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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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ds en Zersen >es tut ue in) vir rndie maer en. uch der ein hte nts nen hen >em irornd der »riff an Hen der Ertlos verheil auf in rdes es tion hinderi D rn ann kann, das nicht durch das Denken in sie hineingelegt wurde. > Der Kantische Begriff der Wiedererkennüng ist das genaue terminologische Analogon zu Platos Wied er erinnern ng. Darin besieht der Charakter der Reinheit, der reinen Vernunft, daß dem Denken keine andere Instanz als Erkenntnisfunktion übergeordnet werde. Das Denken erzeugt die in den einzelnen Wissenschaften latenten Grundlagen der Erkenntnis. Das Denken ist rein, das heißt frei von allen Beimischungen der Sinnlichkeit, die in der Empfindung ihre Rechte vertritt. Diesen obersten Grundsatz hätte freilich Kant nicht proklamieren können, wenn er nicht in der Wissenschaft Newtons, in der mathematischen Naturwissenschaft^ gewissermaßen die Probe zum Exempel erkannt hätte. Die Grundlagen der mathematischen Naturwissenschaften sind vornehmlich die Begriffe der Zahl, der Zeit, des Raumes und der Bewegung. Indem nun Kant die Idealität dieser Begriffe, ihren Denkcharakter, deduzierte, hatte er auch die mathematische Naturwissenschaft als ein reines Tenkerzeugnis klargelegt. Es muß freilich sestgestellt werden, daß es Kant nicht vermochte, die Reinheit der Grundlagen einwandsfrei zu erweisen. Die Sinnlichkeit wird den Verstandes begriffen gegenüber als koordinierte Gegeninstanz bewertet, wodurch zweifellos die Einheit des Denkens illusorisch wird. Erst durch Cohens Kritik des Jnfinitesimalproblems ist jener Widerspruch zwischen Denken und Anschauung beseitigt: Das Denken erzeugt im Unendlichkleinen die.Zahl und dte Zeit, im Unendlichgroßen den Raum. Jetzt erst kann mit Fug und Recht die mathematische Naturwissenschaft als das Kulturfaktum der Logik figurieren. Und jetzt erst kann die von Kant inaugurierte Methode der transzendentalen Deduktion auf dem Gebiete der Logik als begründet und gesichert gelten: Die mathematische Naturwissenschaft ist ebensosehr, auf die Logik als die Bezugsquelle ihres begrifflichen Instrumentariums angewiesen, wie auch die Logik in der mathematischen Naturwissenschaft ihr ursprünglichstes und ureigenstes Betätigungsfeld erblickt. Diese Korrelation zwischen Bewußtsein und Wissenschaft ist typisch für den transzendentalen Idealismus als die Methode der Wissenschaft. Wie verhält es sich nun mit der Ethik? Gelingt Kant auch ihr gegenüber die transzendentale Deduktion, wie sie in der Kritik der reinen Vernunft formuliert wird? Vermag er auch für sie ein spezifisches wissenschaftliches Faktum aufzuzeigen, als dessen begriffliche Erzeugung die Ethik in Frage kommt, wie sich in analoger Weise die Logik als die begriffliche Quelle der Naturwissenschaft erweisen läßt? Diese Frage muß verneint - werden. Aus der Verneinung der Frage aber ergeben sich alle Unklarheiten der praktischen Vernunft und noch viel mehr die ethischen Fehlschlüsse in der „Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft". Damit sind auch die Maßstäbe gewonnen, mit welchen Cohen die Ethik Kants mustert und meistert. Für die Begründung der Ethik beruft sich Kant auf drei Ideen: Autonomie, Freiheit und Gott. Soll nun die aus der Kritik der reinen Vernunft ermittelte Methode der transszendentalen Deduktion die Einheit des Bewußtseins bedeuten, dann muß sie auch für die Ethik und die Aesthetik die logische Grundlage bilden. Also muß auch die Ethik in ihren konstituierenden Begriffen sich darüber ausweisen, daß sie mit ihren Fundamentalbegriffen bestimmte Wissenschaften erzeugt und begründet. Bildet doch