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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-31 · Heft 53 (31.12.1909) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Aktionskomitees, Herr David Wolfsohn-Köln, wies in seiner Begrüßung auf die Türkei, die Verfassungsstaat geworden sei, als ein Land neuer Hoffnung hin; man erwarte von ihm eine Förderung der jüdischen Einwanderung nach Palästina im eigenen ottomanischen Interesse. .. Nach weiteren"Begrüßungen durch Dr. med. Levy- Hamburg, Dr. Frank-Altona und Dr. Kalmus-Hamburg berichtete Dr. Max Nordau-Paris über die Lage der zionistischen Bewegung. Er warnte dabei vor einem Optimismus in der Beurteilung der Umwälzung in'ber Türkei; der Zionismus dürfe sich n^chtmit den Jungtürken identifizieren und sein Schicksal von dieser Partei abhängig machen. In die inneren türkischen Verhältnisse dürfe sich der Zionismus nicht einmischen; man verlange die Anerkennung der Nationalität als Grundbedingung, wie sie anderen Nationalitäten im türkischen Reiche gewährt sei, aber ohne den Anspruch, etwa Palästina von der Türkei losreißeft zu wollen. Verlange die Türkei indes die Assimilation, so könne man das in Europa billiger und bequemer haben. Eine Aenderung des Programmes des Zionismus sei deshalb abzuweisen. Den Nachmittag füllte die Erstattung des Geschäftsberichtes und die Erörterung darüber- Dabei kündigte Dr. Paßmannek (Genf) eine Resolution an, wonach sich alle Zionisten verpflichten, innerhalb eines Zeitraumes von fünf bis zehn Jahren unter Zustimmung der türkischen.Regierung nach Palästina auszuwandern. lStürütischer Beifall eines Teiles der Versammlung.) Herr N. Sokolow-Köln gab in hebräischer Sprache den Bericht des Aktionskomitees, worip er nachdrücklich auf die außerordentlichen Schwierigkeiten eines derartige Berichtes hinwies. Hieran schloß sich eine 'langausHedehnte Debatte für und wider das Kongreßprogramm. Am Abend fand ein vom Verband jüdischer Turnvereine veranstaltetes Schauturnen statt. — Morgen setzt der Kongreß seine Beratungen sort. Ein ausführlicher Bericht folgt. — Nürnberg, 24. Dezember. Am 14. d. M. schied Herr Geheimer Hof- und Jnstizrat Gustav Josephthal aus seinem Amte als Vorsitzender der Gemeindeverwaltung, das er 40 Jahre lang — fast seit Neubegründung der Kultusgemeinde Nürnberg innegehabt hatte. Der Schmerz über den plötzlichen Verlust seiner Gattin und die Rücksicht auf sein hohes Alter, das freilich seiner geistigen Frische nichts anhaben konnte, hatten ihn dazu veranlaßt, zusammen mit seinem Ehrenamte als Vorsitzender der Anwaltskammer auch den Vorsitz bei der Kultusgemeindeverwaltung niederzulegen. Die großen Verdienste, die Herr Geheimrat Josephthal sich um die Kultusgemeinde Nürnberg erworben, der Eindruck, den sein Scheiden aus dem Amte hervorgerufen hat, wurden von der Verwaltung in einer ihm überreichten Adresse mit herzlichen Worten zum Ausdruck gebrächt. Aber auch weit über den Rahmen der Kultusgemeinde hinaus hat sich Geheimrat Josephthal'ünvergangliche Verdienste erworben um die bayerische wie auch um die deutsche Judenheit; seine Tätigkeit im bayerischen Landesverbände, im D.J.G.B. und in den anderen großen Organisationen haben seinen Namen in den weitesten Kreisen hinreichend bekanntgemacht. Wir wünschen aufrichtig, daß auch jetzt nach seinem Rücktritt von der öffentlichen Wirksamkeit seine reiche Erfahrung und sein weiser Rat der bayerischem und deutschen Judenheit noch recht lange erhalten bleiben mögen. Als Nachfolger des Herrn Geheimrat Josephthal wurde in dercketzten Sitzung der Gesamtverwaltung einmütig der bisherige Vorsitzende der Gemeindebevollmächtigten Herr Justizrat Dr. Sigmund Held zum Amte des Vorstandes der Kultusgemeinde berufen. Diese Wahl wurde in der Gemeinde mit großer Genugtuung begrüßt, denn das uneingeschränkte Ansehen und Vertrauen, das Herr Justizrat Dr. Held innerhalb unserer Stadt und unseres engeren Vaterlandes in allen Kreisen genießt, und die durch eine 15 jährige Tätigkeit im Kollegium erworbene Vertrautheit mit allen jüdischen Fragen lassen die berechtigte Hoffnung walten, daß in ihm ein vollauf würdiger Nachfolger des bisherigen reichverdienten Führers unserer Gemeinde gefunden ist. Mit besonderer Freude sei vermerkt, daß Herr Justizrat Dr. Held bei Uebernahme seines Amtes ausdrücklich hervorhob, die Gemeinde und ihre Institutionen im bisherigen ausgesprochen liberalen Sinne weiterführen und ausbauen zu