Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1909-12-31 · Heft 53 (31.12.1909) · p. Seite 631

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
73 (1909)
Issue
Heft 53 (31.12.1909)
Date
1909-12-31
Page
Seite 631 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228852-3228906--66124-3279306
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

tigung mit Kunst in Palästina gewirkt hat, aber keineswegs als ein Erfolg, vom geschäftlichen Standpunkt aus betrachtet, angesehen werden kann. Ich werfe die Frage auf, ob der Nettoertrag für alles das. was hierbei bis jetzt herausgekommen ist, ausreichen würde, um V4O/0 für das Kapital, das hierfür angelegt worden ist, zu bezahlen? Aber wahrscheinlich schließt es mit einem Verlust ab. Was nun die „Oelbaumspende" anbetrifft, so ist diese ein Faß ohne Boden, in das die Leute Wasser hineingießen. Es ist kein geschäftliches Unternehmen und wird auch niemals Dividende verteilen. Die Leute, die ihr Geld hierfür beitragen, erwarten auch keine Dividenden. Es ist eine mehr oder weniger berechtigte Schnorrerinstitution, und niemand betrachtet sie oder ist berechtigt, sie als ein Geschäft zu betrachten, das Dividende zahlt. Trotzdem will ich nebenbei bemerken, daß ich niemals eine Abrechnung dieser Institution gesehen habe, noch glaube ich, daß jemals eine Abrechnung veröffentlicht worden ist. Wenn aber diese Angelegenheit unter irgendwelcher Aufsicht geführt würde, so hätte in jedem Jahre eine ordentlich geprüfte Abrechnung veröffentlicht werden müssen. Sie sind von Anfang bis zu Ende vollständig im Irrtum, wenn Sie sagen, daß ich oder irgendeiner der Direktoren des ^visli Colonial Trust dagegen ist, daß er sich an öffentlichen Bestrebungen in Palästina beteiligt. Das ist, in klaren Worten gesagt, gerade das Eegenteit der Wahrheit, und ich bin mehr als erstaunt, daß Sie eine solche Behauptung zu machen wagen. Ist doch die Bank nur für diesen einen Zweck gegründetworden — und wir Direktoren haben den Wunsch, ihn zu erfüllen. Wir wollen aber nichts zu tun haben mit unsoliden Plänen, die keine Aussicht auf Erfolg haben, noch wollen wir unser Geld in kleinen „Schnorrerunternehmungen" vertändeln. Hierbei spreche ich für mich, und wie ich glaube, auch im Namen meiner Kollegen. Wenn Sie oder irgend jemand sonst einen vernünftigen Plan vorlegen könnten für irgendein größeres öffentliches Unternehmen in Palästina, dann verspreche ich jede Unterstützung, die in meinen Kräften liegt; darauf warten wir Direktoren fortwährend, aber statt dessen werden wir mit schwärmerischen oder phantastischen Plänen traktiert. Als einen Beweis, wie ungenau Ihre Behauptungen sind, möchte ich anführen, daß Sie sagen, ich ziehe vor, daß der größere Teil des Kapitals des Jevvish Colonial Trust abgezweigt und in gewöhnlichen Bankunternehmungen in Europa verwendet werden soll. Nicht nur, daß ich es nicht vorziehe — und ich fordere Sie aus, auch nur den geringsten Beweis für eine solche Behauptung zu erbringen —, es ist absolut unwahr, zu sagen, daß der größere Teil des Kapitals des Jewish Colonial Trust überhaupt in europäischen Bankunternehmungen verwendet worden ist. Wenn Sie unsere Abrechnungen angesehen hätten, und wenn Sie diese nur im geringsten beachtet hätten — und als Mitglied des engeren Aktionskomitees hätten Sie wenigstens dies tun müssen —, dann