Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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--^-Märchen von MaxNotrdaiL Die in dem Verlage-von Otto Hendel-Halle erschienenen Märchen des: berühmten Zionisten habeL nur insofern Interesse für die jüdische Lesewelt, als . sie. einech Juden zum Verfasser haben.- Nordau hat gut getan, keine jüdis chen Märchen zu schreiben, denn es tzibt» im Grunde genommen» keine, solche. Nordaus Märchen werden aber öeMoch bon jüdischen Kindern gelesen werden, denn sie sind Kunstwerke und einem solchen muß ja nicht gleich der Stempel des Konfessionellen aufgedrückt sein. Man muß gestehen, daß sich durch alle die reizenden Erzählungen Nordaus eine gewisse Tendenz oder Moral durchzieht, die ohne aufdringlich zu sein, die Absicht hat, das Kinderherz mit Liebe zur Natur und ihren Wunderwerken zu erfüllen. Die Sprache der Märchen ist ebenso wie der Inhalt derselben geisterfrischend, und Nordau vermeidet es, die Phantasie der Kinder aufzuregen. Ob die Märchen von vier- bis siebenjährigen Kindern verstanden werden, möge dahingestellt bleiben, für zehn-'bis zwölfjährige Kinder halten wir sie durchaus geeignet. So mögen sie denn allen Eltern und Erziehern angelegentlichst empfohlen sein, und man möge sie — wenn man Kindern ein Märchenbuch zum Chanukafeste schenken will — denjenigen vorziehen,, die das Christologische” zu sehr betonen oder die, wie das teilweise bei den Grimmschen Märchen der Fall ist, geradezu verächtlich von den Juden sprechen. 8. B. Lücherrmlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Berlin in Bildern 1810 bis 1910 mit einer Einleitung von Dr. Max Osborn, zur Erinnerung an das Universitätsjubiläum I. Spiro, Verlag, Berlin W. 57, 1910.; Eheschließnngs- und Trennungsfreiheit in Ungarn mit besonderer Berücksichtigung der österreichischen, russischen und italienischen Rechtsverhältnisse. Praktischer Wegweiser für Advokaten üsw. von- Dr. Ernst Gerö. 2. Auflage. Budapest 7, Elisabethring 17/ Preis 1 Krone. The Thirty-Ninth-Annual Report of the Anglo-Jewish Association' in Connection with the Alliance Israelite Universelle. 1909 —1910. Offices of the Anglo-Jbwish Association: Blomfield House, 85, London Wall, London, E. C. 1910. Gelehrten - Anekdoten, gesammelt und herausgegeben von Dr. W. Ahrens. Berlin-Schöneberg, Verlag von Hermann Sack,- 1911. Preis 2 Mark. Goethe, sämtliche Werke. Band I, Gedichte. Tempel - Verlag Än Leipzig.. Preis 3 Mark. i . Sehen Tob Ben Joseph Palquera. I, by Henry . Malter, Philadelphia. The Dropsy College for Hebrew and CognateLearning l910. ' @.=51L au§; the Jewish Quarterly Review. Neue Serie Band I, Nr. 2^ Der Geldhandel der deutschen Juden des Mittelalters bis zum' Jahre 1350. ein Beitrag zur deutsch en Wirtschaftsgeschichte im Mittelalter von Moses Hoffmann, Rabbiner. Leipzig, Duncker und Humblot 1910. (Heft >152 der-Staats- und sozialwissenschaftlichen Forschungen.) Das Wiener Ghetto, seine Häuser und seine Bewohner.. 1. Das Juden viertel in der inneren Stadt bis zu seiner Aufhebung im Jahre 1421. Nach den Eintragungen der Wiener städtischen Grundbücher und anderer archivarischer Quellen. 2. Die Judenstadt im unteren Werd, 1625 bis 1670. Das Grundbuch der Judenstadt (1632). Urkundliche Nachrichten zur Geschichte der Judenhänser. Die auf Juden bezüglichen Eintragungen des : städtischen Totenprotokolls 1648 bis 1669. Im. Aufträge der historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, bearbeitet von Dr. Ignaz Schwarz, mit zwei Plänen und sieben Textabbildungen. Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller, Kaiserlicher und Königlicher Hof» und Universitätsbuchhändler 1909. Sprechsaal. ■ Für die jüdischen Lehrer. ir erhallen folgende Zuschrift: Bei uns in Deutschland leiden 5—600 Kleingemeinden und ihre Beamten die bitterste Not. Ich stehe seit 42'Jahren in dem Dienst der jüdischen Schule und Synagoge und habe durch meine literarischen Arbeiten und meine Tätigkeit inWereinen die Lage der Religionslehrer selbstpnd durch meine Agitationsreisen für die Berliner Ferienkolonie sämtliche Kleingemeinden in Pommern, Westpreußen und der Mark kennen gelernt. Nach einer mir vorliegenden Statistik haben in den Synagogengemeinden Deutschlands 96 Lehrer ein jährliches Einkommen von 350—900 Mark. 200 Lehrer von 800-1000 Mark, 658 Lehrer von 1000 — 1500 Mark. Die meisten sind verheiratet und haben 3—8 Kinder. Hier haben wir das Ergebnis von 1000 Fragebogen. 4n Wirklichkeit haben wir über 2000 jüdische t Gemeinden in Deutschland. Gerade die kleinsten und zahlungs-I schwächeren Gemeinden, die. überhaupt keinen Kultusbeamten mehr» besolden können, fehlen, wodurch das Bild noch'viel trauriger sich t gestaltet. Die Gemeinden sind für diese Hungerlöhne, die viel geringer sind, wie die des niedrigsten Arbeiters, nirgends verantwortlich, denn gerade die Kleingemeinden erheben die höchsten Kultussteuern (dis 350 Prozent). DerD. J. G. B. verfücht die Notlage zu mildern, kann aber auch nur an 200 Gemeinden " je' einhundert Mark pro Jahr Beihilfe gewähren. Der Resolutionsfonds Der Preußischen Negierung in der Höhe von 40 000 Mark bringt den wirklich leistungsschwachen Gemeinden ebenfalls keine Hilfe, denn die Regierung bewilligt nur dann eine Subvention, wenn die Religionsschule von 12 Volksschnlern .besucht wird. Die Kleingemeinden haben selten oder nie eine! solche Zahl. \ In jüdischen Vereinen und Zeitungen wird über die progressive - Zunahme der jüdischen Taufen und Mischehen geklagt, aber. die ' eigentlichen Ursachen werden selten richtig erforscht. , Es wachsen in den geschilderten Kleingemeinden und in zahl- . reichen Dörfern ganze Generationen ohne jeglichen Religionsunterricht auf. . Die oft auch mangelnde Qualifikation der nicht seminaristisch gebildeten Lehrer trägt nicht allein die Schu.ld, daß in fast sämtlichen Kleingemeinden der Religionsunterricht ungenügend ist, sondern der \ fortwährende Wechsel der Stelleninhaber. Ich kenne nicht wenige | Gemeinden, die innerhalb 10 Jahren ebensooft ihre Religionslehrer gewechselt haben, ich kenne Lehrer, die in 15—20 Gemeinden gewirkt haben. Soll das Judentum in'Deutschland nicht in absehbarer Zeit zuj gründe gehen, so muß bald etwas geschehen, um die Notlage der I Kleingemeinden zu beseitigen. > Ich bin überzeugt daß dieses Bestreben mehr. Förderung verdient, wie z. B. die Organisation der Wanderarmenfürsorge, wofür in so energischer Weise agitiert wird; denn viel ärmer, wie der ärmste, polnische Bettler ist der Religionslehrer, der aus einem Ein- . kommen von 1000 Mark Frau und Kinder ernähren muß, ohne j Aussicht, für seine Invalidität auch nur einen Pfennig .Pension J oder eine Reliktenversorgung zu erhalten. : ' j Möge dieser Hilferuf für meine armen Ämtsgenossen Wcht unge»? hört verhallen! I Tempelberg, Pommern, 25.12.1910. Lion Wolfs. ßrirffeafttn der ÄrLsktioa. > Dem anonymen Briefschreiber, mit dessen Verurteilung der jüngst veröffentlichten Novelle von S. Gordon ich nicht übereinstimme, zur Nachricht, daß der genannte Beitrag, wie zahllose andere, nicht von mir, sondern von meinem Vorgänger, Herrn Dr., Karpeles, angenommen wordenwar. Berlin, den 30. Dezember 1910. . Geiger» Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.