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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-31 · Heft 53 (31.12.1909) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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1 Sr \ eine längere Ansprache, in welcher er die Schwestern aufforderte, mit Begeisterung auch ferner für ihren Beruf einzutretenwelcher der - jüdischen Frau zur größten Ehre gereicht. Alsdann hielt Herr Geheimrat Dr. Maretzki namens der Großloge eine zündende Redein welcher er der bahnbrechenden Leistungen det jüdischen Schwesternschaft volles Lob spendete und besonders auf die vorzügliche Aus- - bildung hinwies, ivvlche die dem Berliner Mutterhause zugehörenden Schwestern anerkanntermaßen besitzen.^ Ganz besonderen Dank verdient hierbei die Oberin Fräulein Blau, welche in aufopfernder Weife die Leitung des Schwesternheims führt, dem heute fast 90 Schwestern angehören. An fünf junge Schwestern wurde das Vereinsabzeichen überreicht, drei Schwestern, welche die dreijährige Pflichtzeit erfüllt haben, erhielten das. Vereinsdiplom, während an Schwester Sara Sack die von Frau Kommerzienrat Julie Gerson- Liebermann gestiftete goldene Brosche für zehnjährige treue Dienste überreicht wurde. Zum Schluß nahmen die Schwestern die dargebrachten Chanukagaben in Empfang, und der letzte Vers des Ehanukaliedes beschloß die schöne Feier. . 8L. Berlin, 27. Dezember. Am Sonntag fand hier im Heime des „Montefiore-Vereins" der dritte Bundestag der gesetzestreuen jüdischen Iugendvereine statt, zu dem elf Delegierte anwesend waren. Pleßner-Posen als Verbandspräsident erstattete den Geschäftsbericht. Neuberger-Berlin, der im Aufträge des Llekor eligjim, Frankfurt a. M., des größten der angeschlosfenen Vereine, erschienen war, wies noch einmal auf die Gründung hin und betonte dabei, daß der Bund einem dringenden Bedürfnis entsprungen sei, und es sei sehr bedauerlich, daß die einzelnen Vereine nicht das wünschenS' werte Interesse bekundet hatten. Durch die Teilnahmslosigkeit wurden die Erfolge, die die einzelnen Kommissionen bereits erzielten, nicht gebührend ausgenutzt. So klagte Jakobsohn-Posen als Vertreter der Literaturkommission, daß von den Ermäßigungen beim Bezug' von Büchern und Zeitschriften, die den Mitgliedern geboten werden konnten, wenig Gebrauch gemacht worden sei. Der Kassenbericht war günstig. Die Bibliothekskommission konnte von einer Bücherstiftung berichten, die später als Wanderbibliothek ausgebaut, allen Vereinen zugute kommen wird. In der weiteren Diskussion kam das Thema Wanderredner zur Sprache. Hier beantragte Frehrich-Berlin unter allgemeiner Zustimmung, auf Kosten des Bundes vorerst einen Redner zu engagieren, der besonders in kleineren Vereinen Vorträge halten soll. Ueber Redner und Stoffgebiete soll eine Kommission für den bereits im März 1910 in Breslau gngesetzten nächsten Delegiertentag Vorschläge vorbereiten. Dr. de H aas- Breslau empfahl die Drucklegung einer Broschüre, die über Ziele und Wege des Bundes Aufklärung gibt. Um überhaupt die Ideen des Bundes in weitere Schichten zu tragen, sollen öftere Publizierungen in der Presse erfolgen. Ferner soll, "führte Dr. N. Moses-Berlin aus, ständig eine Liste der Vereine und ihrer Heime geführt werden. Dadurch sollen die Vereine bekannter werden und Durchreisenden Gelegenheit zun^Ännäherung an Bundesbrüder gegeben werden. Auch für die größere Pflege der Geselligkeit durch Ausflüge und gesellige Zu. sammenkünfte sprachen sich mehrere Redner aus. Doch auch in den Reihen der orthodoxen Jugend dürfe der Sport nicht fehlen. Den Anfang hiermit hat der Verein Chinuch neorim, Posen, gemacht, in dem seit einigen Jahren eine Fußballriege besteht. Nach fast fünfstündiger Tagung wurde auf Antrag Lewy-Berlin per Akklamation der Posener Verein wiedergewählt. Er soll zum nächsten Bundestage die hier eingebrachten Anträge und Anregungen ausarbeiten und zur Beschlußnahme vorlegen. Unter den üblichen Dankschlußreden schloß der Bundestag. 