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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-31 · Heft 53 (31.12.1909) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
– (sequence 13)
Language
German
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MW 13. Jahrgang. Nr. 53. > Berlin, 31. Dezember 1909. Keilsge zur „Allgemeinen Leitung des Judentums Sorrkhwnden?rn und Mschrichten Deutschland. *->-* Berlin, 28. Dezember. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund versendet das stenographische Protokoll über die Verhandlungen der auf seine Initiative kürzlich stattgesundenen Konferenz zur Bekämpfung des Wanderbettelns. Der Bericht enthält außer den bereits bekannt gegebenen weittragenden Beschlüssen (Antrag Hirsch-Halberstadt. Dr. Nathan-Berlin) eine Fülle interessanter Ausführungen. Besonders hervorgehoben seien die Referate der Herren Feilch enfeld-Kölnund Liebenfeld-Bochum. Bedeutungsvoll sind auch namentlich die Erklärungen der Vertreter der großen Hilfsorganisationen, der Herren Dr. Nathan (Hilfsverein) und M. A. Klausner (Alliance Israölite), die die materielle und ideelle Beteiligung ihrer Körperschaften an dem geplanten Werke einer Gesamtorganisation Zusagen. Ferner die des Herrn Dr. Sonderling-Hamburg, Vertreter der Großloge U. O. B. B., der in Aussicht stellt, daß die Logenmitglieder daran Mitarbeiten werden, damit zugunsten der Kassen die privaten Unterstützungen an Wanderbettler unterbleiben. Somit ist günstige Aussicht für das Zustandekommen der Organisationen vorhanden. An 24 über das ganze Deutsche Reich verteilte Stellen (Armen- und Gemeindeverbände, und wo solche fehlen, geeignet erscheinende Großgemeinden) hat das Bureau des Gemeindebundes die Aufforderung gerichtet, sich seiner Einladung an die Gemeinden zu Provinzialkonferenzen mit dem Zwecke der Schaffung von Provinzialkassen anzuschließen und hat ihnen das erforderliche Material übersandt. Zur Bildung des geplanten Zentralkomitees ist an 13 Persönlichkeiten, die Vertreter hervorragender Körperschaften und ausgezeichnete Fachleute sind, die Aufforderung zum Eintritt ergangen. Das stenographische Protokoll ist für Interessenten kostenlos durch das Bureau des Deutsch - Israelitischen Gemeindebundes, Berlin W. 35, Steglitzerstr. 85, zu beziehen. Berlin, 24. Dezember. In der Synagoge der dritten Altersversorgungsanstalt der jüdischen Gemeinde fand am Sonntag den 19. d. M. eine erhebende Gedächtnisfeier für die kürzlich verstorbene Vorsitzende der Ehrendamen dieser Anstalt, Frau Erna Pakscher, statt. Zu der Feier waren sämtliche Vorsteher, die Ehrendamen, eine große Anzahl von Verehrern der Verblichenen, in erster Reihe ihre älteste Schwester, und die Inspektoren vom Heiligen Geist-Hospital und der städtischen Reuter-Stiftung erschienen. Das umflorte Bild der Heimgegangenen, umgeben von Lorbeerbäumen und Zypressen, war auf einem Podium aufgestellt, ebenso waren verschiedene ihr gewidmete Ehrenzeichen dort niedergelegt. Der Chor der neuen Synagoge unter Leitung des Kapellmeisters Herrn Keller - mann und Sologesang des Kantors Herrn Klein eröffnete die Feier, worauf der Gemeindevorsteher, Herr L. Badt, in einer Ansprache die unermüdliche Liebestätigkeit der Frau Pakscher und ihren Wohltätigkeitssinn würdigte. Alsdann zeichnete Herr Prediger Dr. Levin in seiner Rede das Lebensbild der Heimgegangenen, wie sie in verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten nicht allein als Ehrendame tätig war, sondern auch durch Errichtung von Stiftungen ihren und ihres verstorbenen Mannes Namen verewigte. Durch häufigen Besuch der von ihr errichteten Alterversorgungsanstalt und ihr freundliches Wesen war sie bei den Insassen besonders beliebt. Die alten Leute ließen es sich nicht nehmen, zu ihrem.70. Geburtstage ihr im Garten ein Denkmal zu errichten. Aber auch ohne dieses Denkmal der Pietät und Liebe für Frau Erna Pakscher wird im Herzen vieler ihr Andenken fortleben. Mit abermaligem Chorgesang schloß die würdige Feier. *** Berlin, 27. Dezember. In Dresden, wohin er sich in der vorigen Woche zum Besuche seiner ältesten Tochter begeben hatte, ist in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend Exzellenz Ernst v. Mendelssohn-Bartholdy im Alter von 63 Jahren einem Herzschlag erlegen. Der Verblichene, ein Urenkel von Moses Mendelssohn, war ein gläubiger Christ mit einem echt jüdischen Herzen. In der Kunst des stillen Wohltuns spielte bei Ernst v. Mendelssohn das Glaubensbekenntnis keine Rolle; er war allen, die zu ihm kamen, ein wirklicher Wohltäter, bei dem nicht die Religion, sondern die Bedürftigkeit und Würdigkeit ausschlaggebend waren. Er zählte zu jenen nichtjüdischen Frommen, deren Leben und Wirken der Mit- und Nachwelt zum Segen gereichen und oie, nach einem Ausspruch unserer Weisen, der ewigen Seligkeit teilhaftig sind. *** Berlin, 24. Dezember. Vom 19. bis zum 21. Dezember tagte in den Sophien-Sälen die Konferenz für hebräische Sprache und Kultur, zu der etwa 150 Personen aus den verschiedensten Ländern erschienen waren. Es war die erste Konferenz dieser Art; die an sie geknüpften Erwartungen waren daher verschiedenartig. Die Resultate der dreitägigen Verhandlungen übertreffen jedoch selbst die optimistischsten Erwartungen. Die Konferenz sollte eiue praktische sein; sie sollte die Richtlinien feststellen für eine Zusammenfassung der wirkenden hebräischen Kräfte im Rahmen einer einheitlichen, planmäßigen, großzügigen Betätigung. Zu diesem Zwecke wurde auf der Konferenz ein allgemeiner Verband für hebräische Sprache und Kultur begründet, dem jeder hebräischverstehende Jude mit einem Jahresbeitrag von 2 Mark beitreten kann. Der Sitz des Zentralkomitees ist Berlin. Außer den bisherigen Mitgliedern des hiesigen vorbereitenden Komitees wurden in den Ausschuß u. a. noch gewählt: AchadHaam- London, Dr. Magnes-New York, Ussischkin und Dr. Klausner- Odessa, Naiditsch-Moskau, Ben-Avigdor-Warschau, Sokolow- Köln, Schiller-Lemberg. Ben-Jehuda-Ierusalem, Dr. Jakobsohn-Konstantinopel, Chacham Jacob Meier-Saloniki. Das höchste Organ der Organisation ist der aus gewählten Delegierten derselben zusammengesetzte Kongreß (Knessiah) für hebräische Sprache und Kultur, der zum erstenmal am Ende des kommenden Sommers in Palästina, oder — wenn dies sich als undurchführbar erweisen sollte — in Deutschland stattfinden soll. Die offizielle Sprache des Kongresses, d. i. für die Referate und das Präsidium, wird hebräisch sein. Ein weiteres wichtiges Resultat der Konferenz in praktischer Hinsicht ist die erfolgte Begründung eines Fonds, der die reale Basis für die gesamte hebräische Kulturtätigkeit bilden soll. Von den Referaten und Ansprachen seien besonders erwähnt: die tiefempfundene Eröffnungsrede des Dozenten Dr. Baneth; der Rechenschaftsbericht des Professors Mittwoch, der besonders betonte, daß die mit der Konferenz verbundenen Bestrebungen lediglich positiven Charakter zur Förderung des Hebräischen tragen und keinerlei Spitze gegen irgendeine andere von Juden gebrauchte Sprache hätten; sodann das formvollendete und gedankenreiche Referat von Dr. Buber über die historisch-kulturelle und national-psychologische Wertung des Hebräischen. Ueber die Organisation referierte Herr Motzkin, der zusammen mit den Herren Ussischkin und Sokolow das Präsidium bildete. Von Vertretern der bestehenden hebräischen Sprach- und Lehrverbände wurde über die Tätigkeit derselben berichtet. Besonderes Interesse erweckten der Vertreter des Lehrerverbandes in Palästina und der Delegierte aus Saloniki, David Flore nt in (Redakteur des „Jl Avinir"), die über das Aufblühen der hebräischen Sprache in ihrer Heimat berichteten. In seiner Schlußrede wünscht der Präsident Ussischkin den Konferenzteilnehmern: „Auf Wiedersehen auf dem hebräischen Kulturkongreß!" -- Berlin, 22. Dezember. Im hiesigen, Äugustastraße 17 belcgenen Schwestern heim des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen fand am Montag den 13. d. M. in Gegenwart des Vorstandes, der Oberin Fräulein Blau, sowie der Aerzte des Krankenhauses und vieler Freunde des Vereins eine erhebende Chanukafeier statt. Wohl gegen 60 Schwestern waren anwesend, auch einige auswärts wirkende waren darunter. Nach Absingung des Chanukaliedes hielt der Vorsitzende des Vereins, Herr Stadtverordneter Louis Sachs f

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