Juden der Zutritt verboten. Da gab es einen K. E.er. der ein guter Schneeschuhläufer war, und für< den fand sich der Modus, er solle doch Gast beim Klub während seiner Studentenzeit werden. Gerade diese Klubs sollten die Erfahrung gemacht haben, daß wir vollwertig sind, denn zumal in Freiburg, der Hochburg des Schneeschuhsports, sieht man die jüdischen Kommilitonen genau so sicher die „Brettli" dirigieren wie die christlichen. Was das Tennis anbelangt, gibt' es mit Ausnahme von Halle und Greifswald meines Wissens keine Juden ausschließenden Vereine. Wenn irgendein Sport von Juden gut betrieben wird, so ist es dieser. Die Namen der Gebrüder Rothschild (sie sind jetzt in Amerika), von Kuhn und Fräulein Marum — wir könnten noch viele nennen — erinnern an Spieler von Klaffe. Die Leichtathletik und die Rasenspiele haben gerade jetzt' ihre vornehmsten Vertreter unter den - Juden, ich erinnere an Max Mäher in Freiburg, der jahrelang Dancrlaufrekorde aufstellte, und. an Abraham, Berlin, der zurzeit der beste Leichtathlet isü" -- Berlin, 3. Januar. In der Aula der Knabenschule der Jüdischen Gemeinde hielt am Abend des 27. Dezember v. I. die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums unter zahlreicher Beteiligung weiter Kreise ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Professor Dr. M. Philippson, erstattete den Jahresbericht. Wir heben aus demselben folgendes hervor: Die Zahl der Mitglieder hat eine weitere erfreuliche Vermehrung erfahren. Der Stand der'Kasse ist gleichfalls günstig zu nennen, besonders nachdem Frau Marie Errerä-B rüsseHerr Generalkonsul Franz Ph ilip p.s on-Brüssel und'" Herr Baron Edmund v. Rothschild der Gesellschaft insgesamt 14000 Mark für besondere wissenschaftliche Aufgaben zur Verfügung gestellt haben. Es erschienen, im Berichtsjahre der I. Band, der talmudischen Archäologie von S. Kräüß, die gesammelten Aufsätze H. Steinthals über Juden und'Judentum in'2. Auflage, die Studie Rösels über die Reichsfieuern der deutschen Judengemeinden, sowie eine'Reihe weiterer von^der. Gesellschaft subventionierter Schriften. Im nächsten Jahr ho^t der Vorstand mit den ersten Veröffentlichungen G orp,us*Ta nn aticum, dem I. Bande der Germania-Judaica und dem'II". Bände des 'Maimonideswerks an die Oeffenilichkeit zu treten. Aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Geburtstages Ludwig Philipp so ns wird einevon seinen' Söhntzw veranstaltete Ausgabe äusgewählter Schriften PhilippfonS erscheinen, welche die Mitglieder der Gesellschaft kostenlos erhallen: Eine Reihe weiterer Schriften stellt der Jahresbericht den Mitgliedern zu ermäßigten Preisen zur Verfügung. Nach Entgegennahme des Berichtes wählte die Versammlung durch Zuruf den bisherigen Ausschuß wieder, worauf Herr Dozent D^HorvwiI- Bres läu'einen hochinteressanten Vortrag über die Stel'lün g das Aristoteles bei den Juden des Mittelalters hielt. Die Versammlung nahm' den Vortrag mit lebhaftem Beifall entgegen. Der Generalversammlung war am Vormittag eine Ausschußsitzung vorausgegangen, die sich ' hauptsächlich mit' den wissenschaftlichen Aufgaben der Gesellschaft beschäftigte und mehreren Forschern namhafte Subventionen bewilligte. DasÄndenken des unt die jüdische Allgemeinheit verdienten Dr; Hirsch Hildesheimer ehrte der Ausschuß^ durch Erheben von den Sitzen. Der Jahresbericht ist von Herrn Dr. Nathan, Artilleriestraße 9, kostenlos zu beziehen. . ' k. Thorn^ >2: Januar. Bei der im Herbste v. I. stattgehabten Mekruten.-Vereidigung.