wollen. Gleichzeitig schieden aus der Verwaltung mit Rücksicht auf ihr hohes Alter die langjährigen und eifrigen Mitglieder Herren Generalkonsul Bernhard Lang, Hugo Midas und Theod or Greif, von denen der letztere sich alS Langjähriger Vorsitzender des hiesigen Hilssvereins ganz besondere^ Verdienste um das Armen-Unterstützungswesen erworben hat. An? ihre Stelle traten neu in die Verwaltung ein, die Herren Justizrät ' Josephthal — ein Sohn des bisherigen Vorstandes —, vr. meäD F. Goldschmidt, Ludwig Rosenzweig und Moritz Rosen»- bäum. Die übrigen ausscheidenden Mitglieder wurden wieder- ' gewählt, darunter die bewährten und langjährigen Mitglieder der ' Administration Kommerzienrat I. Gullinger und Heinrich Jung. Vorsitzender im Kollegium der Gemeindebevollmächtigten wurde Herr? Kommerzienrat Ludwig Metzger und Schriftführer Herr David Oberndorfer, beide gleichfalls seit Jahren verdiente und bewahrte s Mitglieder der Gemeindeverwaltung. Hoffen wir, daß auch unter den neuen Führern die Gemeinde ihren Aufschwung fortsetzen und ihr Ansehen bewahren, daß sie wie bisher, so auch weiterhin ein Hört großzügiger, modern-jüdischer Anschauungen bleiben möge. *** München, 24. Dezember. Die Beerdigung des Kaufmanns Sigmund Raff gestaltete sich zu einer überaus ehrenden Trauerkundgebung. Die Halle des alten israelitischen Friedhofes an der. Thalkirchnerstraße vermochte die Trauergäste nirht zu fassen, so daß die letzte Ehrung des Verstorbenen im Freien vor sich gehen mußte. Nachdem ein vom Shnagogen-Singchor vorgetragener Trauergesang verklungen war, trat Rabbiner Dr. Werner an die Bahre, die eine' Kranzspende des Personals der Firma A. Raff schmückte, und widmete, dem Entschlafenen einen tiefempfundenen Nachruf. Justizrat Ofner sprach dem Heimgegangenen den letzten Dank der Kultus gemeinde aus, deren Verwaltung er durch 13 Jahre angehört hatte und um‘.; die er sich namentlich auf dem Gebiete der Krankenfürsorge und des' Armenwesens unschätzbare Verdienste erworben habe. Der Israelitische Aussteuerverein ließ durch Rechtsanwalt Beer, die Gesellschaft „Concordia" durch Privatier Nußbaum die letzten Grüße übermitteln. Unter tiefempfundenen Nachrufen legten ferner noch... Kränze nieder Großhändler Fränkel für die Münchener Loge, deren Präsident der Verstorbene war, und Landtagsabgeordneter Prof. Dr. Günther für den Freisinnigen Verein München. Ein Trauer»- gesang des Synagogen-Singchores beschloß die eindrucksvolle Feier, an der sich mit den Angehörigen. Vertreter der Kaufmannschaft, Rechtsanwälte, das Personal der Firma Raff, Vertreter der genannten Korporationen, die Mitglieder des Kranken-Unterstützungsvereins „Brüderbund", Mitglieder anderer Wohltätigkeitsvereine und andere" mehr beteiligten. Gesterreich-Nrrsam. Wien, 22. Dezember. Der emeritierte Professor für Ohrenheilkunde an der hiesigen Universität, Hoftat Dr. A. Politzer, beging am 9. d. M. sein 50jähriges Doktorjubiläum. Unter den GraHjtanten sah man neben den ehemaligen Assistenten und zahlreichen Freunden des Jubilars die Hofräte Oser, Lang, Chiari, Gustav 'Braun, Schauta, die. Professoren Mandl, Möller. Herzfeld, Rechi, die kaiserlichen Räte Dr. Tuschak und Dr. Charas; die Vertreter zahlreicher ärztlicher Vereinigungen; aus England war für die Royal Society of Medicine, deren einziges Ehrenmitglied Hos» rat Politzer ist, der Otologe Dr. Cheatle anwesend. Um 11 Uhr pprmittags erschienen der Rektor der Universität Professor Swoboda und der Dekan der medizinischen Fakultät Professor Kolisko und übergaben mit herzlichen Worten dem Jubilar das erneuerte Doktordiplom. Der Gefeierte dankte: tiefgerührt für die ihm erwiesene Ehrung und gedachte in einem kurzen Rückblick auf seine langjährige Lehrtätigkeit der regen Teilnahme und werktätigen Förderung, die seinem Spezialfach von der medizinischen Fakultät zuteil geworden. Mit dem Ausdrucke der Hoffnung, daß. das erneuerte Diplom auf seine fernere wiffenschaftliche Tätigkeit. eine neubelebende Wirkung, ausüben würde, schloß Hofrat Politzer. Im Namen der Gesellschaft der Aerzte beglückwünschten sodann Hofrat Chrobak und Professor Bergmeister den Gefeierten, für das Wiener medizinische Doktorenkollegium Vizepräsident Dr. Khautz v. Eulenthal und Dr. Pollitzer, für den Verein der Aerzte des 1. Bezirkes Professor' Dr. Königstein, und Dr. Emil Pins. Als Vertreter der American Medical Association Ü M m m m -M

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