Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 75 (1911)
- Issue
- Heft 1 (6.1.1911)
- Date
- 1911-01-06
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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zwischen den Mächten Europas und den Weltmächten überhaupt, -sondern auch, ein Friede innerhalb des Judentums.» Auch dieser Friede sei nicht nur eine indolente Verträglichkeit,^ sondern ein freundliches Zusammenarbeiten nach großen und schönen ^Zielen, denn wenn innerhalb der Gemeinden und zwischen den einzelnen Parteien auch ,mancher Hader herrscht, « in großen.Fragen fühlen wir uns einig und wollen uns einig fühlen. Der Hauptwunsch aber gelte der Gestaltung, unserer Verhältnisse inTVaterlande. Wir. fühlen uns als echte vollblütige und vollwertige Söhne Deutschlands, und wir hegen den dringenden Wunsch, als solche anerkannt zu sein, nicht nur durch das papierene Gesetz, sondern durch die Tat. Daß'die Zurücksetzungen, wie sie bisher leider üblich waren, schwinden, daß uns die EntfaltungLunserer Kräfte zum Heile des Vaterlandes völlig gewährt werden möge, und daß wir in harmonischer geistiger Eintracht mit den andersgläubigen Söhnen desselben Vaterlandes leben und wirken. Das seien unsere Wünsche für 1911! Mix hollaender ist in Leobschütz am 1. November 1868 geboren, das elfte unter 13 Geschwisterm Der Vater, ein angesehener Arzt, siedelte, um die große Kinderschar zu erhalten und um sie leichter zu fördern, nach Berlin über, wo er, durch Krankheit geplagt, nicht denjenigen Erwerb finden konnte, den er erhofft hatte.. Felixbesuchte das Friedrich Wilhelms- Gymnasium, konnte sich aber, infolge seines Freiheitsdranges und seiner reichen Phantasie an die. harten Regeln der Schule nicht* recht gewöhnen. Nachdem er das Gymnasium' absolviert hatte, studierte er an der Universität Berlin Philosophie, Geschichte, Nationalökonomie, Deutsche Literatur und, Kunstgeschichte. Er mußte von früh an selbst für seinen Unterhalt sorgen, tat dies durch Stundengeben,' nahm habe ich mich bekannt — mich zu erkennen versucht, vom i Studentenroman „Jesus und Judas" angefangen, bis zu i „dem Weg des Thomas Truck", dem Buche meiner innerlichen I Entwicklung." * Felix Hollaender hat seit dem Ende dep 80 er Jahre viele Erzählungen und Romane, auch ein Drama geschaffen; die Werke erfreuen sich einer großen Beliebtheit bei .den Lesern, , die meisten sind in mehrfachen Auflagen erschienen, einzelne haben es bis zu acht Auflagen gebracht. Eine kurze Zeit war Hollaender auch Zeitungsschreiber; in dieser Epoche hat er die „Welt am Montag" begründet. Seit fast acht Jahren ist er als Dramaturg und Regisseur des Deutschen Theaters tätig eine Wirksamkeit, in der er, wie wir alle wissen, höchst Ersprießliches geleistet und zu der außerordentlichen Blüte des .. Theaters mitgewirkt hat. Glücklicherweise konnte ihn diese mühevolle und zeitraubende Beschäftigung seiner literarischen Arbeit nicht entfremden. Hoffentlich können wir uns noch.an mancher reifen und gediegenen Frucht seiner Arbeit erfreuen.; L. G. ,, Felix Hollaender. Ist drr Lrwrjs für dir Gefchichtlichdrit Irfü erbracht? Von Dr. Sigmund Feist. Zu Nr. 51, Jahrg. 1910 dieser Zeitschrift S. 602. u. folg. rjrrt der genannten Stelle wird^ein Artikel aus der Rubrik „Kunst, Wissenschaft und Literatur" der „Vossischen Zeitung" vom 11. Dezember 1910 zum Abdruck gebracht. Die darin enthaltenen Ausführungen sind der -englischen Zeitschrift „Th6 Athenaeuni" vom 26. November 1910 entnommen und fordern zu scharfem Widerspruch heraus. Sie gehen ans von einer Veröffentlichung des Direktors des New Iorker Rabbinerseminars S. Schechter: voeu- . ments of Jewish Sectaries. Toi. I.: Fragments of a Zadokite Work. Cambridge. 1910 *), die der englische Hauslehrerstelle in Schweden an und ist, nachdem er dort seinen ersten Roman ..Jesus. und Judas" geschrieben, als Schriftsteller tätig. Sein Mnörger Aufenthalt war und ist Berlin, ein. Aufenthalt, den er durch viele Reisen.in Italien und gelegentliches Verweilen in Dresden "und Schlesien unterbrach. Einem liebenswürdigen Schreiben!'strit dem der verehrte Verfasser die Sendung seines Bildes begleitete! entnehme ich'einige Stellen, die über das oben besprochene Buch, und über einzelne . Bücher handeln. „Mein neues Werk ist ein Büch der jüdischen Familie, und über das persönliche Erlebnis hinaus wollte es, befreit von allem Romanhaften, Geistes- und Gemütsart unserer Glaubens¬ und Rassegenosfen dichterisch durchleuchten. Vielleicht darf ich das große Interesse, das der Roman in den wenigen Wochen gefunden hat — es ist bereits die achte Äuflage erschienen — darauf zurückführen, daß ich hinter meiner dichterischen Absicht, nicht ganz zurückgeblieben bin. . . . In allen meinen Büchern Bibliothekar G. Margoliouth an der genannten Stelle einer eingehenden Besprechung ünÄZseht. Er. begnügt sich indes nicht damit, Schechters Ansichten über das Alter des Fragments usw. wiederzugeben, sondern sieht sichveranlaßt, sie einer kritischen Würdigung zu unterziehen und in wichtigen Punkten, wie er glaubt, richtig zu stellen. In denr Fragment wendet sich ein religiöser Führer an seine Anhänger. Es enthält einen Ueberblick über die Geschichte Israels, ferner die Satzungen und die Anleitung zur Ausübung der Grundsätze des „neuen Bundes", d. h. des Glaubens der in J Betracht kommenden religiösen Sekte. Sie erkennt danach an 1. einen Messias, der aus der Familie Arons und von Israel stammt; 2. einen Lehrer der Rechtschaffenheit mifc), der ebenfalls als Messias bezeichnet wird; 3. den Mann des Spottes ('ps^n WK), der auch^Belial genannt wird. HIDas ziemlich beschädigte^und^unvollständige Fragment wurde in der Genizah zu Cairo entdeckt- und befindet sich jetztin der ß Universitätsbibliothek von Cambridge.! - :-.i