diese methodische Zeugungskraft die einzige Legitimation ihrer Realität. Da aber Kant für die Grundbegriffe seiner Ethik solche spezifischen Fakta nicht zu ermitteln vermochte, so gingen auch diese Begriffe ihres funktionalen Charakters der Grundlegung verlustig und sanken zu leeren Abstraktionen physischer Gegebenheiten herab. Am deutlichsten zeigt , sich dies bei den Begriffen der Freiheit und der Autonomie. Freiheit bedeutet Kant die Möglichkeit, eine Handlung von „selbst" anzusangen. Hieraus ergibt sich, daß das Selbst der Freiheit und der Autonomie die gegebene Voraussetzung der ethischen Handlung bildet. Wenn aber das „Selbst", das Individuum, der ethischen Handlung als „gegeben" voraufgeht, dann kann es nur als biologisches-d. h. als physisches Selbst in Frage-kommen. Also bildet die Physis die Voraussetzung der Ethik — eine Folgerung, die Kant selbst als beteronom bezeichnen müßte. Und so hat diese zweideutige Fassung des Autonomiebegriffs es verschuldet, daß auch der „Uebermensch" als eine Illustration der Autonomie erscheinen durfte. Än dieser Konsequenz zeigt es sich deutlich, wohin der Weg führt, wenn der Begriff der Idee seiner ewigen Aufgabe, spezifische Kulturfakta zu begründen, entkleidet wird. Er involviert die Suprematie der Empfindung, -den Primat der Sinnlichkeit. Auch in seinem Gottesbegriff kann sich Kant der empirischen Fesseln nicht entschlagen. ' Gott ist ihm das „höchste Gut". Mithin herrscht zwischen der Idee der Gottheit und den weltlichen Gütern nur ein komparativer, gradueller Unterschied. Kann tzs eine schärfere Diskreditierung der Ethik Und des Gottesbegriffes geben? Wie ganz anders wäre das reine Sollen zur Geltung gelangt, wenn Kant durch den Nachweis einer Korrelation zwischen dem ethischen Bewußtsein und den ihm entsprechenden spezifischen Wissenschaften den methodischen Aufgab/ncharakter der Idee gewahrt hätte. Darin besteht die originale Leistung Hermann Cohens, daß er in der Rechtswissenschaft das der Ethik adäquate wissenschaftliche Faktum entdeckt hat. Der ewig erzeugende Quellpunkt des Rechts ist der im Staatsbegriff kristallisierte Begriff der Allheit, und Autonomie bedeutet jene Gesetzgebung, in der die Allheit d. h. die unendliche Menschheit, das reine Selbst, das Ziel und die Aufgabe aller Kultur enthüllt. So ist das Selbst keine empirische Gegebenheit, sondern eine allgemeine und notwendige Gesetzgebung, die niemals zum endgültigen Abschluß gelangen kann. Damit ist denn auch der Realitätscharakter der Ethik begründet: In der ewigen Erzeugung des Rechtsstaates realisiert sich die Autonomie als Idee, als Grundlegung, als umftteais der Wissenschaft. Eine andere Frage ist freilich die: Welcher Begriff sichert die Möglichkeit der Verwirklichung dieses Selbstgesetzes? Welche Idee bedingt den Uebergang vom Sollen zum Sein? Wie entsteht aus dem Gesetz die Handlung? Die Antwort liegt nicht fern: Die Idee der Freiheit ist esdie aus dem Sollen des Gesetzes das Können der Handlung hervorgehen läßt. Also realisiert sich die Freiheit in der Handlung. Wenn aber die Freiheit als Idee in der Handlung sich verwirklichen soll, so muß die Handlung ein bestimmtes, wissenschaftliches Faktum repräsentieren, dessen „erzeugende Einheit die Freiheit bildet. Und'dies wissenschaftliche Faktum ist die Psychologie. Dem-- nach hat die Idee der Freiheit die Frage zu lösen: Wie ist durch Freiheit Psychologie möglich? Welches sind ihre durch den Freiheitsbegriff erzeugten Bedingungen? Halten wir uns zunächst an die präzise Fixierung des psychologischen-Problems. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Problem bisher in der Frage sich ausspricht: Wie läßt sich Kausalität in Freiheit

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