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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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'TS. Jahrgang Ml Brüser zur „Allgemeinen Leitung drß Judentums. MrrrlponÄkn?m und Machrichtrn. Veutschland. Berlin, 3. Januar. Im Ver-valtungsgebäude der jüdischen Hltzni ein de, Oranienburger Straße 29, fand am 29. v. M. mittag die Einweihung der neuen Räume des Gefamtarchivs der deutschen Juden statt. Das Archiv, das 1903 vom Deutsch-israelitischen Gemeindebunde und der Großloge des „U. O. B. B." gemeinsam ins Leben gerufen worden, untersteht einem Kuratorium, dem Professor Dr. M: Philippson als Vorsitzender, der Fürstlich PleßscheArchivar Dr. Z'ivier, Staatsarchivar Professor" Dr. Warschauer (Posen) und andere Fachleute als Mitglieder angehören; die unmittelbare Leitung der Arbeiten liegt in den Händen des Archivars Dr. T äubler. Ter Einweihungsfeier, die sich zu einem eindrucksvollen Wissenschaftlichen Festakt gestaltete, wohnten bei außer den Genannten noch Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. R. Koser und Geheimer Arckivrat Dr. Bailleu für das Direktorium der preußischen Staatsarchive, sonstige bekannte Gelehrte wie Geheimer Regierungsrat Professor Dr. Cohen (Marburg), die Rabbiner der jüdischen Gemeinde, Professor Simonsen (Kopenhagen), die Dozenten der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und des Rabbinerseminars, Geheimer Justizrat Timendorfer als Vertreter der 6'ae- Lritb-Logen, sowie Repräsentanten und Vorstandsmitglieder der Berliner Jüdischen Gemeinde und Vertreter der jüdischen Gemeinden von Breslau und anderen deutschen Städten. Der Vorsitzende des Kuratoriums, Professor Dr. M. Philippson, gab eine klare und gehaltvolle Darlegung der Gesichtspunkte, die für die Begründung des Archivs maßgebend gewesen sind, und einen Ueberblick über dessen bisherige Entwicklung. Die Schwierigkeiten, die namentlich in der Verständnislosigkeit vieler Gemeinden und in deren'zum Teil begreiflichen Partikularismus liegen, waren und sind zwar außerordentlich groß, doch besteht begründete Aussicht, sie erfolgreich zu überwinden. Schon jetzt haben 250 Gemeindevyrstände sich bereit erklärt ihre entbehrlichen Akten und Urkunden dem Gesamtärchiv der deutschen Juden zu überweisen; weitere'150 Gemeinden werden voraussichtlich diesem Beispiel in nächster Zeit folgen. Von hoher Bedeutung ist es, daß die größte jüdische Gemeinde Deutschlands, die Berliner, ihr Archiv dem Gesamtarchiv angegliedert und zweckentsprechende Räume für dessen Unterbringung kostenlos zur Verfügung gestellt hat. Auch sonst macht sich in amtlichen und privaten Kreisen ein dankbares Interesse und Verständnis für die Bestrebungen des Archivs geltend. Das Generaldirektorium der preußischen Staatsarchive hat die Aenderung ge-I schaffen, daß die auf jüdische Angelegenheiten bezüglichen Akten der! Provinzialarchive, so weit sie entbehrlich sind, überwiesen werden! sollen. Frau Geheimrat Becker hat 10000 Mark zu einer Henriette! Becker-Stiftung zur Verfügung gestellt, zu archivalisch-biographischen Forschungen über hervorragende jüdische Gelehrte und Künstler. Prof, Dr. Philippson gab schließlich der Erwartung Ausdruck,' daß das Gesamtarchiv der deutschen Juden als bescheidenes, aber nützliches Glied sich der großen Kette deutscher wissenschaftlicher Organisationen eingliedern und an seinem Teil dazu beitragen werde, die historische Entwicklung des Judentums im engsten Zusammenhang mit der Geschichte des deutschen Vaterlandes immer besser verstehen zu lehren. In eingehender, die geschichtliche Stellung der Juden in Deutschland j m Großen würdigender Darlegung gab sodann der mit der Leitung des Archivs betraute Tr. Julius Täubler einen Ueberblick über dessen einzelnen Ziele. Namens der Bne-Brith-Logen dankte Geheimer Rat Timendörfer der jüdischen Gemeinde und allen anderen, die sich um die Förderung des neuen Instituts verdient gemacht haben. Geheimer Rat Dr. Koser, Generaldirektor der preußischen Archive» sprach den Dank und die Glückwünsche der preußischen Archivverwaltnng aus, die dem neuen Institut weitgehendes Interesse und Wohlwollen entgegenbringt. An die Eröffnungsfeier schloß sich ein Rundgang durch die Räume des Archivs, in denen eine Anzahl durch Alter oder Wert hervorragende Archivalien zur Besichtigung ausgslegt waren. . .. *** Berlin, 3. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte^ und Literatur hielt am 28. v. M. im „Burg-Hotel" seine ordent-! liche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Professor. Dr. Martin Philippson eröffnete die Sitzung und widmete dem Andenken des am 6. Dezember 1910 verstorbenen langjährigen zweiten Vorsitzenden Dr. Hirsch Hildesheimer, zu dessen Ehren bis zahlreich erschienenen Mitglieder sich von den Sitzen erhoben hatten, einen tiefempfundenen Nachruf, in dem er sein den Interessen des Judentums geweihtes Leben und Wirken, seine großen Verdienste um den Verein und dessen Bestrebungen eingehend würdigte. Hierauf berichtete er ausführlich über die Tätigkeit des Vereins-im abgelaufenen Geschäftsjahre und teilte zum Schluß mit, daß das Jahrbuch 1911 schon im Laufe des Monats Januar den Mitgliedern zugehen werde, und daß der vorjährige Beschluß, eine Zusammenstellung der Unterscheidungslehren zwischen Judentum und Christen- . tüm zu veröffentlichen, dsr Verwirklichung näher gerückt sei, da ein « diesbezüglicher wissenschaftlicher Entwurf bereits vorliegt. Da derSchatzmeister Herr Julius Fränkel infolge einer schweren Erkrankung der Versammlung nicht beiwohnen konnte, erstattete Herr Benas Levy mit einem warmen Appell an die Mitglieder, in ihren Kreisen auch ferner für die Zwecke des Vereins zu wirken, den Kassenbericht: Die Einnahmen betrugen 16 355.40 Mark, die Ausgaben 10 290.65 Mark und der Bestand 6064.75 Mark. Auf Antrag der Revisionskommission erfolgte einstimmig > die Entlastung mit dem Ersuchen an den Vorstand, dem Schatzmeister Herrn Julius Fränkel für seine Mühewaltung um den Verein den Dank der Generalversammlung und ihre innigsten Wünsche für seine baldige Genesung schriftlich zum Ausdruckzu bringen. (Der edle, um den Berliner Literaturverein hochverdiente Mann ist leider am 2. d. M. seinen Schmerzen erlegen- Die Red. Bei den sodann vollzogenen Wahlen wurde der Gesamtvorstand (mit Herrn Professor Philippson zum ersten und Herrn Dr. I. Ellbogen zum zweiten Vorsitzenden) per Akklamation wieder- und Herr Chefredakteur Dr. I. Landau neu gewählt. Ebenfalls durch Zuruf erfolgte die Wiederwahl der Herren Willibald Loewenthal und Gustav Spiewkowski als Revisoren. Es folgten alsdann aus der Mitte der Versammlung mannigfache Anregungen für die fernere Vereinstätigkeit und zrzfn Schluß, die Bewilligung verschiedener Subventionen und die Feststellung 8es Haushalts für das Jahr 1911/1912.. y. Berlin, 3^ Januar. Die ansehnliche Bibliothek des „Deut sch-Jsrael^When Gemeindebundes" wird nach einem Beschlüsse des Ausschuffes aufgelöst. Nachdem die jüdische Gemeinde zu Berlin ihr Archiv mit dem Gesamtarchiv der deutschen Juden vereinigt hat, stellt ihr der „Deutsch-Israelitische Gemeindebund" alle Werke aus seiner Bibliothek, die die Berliner Gemeinde für ihre eigene Bibliothek wünscht, kostenlos zur Verfügung. Es soll hierin ein Akt der Erkenntlichkeit gegenüber der Berliner Gemeinde liegen für das dem „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" und seinen Bestrebungen erwiesene. Entgegenkommen, anderseits aber soll damit zugleich die wertvolle und in ihrer Eigenart einzig dastehende Bücherei, die bisher wenig benutzt wurde, der großen jüdischen Oeffentlichkeit zur Verfügung stehen. Diejenigen Werke der Bibliothek des Gemeindebundes, die nicht von der Berliner Gemeinde gewünscht oder für den Gemeindebund selbst gebraucht werden,^sollen der jüdischen Lesehalle zur Verfügung gestellt werden. _ y. Berlin, 3. Januar. Der nächste Gemeindetag des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes, ist, wie wir erfahren, für den Monat Mai dieses Jahres in Aussicht genommen. Bei der Gelegenheit sei zugleich mjtgeteilt, daß Herr S. Flörsheim-Dortmund aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Ausschußmitglied niedergelegt hat, und in den Ausschuß Herr Professor Dr. Sobernheim neu eingetreten ist. — Berlin, 3. Januar. Üeber Antisemitismus in den akademischen Sportverbänden entnehmen wir einem Artikel der letzten

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