8. IV. Posen, 24. Dezember. Der Verein „Frauenhilfe", der vor 18 Jahren mit 40 Mitgliedern gegründet worden ist, zählt jetzt zu den größten Vereinen der hiesigen israelitischen Gemeinde. Nach dem letzten Jahresberichte zählte der Verein 650 Mitglieder. Im abgelaufenen Berichtsjahre vereinnahmte er an Mitgliederbeiträgen 2469 Mark, Spenden 1909 50 Mark, aus Sammelbüchsen 458.26 Mark, an Zinsen 174.45 Mark, dazu der Bestand vom Rechnungsjahre 1908 mit 5095.86 Mark, ergibt eine Gesamteinnahme von 10107,07 Mark. Dieser Einnahme steht eine Jahresausgabe von 5312 Mark gegenüber, so daß ein Saldovortrag für das kommende Jahr von 4794.72 Mark berbleibt. In den Ausgaben kommen folgende Posten vor: Für Kranke 3708.96 Mark Beihilfen, Beiträge für wohltätige Institute 955 Mark, Verpflegung von Schulkindern mit Milch 67.67 Mark. Die Restausgaben für Gehälter, Gratifikationen, Drucksachen üsw. betrugen 580.99 Mark. Inder stattgehabten Generalversammmlung. die durch die stellvertretende Vorsitzende, Frau Lea Calvary, eröffnet wurde,. wurde zunächst die Entlastung für'die Kaffenführer erteilt. Sämtliche Vorsteherinnen^ und Revisoren wurden wiedergewählt. ^Frau Calvary führte in einem längeren Vortrage den wohltätigen Zweck des Vereins aus'und hob die Wichtigkeit der reli-; giösen und sittlichen Erziehung für bieder Schule entwachsenen Mädchen hervor. Besonders dringende Anträge lagen nicht vor. IV. Schwersenz, 24. Dezember/ Letzte Woche starb in Berlin Herr Hauptlehrer Moritz Grünfeld im Alter von 75 Jahren. Seine Leiche ist hierhergeAachtund auf dem .hiesigen israelitischen Friedhof beerdigt worden. Länger als ein Menschenalter hat der Dahingeschiedene, seine, erfolgreiche Lehrtätigkeit an unserer Volksschule ausgeübt. Insbesondere hat er nicht nur hiesige Schüler, sondern auch nach Hunderten zählende auswärtige Zöglinge für das praktische Leben und für höhere Schulen vorbereitet. In Anerkennung seines Fleißes wurden ihm der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern und der Kronenorden verliehen. Für die Institutionen der hiesigen jüdischen Gemeinde zeigte er reges Interesse urkd gehörte auch viele Jahre hindurch dem Vorstände des Krankenvereins jui. Die Liebe und Achtung, die er sich bei allen Mitbürgern erworbeu.hat, zeigte sich an der regen Teilnahme bei der Beerdigung. Bei der Leichenfeier in der Synagoge richtete Herr Rabbiner Dr. M. Lewin tief empfundene Worte der Trauer an die Anwesenden., Von der Synagoge aus bewegte sich der stattliche Leichenzug nach dem Friedhofe, wo abermals Herr Dr. Lewin das Wort ergriff und den Verstorbenen als bewährten Jugendbildner rühmte, der seinen Schülern nicht nur Lehrer, sondern auch ein wahrer Erzieher war. -- Breslau, 17. Dezember. Die Industrieschule für israelitische Mädchen wird seit 108 Jahren von einem Verein unterhalten, der am 27. November seine satzungsgemäß alle drei Jahre stattfindende Generalversammlung abhielt. Vor Eintrtt in die Tagesordnung gedachte der Vorsitzende Rabbiner Dr. Guttmann voll warmen Dankes der kürzlich verstorbenen Frau Anna Honig mann,' die er die „Mutter der Anstalt" nannte. In seinem Geschätsbericht widmete er ehrende Worte der Anerkennung dem verstorbenen Hauptlehrer Alexander, an dessen Stelle der jetzige Hauptlehrer Heimann getreten ist. Bei der Neubesetzung des Amtes ergaben sich mancherlei Schwierigkeiten aus den Anstellungsbedingungen. Der Verein verfügt nicht über so ausreichende Mittel, um seinen Lehrkräften gleiche Besoldungen zu gewähren, wie dies an Anstalten ähnlicher Art üblich ist. Auch die Pensionsverhältnisse lassen zu wünschen übrig, und so verdankt er die Möglichkeit, tüchtige Lehrer und Lehrerinnen zu gewinnen, nur der Ungerechtigkeit, die Juden von anderweiter Anstellung nahezu ausschließt. Der Wunsch, hierin Aenderung zu schaffen, führte schon vor zwei Jahren zu Verhandlungen mit dem Magistrat, deren'Erfolg allerdings die Auflösung des Vereins und eine , völlige Umwälzung der Schule zur Folge gehabt hätte. Trotzderü benutzte man gern die Möglichkeiten, die das Volksschulunterhaltungsgesetz bot, um auf die Verstadtlichung der Anstalt hinzuwirken; aber die Unterhandlungen zwischen dem Vorstand der Syna» gogengemeinde und dem Magistrat scheiterten zunächst. Neuerdings hat jedoch die Schulkommission der Gemeinde einstimmig beschlossen, den Vorstand zu bitten, in neue Verhandlungen mit der Stadt einzutreten. Sollte der Erfolg diesmal ein guter sein, so wird damit die Industrieschule unter Dach und Fach und in sicheren Schutz gebracht werden. In jedem Falle ist aber der Vorstand fest entschlossen, den Bestand der Schule zu sichern und sie dauernd als jüdische Volksschule fortzuführen. Die Versammlung nahm diesen Bericht zur Kenntnis und schritt dann zu der vorgeschriebenen Wahl. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden wiedergewählt. An Stelle der Frau Honigmann trat deren Tochter, Frau Dr. Spitz, die das Amt dankend annahm und versprach, es im Sinne ihrer Mutter zu verwalten. — Hamburg, 26. Dezember. Im Konzerthaus Ludwig wurde heute der neunte Zionisten-Kongreß eröffnet. Der Präsident des engeren

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