-hat .unser Rabbiner. Herr Dr. Ro.sie n berg eine Ansprache gehalten, die. nicht nur in der Gemeinde allgemeinen Beifall erzielte, sondern.' auch! in hiesigen Offizierskreisen rühmend be- - sprachen wurde. Auf mehrfachen Wunsch hat Herr Dr. Rosenberg die Rede drucken laffen. Vor kurzem ist ihm nun sowohl vom hiesigen Gouverneur wie vom Festungskommandanten für. die Ansprache gedankt worden, insbesondere hat der letztere sich' in sehr schmeichelhafter Weise über sie ausgesprochen. Ferner würde Herrn Dr. Ro send erg vom Kaiserlichen Militärkabinett mitgeteilt, daß Se. Majestät geruht habe, von der Ansprache Kenntnis zu nehmen, und es wurde ihm dev-^Dank des Chefs, des Militärkabinetts, des Generals v. Lyncker, ausgesprochen. — Jastrow, 30. Dezember. Die Ehejubiläumsmedaille ist dem M. Lewinschen Ehepaar dahier'anläßlich der goldenen Hochzeit am 26. Dezember verliehen und in der festlich geschmückten Synagoge von'dem Prediger Hellmann feierlichst überreicht worden. Trotz des 2; Weihnachtsseiertages füllten Hunderte das Gotteshaus, darunter der Bürgermeister ' mit Magistrat und . Stadtverordneten. Ein 'Schwiegersohn des Jubelpaares aus Amerika stiftetete' aus diesem Anlaß 150 Mark für' die städtischen Armen ' und Veteranen und 300 Mark unserer Gemeinde als Fonds für die Einrichtung elektrischer Beleuchtung in unserer Synagoge. Möge es. dem Jubelpaare vergönnt' sein, sich noch recht lange eines sonnigen Lebensabends zu erfreuen. *.* Breslau, 2. Januar. Auf seinem Gut 'Hartlieb bei Breslau ist gestern nach langem Siechtum einer der .reichsten Männer Schlesiens, unser Glaubensgenosse Julius Schottländer., im Alter von 76 Jahren gestorben. Der Entschlafene war der Chef des Hauses Jultüs Schottländer, das außer einer bedeutenden Flußreederei und großen Oelmühlen ein umfangreiches Bankgeschäft betrieb. Der Verstorbene, der' ein Vermögen von mehr als. 30 Millionen hinterläßt, hatte eine große Anzahl von Gütern'in der Umgebung von Breslau erworben und gründete auch ein Majorat, trotz der Schwierigkeiten^ die die Behörden ihm eine Zeitlang entgegengesetzt hatten. Anläßlich seines 70. Geburtstages stiftete Schottländer der Stadt Breslau ein Vermögen von drei Millionen Mark zu wohltätigen Zwecken. Auch den 'Südpark, den er der Nähe der Billen.- Vorstadt Kleinburg angelegt hatte, schenkte er der Stadt. Die israelitische Ältersversorgungsänstalt in Kleinburg verdankt ihm ihre Entstehung, gleichfalls das jüdische Schwesternheim in .Breslau. Schottländer war in' seinem Leben von einer überraschenden Anspruchslosigkeit und. zeichnete'sich gegen jedermann durch seine große Liebenswürdigkeit aus. Vor wenigen Jahren trug er sich mit dem Gedanken, nach Berlin überznsiedeln; tx gab aber den Plan seines hohen Alters wegen auf. Er' hinterläßt einen Sohn, Dr. Paul Sch ottländer, sowie vier Töchter, von' denen drei an Berliner bekannte Persönlichkeiten verheiratet sind: die eine ist die Gattin des einer altangesehenen Berliner Familie entstammenden Alfred Marckwald. die andere hat' den bekannten Musikschriftsteller Tr. Hugo Gold sch midt zum Mann, die dritte ist die Gattin des Generaldirektors der Patzenhoser-Brauerei Dr. Walter Sobernheim. ----- Hamburg, 30. Dezember. Am letztes Sonntag Mid .im Heim.' für jüdische Mädchen die diesjährige' Generalversammlung statt. Die Vorsitzende Fräulein Sido nie Werner bemerkte in ihrer Einleitungsrede, daß' der Vorstand vor zwei Jahren 'mit Zagen an die schwere Aufgabe herangetreten sei, im Erwerbe stehenden jüdischen Mädchen ein'Heim zu schaffen, das ihnen Ersatz bieten sollte für das Elternhaus, em Heim, um die* wirtschaftlich Schwachen zu stützen; denn es war das erstemal, daß sich hier in ^Hamburg 'jüdische Frauen ziffammengefunden hatten zur selbständigen Gründung und Leitung ein.es solch verantwortlichen Unternehmens. Freudig müsse sie heute konstatieren, daß die Arbeit des Vorstandes gesegnet gewesen sei. Das Heim sei mst 14 Insassen eröffnet.und.werde heute von 19 bewohnt. Eine große Anzahl ' von Bewerberinnen mußte . wegen'Mangels an'Raum abgewiesen werden, so daß eine baldige