würden Sie genau wissen, daß gerade das Gegenteil Ihrer Behauptung wahr ist. Der größere Teil unseres Kapitals ist in Palästina und im Orient angelegt. Bis zum Empfange Ihres Brieses an mich dachte ich stets. Sie seien ein Zionist; aber jetzt erkenne ich, daß Sie ein gefährlicher Anti-Zionist sind. Wie kommt es, daß Sie sich in unserem Lager befinden? Sie sagen, „ich warte auf den Moment, wo die vereinigten Mächte Palästina uns übergeben werden." Solch eine Idee kann nur ein Anti-Zionist, und zwar nur ein heimtückischer haben, oder einer, der unsere Bewegung überhaupt nicht kennt. Mein lieber Professor Marburg, Sie haben nicht die geringste Kenntnis von dem A-B-C des Zionismus, wenn Sie solchen Unsinn, schreiben. Ich schäme mich vor mir selbst, daß ich einer so lächerlichen Burleske über das, was Zionismus bedeutet, widersprechen muß. Wenn Sie behaupten, daß Sie nicht den Vorschlag gemacht haben, eine neue Bank mit einer Million Kapital zn gründen, so brauche ich Sie nur'auf Nummer 41 der „Welt" und auf die beiden letzten Sätze Ihrer eigenen Rede zu verweisen. Ich glaubte, es wäre angebracht, diesen Briefwechsel zu veröffentlichen. Ihr Brief an mich macht es aber unmöglich,-dem Publikum auseinanderzusetzen,, welcher Mangel an Verständnis einem Mitglieds unseres kleineren Aktions-Komitees anhaftet. Es ist daher meine Absicht, den Briefwechsel unter den Delegierten des Kongresses zirkulieren zu lassen. Ich halte Sie nicht für die geeignete und paffende Person, Mitglied des Aktions-Komitees zu sein, weder des großen noch des engeren Komitees. Ihr ganz ergebener Joseph Cowen. Lina Morgenstern. Lina Margrnkkrn. Von Fanny Cohn. Jahr sollte nicht zu Ende gehen, ohne ein Leben auszulöschen, das so reich, so schön und inhaltsvoll gewesen, wie selten ein Menschenleben. Frau Lina Morgenstern besaß einen Weltruf. Eine warmherzige, großzügige Natur, ein universelles Wissen auf allen Gebieten des Lebens — wenn auch keine akade- , mische Bildung ihr zuteil geworden — befähigte sie, ihr Interesse allen großen Lebensfragen zuzuwenden. So gehörte sie der Friedensliga, dem Internationalen Frauenbund, wie unzähligen anderen Vereinen und Vereinigungen an. Als Begründerin des Haussrauenvereins, der Berliner Volksküchen, die im Ausland nachgeahmt wurden, des Vereins zur Belohnung der Dienstboten für langjährige Dienste, wirkte sie segensvoll. Ihre Verdienste um die öffentliche Wohlfahrt sind von den beiden Kaiserinnen Augusta und Friedrich, von der Großherzogin von Baden und anderen Fürstlichkeiten stets gebührend gewüröigt worden. Liebenswürdig, bescheiden im Umgang mit jedermann, hatte sie ein offenes Ohr für jeden Bedrängten, eine offene. Hand jeder Not gegenüber — weit über ihre eigenen Mitt^ hinaus. Ihr ganzes Leben war nur dem Wohltun gewidv Konfessionelle Unterschiede kannte sie nicht. Infolge ihrer Großmut und ihrer Opferwilligkeit hu e sie selbst stets mit Sorgen zu kämpfen. Ihre Einnahmen waren gering. Sie. schrieb eine erkleckliche Anzahl Werke auf dem Gebiete der Kindererziehung, der Küche; gab Erinnerungen von ihren Reisen und von hervorragenden Persönlichkeiten heraus, hielt Vorträge, redigierte die Berliner Hausfrauenzeitung ganz allein — und erzielte dennoch keine nennenswerten Einnahmen. Ihr eminenter Fleiß, ihre riesige Arbeits-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.