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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1911-01-06 · Heft 1 (6.1.1911) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
75 (1911)
Issue
Heft 1 (6.1.1911)
Date
1911-01-06
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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m Beide Messias sind zur Zeit der Abfassung des Schriftstücks bereits tot, aber ihr Wiederkommen ,-am Ende der.Tage" (DWl rVnFttO, nicht in „künftigen Tagen", wie es bei Margoliouth heißt) wird erwartet. Nach Schechter ist das Dokument nicht sicher zu datieren. In dem Fragment selbst wird als Zeit der Gründung der Sekte das 390. Jahr nach der Zerstörung Jerusalems durch Nebukadnezar (586 Ehr.) angegeben. Der Messias aus dem Hause Arons hat also kurz nach 200 v. Ehr. gelebt. Später trat der Lehrer der Rechtschaffenheit (,7NL mifc) auf. Schechter vermutet demnach, daß das Original des Dokuments in der Makkäbäerzeit entstanden sei, und daß unter dem Mann des Spottes 2^8) oder Belial der Hellenismus zu verstehen sei. Man mag die Angaben unseres Fragments noch so kritisch betrachten, wie man will, jedenfalls sind sie vorhanden und können nicht einfach beiseite geschoben werden, wie Margoliouth es tut, der seine Entstehung mit großer Bestimmtheit in die Zeit zwischen 50 bis 100 n. Ehr. setzt. Schechter erblickt in den beiden Messias ein und dieselbe Persönlichkeit, einen gewissen Zadok, der nach der Tradition die Sekte der Sadduzäer begründet und nach unserem Dokument das Buch des Gesetzes wieder entdeckt hat; Margoliouth hält die-beiden Messias auseinander und will in dem ersten Messias aus dem Hause Arons Johannes den Täufer erkennen, weil dieser nach dem Evangelium des Lukas Kapitel 1 mütterlicherseits aus Arons Geschlecht ist. Die anderen Evangelien wissen über seine Herkunft und Geburt bekanntlich nichts zu melden. -Trotzdem baut Margoliouth aüf dieser schwachen und unsicheren Grundlage sein weiteres Hhpothesengebäude mit verblüffender Sicherheit, auf. Nach dem Fragment liegen 20 Jahre zwischen dem Auftreten der beiden Messias; aber dem Evangelium nach Lukas zufolge ist Jesus nur ein halbes Jahr jünger als Johannes. Freilich wird das nach dem Zeugnis der anderen Evangelien nicht stimmen, sondern Johannes, der ja als Vorläufer und Lehrer Jesu bezeichnet wird, muß älter als dieser gewesen sein. Aber es ist für die Beweisführung von Margoliouth charakteristisch, daß er seine Zeugen nur in den Punkten anruft, wo er sie für seine-Hypothese gebrauchen kann. Wir werden also seiner weiteren Vermutung, der zweite Messias, der Lehrer der Rechtschaffenheit, müsse Jesus gewesen sein, weil der erste Messias mit Johannes zu identifizieren sei, mit berechtigtem Mißtrauen gegenübertreten. Warum ferner gerade der, Apostel-Paulus der Mann des Spottes sein muß, obwohl es doch noch zahllose andere Feinde der Juden und auch der Judenchristen gab, falls das Dokument überhaupt von dieser Sekte herrührt, ist vollends nicht einzusehen. Aber Margoliouth. bringt noch ein weiteres Argument bei, das für die Identifizierung des zweiten Messias mit Jesus sprechen solle. In dem Fragment findet sich eine von Schechter nicht gedeutete dunkle Stelle, die folgendermaßen lautet: „In der Erklärung seines (des Messias) Namen sind auch ihre Namen" (BiTfllW IM VN221-) Diese Stelle erklärt Margoliouth so': Der Name des Messias ist Jesus, das heißt hebräisch ^osobua, was der „Retter" bedeutet. Von einem Retter -- griechisch boethos leitet aber auch die Sekte der Boethusianer, eine Abart der Sadduzäer, ihren Namen ab. Ergo stammt das Dokument von dieser sadduzäischen Sekte. Der eiroulus vitio8U8, in den sich Margoliouth durch seine Gleichsetzung des ersten Messias mit Johannes verstrickt, läßt diesen Schluß freilich zu; aber , da wir die Prämisse als verfehlt ansehen müssen, ist auch der Schluß unhaltbar. Würde man. indes Margoliouths Deutung * des Namen Jesus als „Helfergott" annehmen, so wäre dieser Umstand eher noch ein Argument für die Forscher, die in Jesus nur die Personifizierung des „Loler" oder Heilands des „Heilsgottes" oder „Mittlergottes" (Logos) der jüdischen '' Sektierer (wie Philo) erblicken und ihm jede historische Berechtigung absprechen (vergleiche Arthur Drews, dje Christusmythe). Es bleibt also' vorläufig der strikte Beweis für den historischen Jesus noch zu erbringen. Der Wichtigkeit des Dokuments selbst für die Sektenbildung im Judentum tut diese unsere Ablehnung natürlich keinen Abbruch. Wie der „neue Bund im Lande Damaskus" (pm*! m&Hnn Tpan) entstanden ist, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis; wir wissen aus dem Fragment nur, daß er sich im starken Gegensatz zu Juda und den pharisäischen Lehren befand. Für die spätere Entstehung des Fragments könnte allerdings der Umstand sprechen, daß die Pharisäer häufig als die „Erbauer des Zaunes" (das heißt um *bie Thora) bezeichnet werden. Unsere Sekte kennt neben der Thora und den Propheten auch manche pseudoepigraphische Schriften, die uns erhalten oder wenigstens auch sonst bekannt sind, daneben aber auch ein uns nur hier begegnendes „Buch des Hagu". Der schlechte Zustand sowie die vielen dunklen Stellen unseres Dokuments lassen uns über viele Punkte im unklaren; aber wir lernen daraus doch manches Neue über die Sektierer des jüdischen Glaubens, die sicherlich neben den Proselyten (D’HJl) dem Christentum den Boden geebnet haben. lksntisnismus und yudrntum. Von B. Kellermann. s ist eine allgemein anerkannte Tatsache, daß die protestantische Theologie der neueren Zeit ihre Ethik und Dogmatik mit Begriffen fundiert, die nahezu ausschließlich der Terminologie Kants entnommen sind. Bald ist es der Begriff der Freiheit, bald der des Postulats, bald der des Ding an sich — kurz, das ganze terminologische Register der praktischen Vernunft muß als begriffliches Rüstzeug für den Aufbau der systematischen Religionsphilosophie dienen. An solchen Erscheinungen kann das moderne Judentum nicht achtlos vorübergehen. Hat es sich doch mit Kant stets innerlich verwandt gefühlt in dem Bewußtsein, daß es für die Wahrheit und Rechtfertigung der jüdischen Religion in erster Reihe auf ihren Einklang mit Kamt ankomme. Wenn deshalb ein in ethischen Grundfragen dem Judentum entgegenstehendes Religionssystem sich gleichfalls auf Kant beruht, so gibt es nur eine Alternative: Entweder.ist der vom Protestantismus mit Kant vollzogene Ausgleich nicht rechtmäßig begründet, oder der Kant der protestantischen Theologie ist ein anderer als der des Judentums. . So paradox nun auch der zweite Teil dieser Disjunktion klingen mag — er muß als unbestreitbare Wahrheit hingenommen werden: Der Kant des Judentums ist der Kant der reinen Vernunft, der Kant des Christentums ist der Kant der Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft, und den Uebergang zwischen beiden vermittelt der Kant der praktischen Vernunft. Der Beweis für die Richtigkeit dieser Behauptung wird in dem nunmehr in zweiter Auflage erschienenen Buch Hermann Cohens erbracht: „Kants Begründung der Ethik" 3) Der Kritik der reinen Vernunft gilt als oberster Grundsatz, daß nichts aus der Erfahrung herausgelesen werden y Berlin, Bruno Cassirer 1910. kann. Der l termi Dari nunf funkt in der allen ihre klarm in d Prob math griffe Jndk chan wisse sreili Rein Sinr dinie des! Infi: und licht den Natr Und trän begr - wiss, ihre? die sprü ist Met auch der auch zeig« kom liche der 33er „Re! cmd Kari Jde Me? Ber die die wei Wis mel Rei

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